ist die Krise vorbei?

Der Juli 2020 war für die Schweizer Uhrenindustrie Exporte ein erster Lichtblick. Nach dem Stillstand der Märkte im April, einem Mai auf niedrigstem Niveau und einem schwachen Juni liegt der Juli erstmals fast auf Vorjahresniveau. Von einer Entwarnung kann aber noch keine Rede sein, dafür laufen die Uhrenexport-Regionen viel zu unterschiedlich. Denn vor allem China ist es zu verdanken, dass solch eine starke Erholung eingetreten ist. Erstaunlich positiv war auch der US Markt. Trotz der um sich greifenden Corona-Krise und Arbeitslosigkeit von fast 15% waren die Importe von Luxusuhren im Juli fast auf Vorjahresniveau. Ein Indiz dafür, dass die amerikanischen Eliten von Corona wenig betroffen sind.

Der größte Verlierer im Vergleich zum Vorjahr ist der Uhrenmarkt von Hongkong. Hier haben die Unruhen in Kombination mit Corona tiefe Spuren in den Verkaufszahlen der Schweizer Uhrenindustrie hinterlassen. Wer glaubt, dass dies bald anders sein wird und die Verkaufszahlen der Schweizer Luxusuhren auf einen Stand von vor der Krise und vor Corona klettern werden, der muss schon ein großer Optimist sein. Zu tief ist die Verunsicherung im Stadtstaat und zu viel Kapital verlässt gerade Hongkong auf der Suche nach einem sichereren Hafen ohne chinesischen Zugriff.  

China bringt die Erholung

Wer nicht bereits vorher wusste, wo jetzt und künftig die Musik spielt, der ist spätestens bei Ansicht der Schweizer Uhrenindustrie Exporte aufteilt nach den Absatzregionen schlauer. Der Ferne Osten mit China als Wachstumstreiber steht für fast 40 % der exportierten Schweizer Uhren. Nimmt man die weiteren asiatischen Regionen dazu, so liegt man bei knapp unter 50 % der weltweit vertriebenen Uhren. Doch auch Europa muss sich nicht verstecken. Auch nach Corona bilden die EU Länder einen soliden Markt für knapp ein Drittel der weltweit exportierten Uhren aus der Schweiz.
Erstaunlich solide präsentiert sich im Juli der Nordamerikanische Markt. Trotz 5,7 Millionen Corona-Fällen und rund 175.000 Toten wurden 14% der Uhrenexporte aus der Schweiz nach Amerika geliefert.
Sollten ansonsten noch Fragen über die weltweite Verteilung des Luxus-Konsums bestehen, so sind sie nach Ansicht der Zahlen für Südamerika und Afrika obsolet. Trotz vieler Einwohner bringen es die beiden Kontinente nur auf rund 3 % Marktanteil.
Für frohere Kunde bei den Schweizer Luxusuhrenmarken sorgt der Nahe Osten. Trotz Corona und Ölpreis-Niedergang gehen immerhin noch 10% der Uhrenexporte in den Nahen Osten. Allerdings wäre es spannend zu sehen, welch Auswirkungen die fehlenden Touristen aus den Golfstaaten in der Schweiz haben. Hier werden sicher die Auswirkungen noch mächtig spürbar sein.

Es bleibt abzuwarten

So erfreulich die Zahlen im Juli auch sein mögen – es ist wie bei den Herstellern wie bei den Konsumenten. Die Uhrenexporte von Modellen unter 200 Franken – jeweils Exportwert wohlgemerkt – liegen im Juli weiter 41% unter dem Vorjahr. Die Luxusuhren über 3.000 Franken haben hingegen nur einen Rückgang von 11 % zu verzeichnen. Dies bedeutet, dass die großen Player zwar die Corona Krise spüren, aber auf einem noch verträglichen Niveau. Es sind die kleinen und mittleren Uhrenmarken, die die Krise der Schweizer Uhrenindustrie am stärksten spüren und massiv sparen müssen.

Gleiches gilt, wenngleich hier keine aktuellen Statistiken vorliegen, für den Standort Deutschland. Auch hier nehmen die einheimischen Uhrenmarken harte Einschnitte und Anpassungen vor, fehlt doch der Glaube an einen schnellen Aufschwung. Die kommenden Monate werden Aufschluss darüber geben, ob die Erholung der Schweizer Uhrenindustrie Exporte auch für die deutschen Marken gilt. Zu hoffen, wäre es.