Eine ungewöhnliche Automatikuhr

Moritz Grossmann Autum Hamatic: Da hängt der Hammer!

Das Kaliber MG 106.0 in der roségoldenen Moritz Grossmann Atum Hamatic ist anders als das, was man aus der Selbstaufzugsszene kennt. Genau das macht für anspruchsvolle und hinreichend zahlungskräftige Liebhaber den Reiz der Marke wie des Modells aus. Das gilt es über die ungewöhnliche Moritz Grossmann Lösung zu wissen.

Moritz Grossmann – etwas für Kenner und Liebhaber

A. Lange & Söhne kennt man gut, Nomos, Mühle und Glashütte Original ebenso. Etwas anders sieht es bei Moritz Grossmann aus. An den großen Glashütter Uhrmacher, eine vielseitige Koryphäe im wahrsten Wortsinn erinnern sich nur wenige Zeit-Genossen. Und das ist kein Wunder. Die Geschichte seiner 1854 im abgeschiedenen Glashütte gegründeten Firma währte nämlich nur bis 1885. Neben Präzisionswerkzeugen und Gangmodellen umfasste ihre Produktion natürlich auch hochwertige Präzisionspendeluhren, Marinechronometer sowie sehr feine Taschenuhren. Ganz nebenbei hielt der polyglotte Tausendsassa auch Vorträge. Er verfasste Artikel für in- und ausländische Fachzeitschriften und dazu bemerkenswerte Bücher, was für ein breites Talent.

Ein Mann mit Verantwortung

Erwähnenswert ist schließlich auch sein soziales Engagement, die Gründung der Deutschen Uhrmacherschule in Glashütte und das Bemühen um eine Eisenbahnverbindung von Dresden ins eher einsame Müglitztal. Am 23. Januar 1885 hielt Moritz Großmann in Leipzig ein Referat über die „Die Einführung der Weltzeit“. Kurz danach raffte ihn ein Hirnschlag hinweg. Bester Beweis für die große Beliebtheit dieses Mannes: Bei der Überführung des Leichnams nach Glashütte säumten mehr als tausend Menschen den Straßenrand. Seiner angesehenen Glashütter Manufaktur half das indes auch nicht, denn nach dem Tod verschwand sie quasi spurlos von der Bildfläche. Bis zur Reanimierung des Namens im Jahr 2008 durch Christine Hutter und ihre Familie lebte Großmann allein in den Köpfen und Sammlungen eines kleinen aber feinen Kreises ausgewiesener Liebhaber Glashütter Uhrmacherkunst weiter.

Die zehn mm große Grossmann-Unruh mit vier Masse- sowie zwei Regulierschrauben im klassischen Pfeilerwerk mit 2/3-Platine teilt die Zeit in Sechstelsekunden-Abschnitte

Moderne Automatik im alten Stil

Natürlich gab es zu Lebzeiten von Moritz Grossmann schon Taschenuhren mit Selbstaufzug. Im Gegensatz zu A. Lange & Söhne entwickelte und baute er selbst aber keine. Also bleibt die Lancierung des ersten Automatikwerks mit dieser Signatur seinen Nachfolgern vorbehalten. Die stellten während der Baselworld 2018 das –wie üblich- etwas anders gestaltete Kaliber 106.0 vor. In der Tat fällt das Oeuvre aus dem heute allgemein gepflegten Selbstaufzugs-Rahmen. Als Basis diente den Konstrukteuren ein klassisches Pfeilerwerk mit 2/3-Platine, 31,6 mm Durchmesser und 4,1 mm Bauhöhe. Für die Teilung der Zeit in Sechstelsekunden-Abschnitte zeichnet eine zehn mm große Grossmann-Unruh mit vier Masse- sowie zwei Regulierschrauben Zusammenspiel mit einer Ankerhemmung verantwortlich.

Das fein dosierte Verstellen des Rückerzeigers und damit das Verändern der aktiven Länge der Breguetspirale erfolgt durch eine Madenschraube à la Großmann. Mit von der Partie sind ein Unruhstopp zum präzisen Einstellen der Uhrzeit und der bekannte Drückermechanismus zum Umschalten nach dem Zeigerstellen und -sofern erforderlich oder gewünscht- dem manuellen Spannen der Zugfeder per Wippenaufzug. Das Energiebündel speichert Kraft für maximal 72 Stunden Gangautonomie.

Neu mit Tradition

Einerseits ganz neu und ungewöhnlich, zum anderen jedoch sehr traditionsverhaftet präsentiert sich die so genannte „Hamatic“. Sie verkörpert eine Reise in vergangene, bei Kennern nicht ganz unumstrittene Epoche des automatischen Aufzugs. Bekanntlich hatte Abraham-Louis Perrelet 1770 eine Taschenuhr mit unbegrenzt drehendem Rotor vorgestellt. Breguet, Cox, Dussault, Jaquet-Droz, Loehr, Romilly, Sarton und andere setzen hingegen auf die von Pedometern abgeleiteten Pendelschwungmassen. Für Armbanduhren griff Rolex 1932 die Perrelet’sche Idee wieder auf. Wasserdichter Patentschutz hinderte die Konkurrenz mehr als zehn Jahre daran, mit Aegler und Wilsdorf gleich zu ziehen. Also verwendete sie nolens volens die überlieferten Hammeraufzüge in unterschiedlichen Ausprägungen.

Dieses System wandte auch Audemars Piguet 1986 beim ersten seriell gefertigten sowie ultraflach ausgeführten Armband-Tourbillon an. Und nun beschert ihm Moritz Grossman ebenfalls ein Comeback. In diesem Sinne ist „Hamatic“ nichts anderes als ein Kürzel des durchaus sperrigen Worts Hammeraufzugsautomatik. Selbige lässt sich natürlich durch den Sichtboden der 41 Millimeter messenden „Atum“-Armbanduhr mit Edelmetallgehäuse studieren. Darüber hinaus findet beim Tragen auch im vorderen Zifferblattausschnitt links und rechts der kleinen Sekunde einiges an Bewegung statt. Die für kontinuierlichen Energienachschub zuständige Pendelschwungmasse agiert in beiden Bewegungsrichtungen. Gegenüber ihrem Drehpunkt zwischen Unruh und Federhaus befindet sich der unverzichtbare Massekörper. Die Übertragung der kinetischen Energie zum Federhaus bewirken eine Hammerfeder, zwei links und rechts am Werk befestigte Klinkenhebel, ein Reduktions-, Freilauf- sowie Sperrrad. Schnelle, sehr kraftvolle Bewegungen dämpfen und begrenzen ein System aus Fangschieber und festen Endanschlägen. 324 Komponenten braucht es für ein Exemplar des Kalibers 106.0. Dazu gehören 39 funktionale Steine. Drei davon sind in verschraubten Goldchatons gefasst. Exklusivität wie diese hat natürlich ihren Preis: Mit Roségoldgehäuse werden 44.800 Euro fällig

Moritz Grossmann Atum Hamatic mit Roségoldgehäuse

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