Chrono Sapiens – die Herren der Zeit: Patrick P. Hoffmann, CEO Ulysse Nardin
Beim Design etwas kommerzieller werden, das polarisierende Element irgendwie beibehalten

Wenn ein Sieger auf Sieger trifft: Die Uhrenmarke Ulysse Nardin unterstützt beim 35. America´s Cup das schwedische Artemis Team – so eine Kooperation lag nahe bei der langen Geschichte mit Marinechronometern. Finden Sie nicht?

Beim Design etwas kommerzieller werden, das polarisierende Element irgendwie beibehalten

Im Leben und auf hoher See: The winner takes it all!

Bevor wir zur Geschichte von Ulysse Nardin und seinem Engagement beim America’s Cup kommen, gilt es dessen Geschichte zu verstehen. Denn diese reicht zurück bis ins Jahr 1851, als der Schoner „America“  beim „100 Pound Cup“siegte. Bei der Zielpassage erkundigte sich Königin Victoria, wer denn Zweiter sei. Die Antwort: „Eure Majestät, es gibt keinen Zweiten!“ Das gilt beim America‘s Cup bis heute. Zweite gibt es nicht, nur Herausforderer. Beim 35. America’s Cup, welcher im Juni 2017 in Bermuda über die Bühne gehen wird, ist dieser das schwedische Team Artemis Racing mit dem Skipper Iain Percy. Artemis Racing, ein professionelles Segelteam, repräsentiert den Königlich Schwedischen Yachtklub (Kungliga Svenska Segel Sällskapet – KSSS). Das Team wurde 2006 von Torbjörn Törnqvist gegründet und nach der griechischen Göttin Artemis benannt. Siege gab es beim MedCup, der TP52-Weltmeisterschaft und der RC44-Weltmeisterschaft. Außerdem trat Artemis Racing beim 34. America’s Cup als „Challenger of Record“ an.

Ein guter Partner darf mit an Bord

Als Partner des Teams hat Ulysse Nardin, während des Rennwochenendes vom 28. Bis 30. August 2015 in Göteborg eine limitierte Edition des Leadermodells Marine Diver“ aufgelegt. Der auf 250 Exemplare limitierte „Marine Diver Artemis Racing“ besitzt ein Edelstahlgehäuse mit 44 Millimetern Durchmesser und natürlich eine Drehlünette, welche sich nur in einer Richtung verstellen lässt. Seine Wasserdichte reicht bis 30 bar Druck. Das Automatikkaliber UN-26, Basis Eta, besitzt eine Gangreserveanzeigebei der „12“ sowie ein Fensterdatum. In den Gehäuseboden ist logischer Weise ein „Artemis“Rennkatamaran graviert. Der Preis liegt bei ca. 8.500 Euro.

In Göteborg hatten wir Gelegenheit, mit Patrik P. Hoffmann, dem CEO von Ulysse Nardin zu sprechen.

Patrik, du bist nun ja schon so lange bei Ulysse Nardin. Du hast dort den US-amerikanischen Markt aufgebaut und dann die Funktion des CEO übernommen. Kannst du uns erzählen, wie es dir ging, als die für uns alle völlig überraschenden Nachricht vom Tod des Hauptaktionärs Rolf Schnyder kam.

Patrik Hoffmann: Für mich kam das gar nicht so überraschend. Ich sah den Tod durch meinen engen Kontakt zu Rolf schon kommen. Deshalb habe ich ab 2008 etwa 50 Prozent meiner Arbeit in Amerika und den Rest im Schweizer Headquarter geleistet. Rolfs Krankheit war sehr schnell, aber das Ende war doch irgendwann absehbar. Nun könnte man fragen, ob das Folgende eine große Herausforderung war. Ich möchte bitte nicht arrogant klingen, aber der Wechsel ging in der Tat nahtlos über die Bühne.

Hat Rolf selbst dazu beigetragen?

Patrik Hoffmann: Rolf hat wirklich alles beizeiten eingeläutet. Er hat seine Leute dort platziert, wo er sie haben wollte. Sein noch zu Lebzeiten ausgesprochener Wille hat sogar vorgesehen, wer nach seinem Tod welche Führungspositionen in der Manufaktur übernehmen soll. Insofern ist der große Verdienst bei ihm selbst. Ganz abgesehen davon war das gesamte Team eingespielt auf seine Marken- und Produktphilosophie. Niemand im Top-Management hat weniger als 15 Jahre mit Rolf gearbeitet.

So betrachtet wird der nahtlose Übergang auf jeden Fall bestens verständlich.

Patrik Hoffmann: Wir konnten die ganze Kultur weitertreiben. Der große Entscheid hatte schon 2003/2004 stattgefunden. Mit ihm begann der Aufbau unserer eigenen Manufaktur. Vier Tage vor seinem Tod habe ich dann nochmals mit Rolf telefoniert. Und da hat er dann unser Kaliber 118 freigegeben. Er meinte, dass er jetzt ins Spital müsse und ich alle weiteren Maßnahmen treffen solle. Wenn er wieder zurückkäme, könne man dann auf diesen Grundlagen weitermachen.

Rolf kam ja bekanntlich leider nicht mehr zurück.

Patrik Hoffmann: So ist es. Aber da war glücklicher Weise alles schon aufgegleist, die Roadmap stand zur Verfügung. Wir konnten in seinem Sinn weiterarbeiten.

Dann kam ja die Interimszeit, während deren Rolfs Frau Chai dem Verwaltungsrat vorstand. Wie ging es euch da?

Patrik Hoffmann: Es ging kontinuierlich weiter, weil Chai als Verwaltungsratspräsidentin ja nicht operativ ins Tagesgeschäft eingebunden war. Wir besaßen zum Glück einen großen Freiraum, die Zukunft von Ulysse Nardin zu gestalten.

Inzwischen habt ihr mit Kering ja einen großen französischen Luxuskonzern als Eigentümer. Du kannst ja nun Retrospektiv die Unterschiede zwischen inhabergeführt und Konzern sicher sehr gut beurteilen.

Patrik Hoffmann: Das kann ich wahrscheinlich am besten beurteilen. Mit Blick auf das tägliche Geschehen ist der Wechsel schon sehr gravierend. Aber ich kann nur konstatieren, dass ich mich sehr wohl fühle. Wir können schnell entscheiden. Und wenn ich einen größeren Entscheid zusammen mit Kering treffen muss, geht das eigentlich so schnell wie vorher. Besonders wichtig ist für mich die Unterstützung unserer Werkestrategie. Das freut mich besonders.

Die Zeit vor der Übernahme durch Kering in der zweiten Jahreshälfte 2014 bestand sicher in Bangen und Hoffen

Patrik Hoffmann: Das muss ich dir nicht sagen. Du kennst ja die Interessenten. Insofern reichte die Bandbreite dessen, was uns erwarten konnte, vom totalen Umkrempeln bis zum Weitermachen wie gehabt.

Wie ging es dir, als du vom Zuschlag an Kering hörtest?

Patrik Hoffmann: Wir waren alle froh und für mich persönlich war das richtig toll.

Dein Ansprechpartner ist dann sicher der Albert Bensoussan als Gruppenchef Uhrenmarken bei Kering.

Patrik Hoffmann: Richtig. Alle Entscheidungen werden auf dem Weg über ihn getroffen. Mein Verhältnis zu ihm ist fantastisch.

Entwickelt ihr die Zukunftsstrategie von Ulysse Nardin nun gemeinsam? Oder entwickelst du mit deinem Team und er nickt ab?

Patrik Hoffmann: Grundsätzlich sind wir unabhängig. Aber wir haben eine Roadmap 2020 entwickelt und diese dann natürlich mit Albert Bensoussan abgestimmt.

Ulysse Nardin ist ja seit der Übernahme durch Rolf Schnyder von Innovation geprägt. Ich erinnere an die zusammen mit Ludwig Oechslin entwickelte Trilogie, an die GMT +/- oder den Freak, in dem erstmals Silizium zur Anwendung kam.

Patrik Hoffmann: Du hast völlig Recht. Wenn wir zurückblicken waren die letzten dreißig Jahre für Ulysse Nardin weitaus entscheidender als alle 140 Jahre davor. Die letzten 30 Jahre waren und sind für unser Unternehmen absolut maßgeblich. Aber ich muss auch sagen, dass Ludwig Oechslin allein nicht gegangen wäre. Der hatte Ideen und Konzepte. Die Realisation gelang aber nur zusammen mit Rolf Schnyder, seinem Unternehmergeist sowie den kompetenten Mitarbeitern von Ulysse Nardin. Am revolutionären Ulysse Anker und anderen Entwicklungen war Ludwig übrigens gar nicht beteiligt. Grundsätzlich ist es heute so, dass Ludwig bei manchen Dingen mitwirkt, bei anderen überhaupt nicht. Aber das Verhältnis ist weiterhin sehr gut.

Ulysse Nardin hat ja 2001 den Werkstoff Silizium in mechanischen Uhrwerken salonfähig gemacht. Wie siehst du, der das Ganze ja von Anbeginn mitverfolgt hat, dieses Material und seine Bewährung in Uhrwerken? Gab es Probleme bei den frühen Freaks?

Patrik Hoffmann: Also die ganzen Probleme, die wir ganz zu Anfang hatten, konnten wir relativ schnell lösen. Heute ist der Freak nichts Exotisches mehr. Er ist fester Bestandteil unserer Kollektion. Die Uhren funktionieren einwandfrei. Der Ludwig hat den Freak einmal als Laboratorium am Handgelenk bezeichnet. Und genau das ist er. Deshalb bauen wir auf Silizium und mit Sigatec in Sion haben wir ja auch den perfekten Partner. Natürlich gibt es da und dort zweifelnde Stimmen. Aber Silizium hat sich definitiv bewährt.

Wie geht es weiter?

Patrik Hoffmann: Ich glaube nicht, dass Silizium das Ende ist. Es werden sicher noch andere Sachen kommen. Aber im Moment bauen wir alle unsere Innovationen auf Silizium.

Will heißen, dass über kurz oder lang alle eure Kaliber eine Siliziumausstattung besitzen werden. Also Hemmung und Spirale.

Patrik Hoffmann: Du sagst es.

Ulysse Nardin hat ja auch das Recht, neben Patek Philippe, Rolex und der Swatch Group eine Siliziumspirale zu verbauen. Da müsst ihr ja wegen der Temperaturstabilisierung auch die Oberfläche oxidieren.

Patrik Hoffmann: Das machen wir. Die Oxidierung ist ja auch ein wenig das Geheimnis um die Siliziumspirale herum. Aber sie ist maßgeblich und Hochtechnologie.

Besitzt Sigatec das Know How oder kooperiert ihr mit der Hochschule in Neuchâtel?

Patrik Hoffmann: Nein wir können das selbst und sind diesbezüglich autonom.

Ulysse Nardin hat vor vier Jahren das Chronographenkaliber 137 von Ebel gekauft. Was tut sich denn auf diesem Gebiet?

Patrik Hoffmann: Im Moment ist das unter Verwendung von Silizium-Komponenten unser Kaliber 150. Gewisse Änderungen waren ohnehin nötig. Nun kommt auch unser ewiger Kalender ins Spiel. Über die weiteren Entwicklungen auf der Basis des Kalibers 150 kann ich aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht reden. Aber ich kann versprechen, dass sich da einiges tun wird. Erstes gibt es während der Baselworld 2016 zu sehen. Die Zukunft heißt Kaliber 153.

Lass uns noch etwas bei euren Kalibern bleiben. Freak und Konsorten sind ja längst schon Manufaktur. Wie sieht es dagegen im mittleren und unteren Preissegment aus? Welche Autonomie strebst du bei Ulysse Nardin an?

Patrik Hoffmann: Unser Ziel sind 90 Prozent. Ein paar externe Kaliber beispielsweise von Claret werden bleiben. Der Rest wird eigene Manufaktur sein. Und zwar relativ schnell.

Habt ihr dazu schon die Kapazität?

Patrik Hoffmann: Unsere Kapazitäten sind da, also kein Problem.

Müsst ihr als Kering-Mitglied im Zuge des Hebens von Synergien auch Kaliber teilen. Vielleicht mit Girard-Perregaux? Die haben ja keinen integrierten Automatikchronographen.

Patrik Hoffmann: Das Wichtigste ist für uns die Beibehaltung der CNA. Und da ist das Werk von außerordentlicher Bedeutung. Bestimmte Dinge wir den ewigen Kalender oder die intelligente Dual-Time-Konstruktion könnten wir niemals freigeben. Auf einem anderen Blatt Papier stehen Möglichkeiten der Zusammenarbeit hinter den Kulissen. Grundsätzlich muss man sinnvolle Synergien natürlich ausnützen, sonst wäre man wirklich dumm. Wäre der gesamte Gruppeneffekt verloren.

Es gibt ja Gebiete, wo sich Synergien relativ leicht realisieren lassen. Ich denke an Distribution und Service.

Patrik Hoffmann: Das ist im Laufen. In Amerika ist Girard-Perregaux jetzt voll integriert in die sehr gut aufgestellte Distribution von Ulysse Nardin. Das funktioniert super, solange man Verkäufer und Marketing trennt. Logistik und Kundendienst gehen aber schon zusammen. In Italien sind wir bei Girard-Perregaux. Das Gleiche wird nun in Japan passieren. Wir gehen zu Sowind, weil die eine Top-Organisation besitzen.

Was passiert in Deutschland und Österreich? Da ist Ulysse Nardin beim Vertrieb und Service ja bestens aufgestellt.

Patrik Hoffmann: Lass es mich so sagen, dass da eine Veränderung kommen wird. Für mich ist der Nachverkaufs-Kundendienst das A & O. Als ich noch für Amerika zuständig war, genoss der höchste Priorität. Eine Marke ist immer nur so gut wie ihr Kundendienst. Das ist in Deutschland keinen Deut anders.

Wenn wir schon bei den Märkten sind. Wie geht es denn in Russland, wo Ulysse Nardin seit langem einen extrem starken Auftritt hat. Leidet ihr unter der momentanen Situation?

Patrik Hoffmann: Russland ist immer noch stark für uns. Natürlich stehen wir vor gewissen Herausforderungen. Das Problem Russland muss man ganz klar im Zusammenhang sehen mit dem Ölpreis.

Ist Russland nach den USA weiterhin die Nummer zwei?

Patrik Hoffmann: Das ja, aber wir sehen Russland nicht isoliert. Ich denke da immer an die frühere Sowjetunion, also beispielsweise auch an die Ukraine oder Kasachstan und die anderen Staaten

Wie sieht es mit China aus?

Patrik Hoffmann: China war glücklicher Weise nie so bedeutend. Das spielt uns jetzt in die Karten. Für uns ist viel wichtiger, was in der Schweiz, Frankreich, Italien und ein wenig auch in Deutschland abgeht mit chinesischen Touristen. Wir sind zwar immer noch ein kleiner Spieler, aber die Entwicklung ist äußerst erfreulich.

Leidet ihr unter dem beinahe 50-prozentigen Einbruch der Geschäfte in Hongkong.

Patrik Hoffmann: Das unbestritten. Aber da leidet beinahe jeder Mitbewerber. Wer behauptet, er leide nicht, sagt keine Wahrheit.

Kompensiert sich das durch Käufe beispielsweise in Europa?

Patrik Hoffmann: Es kompensiert sich teilweise aber eben nicht vollständig. Unser Fehler bei Ulysse Nardin war neben mangelnder Kommerzialisierung die Tatsache, dass wir uns sehr, ich würde sagen zu stark auf Amerika und Russland konzentriert haben. Rolf war ja bekanntlich in Malaysia zu Hause. Da versteh manche nicht, warum wir uns nicht schon sehr viel früher mit größeren Anstrengungen auf den Fernen Osten gestützt haben. Aber immerhin haben wir dort eine gute Organisation. Alles andere wird sich zeigen. Wir sind auf jeden Fall mit guten Leuten im weiteren Aufbau begriffen.

Was ist euer Leader? Die Marine-Linie?

Patrik Hoffmann: Da gibt es zwei Antworten. Stückzahlmäßig ist Marine natürlich ganz vorne. Aber du darfst nicht vergessen, dass die High-End-Produkte für uns äußerst wichtig geworden sind. Also Freak oder Sonnerie en passsant. Aber Marine ist schon ein extrem wichtiges Standbein. Und das Bild von Ulysse Nardin. Produktpflege genießt ein hohes Maß an Bedeutung. Im Zuge dessen müssen wir unsere Modellpalette zurückschrauben.

Habt ihr zu viele Referenzen in eurer Kollektion?

Patrik Hoffmann: Wer hat das nicht. Aber wir haben es auf jeden Fall. Deshalb haben wir schon während der vergangenen vier Jahre enorm zurückgeschraubt. Und wir werden diese Aktion während der kommenden fünf Jahre fortsetzen. Das tut im Zuge der Globalisierung absolut Not. Man kann nicht hunderte Varianten in den verschiedenen Märkten kommunizieren.

Engagiert beim Americas Cup: Ulysse Nardine mit der Artemis Marine

Engagiert beim Americas Cup: Ulysse Nardine mit der Artemis Marine

Kommen wir noch zum America’s Cup. Ihr seid Partner von Artemis. Das macht Sinn, denn Ulysse Nardin besitzt ja durch seine berühmten Marinechronometer eine große Tradition in Sachen Seefahrt. Wie kam die Kooperation zustande? Immerhin ist es ja das erste Mal, dass Ulysse Nardin so etwas tut.

Patrik Hoffmann: Als der Deal mit Kering unterzeichnet war, kam die Zusammenarbeit über unseren neuen Eigentümer zustande. Für uns als produktorientiertes Unternehmen war es sehr wichtig, dem Marketing und dem Design eine größere Bedeutung beizumessen. Wir waren und sind sehr gut in Sachen Entwicklung und Produkt. Jetzt müssen wir auf den anderen Gebieten nachholen.

Apropos Design. Selbiges war ja sehr stark von Rolf und dem starken Auftritt der Marke beispielsweise in Russland geprägt. Man könnte auch sagen, dass das Design stark polarisierte. Wie sieht deine Strategie aus?

Patrik Hoffmann: Wir müssen, um es in kurzen Worten zu sagen, beim Design etwas kommerzieller werden, trotzdem das polarisierende Element irgendwie beibehalten. Wir haben Studien gemacht und festgestellt, dass wir bestimmte DNA-Aspekte keinesfalls aufgeben dürfen. Aber alles, was zu sehr polarisiert, hat bei uns keine Zukunft mehr.

Der Wiedererkennungswert einer Ulysse Nardin muss in meinen Augen unbedingt erhalten bleiben.

Patrik Hoffmann: So ist es. Um nochmals auf Artemis zu sprechen zu kommen. Dieses Projekt war für alle 300 Mitarbeiter von Ulysse Nardin von außerordentlicher Bedeutung. Die haben schon lange auf so etwas gewartet. Auch für unsere Fachhandelspartner war das wichtig. Die wollten und mussten sehen, dass wir etwas in diese Richtung bewegen.

Rolf Schnyder hat die Uhrenmarke Ulysse Nardin mit seinen visionären Ideen den Weg ganz nach oben geebnet. Er war auch für die außergewöhnlichen, oft polarisierenden Designs verantwortlich.

Wer ist der Neue? Patrik P. Hoffmann

  • geboren am 30.November 1964 in Reigoldswil, Schweiz
  • 1991 bis 1996 bei Oris als regionaler Verkaufsleiter und Prokurist die Märkte USA, Singapur. Malaysia, Thailand, Philippinen, Deutschland, Skandinavien und Holland.
  • 1996 bis 1999 Geschäftsführer der Firmen Swiss Prestige, Kuala Lumpur und Swiss Prestige Singapur
  • ab 1997 auch Geschäftsführung der Oris International Ltd, Hong Kong
  • 1999 bis 2008 Vizepräsident und Geschäftsführer Ulysse Nardin Inc. Nordamerika und Karibik
  • ab 2008 zusätzlich Vizepräsident Verkauf und Marketing weltweit
  • ab 2011 CEO Ulysse Nardin

Der Leader und Wegbereiter von Ulysse Nardin

Seine Renaissance verdankt Ulysse Nardin jedoch dem charismatischen Rolf Schnyder, (1935-2011). Wenn man einen Menschen guten Gewissens als spontan, kreativ, risikofreudig,  außergewöhnlich und charismatisch bezeichnen konnte, dann war es Rolf W. Schnyder. Während der Baselworld 2011 erlebte man den 75-Jährigen am Stand von Ulysse Nardin noch voller Dynamik. Kurz nach Ende der Messe kam die erschütternde Nachricht vom überraschenden Ableben eines visionären Vollblutunternehmers.

Die Faszination für das Fernöstliche ließ ihn nie los

Seine beispiellose Karriere begann im Alter von 22 Jahren als Vertriebsspezialist für Schweizer Uhren in Thailand. Dort gründete Rolf Schnyder 1968 in Thailand die erste Schweizer Fabrik zur Produktion von Uhrenkomponenten. Hinzu gesellten sich später eine Uhrengehäuse-Fertigung in Manila und eine Zifferblattfabrik in Malaysia. Der fernöstliche Lebensstil faszinierte Rolf Schnyder so sehr, dass er sich in Kuala Lumpur wohnhaft wurde, seine sarawakische Frau Chai ehelichte und mit ihr eine Familie mit drei Kindern gründete. Als wir Rolf 1994 im wunderbaren Haus hoch über der Stadt besuchten, rief er mir frank und frei zu:

„Meine kühnsten Träume wurden übertroffen und ich bin ein rundum glücklicher Mensch.“

1982 investierte er selbst rund 1,5 Millionen Schweizer Franken in die 1846 gegründete und infolge der Quarzrevolution darniederliegende Uhrenmarke Ulysse Nardin. Mit finanzieller Minderheitsbeteiligung von Dieter Meier, Mitglied der Schweizer Popgruppe Yello sowie dessen Bruder Balthasar Meier, Eigentümer der bekannten Strumpfmarke Fogal, mauserte sich Ulysse Nardin wieder zu einer attraktiven Uhrenmarke.

Ein genialer Quer- und Weiterdenker

Das Zusammentreffen mit dem Uhrmacher und Wissenschaftler Ludwig Oechslin brachte 1985 den Durchbruch in Gestalt der hochkomplizierten astronomischen Armbanduhr „Astrolabium Galileo Galilei“, welche 1988 auf der Umschlagseite des Guinness‑Buches der Rekorde zu finden war. Für Rolf Schnyder, einem passionierten Querdenker, durfte sich die mechanische Uhrmacherei nie in Überliefertem erschöpfen. Er richtete seine Anstrengungen stets auch auf das, was mit den technischen Mitteln der jeweiligen Epoche realisierbar ist. In diesem Sinne gehörten Rolf Schnyder und Ulysse Nardin 2001 zu den Pionieren des Werkstoffs Silizium in mechanischen Zeitmessern.

Eine wichtige Anerkennung für große Verdienste um die Uhrmacherkunst erhielt Rolf 2003 durch die Verleihung des „Prix Gaïa“, Kategorie „Unternehmergeist“.

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