Bulova Accutron Spaceview mit elektronischer Stimmgabel

Swing! Die Vintage Bulova Accutron Spaceview Stimmgabeluhr

Im Jahr 1960 lancierte Bulova die technische Avantgarde Uhr Bulova Accutron Spaceview. Ihre elektronische Stimmgabel war ein kleiner Meilenstein zu digitalen Uhr und brachte eine höhere Präzision. So kam es zur Bulova Stimmgabeluhr .

von | 16.07.2020

Joseph Bulova und sein elektronisches Werk

Es war wirklich ein Blick ins All und in die Zukunft, den die technisch revolutionäre Uhr Bulova Accutron Spaceview verfolgte. Denn die 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts gelten als das große Jahrzehnt des unternehmerischen Pioniergeistes in den USA. Der „American Dream“ von Erfolg, Wohlstand und Anerkennung machte die Runde. Aber Bulovas Weg zur Zukunft begann eigentlich viel früher.
Es war der tschechoslowakische Emigrant Joseph Bulova, der für diesen Traum nach Amerika auswanderte. Er hatte sich in New York, dem „Big Apple“ niedergelassen, wo er 1875 auf der Maiden Laine einen kleinen Juwelierladen eröffnete. Seinem persönlichen Engagement und seiner Kreativität war es zu verdanken, dass innerhalb von rund 50 Jahren aus bescheidenen Anfängen ein bedeutendes Unternehmen wurde. So stellte Bulova ab 1911 neben Taschenuhren auch Zeitmesser für Wohnräume und Schreibtische her. 1919 wurde bereits die erste vollständige Kollektion an Herren-Armbanduhren präsentiert. Wenig später folgten Damen- und Schmuckuhren.
Den Weg in die Elektronik fand Bulova schon 1926. Da nämlich konnte das weltweit erste Bulova Uhrenradio der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt werden. So war es auch nicht erstaunlich, dass die innovative Uhren- und Technikmarke Bulova während des Zweiten Weltkrieges ein wichtiger und großer Lieferant der amerikanischen Armee wurde. Ob sich der böhmische Auswanderer Joseph Bulova (1852 bis 1935) das hätte träumen können, welch Dimension sein Unternehmen angenommen hatte?

Der technische Fortschritt zur Bulova Accutron

Auf der Basis der Forschungen des Ingenieurs Max Hetzel entwickelte Bulova in den 50er Jahren auch die Uhr Bulova Accutron. Der Name Accutron setzt sich aus „Accuracy“ und „Electronic“ zusammen. Das Novum dieses für damalige Verhältnisse revolutionären Zeitmessers bestand in einer elektronischen Stimmgabel als Regulierorgan. Deren Frequenz von 360 Hz konnte man deutlich vernehmen, wenn man die Bulova Accutron Spaceview ans Ohr legte.
1958 begleitete eine  Bulova Accutron den Flug des Satelliten Vanguard I. Auch auf dem Mond wurde 1969 eine eigens konstruierte Bulova Accutron installiert. Sie diente der zeitlichen Kontrolle der Übermittlung von Daten zur Erde.

Bulova Accutron Spaceview

Die Lancierung der neuen Accutron erfolgte im Jahre 1960. Die Lancierung des elektronischen Biegeschwingers, so der Fachausdruck für die elektronische Stimmgabel der Stimmgabeluhr, für den eine für damalige Verhältnisse unfassbare maximale Gangabweichung von einer Minute/Jahr garantiert wurde, sorgte allgemein für großes Aufsehen. Der Begriff „Präzision“ erlangte plötzlich eine neue Dimension.
Zahlreiche weltweite Patente schützten die Konstruktion, bei der die Stimmgabel mit einer Schaltklinke gekoppelt ist, welche ein feingezahntes Klinkenrad fortbewegt. Eine Sperrklinke verhindert wiederum das Zurückdrehen. Das Klinkenrad mit einem Durchmesser von 2,4 mm besitzt 300 Zähne, deren Abstand zueinander nur 0,025 mm beträgt. Innerhalb einer 5/6 Sekunde rotiert es einmal um seine Achse. Im Vergleich dazu vollzieht das schnellste Rad einer mechanischen Uhr, das Ankerrad, eine Umdrehung innerhalb von sechs Sekunden.

Die Steine in den winzigen Klinken haben eine quadratische Grundfläche mit einer Seitenlänge von lediglich 0,18 mm. Ihre Höhe liegt bei ganzen 0,06 mm. Dieser sensible Mechanismus, der nur unter dem Mikroskop eingestellt und repariert werden kann, bildete bei allen sonstigen Vorzügen der Bulova Accutron Spaceview deren Schwachstelle. Rückblickend schrieb Max Hetzel 1968 über seine Konstruktion: „Das Projekt krankte an der Instabilität der Stimmgabelamplitude und der unzureichenden Funktionssicherheit des Schaltsystems.“ Auf der Basis der Bulova-Patente entwickelten Max Hetzel und das CEH (Centre Electronique Horlogere) die Accutron zum Kaliber ESA 9162 „Swissonic“ weiter, dessen Stimmgabel-Frequenz nurmehr bei 300 Hz lag. Es wurde in den 70er Jahren von verschiedenen Schweizer Uhrenfirmen verwendet.

Für Liebhaber der Bulova Accutron ist vor allem das Modell Bulova Accutron Spaceview interessant, das aufgrund des fehlenden Zifferblatts einen permanenten Blick ins Uhrwerk gestattet. Dabei sind sehr gut erhaltene Modelle durchaus leicht auf ebay oder den Plattformen für gebrauchte Uhren erhältlich. Allerdings noch – denn auch die elektronisch-digitale Phase der Uhren gewinnt mehr und mehr das Herz von Uhrensammlern und Vintage-Uhren Freunden. Klingt das nicht auch interessant – Stimmgabeluhr?! 

Bedienung der Bulova Accutron

Die Bulova Accutron Spaceview hat keine Krone. Zum Einstellen der Bulova Stimmgabeluhr wird der Zeigerstellschlüssel (auf der Rückseite links) genau dann angehoben, wenn der Sekundenzeiger die 60. Sekunde erreicht. Nach dem Richten der Zeiger und dem Ertönen des Zeitzeichens rastet man den Stellschlüssel wieder ein. Der Batterie-Container (rechts) läßt sich mit einer Münze leicht öffnen.

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