Zeit-Signale

Auch im Internet-Zeitalter kennen selbst Kinder das von Radiosendern ausgestrahlte Zeitsignal. Grafisch umgesetzt besteht es aus akustischen Punkten und Strichen. Es ist die Basis für das Verständnis der Mido Radiotime Vintageuhr.
In Deutschland reicht die Geschichte der Übermittlung von „Zeitpunkten” zur Korrektur von Uhren zurück bis 1880. Jeweils samstags erhielt die Uhrmacherschule Glashütte von der Berliner Sternwarte ein telefonisches Zeitzeichen. Dieses diente zur magnetischen Korrektur des Zeitnormals dieser Einrichtung, einer präzisen Sekundenpendeluhr.

1905 kam in den Vereinigten Staaten von Amerika kam das erste Zeitzeichen per Funk. Dem hinkte Europa sechs Jahre hinterher. Erst 1911, und zwar ab dem 1. Mai, strahlte auch der Pariser Eiffelturm ein Funk‑Zeitzeichen aus.

Das älteste und bekannteste per Rundfunk verbreitete Zeitzeichen heißt ONOGO. Besitzer entsprechender Empfänger konnten es von 1923 bis 1945 empfangen. Lieferant dieses für damalige Verhältnisse höchst akkuraten akustischen Signals war die Sternwarte Babelsberg der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Während fünf Minuten konnte man Uhren exakt mit Hilfe der so genannten Auge‑Ohr‑Methode richten. Die Lieferung der Informationen erfolgte durch die Buchstaben O‑N‑O‑G‑O des bekannten Morsealphabets. 

Mido RadioTime

Die präzise Korrektur einer Armband‑ oder Taschenuhr mit Hilfe dieses Zeitzeichens bereitete jedoch gewisse Probleme, weil die Zeiger nicht beliebig vor‑ oder zurückgestellt werden konnten. Bei der Lindbergh löste Longines das Problem mit Hilfe einer drehbaren Scheibe.

Mido präsentierte 1939 mit dem rechteckigen Modell Radiotime eine durchdachte Armbanduhr mit dem Formkaliber 800, welche irgendwie an einen Chronographen erinnert. Durch Betätigung des in die Krone integrierten Drückers werden Stunden‑, Minuten‑ und Sekundenzeiger mit dem Zeitsignal in Übereinstimmung gebracht.

Mido Radiotime Journal Suisse dHorlogerie 1939

Erstmals vorgestellt 1939 im Journal Suisse d'Horlogerie: Mido RadioTime

In Fachzeitschriften sprach Mido den Fachhandel mit folgenden Worten an: „Es gibt keine absolute Präzision; doch eine genaue Uhr braucht eine präzise Zeigerstellvorrichtung, mit der auch die kleinsten Abweichungen korrigiert werden können. Bieten Sie nun die Mido‑Radiotime an, die erste Armbanduhr, mit herausragender Genauigkeit, welche dem Besitzer die Möglichkeit bietet, Stunden, Minuten und Sekunden mit dem Radiosignal zu synchronisieren.”

Die dazu erforderliche Hebelwerk fand sich unter dem Zifferblatt des 18,05 x 20,3 Millimeter großen, 15-steigigen Handaufzugswerks 800 mit Glucydur-Schraubenunruh, Flachspirale und 2,5 Hertz Frequenz. Beim Druck auf die Krone wird der kleine Sekundenzeiger nullgestellt. Der Minutenzeiger rückt dabei auf den entsprechenden Strich der Minuterie. Und der Stundenzeiger wird ebenfalls, aber nur sehr geringfügig angepasst.

Bei Sammlern und Liebhabern betagter Armbanduhren aus dem Hause Mido steht das Modell Mido Radiotime besonders hoch im Kurs.