Schweizer Uhrenindustrie Exporte Juni 2020

Schweizer Uhrenindustrie Exporte auf Talfahrt: – 49%. Halten das die Kleinen durch?

Die Schweizer Uhrenindustrie befindet sich weiterhin im festen Würgegriff des mittlerweile fast schon altbekannten Coronavirus. Die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie erholen sich extrem langsam. Allein der wichtige Exportmarkt China zeigt eine positive Entwicklung. Wird das Kapital für die vielen kleinen und mittleren Uhrenhersteller reichen?

Es fehlt knapp die Hälfte an Umsatz

Auch im Juni 2020 sanken die Schweizer Uhrenindustrie Exporte im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Deutlich heißt nicht ein bisschen. Deutlich heißt, sie haben sich fast halbiert. Ob die Talsohle nach den Fabrikschließungen und Verkaufsstopps bereits erreicht ist, lässt sich noch nicht absehen. Schließlich wütet das neuartige Coronavirus in den USA, einem der wichtigsten Exportmärkte für Schweizer Uhrenindustrie, mit geballter Kraft. Hier gaben die Ausfuhren im Juni um bemerkenswerte minus 57 Prozent nach. Auch die Entwicklung in Hongkong lässt sich schwer vorhersagen. Das Minus von 54,6 Prozent ist nur zum Teil Covid-19 geschuldet. Die unsichere politische Situation in der ehemaligen Kronkolonie beeinflusst auch die Uhrenverkäufe sehr stark. Deutlich besser behaupteten sich Deutschland (-21,3%) und Singapur (-26,0%).

Der einzige echte Lichtblick für die Schweizer Uhrenindustrie Exporte ist China. Um 47,7 Prozent gegenüber dem Juni 2019 gestiegene Exporte nach China, wo sich das Leben wieder normalisiert, konnten die Verluste indessen nicht wettmachen. Summa summarum sank der Wert aller Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 49% auf 1,1 Milliarden Schweizerfranken. Verglichen mit den ersten sechs Monaten 2019 gaben die Ausfuhren von Januar bis Juni 2020 um 35,7% nach. Fraglich ist, ob man die leichte Erholung wirklich schon als Hoffnungsschimmer deuten kann.
Ebenso wichtig wird die Frage für viele kleine und mittlere Betriebe – ohne einen großen Konzern im Rücken – sein, ob eine etwaige Erholung rechtzeitig kommt, bzw. das Niveau ansatzweise wieder erreicht werden wird. Bei Betrachtung der letzten veröffentlichten Zahlen des BIP und der Arbeitslosigkeit in Amerika wie der EU sind erhebliche Zweifel angebracht.

 

Smartwatches und der Coronavirus

Die Corona-Krise trifft die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie nicht in allen Segmenten gleich. Die größten Verlierer waren Armbanduhren im Preissegment bis 200 Schweizerfranken. Gemeint sind hierbei Fabrik- und nicht Publikumspreise. Der Einstiegsbereich wird zum einen mächtig von Smartwatches attackiert. Zum anderen dürfte die Personengruppe, welche diese Produkte normaler Weise erwirbt, auch sehr stark unter den Folgen von Sars-CoV-2 leiden.
Bemerkenswert ist jedoch auch der Rückgang beim Export von Stahluhren. Die Ausfuhren sanken um 46,5 Prozent auf nur noch knapp 511.000 Stück im Juni 2020. Nachdem die Werte nur um 37,8 Prozent auf knapp 402 Millionen Franken nachgaben, kletterte der Durchschnittspreis nach oben. Ein klares Indiz dafür, dass höherwertige Stahluhren vom Nachlassen der Exporte weniger betroffen sind. 

Für die zweite Hälfte des Uhrenjahres 2020 wird viel von der Pandemie- und Wirtschaftssituation in den Schlüsselmärkten abhängen. Steigende Exporte nach China können manches, aber nicht alles auffangen. Viel wichtiger wäre freilich eine Wiederbelebung des internationalen Tourismus. Insbesondere die Schweiz hat durch das Wegbleiben der Touristen aus China, den USA, Indien, den arabischen Staaten und Russland einen immensen Rückgang der Uhrenverkäufe zu verzeichnen. Viele Juweliere fragen sich, wie lange der jetzige Niedergang der Umsätze andauern wird. Die Erholung dürfte allerdings noch bis 2021 auf sich warten lassen und wird nicht zuletzt mit der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs verknüpft sein.
Bis die guten alten Zeiten für die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie zurückkehren, wird auf jeden Fall noch sehr viel Wasser die Rhône oder den Rhein hinabfließen.

Die Schweizer Uhrenindustrie Exporte legen den Finder in die Wunde : kleinen Marken fehlt Kapital 

Krisen kommen nie zum rechten Zeitpunkt. Doch die Corona-Krise trifft viele der kleinen und mittleren Unternehmen der Uhrenindustrie zum denkbar ungünstigsten Moment. Über die gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hatte man auf ein weiteres Wachstum gesetzt und erheblich in die Produktentwicklung und Herstellung investiert. Nun muss in kürzester Zeit in entgegengesetzte Richtung angepasst werden. 
Doch der Einbruch ist immens, handelt es sich doch um eine weltweite Krise, die alle wichtigen Märkte wie die Schweiz selbst betrifft. Es geht also bei den Schweizer Uhrenindustrie Exporten um mehr als eine konjunkturelle Delle. Woher soll jedoch das Kapital kommen, dass die kleinen Unternehmen ohne eine große Gruppe im Rücken benötigen, um die Corona-Krise zu überbrücken und die entsprechenden teuren Anpassungen vorzunehmen. Dazu kommt, dass die in der Vergangenheit aufgebauten Überkapazitäten von einigen Anbietern zu einer Schwemme von Sondereditionen, Neulancierungen und me-too Produkten geführt haben, die der Konsument nicht will und die für ein phantastisches Angebot auf den Uhrenbörsen und auf dem Graumarkt sorgen. 
Noch schweigen die meisten dieser Marken. Doch hinter vorgehaltener Hand werden schon Szenarien geprüft, was passieren würde, wenn die prognostizierte Erholung Ende des Jahres oder Anfang des kommenden Jahres ausbleibt. Rosig sind diese Aussichten nicht. Man darf gespannt sein. 

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