Zeitrechnung und Zeitempfinden

Zeitrechnung und Zeitempfinden – also mal philosophisch betrachtet

Seit Jahrtausenden messen Menschen die Zeit immer genauer. Doch hat Zeitrechnung und Zeitmessung nichts mit Zeitempfinden zu tun.

Wie kommt die Zeit in die Uhr

Als erwachser Mensch wissen wir gemeinhin, dass die Zeitrechnung und unser Zeitempfinden mehr darstellt denn eine physikalische Größe. Genauer gesagt: Ein insofern lebensrelevantes Allgemeinwissen, als Mangel an Zeit unseren Alltag zu oft bestimmt und ihn nicht gerade angenehmer werden lässt. Denn der Mensch braucht zunächst Zeit für die Arbeit und seine Alltagsverrichtungen. Und er braucht weitere freie Zeit, um sich als Person in seiner Kreativität wie Individualität zu entfalten.

Doch woher kommt unsere Zeit? Vor der Erfindung der Uhr hatte zunächst der Lauf der Gestirne und die Phasen der Naturzyklen in Tier- und Pflanzenwelt das Leben unserer Altvorderen in einer Abfolge strukturiert, die allerdings nur vage dem entspricht, was wir heute als „Zeit“ empfinden. Diesem naturbasierenden System mag es an physikalischer Präzision gemangelt haben – möglicher Weise entsprach es jedoch in höherem Maße dem menschlichen Wesen als das Bemessen von Zeit über Atomuhren und Millisekunde.

Das Voranschreiten der Zivilisation und das Aufkommen von komplexeren Siedlungsformen und wie das arbeitsteilige Zusammenarbeiten machten es aus ökonomischen Gründen erforderlich, dieses Leben exakter zu „takten“. Die Zeit, ehemals eine vage Aussage des Tagesablaufs – und demzufolge eine gemütliche Größe – wurde durch die Zeitrechnung und Aufteilung in strikte, fein aufgeführte Zeiteinteilungen zur Basis des gesellschaftlichen Lebens. Nun war es erstmals so, dass der Blick auf die Kirchturmuhr oder auf die Taschenuhr das Zeitempfinden bestimmte.

Logisch betrachtet, ändert die Messweise der Zeit jedoch wenig an derem tatsächlichen Bestand, denn die Zeit bleibt als Menge unverändert. Letztlich entscheidende Größe bleibt nämlich nicht Minute oder Stunde oder Tag, sondern die Lebenszeit: Deren Länge wird posthum bestimmt und – wenn wir den Grabsteinangaben Glauben schenken –, zumeist nur in Jahr und Tag bemessen. Auch wenn uns sprachlich ausgedrückt allen irgendwann einmal die Stunde schlagen sollte.
Ist der Stundenschlag demnach zum Unglücksmetrum prädestiniert? Mitnichten: Zu unserem Glück vermag uns die Uhr nicht nur Zeit nehmen, sie vermag uns – bei verständigem Gebrauch – auch Zeit zu schenken, in dem wir uns bewusst machen, wie unablässig unsere Zeit abläuft!

So betrachtet, lässt sich die Eingangsfrage relativ einfach beantworten: „Die Zeit kommt in die Uhr, indem wir sie da hineintun!“ Uns obliegt nun, sie verständig zu nutzen. 

Zeitrechnung und Zeitempfinden

Kluge Uhrensammler wissen ohnehin längst, dass das echte Glück nicht im exakten Messen der Zeit besteht. Vielmehr geht es um das zeitvergessene Betrachten der feinen Mechanik in ihrem Zusammengehen und der Freude darüber, solch ein ein kleines Kunstwerk am Handgelenk zu tragen.
Dies ist das richtige Zeitrechnung und das richtige Zeitempfinden.

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