Uhrenmanufaktur LIP
Der standhafte Uhrmacher aus der Jurametropole Besancon

Mit französischen Uhren verknüpft man in aller Regel die Stadt Besançon. Diese Jurametropole beherbergte in der Vergangenheit viele namhafte Uhrenhersteller. Einer davon ist LIP

Der standhafte Uhrmacher aus der Jurametropole Besancon

Art-Déco-Armbanduhr von Lip Besancon, ca. 1940

Die ehemalige Uhrenmanufaktur LIP besaß die schönste Lage, die man sich vorstellen kann: Drei Seiten werden von der Doubs umflossen, die vierte Seite schirmt ein recht steiler Felsen ab, auf dem der große französische Baumeister Vauban majestätisch eine Zitadelle plazierte. Und jenseits des stattlichen Flusses umgeben fruchtbar Hügel die französische Stadt, von der hier die Rede ist: Besançon. Die Bedeutung des Uhrmacherhandwerks signalisiert trefflich die berühmte astronomische Uhr aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Sie befindet sich im Glockenturm und bietet auf ihren 70 Zifferblättern 1200 verschiedene Informationen.

In dieser Stadt, welche man als die Wiege der französischen Uhrenindustrie bezeichnen kann, gründete Emmanuel Lipmann, Sohn eines elsässischen Uhrmachers, 1867 ein Uhren-Comptoir. 1890 beschäftigte er in seinen eigenen Räumen bereits 20 Arbeiter; 15 weitere erledigten ihre Aufträge zuhause. Irgendwann überkam Lipmann die Idee, seine Uhren mit einer Signatur zu versehen. Weil sich das sehr deutsch klingende Lipmann für den französischen Markt eher schlecht eignete, verfiel Emmanuel auf das Kürzel LIP.

Der Wechsel

1900 übernahmen die Söhne Camille und Ernest die Regie. Sie machten aus LIP eine Manufaktur, deren Werkstätten an der Rue des Chalets lagen. Ernest Lipmann, vor dem Zweiten Weltkrieg Leiter des Unternehmens, war Präzision ein großes Anliegen. Eine seiner Uhren erreichte 1936 den Präzisionsrekord des Nationalen Observatoriums Besançon. Auf seine Initiative ging auch ein Armband-Tourbillon mit Formwerk zurück, das um 1948 von sich reden machte. Zu dieser Zeit übernahm Fred Lip, ein diplomierter Uhrmacher der Uhrmacherschule Besançon und Enkel des Firmengründers, die Generaldirektion des Hauses LIP. Unter der Leitung Fred Lips arbeiteten zu Beginn der fünfziger Jahre ca. 650 Menschen für Lip. Die normale Tagesproduktion lag bei etwa 1000 Uhren. Fred Lip modernisierte den Maschinenpark komplett und war stolz darauf, “eine der schönsten Ateliers der Welt” zu besitzen.

Aber das allein reichte ihm nicht und so führte LIP als erste europäische Marke die unzerbrechliche Zugfeder “Elgiloy” ein. Die damit ausgestatteten Armbanduhren waren höchst robust. Das bekannte Modell “Himalaya” begleitete die französischen Expeditionen u.a. 1950 und 1951. Um die überragende Qualität von “Elgiloy” beweisen zu können, installierte LIP zwei selbstentwickelte Demonstrationsmaschinen. Sie verblüfften die Besucher des 1. Uhrensalons, der von 5. bis 30. Juni 1951 im Rahmen der Zweitausendjahrfeiern von Paris stattfand.

Eine Maschine führte ein Federhaus mit normaler Zugfeder vor, die andere “Elgiloy”. Dabei brach die normale Feder viermal so schnell wie “Elgiloy”. Eine weitere Apparatur zeigte die Widerstandsfähigkeit des Materials gegen Säure. Zu diesem zweck wurden zwei komplette Uhren hochprozentige Säure getaucht. Nach wenigen Minuten war die eine Uhr komplett aufgelöst, von der zweiten blieb nur die “Elgiloy”-Feder übrig.

Die abgebildete Armbanduhr aus den frühen vierziger Jahren besitzt das 7 3/4 x 11 linige Kaliber T 18, welches im Gehäuse zusätzlich von einer Weicheisenkapsel überdeckt wird. Der Anker ist lateral ausgeführt, d.h. die Paletten stehen im Winkel von ca. 90 Grad zur Ankergabel. Interessantes Qualitätsmerkmal ist ferner die Verwendung einer Breguetspirale.

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