Interview mit CEO Wilhelm Schmid anlässlich der Eröffnung des neuen Werks
Großer Tag in kleiner Stadt – die Eröffnung des neuen A. Lange&Söhne Werks

Soviel Prominenz gibt sich selten die Ehre: Zur Eröffnung der neuen Manufaktur der Uhrenmarke waren in Glashütte neben Angela Merkel noch so einige andere Persönlichkeiten vor Ort. Uhrenexperte Gisbert L. Brunner war bei dem Event natürlich auch dabei und führte mit Geschäftsführer Wilhelm Schmid ein ausführliches Gespräch. Geheimnisse plaudert der natürlich nicht aus, aber dafür andere spannende Details, die Sie so bestimmt nicht erwartet haben!

Großer Tag in kleiner Stadt – die Eröffnung des neuen A. Lange&Söhne Werks

Wilhelm Schmid, Geschäftsführer von A. Lange & Söhne hat Großes gebaut. In der neuen Manufaktur sollen die Uhrenqualität nachhaltig gesteigert werden.

Lieber Wilhelm, so ein Tag muss doch auch für dich besonders erhebend gewesen sein. Neues Gebäude endlich fertig, Bundeskanzlerin Merkel, Ministerpräsident Tillich, Johann und Anton Rupert sowie Bernard Fornas zu Besuch. Diese Fülle an Prominenz erlebt doch auch ein Mensch wie du nicht alle Tage.

Wilhelm Schmid: Sagen wir einmal so – viele Menschen einschließlich meiner Person haben jetzt ein ganzes Jahr auf diesen Tag hingearbeitet. Alles ist rechtzeitig fertig geworden, alle erscheinen wie zugesagt und dann stimmt, wie heute, auch noch das Wetter, dann, und das gebe ich sehr gerne zu, ist das schon ein sehr erhebendes Gefühl. Dafür muss man wirklich dankbar sein. Lass es mich so sagen: Heute Abend gehe ich sehr glücklich ins Bett.

Würdest du, wenn ich das gerade Gesagte richtig interpretiere, das heute Erlebte als Höhepunkt in deiner bisherigen Zeit bei A. Lange & Söhne bezeichnen?

Wilhelm Schmid: Eindeutig nein. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist für mich das größte, wenn die neuen Uhren endlich fertig sind, funktionieren und ich sie erstmals in den Händen habe. Das ist ein großartiges Gefühl …

… bestimmt wie beim neuen Zeitwerk mit Minutenrepetition …

Wilhelm Schmid: …du sagst es, du hast sie erstmals richtig am Arm, hast vorher erlebt, wie das Baby wächst, und wenn das Ganze auch noch so herrlich klingt, dann ist man noch tiefer, so von A bis Z dabei. Diese Momente lassen sich mit nichts vergleichen. Aber um nochmal auf das Gebäude zu sprechen zu kommen: Für mich persönlich ist das schon ein Meilenstein, denn es wird fortan immer da stehen.

Dass Johann Rupert heute eine derart bewegende Ansprache an die ganze Belegschaft von A. Lange & Söhne gerichtet hat, war schon etwas sehr Außergewöhnliches.

Wilhelm Schmid: Dem kann ich nur zustimmen. Das war für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis.

Im Dialog hat Johann Rupert auch die Leistungen von Günter Blümlein herausgestellt und den 2001 verstorbenen Mann entsprechend gewürdigt.

Wilhelm Schmid: Leider habe ich Günter Blümlein nicht persönlich kennengelernt. Aber gestern Abend hat Johann Rupert das mir gegenüber auch erwähnt. Und die Tatsache, dass ihn Günter Blümlein sehr viel Geld gekostet hat, weil er die drei Marken A. Lange & Söhne, IWC und Jaeger-LeCoultre viel zu teuer eingekauft hat.

Bereut hat es der mit Abstand größte Richemont-Aktionär am Ende aber wohl nicht, wie man aus seinen Worten entnehmen kann.

Wilhelm Schmid: Dem würde ich aus heutiger Sicht sehr wohl zustimmen. Für unsere Firma war dieser Tag in vielen Bereichen ein sehr wichtiger. Bernard Fornas ist extra aus seinem Urlaub gekommen, was besonders ehrt. Und dann dürfen wir nicht vergessen, dass auch Walter Lange da war und uns die Ehre gab.

Darf ich nochmals aufs Zeitwerk mit Minutenrepetition zu sprechen kommen. Das ist ja die erste wirklich von A. Lange & Söhne selbst entwickelte und gefertigte Uhr dieses anspruchsvollen Typs. Bei den früheren Repetitions-Taschenuhren kamen die Rohwerke ja aus der Schweiz. Und die Grand Complication gründet sich auf ein altes Werk. Hältst du es so wie Thierry Stern von Patek Philippe? Jede Repetition wird von ihm ja höchstpersönlich freigegeben.

Wilhelm Schmid: Nein das tue ich nicht, denn wir haben ja Tony de Haas im Haus und auf den kann ich mich diesbezüglich voll und ganz verlassen. Der hat mehr Erfahrung, als ich wahrscheinlich in meinem Leben noch sammeln kann. Ich möchte die Uhren schon hören, aber ein finales Urteil maße ich mir da nicht an. Wenn ich mit einer Krankheit zum Arzt gehe, vertraue ich auch auf dessen Kompetenz. Ich habe hier so tolle Mitarbeiter, dass ich schön blöd wäre, denen zu sagen, was Sache ist. Bislang hatte ich noch nie irgendeinen Anlass, an dem, was Tony und sein Team gemacht haben, groß herumzumäkeln. Dazu bin ich übrigens ja auch in die vorangehenden Prozesse schon viel zu sehr involviert.

Du  hast ja heute in deinem Statement betont, dass das neue Manufakturgebäude nicht zur Steigerung der Quantitäten dient.

Wilhelm Schmid: Uns geht es substanziell um eine nachhaltige Qualitätsverbesserung. Kurzfristig kann man Qualität schon mal pushen. Aber diesbezüglich haben wir ja ohnehin schon einen Level erreicht, über den andere Mitbewerber sich sehr freuen würden. Aber denk mal an den aktuellen Sommer und unsere alten Gebäude. Immer die Fenster offen, da liegen die Probleme doch auf der Hand. Feuchtigkeit, Staub und so weiter. Dann saßen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so dicht aufeinander, dass man sich kaum ausweichen konnte. Da stellte sich dann schon immer öfter die Frage, ob wir so weitermachen wollen oder auch können. Letzten Endes ging es gar nicht ums größer werden, sondern um eine Entwicklung hin zum Besseren. Die einzige Chance, diese Entwicklung auch in Zukunft zu gewährleisten, war die Investition in das heute Eröffnete.

Wer hat denn das letzte Wort gesprochen und das Go! gesagt?  Fornas, Lepeu oder am Ende doch Johann Rupert?

Wilhelm Schmid: Ich kann’s dir beim besten Willen nicht sagen. In die Entscheidungen sind viele Ebenen eingebunden. Aber bei dieser finanziellen Größenordnung glaube ich schon, dass Johan Rupert ein gewichtiges Wort mitspricht. Ins Tagesgeschäft mischt er sich ansonsten nicht ein. Da haben Bernard Fornas und Richard Lepeu das Sagen. Aber wenn ich mich recht entsinne, war Johann Rupert damals, als das Projekt anstand, ja CEO. Und er hat zusammen mit Richard Lepeu entschieden.

In der neuen Fabrikationsstätte entstehen heute ja Armbanduhren in einer Bandbreite zwischen den einfachen Saxonia und der Grand Complication oder Zeitwerk Minutenrepetition. Kann man sagen, dass A. Lange & Söhne damit alles abdeckt, was den klassischen Kunden interessiert?

Wilhelm Schmid: Wenn ich so in unsere Pipeline blicke, und die erstreckt sich über die kommenden fünf Jahre, dann muss ich konstatieren, dass wir noch lange nicht alles gemacht haben. In diesem Fall wäre sie ja leer. Ich kann dir versprechen, dass wir bezogen auf den Horizont, welchen ich heute überblicken kann, immer wieder für Überraschungen gut sein werden. Darauf kannst du dich definitiv verlassen.

Darf ich nochmals nachhaken. Ist Lange mit der Saxonia Handaufzug bezogen auf den Einstig in eure Kollektion richtig aufgestellt? Also die Uhr für den jungen Manager nach dem Studium, der erstmals einen ordentlichen Bonus bekommt? Der kann sich jetzt für 14.000 Euro eine richtige Uhr leisten. Oder müsst ihr den Einstieg tiefer ansetzen?

Wilhelm Schmid: Ehrlich, wir können gar nicht weiter runter mit den Preisen. Wer wir das täten, würden wir etwas produzieren, das nicht zu uns passt. Wir wären nicht mehr wir. Bei uns ist in besagter Einstiegspreislage die Schmerzgrenze schon erreicht. Wir müssen unsere Standards halten, denn nur auf diese Weise können wir unsere Uhrmacher für höhere Aufgabenstellungen anlernen. Wir haben den eisernen Willen, von der einfachen Handaufzugsuhr bis zur Grand Complication durchgängig die gleiche Qualität zu liefern. Daher haben wir nach unter hin eine klar umrissene Grenze. Von allem darunter müssen wir daher die Finger lassen. Das wäre nicht mehr Lange. Da haben wir schlichtweg keinen Spielraum.

Wie siehst du die künftigen Dimensionen von Armbanduhren. Werden sie wieder kleiner?

Wilhelm Schmid: Wir bei Lange machen keine Gehäusegrößen, um irgendwelchen Moden hinterher zu laufen. Unsere Größe resultiert aus dem benötigten Platz fürs Uhrwerk. Wir müssen das unterbringen und schützen, was wir und vorstellen. Dafür braucht es beim Zeitwerk Minutenrepetition schlichtweg mehr Platz als bei der Saxonia thin. Ich denke, wir haben heute für jedes Handgelenk etwas. Ich gebe zu, dass die Terraluna eine große Uhr ist. Aber wir bauen ja auch nur wenige und davon und es gibt genug Leute, die das sehr gut tragen können, weil sie die passende Statur haben. Für mich persönlich wäre das ein wenig zu groß. Größe ist bei uns kein Trend, sondern Notwendigkeit, die sich aus der Anzahl der Bauteile, der Komplikation und der gewünschten Robustheit ergibt.

Letzte Frage, wie geht es in Asien, China, Hongkong?   

Wilhelm Schmid: Bei Lange wurde noch nie in Märkten gedacht, sondern nach dem Prinzip gehandelt, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll. In diesem Sinn adressieren wir uns an in allererster Linie an Sammler. Für die gibt es keinen Markt. Die sitzen irgendwo und wir müssen sie aufspüren. Dadurch, dass es von denen weltweit nach wie vor genug gibt, haben wir da keine essentiellen Probleme. Selbst in den allerbesten Zeiten haben wir niemals angefangen, Uhren anzubieten, die nichts mit Lange zu tun haben. Damals wurde unser Wachstum durch die Produktionskapazitäten begrenzt. Und daran hat sich bei A. Lange & Söhne bis heute nichts geändert.

Hauptaktionär Johann Rupert hielt eine bewegende Rede vor der gesamten Belegschaft. Damit zeigt er auch, wie wichtig das neue Werk für den Richemont-Konzern ist.

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Uhrenbau vom Feinsten - die A.-Lange-Söhne Datograph Perpetual Tourbillon Kaliber

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  1. Das sächsische Zeiteisen | Uhrenkosmos - […] eröffnet A. Lange & Söhne gewaltige Chancen. Diesen Sachverhalt kennt natürlich auch Wilhelm Schmid. 2012, also ein Jahr nach…

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