Chrono Sapiens: Alexander Gutierrez Diaz, CEO Lang & Heyne

Alexander Gutierrez Diaz, CEO Lang & Heyne: Für mich hat der Heimatmarkt absolute Priorität!

Seit rund einem halben Jahr hält Alexander Gutierrez Diaz das Ruder bei der kleinen aber feinem Uhrenmanufaktur Lang & Heyne in der Hand. Der Uhrenkosmos befragte den neuen Chef mit reichlich Erfahrungsschatz im Richemont-Konzern zu seinen Plänen und Projekten

Zu Beginn erst einmal herzliche Glückwünsche zur ersten CEO-Position in Ihrer beruflichen Karriere. Wie fühlen Sie sich nach etwa einem halben Jahr im Amt?

Alexander Gutierrez: Ich fühle mich hervorragend sowie bestätigt, alles richtig gemacht zu haben.

Sie sind von Richemont, einem großen Luxuskonzern, zum einer sehr exklusiven kleinen Uhrenmanufaktur gestoßen. Spüren Sie die Unterschiede und wenn ja, welche?

Die insgesamt 21 Jahre bei Richemont habe ich sehr genossen. Ich wurde gefordert und gefördert. Eine gute Zeit. Größter Unterschied sind die Entscheidungswege. Diese sind der Struktur und Größe des Unternehmens geschuldet. Zum anderen bin ich nun selbst CEO und muss mich nicht mehr mit den zahlreichen Vorgesetzten, Gremien und Entscheidungsebenen eines Konzerns befassen.

Hatten Sie sich vorher schon mit Lange & Heyne beschäftigt?

Tatsächlich kannte ich die Marke. Bei diversen Uhrenmessen habe ich die Uhren gesehen und die damit verknüpfte Handwerkskunst bewundert.

Was speziell hat Sie an Lang & Heyne gereizt?

Als neuer CEO an der Marke selbst, dass sie ein seltener und noch ungeschliffener Diamant ist. Am Produkt, dass wir es hier mit tradiertem, feinstem Kunsthandwerk und schlichter Eleganz zu tun haben. Man spürt wahre Entschleunigung, Wahrhaftig- und Zeitlosigkeit. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Marke eine große Zukunft bevorsteht. Schön, dass ich diese begleiten und mitgestalten darf.

Wie erleben Sie die neuen Kolleginnen und Kollegen. Wie geht es Ihnen in der wunderschönen Stadt Dresden?

Stadt, Land und Leute sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Ich habe mich in die Stadt und vor allem in das Umland verliebt. Die Menschen erlebe ich als sehr fleißig und motiviert – vor allem wird ein intensives Zusammengehörigkeitsgefühl gelebt.

Alexander Gutierrez Diaz, worin bestehen aus aktueller Sicht die größten Herausforderungen bei Lang & Heyne?

Aktuell überarbeite ich alle Facetten der Marke. Von der Produktion, Einkauf, Entwicklung bis hin zu Marketing und Vertrieb. Die größte Herausforderung liegt darin, die Stückzahlen dezent zu steigern ohne den Markencode zu verletzen. Letztlich brauchen wir mehr Uhren, um Nachfrage und Markt besser bedienen zu können. Dies jedoch in einer Dosis, welche Lang & Heyne vom Parallelmarkt und von Discounts fernhält.

In Japan erfreut sich Lang & Heyne äußerst positiver Resonanz. Was zeichnet die Kunden im Land der aufgehenden Sonne aus?

Zum einen lieben die Japaner „Made in Germany“-Produkte, zum anderen legen sie großen Wert auf feinste Handwerkskunst. Und genau diese beiden Attribute vertreten wir.

Welche sind die wichtigsten Lang & Heyne-Märkte?

Im Fernen Osten neben Japan auch Taiwan. Gute Entwicklungen zeigen sich des Weiteren in Hong Kong.

Gibt es Märkte, denen Sie für die Zukunft besondere Bedeutung beimessen?

Sehr gerne möchten wir in unserem Heimatmarkt Deutschland, sowie in Mitteleuropa, Skandinavien und den USA wachsen.

Welche Bedeutung hat der anspruchsvolle deutsche Markt für Lang & Heyne?

Für mich hat der Heimatmarkt absolute Priorität. Hier sind wir zu Hause und hier produzieren wir. Momentan sind wir an wichtigen Stellen noch nicht vertreten. Dies versuche ich durch eine intensive Kampagne, durch Engagement, Kommunikation und den Vertrieb schnellstmöglich zu ändern. Der deutschsprachige Raum muss meiner Ansicht nach in Zukunft der wichtigste Markt sein.

Sie sind Spezialist für Online-Vertriebswege. Wie sehen Sie diesbezüglich die Zukunft von Lang & Heyne? Kauft man sich denn eine Luxusuhr der absoluten Spitzenklasse im Internet?

Aus den in meinen bisherigen Positionen gesammelten Erfahrungen heraus weiß ich, dass es prinzipiell möglich ist, Uhren weit über 15.000 Euro auch online zu verkaufen. Durch den ausgesprochen hohen handwerklichen und ästhetischen Anteil in unseren Uhren haben wir einen verstärkten Erklärungsbedarf. Dieser wird aktuell in der Hauptsache durch einen stationären Verkauf gewährleistet. Somit messe ich für die Marke derzeit dem Thema eCommerce eine geringere Bedeutung zu.

Lang & Heyne produziert jedes Jahr höchsten 100 Uhren. Wie sieht denn Ihre Wachstumsstrategie aus?

Mit Blick auf 2021 plane ich für das aktuelle Sortiment keine höheren Stückzahlen. Dort werden wir besagte 100 Uhren nicht überschreiten. Wachsen werden wir im nächsten Jahr jedoch in ähnlicher Größenordnung durch den Launch einer neuen Stahl-Kollektion.

Welches sind denn die Bestseller in der kleinen aber hochfeinen Kollektion?

Unsere rechteckige Uhr Georg begeistert durch ihre Architektur und ihr Design, die Friedrich III durch schlichte Eleganz. Kein Wunder, dass diese beiden Modelle unsere Bestseller sind.

Zukunftspotenzial bieten ja auch weitere Komplikationen wie zum Beispiel Jahreskalender oder ein Repetitionsschlagwerk. Ein Uhrwerk mit automatischem Aufzug existiert ebenfalls noch nicht. Was ist Ihre Meinung hierzu?

Gegenwärtig entwickeln wir in diverse Richtungen, beginnend mit einem neuen Basiskaliber bis hin zu spannenden Komplikationen. Ein Automatikwerk ist im ersten Schritt indessen nicht geplant.

Gegenwärtig startet das Preisspektrum von Lang & Heyne bei ambitionierten 20.000 Euro. Dafür gibt es ein Stahlgehäuse. Denken Sie daran, die Einstiegspreislage irgendwann nach unten zu verlagern?

Die für 2021 angedachte Stahlkollektion wird mit einem Preispunkt unter 20.000 Euro starten, sodass wir neue Kunden, Zielgruppen, Märkte und Verkaufspunkte ansprechen. 

Unter Ihrem Dach befinden sich ja die Uhren Werke Dresden, deren CEO Sie auch sind. Die UWD haben ein attraktives und zugleich auch recht preiswertes Handaufzugswerk im Programm. Lässt sich das wie auch immer für Lang & Heyne nutzen? Zum Beispiel für eine Einstiegskollektion?

Die Konstruktion des UWD Kalibers ist spannend und interessant. In der aktuellen Ausführung hinsichtlich Technik und Finish jedoch nicht auf einem Lang & Heyne-Level. Die Marke könnte dieses Werk nur in modifizierter und aufgewerteter Version nutzen. Andererseits wird das Werk auch wie die Produkte von Lang & Heyne hundertprozentig in unseren Räumlichkeiten hergestellt. Somit wäre durchaus vieles denkbar.

Wollen Sie mit den UWD auch künftig andere Marken wie beispielsweise Sinn in Frankfurt beliefern?

Das Kaliber UWD 33.1 kaufen sowohl nationale wie auch internationale Kunden. Für mich gibt es keinen Anlass, diese Partnerschaften kurzfristig zu verändern. 

innenWenn Sie preislich nach unten gehen, müssen Sie vermutlich die Produktion steigern. Aber Sie können gegenwärtig schon gar nicht genug Uhren in die verschiedenen Märkte liefern …. Außerdem verlangen Wachstum und die von Ihnen gepflegte traditionelle Handwerkskunst verlangen nach Personal. Finden Sie in Sachsen genügend hinreichend qualifizierte Fachkräfte für die künftigen Weichenstellungen?

Wir haben in den letzten zwei Monaten fünf neue Mitarbeiter in den Bereichen Finish, Montage und CNC eingestellt und suchen händeringend noch neuen Kolleginnen und Kollegen. Wir interessieren uns für Uhrmacher, Technologen und Feinwerkzeugmacher. In der Tat ist die Auswahl lokal recht begrenzt, sodass wir nun unseren Suchradius international vergrößert haben. Vielleicht können wir auch einen Schweizer begeistern in das schöne Sachsen zu ziehen.

Hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Bewerbung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Nein, ich denke, dass die kleine Zahl derer, die in diesem Metier tätig sind, ausschlaggebend ist. Die raren Bewerbungen sind folglich nicht dem neuartigen Corona-Virus zuzuschreiben.

Welchen Personalbestand streben Sie an?

Wir streben einen Personalbestand von insgesamt ca. 35 Personen an. Daher  freuen wir uns auf zehn weitere Kolleginnen und Kollegen.

Ihre Fabrikationsstätte platzt aus allen Nähten. Sie planen aber einen modernen Erweiterungsbau. Wie ist da der Stand der Dinge?

Wir rechnen damit, dass wir bis Anfang 2022 deutlich mehr Platz und Möglichkeiten an unserem Standort haben werden. Wichtig ist, dass wir den Charme des denkmalgeschützten Stammhauses nicht verletzen und zugleich die nötigen Voraussetzungen schaffen, um unsere Ziele in der Produktion realisieren zu können.

Individualisierung lautet das Gebot der Stunde. Als kleine, aber feine Manufaktur besitzen Sie hervorragende Voraussetzungen für die Erfüllung spezieller Wünsche. Welches ist hier Ihre Strategie?

Ich werde alle Facetten des traditionellen Uhrmacherhandwerks sowie der korrespondieren Künste im eigenen Hause fördern und ausbauen. Als Stichpunkte sind die selten gewordene Technik des Emaillierens oder der Arbeit mit Porzellan im Bereich Ziffernblätter zu nennen. Hierfür werden wir Fachleuten anstellen sowie weitere Maschinen und Werkzeuge anschaffen. Letztere können neu oder aber auch antik sein. Wir wollen mit Lang & Heyne unseren Kunden ein weitreichendes Angebot an Individualisierung bieten und uns dadurch von den einschlägigen Marktbegleitern abheben. 

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