Audemars Piguet Remaster 01 Chronograph
Audemars Piguet Remaster 01 Chronograph: Die pure Nostalgie!

Nur 500 Exemplare fertigt Audemars Piguet vom herrlich nostalgisch auftretenden Audemars Piguet [Re]master01 Chronograph. Wie beim Vorbild aus dem Jahr 1943 besteht das Gehäuse aus Stahl und Rotgold. Dafür arbeitet nun ein interessantes Werk aus eigener Manufaktur.

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Von 1943 ins Jahr 2020. Rechts der Audemars Piguet Chronograph Referenz 26595SR.OO.A032VE.01

eIn Chronographischer Spätzünder

In Sachen Armband-Chronographen kann Audemars Piguet (AP) trotz des hier vorgestellten Audemars Piguet Remaster 01 Chronograph. Audemars selbst schreibt ihren Chronographen mit einem in Klammer gesetztem Re-, also [Re]master01. Dies ändert aber nichts daran, dass die Marke mit Fug und Recht als Spätzünder gelten. Während die Stoppfunktion schon Ende des 20. Jahrhunderts ans Handgelenk fand, ließ sich das 1875 im Vallée de Joux gegründete Familienunternehmen Audemars Piguet mit diesem Thema nämlich bis 1930 Zeit. In besagtem Jahr lieferte sie jedoch auch nur ein Weißgold-Chronographen mit dem Handaufzugskaliber LeCoultre 11GCCV.

Womit nicht gesagt sein soll, dass es an einschlägiger uhrmacherischen Kompetenz mangelte. Firmengründer Jules Audemars hatte sich von Anbeginn der Kurzzeitmessung gewidmet und sogar eine ganze Reihe komplizierter Mikrokosmen angefertigt.

Als er sich 1881 mit Edward-Auguste Piguet zu Audemars Piguet & Cie. zusammenschloss, brachte er als Startkapital insgesamt 18 teilweise oder komplett fertiggestellte Uhrwerke ein. Gegen 1885 entstand in Le Brassus eine seltene Taschenuhr mit Minutenrepetition und echtem Doppelchronograph. Zwei getrennte Mechanismen jeweils mit Schaltrad und Horizontalkupplung gestatteten dabei das unabhängige Stoppen zweier Begebenheiten.

Ganz abgesehen davon spielten Taschenchronographen ohne oder mit weiterer Funktion in der Produktpalette stets eine wichtige Rolle.

Stopper fürs Handgelenk

Zurück zu den Armbandchronographen. Nach dem massiven New Yorker Börsenkrach im Jahr 1929 warf die Weltwirtschaftskrise bereits ihre langen Schatten voraus. 1930 sahen sich Paul-Louis Audemars und sein Partner Paul-Edward Piguet deshalb gezwungen, ihre Mitarbeiter zwei Monate lang nach Hause zu schicken. In besagtem Jahr verließen neben dem erwähnten kissenförmigen Chronographen nur 452 weitere Uhren die Ateliers. 1931 sank diese Zahl auf 53 und im Folgejahr auf nur noch zwei Exemplare. 

Allerdings – Armbandchronographen waren nicht darunter.

Unter den sich abzeichnenden Umständen hatten die beiden Eigentümer bei der befreundeten Rohwerkeschmiede LeCoultre im benachbarten Le Sentier sehr sparsam eingekauft. Insgesamt nahmen nur sechs Ebauches des flach ausgeführten, hoch feinen und entsprechend kostspieligen 11-linigen Uhrwerks 11GCCV mit Ein-Drücker-Steuerung der Stoppfunktion den Weg nach Le Brassus. Top-Standard signalisieren die Lagerung des Kupplungshebels auf dem Kloben des Sekundenrads, die Abdeckung auf dem Schaltrad sowie eine Malterserkreuz-Stellung auf dem Federhaus. Insofern sind damit ausgestattete Armbanduhren eine ungemeine Rarität.

Vallée de Joux-Kooperation

Als es langsam wieder aufwärts ging, wandte sich Audemars Piguet einem anderen Unternehmen im Joux-Tal zu. 1901 hatten die Brüder John und Charles Reymond in Les Bioux eine kleine Werkstatt für Uhrenteile eröffnet. Mit Blick auf die Zukunft, also die Erfordernisse der Wissenschaft, des Militärs und der Welt des Sports beschäftigten sie sich bereits mit der Konzeption und Herstellung von Uhrwerken zur Kurzzeitmessung. 1909 folgte ein Umzug in die leerstehende Immobilie der „Val de Joux Watch Co.“. Inzwischen war wurde Ruf nach Armbandchronographen immer lauter. Die Brüder Reymond reagierten durch die Entwicklung des 14-linigen Kalibers 22. Seine Serienreife erlangte das 32,6 mm große Uhrwerk 1914.

Zwei Jahre später folgte ein echter Bestseller in Gestalt des nurmehr 13-linigen Kalibers 23 VZ. Bei 29,5 Millimetern Durchmesser baute dieses Handaufzugswerk 5,85 Millimeter hoch. Dank zukunftsweisender Konstruktion und hoher Zuverlässigkeit diente es der Crème de la Crème als Plattform für ihre Armbandchronographen. Neben Audemars Piguet setzten unter anderem auch Patek Philippe, Rolex und Vacheron Constantin auf dieses Kaliber mit Schaltradsteuerung und 30-Minuten-Totalisator. Von 1916 bis 1974 entstanden von dem sukzessive optimierten Uhrwerk 126.582 Exemplare. 1938 gesellte sich das gleich große, aber 1,1 Millimeter höher bauende Kaliber 72 VZH hinzu. Der Buchstabe H stand für den zusätzlichen, unterm Zifferblatt direkt mit dem Federhaus gekoppelten 12-Stunden-Totalisator.

Beim Kaliber 23 ist zu unterscheiden zwischen der frühen Ausführung mit nur einem Drücker bei „2“. Start, Stopp und Nullstellung folgen hier zwangsläufig aufeinander. Audemars Piguet nannte das von 1933 bis 1934 in einer Auflage von 19 Stück hergestellte Uhrwerk 13 Chrono. Auf summa summarum 188 Exemplare beläuft sich bei AP die Fertigung des Kalibers 13VZA zwischen 1933 und 1946.
Dahinter verbirgt sich das Valjoux 23 mit getrennten Drückern für Start und Stopp bei „2“ sowie Nullstellung bei „4“. Drittes im Bunde war das von AP zwischen 1939 und 1946 hergestellte 13VZAH mit Stundenzähler. Die Verkäufe der 94 Einheiten erfolgten ab 1941.

Genau 21 Jahre später, also 1962 endete in Le Brassus die Geschichte der Armbanduhren mit Handaufzug und Chronograph. Bei nur 307 produzierten Werken aller genannten Kaliber kann man von echten Raritäten mit hohem Sammlerpotenzial sprechen. Die verwendeten Gehäuse, Zifferblätter und Zeiger entsprachen dem jeweiligen Stil der Zeit.

Extrem selten sind übrigens Armbandchronographen mit dem 10½-linigen Kaliber Valjoux 69 DX. Davon verkaufte das Mitglied der Ebauches SA zwischen 1936 und 1966 lediglich 3.964 Stück. Audemars Piguet bezog vermutlich 22 Werke.

Womöglich nur zwei Armbanduhren lieferte AP mit dem 14-linigen Stundenzähler-Valjoux 71 GHH vulgo 14VZH. Bleibt zu guter Letzt eine einzige Gold-Armbanduhr mit dem durch einen Schleppzeiger aufgerüsteten Kaliber 13VZAH. 1949 nahm sie ihren Weg in die USA.

Automatik-Chronographen by AP

Nach beinahe 25 Jahren chronographischer Abstinenz startete Audemars Piguet 1986 ins Automatik-Zeitalter. Die Renaissance der Mechanik verlangte zwingend nach diesem Schritt. Im Gehäuse der so genannten „Huitieme“ tickt jedoch nicht, wie der erste Eindruck vermitteln könnte, ein Valjoux 7750. Auf dieses Niveau wollte man im Jouxtal nicht hinabsteigen. Beim verbauten Kaliber 2126/2840 handelte es sich um ein Sandwich aus dem Automatikkaliber 889 von Jaeger-LeCoultre mit vorderseitigem Stoppmodul von Dubois-Dépraz.

Erkennbar am tief, weil auf der Vorderseite des Basisuhrwerks drehenden Datumsring sowie der v-förmigen Anordnung von Drücker und Aufzugskrone. Das gleiche Uhrwerk arbeitete in dem1989 begonnenen und ab 1993 verkauften Audemars Piguet Royal Oak Offshore-Boliden.

Inzwischen misst und stoppt die Zeit das ebenfalls modular aufgebaute Automatikkaliber 3126/3840. Als Basis und Antrieb für die weiterhin von Dubois-Dépraz beigesteuerte Stopp-Mechanik dient das hauseigene Automatikkaliber 3120 mit drei Hertz Unruhfrequenz.

Weil der klassischen „Royal Oak“ mehr als sieben Millimeter Werkshöhe schlecht zu Gesicht gestanden wären, kaufte AP das 5,5 Millimeter flache Automatikkaliber 2385 für den 1997 lancierten Chronographen beim Nachbarn Frédéric Piguet ein. Der hatte es ab 1983 für Blancpain entwickelt und 1987 zunächst als exklusives Kaliber 1185 mit Schaltradsteuerung und modernen Vertikalkupplung auf den Markt gebracht.

Zeitschreiber aus eigener Manufaktur

Nach dem Motto „gut Ding braucht Weile“ startete 2019 das insgesamt 367 Komponenten assemblierte Manufakturkaliber 4401 in die Welt der Chronographen. Dem Debut in der ebenfalls neuen Linie Code 11.59 waren mehrere Jahre intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit vorausgegangen.

Unser neues Automatikkaliber 4401 mit Chronograph haben wir konzipiert für eine Produktion in Tausenderserien.

François Bennahmias

CEO, Audemars Piguet

Weil Zeit auch im 21. Jahrhundert nichts respektiert, was ohne sie geschaffen wurde, blies der CEO nicht unbedingt zu Eile. Über kurz oder lang soll der zeitschreibende Newcomer auch in der Royal-Oak-Linie zu finden sein. Der massivgoldene Rotor des 32 Millimeter großen und 6,8 Millimeter hoch bauenden Uhrwerks spannt die Zugfeder in beiden Drehrichtungen. Die dort gespeicherte Energie reicht für circa 70 Stunden Gangautonomie. Folglich oszilliert die Unruh mit variabler Trägheit auch nach einem unbewegten Wochenende unverdrossen mit vier Hertz. Winzige Keramikkugeln im Rotorlager mindern den Verschleiß. An mittlerweile fast schon gewohnter Stelle zwischen „4“ und „5“ findet sich das Fenster der digitalen Datumsindikation.

Als Steuerelement des Chronographen dient selbstverständlich ein überliefertes, aber ungewöhnlich ausgeformtes Schaltrad. Die Verbindung zwischen Stopper und tickendem Motor stellt per Knopfdruck eine vertikale Reibungskupplung her. Auf waagrechter Linie von „9“ zur „3“ hat das Konstruktionsteam die bis 30 Minuten bzw. 12 Stunden reichenden Zähler positioniert. Die vom Kaliber FP 1185 oder AP 2385 bekannte Anordnung gestattet das Nullstellen mit Hilfe eines linearen Schiebers.

Bei „6“ rotiert die Permanentsekunde als Funktionskontrolle. Zu den Merkmalen des Chronographen gehört schließlich auch die Möglichkeit permanenter Nullstellung ohne Zwischenstopp. Besser bekannt ist diese zeitsparende Funktion als Flyback.

Perfekter Retrolook der Audemars Piguet Remaster 01 Chronograph

Für das vom neuartigen Coronavirus stark beeinflusste Uhrenjahr 2020 blickten die Produktgestalter von Audemars Piguet tief in die hauseigenen Chronographen-Archive. Dort entdeckten sie Fotos mit den Nummern 1532 und 1533.

Beide zeigen Armbanduhren mit 36 Millimetern Durchmesser und den für die frühen 1940-er Jahre typischen Bandanstößen in Form eines Tropfens. Das Basisgehäuse besteht aus Edelstahl, Glasrand, Krone und die olivenförmigen Drücker hingegen aus Rotgold. Als Lieferant der augenfälligen Schale mit handschmeichlerischen Qualitäten fungierte der erfahrene Gehäusefabrikant Wenger in Genf. Ihm verdankte Jaeger-LeCoultre beispielsweise die Reverso. Auch Patek Philippe und Vacheron Constantin bezogen einen Teil ihrer Schalen von diesem Spezialisten.

In den Archiven von Audemars Piguet sind von besagtem Gehäuse der Forme 10198 insgesamt 22 Stück dokumentiert. 

Neun davon beseelte das Kaliber 13VZA mit 30-Minuten-Zähler bei „3“. Eines fand 1948 mit entsprechender Bodengravur ans Handgelenk von Henry James „Harry“ Fowler.

Da agierte der 1926 geborene englische Schauspieler im Streifen „A Piece of Cake“.

In weiteren neun Gehäusen verbaute AP das Kaliber 13VZAH mit 12-Stunden-Totalisator. Letztgenanntes Modell diente Audemars Piguet als Vorbild für die neue, auf 500 Exemplare limitierte Chronographen-Referenz 26595SR.OO.A032VE.01. Der Namenszusatz [Re]master01 weist darauf hin, dass weitere Retromodelle dieser Art folgen werden.

Gestalterisch hält sich die auf 500 Exemplare limitierte Re-Edition beinahe sklavisch an das Vorbild aus dem Jahr 1943. Das zeigt sich einmal in der Signatur „Audemars Piguet & Co Genève“. Obwohl grundsätzlich im Jouxtal zu Hause, hatten die beiden Firmengründer gegen 1885 ein Genfer Büro eingerichtet. Mit dieser Stadt als Herkunftsbezeichnung wusste die internationale Kundschaft mehr anzufangen. Wie einst unterscheidet sich die Farbe der Zeiger auch bei der [Re]master01 gemäß ihrer Funktion: Gold für die Zeitanzeige und blau für die Stoppfunktion.

Bleibt ein drittes Detail als Hommage an den 2003 verstorbenen Jacques-Louis Audemars.

Der Enkel des Firmengründers war ein passionierter Fußballfan. Daher ließ er bei vielen der frühen Handaufzugschronographen das Feld des Minutenzählers zusätzlich mit einer roten und damit kaum übersehbaren 45 bedrucken. Auf diese Weise hatte der ausgebildete Uhrmacher das Ende der Fußball-Halbzeiten in spannenden Situationen besser im Blick.

Ausdruck uhrmacherischer Moderne sind der Saphirglas-Sichtboden, das hauseigene Automatikkaliber 4409 selbstverständlich ohne Fensterdatum und die allerdings sehr moderate Wasserdichte bis zu zwei bar Druck. Schließlich spiegelt auch der Preis die Gegenwart wider: 53.500 Euro.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

Audemars Piguet

Name

[Re]master01 Chronograph Automatik 40 mm

Referenz

26595SR.OO.A032VE.01

Premiere

Mai 2019

Uhrwerk

Manufakturkaliber 4409

Aufzug

automatisch

Gangautonomie

ca. 70 Stunden

Komponenten

349

Unruhfrequenz

vier Hertz

Anzeige

Stunden, Minuten Permanentsekunde

Zusatzfunktionen

Schaltrad-Chronograph mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler

Gehäuse

Stahl und Rotgold

Durchmesser

40 Millimeter

Wasserdichte

zwei bar (20 Meter)

Armband

Hellbraunes Kalbsleder mit Edelstahl-Dornschließe und zusätzliches

Krokoband

Preis

53.500 Euro

Limitierung

500 Stück

Audemars Piguet Automatik Chronograph Referenz 2659SSR.OO .A032VE.01 Foto GLB 07

Im Profil: Audemars Piguet Automatik-Chronograph Referenz 2659SSR.OO.A032VE.01

Audemars Piguet Automatik Chronograph Referenz 2659SSR.OO .A032VE.01 Foto GLB 08

Die tropfenförmigen Bandanstöße sind, wie damals üblich, weit heruntergezogen.

Rezension

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Zusammenfassung Nur 500 Exemplare fertigt Audemars Piguet vom herrlich nostalgisch auftretenden Audemars Piguet Remaster 01 Chronograph. Wie beim Vorbild aus dem Jahr 1943 besteht das Gehäuse aus Stahl und Rotgold. Dafür arbeitet nun ein interessantes Werk aus eigener Manufaktur.

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Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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