Uhrenindustrie Umsatzzahlen Swatch Group und Richemont Group

Uhrenindustrie 2020: Umsatzrückgänge auf breiter Front

Der Sars-CoV-2 Corona-Virus trifft die Uhrenindustrie mit voller Wucht. Nach der Swatch Group vermeldet aktuell auch der Luxuskonzern Richemont SA für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2020/21 neue Zahlen und die zeigen – die Krise hat gravierende Auswirkungen auf Umsatz und Ertrag.

von | 18.07.2020

Die Swatch Group

Am 14. Juli 2020 ließ die Swatch Group, der größte Konzern in der Uhrenindustrie wissen, dass der Nettoumsatz des Konzerns bei konstanten Wechselkursen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um minus 43,2 Prozent auf 2,197 Milliarden Schweizerfranken zurückgegangen ist. Legt man die aktuellen Wechselkurse zugrunde, kletterte der Rückgang um weiter 113 Millionen Schweizerfranken auf 46.1 Prozent. Während das Unternehmen im Vorjahr noch einen Gewinn von 547 Millionen Franken verzeichnete, muss es nun erstmals in der Geschichte einen Betriebsverlust in Höhe von 327 Millionen Franken hinnehmen.
Natürlich wirkt sich die unerfreuliche Entwicklung auch auf das Personal aus. Mit der definitiven Schließung von 260 Ladengeschäften im ersten Halbjahr 2020 geht eine Kürzung des Personalbestands um 6,5 Prozent auf 33.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einher.

Streit um Rohwerke und Assortiments 

Als Lichtblick kann hingegen die kürzlich getroffene Entscheidung der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) gelten. Ihr zufolge kann und darf die ETA künftig selbst bestimmen, wem sie ihre mechanischen Uhrwerke verkaufen will und wem nicht. Allerdings steht die Swatch-Group-Tochter unter strenger Beobachtung der zuständigen Behörde, wie Weko-Präsident Andreas Heinemann betont.
Immerhin ist und bleibt die ETA ein marktbeherrschendes Unternehmen. Inklusive der Lieferungen an hauseigene Marken wie Certina, Hamilton, Longines, Omega, Rado, Swatch oder Tissot übersteigt die Werkeproduktion deutlich jene des wichtigsten Konkurrenten Sellita.

 

Die Richemont Group

Vom pandemischen Virus nicht minder stark betroffen ist logischer Weise der ebenfalls von weltweiten Verkäufen abhängige Richemont-Konzern. Über alle Tätigkeitsbereiche hinweg büßte das Unternehmen, dessen Geschäftsjahr jeweils am 1. April beginnt, im ersten Quartal 2020 bei tatsächlichen und konstanten Wechselkursen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Umsätze in einer Größenordnung von minus 47 Prozent oder 1,747 Milliarden Euro ein. Der zweistellige Rückgang betrifft alle Regionen rund um den Globus sowie Onlineverkäufe, Groß- und Einzelhandelsdistribution.
Maßgeblich für den Einbruch sind die mehr oder minder freiwillige Schließungen von Geschäften und Vertriebszentren, das Ausbleiben von Touristen und nicht zuletzt auch die gedämpfte Stimmung der potenziellen Konsumenten.

 

Wachstum in China

Während die Erlöse in Europa (-59%), Nord- und Südamerika (-61%) und Japan (-64%) besonders stark zurückgingen, konnten sich der Nahe Osten, Afrika und der asiatisch-pazifische Raum besser behaupten. Letzterer profitierte von einem 47-prozentigen Umsatzwachstum in China, weil die dortige Bevölkerung ihre Reisetätigkeit ins Ausland weitgehend eingestellt hat. Im Reich der Mitte kletterten die Online-Verkäufe übrigens sogar dreistellig.

Der vergleichsweise niedrige Umsatzrückgang im Nahen Osten ist zum Teil auf die jüngst vollzogene Internalisierung der Geschäftstätigkeit in Saudi-Arabien sowie auf vorgezogene Käufe im Vorgriff auf die Mehrwertsteuererhöhung des Königreichs am 1. Juli zurückzuführen.

 

Eine durchwachsene Situation

Bei den von Richemont unterhaltenen Vertriebskanälen zeigte sich der Onlinehandel weniger betroffen als das Einzelhandelsgeschäft in eigenen Markenboutiquen und die Verkäufe als Großhändler an Fachgeschäfte rund um den Globus. Während die Online-Verkäufe im Vorjahreszeitraum nur zwei Prozent zum Gruppenumsatz beisteuerte, wuchs der Anteil von April bis Juni 2020 auf acht Prozent.
Die spezialisierten Online-Händler sind dabei nicht eingeschlossen. Die Online-Spezialisten, darunter YOOX, Net-A-Porter, Mr. Porter, The Outnet und Watchfinder verzeichneten hingegen einen massiven 42-prozentigen Umsatzrückgang. Die Gründe hierfür sind zum einen in der vorübergehenden Schließung von Vertriebszentren zu sehen, sowie andererseits in einem preisaggressiven Wettbewerb. Rabatte in durchaus bemerkenswerter zweistelliger Größenordnung sind im allgemeinen Onlinehandel keineswegs ungewöhnlich.

Mit einem Minus von „nur“ 41 Prozent war das Schmuckgeschäft weniger betroffen, als die spezialisierten Uhrenmarken. Deren Geschäfte gaben nicht zuletzt auch wegen der starken Abhängigkeit von Mehrmarken-Einzelhandelspartnern und einer geringeren Online-Durchdringung des Einzelhandels um 56 Prozent nach.
Die anderen Geschäftsbereiche, zu denen beispielsweise Chloé, Dunhill, Montblanc und Peter Millar gehören, verzeichneten einen Rückgang von 59 Prozent. 

Die kommenden Monate werden zeigen, wie es bei den großen zwei Gruppen Swatch Group und Richemont Group weitergeht. Denn auch wenn der Corona-Virus sein größtes Wüten beendet haben wird, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen noch über Jahre zu spüren sein. 

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