Patek Philippe unter Philippe und Thierry Stern (Teil IV)

Patek Philippe Geschichte: Der Fortschritt

Wer annahm, dass sich Patek Philippe nach den erfolgreichen 90er Jahren auf den Lorbeeren ausruhen würde, wurde eines Besseren belehrt. Philippe Stern setzte auf Silizium, ein Technologiezentrum und neue, komplizierte Modelle. Aber auch die Kunst des Zifferblatt-Gestaltens erlebte eine Renaissance. Waren das doch die Wurzeln der Frères Stern.

Immer Weiter

Eigentlich war für viele die Patek Philippe Geschichte um die Jahrtausendwende scheinbar zu Ende geschrieben und Patek Philippe ganz oben angekommen. Die neue Produktionsstätte, das eigene Museum und die absolute Luxuspositionierung der Marke sorgten dafür, dass Patek Philippe für viele Menschen das Nonplusultra der Uhrenmanufakturen darstellte. Sie sorgten ebenso dafür, dass die Ergebnisse sprudelten. Man hätte sich zurücklehnen und genießen können.
Nur zeichnet sich ein dynamisches Familienunternehmen wie das der Familie Stern genau dadurch aus, dass es stets weiter in die Zukunft denkt und weiß, dass der Stillstand von heute der Rückstand von morgen ist.

Ich bin stolz auf diesen Laden, ich habe den größten Teil meines Lebens daran gearbeitet!
(Die Welt, 18.11.2001)

Philippe Stern

Präsident, Patek Philippe

Neue Werkstoffe Für Patek Philippe

Die ersten Jahren des dritten Jahrtausends konfrontierten auch die Uhrenindustrie verstärkt mit neuen Werkstoffen und revolutionären Konstruktions- und Herstellungsmethoden. Neben der Digitalisierung vieler Prozesse zog vor allem das Material Silizium viele fachkundige Blicke auf sich, denn der bis dahin primär für Computerchips verwendete Werkstoff faszinierte ungemein. Philippe Stern, seinen innovationsbegeisterten Sohn Thierry an seiner Seite, zögerte nicht lange. Er beteiligte Patek Philippe an einem ambitionierten Forschungsobjekt und legte so den Grundstein für „Advanced Research“.

Hier wurde erforscht, wie sich die positiven Eigenschaften des Siliziums wie Härte, Leichtigkeit und Amagnetismus für Bestandteile der Mechanik verwenden ließen. Das Ergebnis dieser Forschung ließ nicht lange auf sich warten. Im Jahr 2006 sorgte die limitierte Patek Philippe Referenz 5250 als erste Highend-Armbanduhr mit Silizium-Ankerrad für Aufsehen.
Seitdem gehört das leichte, harte und amagnetische Material zu Patek Philippe wie das Ticken zu einer mechanischen Uhr. Wobei der Vergleich etwas hinkt, da das Silizium-Ankerrad dafür sorgt, dass genau dieses Ticken kaum noch hörbar ist. Die Herstellung der Silizium Komponenten erfolgt übrigens in einer eigens eingerichteten Fertigungsstätte. Man wollte ja nichts dem Zufall oder dem Goodwill anderer Marken überlassen.

Die Patek PHilippe Geschichte kennt die Alten Künste

In die Ära Philippe Sterns fällt auch die Fabrikation eigener Gehäuse und Armbänder. Der Patek Präsident erwarb im Zuge dessen auch eine Zifferblattfabrik und belebte dabei längst vergessene Handwerkskünste wieder.
Insbesondere das kunstvolle Bemalen von Zifferblätter wurde wieder zu neuer Blüte gebracht und sorgte in Asien für großes Aufsehen. Dass damit auf die Wurzeln der Familie Stern und ihrer damaligen Zifferblatt-Herstellung zurückgegangen wurde, war sicher ein beabsichtigter Nebeneffekt.

Ein Quantensprung

Neben der technischen Perfektion der Uhrwerke und dem Wiederbeleben alter Künste hatte Philippe Stern weiteren Grund zur Freude.
Das im Jahr 1999 wurde das Modell „Patek Philippe Twenty-4“ aus der Taufe gehoben. Nun zeigte sich nach und nach der große Erfolg dieses Modells. Es sorgte dafür, dass sich die Marke Patek Philippe stärker für Frauen öffnete und erhöhte die Patek Jahresproduktion deutlich. Waren es im Jahr 2001 noch gut 30.000 Uhren, die die Patek Philippe Manufaktur verließen, wuchs die Zahl über die Jahre auf die heutige Größe von kolportierten 60.000 Uhren. Dies alles begleitet von konsequent gestiegenen Verkaufspreisen und einer konsequenten Rabattpolitik.

Family Affair

Bei all diesen Entscheidungen zeigte sich der Vorteil des Familienunternehmens. Man fragt nach Rat, trifft jedoch seine Entscheidungen selbst und unabhängig. Im Idealfall sogar möglichst mit eigenem Geld, ohne auf Banken oder Investoren angewiesen zu sein. Verbunden mit dem Wissen, dass jede Entscheidung einen direkten Einfluss auf den künftigen Erfolg, das eigene Vermögen wie die nachfolgende Generation hat.

Wie sagte Philippe Stern einmal in einem Interview mit Gisbert Brunner. „Ein Familienbetrieb bietet echte Vorteile. Wir können auf lange Sicht hinaus planen und investieren, weil wir genau wissen, für wen wir das tun. Wir können uns immer Zeit lassen und genau überlegen, was wir tun und lassen wollen. Für uns zählt letztlich das Ergebnis. Und das muss unseren hohen Ansprüchen gerecht werden, weil unsere Kunden solches erwarten.“
Zu diesem Denken gehörte auch, das Unternehmen, bestens aufgestellt, zur rechten Zeit in die Hände seines Sohnes Thierry  und damit an die nächste Generation Familie Stern zu übergeben.

Hier geht es zum Teil 1 der Geschichte von Patek Philippe und der Unternehmerfamilie Stern
Und natürlich demnächst mehr in Teil 5

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