Zeitreise in die Manufaktur von Zenith
So besichtigen Sie die berühmte Uhren-Manufaktur von Zenith

Den Wunsch, die Geburtsstätte der legendären hochwertigen Armbanduhren von Zenith zu besuchen, hegt wohl so mancher. Wahr wird er freilich nur selten. Hier erfahren Sie, wie so ein Traum doch einmal in Erfüllung geht und sie die mechanischen Werke einmal in ihrer Entstehung erleben können.

So besichtigen Sie die berühmte Uhren-Manufaktur von Zenith

Die Entstehung einer Zenith-Uhr ist filigrane Handarbeit.

Der Tourismusbund Neuchâtel und die Schweizer Traditionsmanufaktur Zenith haben gemeinsam die Initiative „Le Monde Étoilé de Zenith“ gestartet. Genauer gesagt hat der Kanton das 1865 gegründete Unternehmen für ein einzigartiges Projekt auserwählt.

Gründe dafür gibt es viele. Ein gewichtiger besteht sicher darin, dass das Jurastädtchen Le Locle und auch die Zenith-Gebäude zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Darüber hinaus konnte Zenith im Laufe seiner langen Geschichte für seine Produkte und Leistungen rund um die Präzisionszeitmessung nicht weniger als 2.333 Preise entgegennehmen. 1.565 davon waren erste Preise.

Ein dritter Grund ist darin zu sehen, dass es sich hier um eine echte Manufaktur handelt. Will heißen, die verbauten Uhrwerke entstammen einer Konstruktion und Fertigung. Zugekauftes, beispielsweise von der Eta, sucht man in den aktuellen Armbanduhren mit der Signatur Zenith vergebens. Somit können die Besucher beim Rundgang im Detail alles von den Anfängen, also dem Fräsen der Platine bis zum Montieren und Regulieren des Uhrwerks sowie das Einschalen ins Gehäuse erleben. Hinterher sollten keine Fragen mehr offen sein.

Ein geheimnisvoller Speicher

Zenith kann jedoch nicht nur viele Ehrungen vorweise, sondern auch etliche Weltpremieren. Zu ihnen gehört der 1969 vorgestellte „El Primero“-Chronograph. Bei ihm handelt es sich um den ersten seiner Art, der neben einem Kugellagerrotor zum Spannen der Zugfeder auch klassische Schaltradsteuerung, Horizontalkupplung und flotte fünf Herz Unruhfrequenz vorweisen kann. „Der Erste“ trägt seinen Namen also mit Fug und Recht. Dass es ihn trotz aller Verwerfungen der Quarzuhren-Revolution in den 1970er-Jahren weiterhin gibt, ist einem Mann namens Charles Vermot zu verdanken.

Ihm, aber auch der 153 Jahre ununterbrochen währenden Gesichte im Dienste der Uhrmacherei ist der museale Teil des Rundgangs gewidmet. Dabei gibt es jenen Speicher zu sehen, in dem der Uhrmacher und sein Bruder 1975 verbliebene Komponenten und die Werkzeuge zur Herstellung des „El Primero“-Kalibers versteckten, um selbige vor dem Verschrotten zu retten. Um das unbotmäßige Handeln begreifen zu können, muss man in jene krisengebeutelte Epoche zurückblicken.

Zenith befand sich seit 1971 unter dem Dach der Zenith Radio Corporation. Den Amerikanern gefiel das kontinuierlich nachlassende Interesse an überlieferter Mechanik überhaupt nicht. Sinkende und deshalb nicht mehr profitable Stückzahlen widersprachen ihrem betriebswirtschaftlichen Konzept. In diesem Sinne verfügten die neuen Eigentümer das unwiderrufliche Ende des „El Primero“. Pläne und Dokumentationen waren ebenso zu vernichten wie Werkzeuge, verbliebene Rohwerke und das Lager an Komponenten. Das Verschrotten der Metallteile sollte zumindest etwas Geld in die ziemlich leeren Kassen spülen. Mit diesem radikalen Schnitt mochte sich besagter Charly Vermot keinesfalls abfinden. Obwohl bei Nichtbeachtung der Zerstörungsorder die Kündigung drohte, wanderte an Feierabenden und Wochenenden alles fein säuberlich verpackt und beschriftet auf einen der Dachböden. Anschließend mauerten die renitenten Uhrmacher diesen Teil sorgfältig zu. Dort ruhten die Schätze über mehrere Jahre hinweg.

Jahrzehnte voller Schätze

1978 gelangte Zenith wieder in eidgenössische Hände. Einen Markt für Automatikchronographen sah aber auch das neue Management nicht. Als jedoch Pierre-Alain Blum, der Eigentümer von von Ebel bei Zenith nach „El Primero“ fragte, konnte Charly Vermot zügig helfen. Die gegen 1985 einsetzende Renaissance der Mechanik und hartnäckige Nachfragen aus dem italienischen Markt führten ab 1986 zu einem Comeback auf Basis reichlich verfügbarer Altbestände. Die Entscheidung für einen Neubeginn fiel ab 1987, als Rolex Interesse an einer modifizierten Version mit vier Hertz Unruhfrequenz bekundete.

Nun profitierte Zenith erneut vom unbezähmbaren Naturell der Vermot-Brüder. Charly förderte alles Verbliebene ans Tageslicht. Und die Manufaktur revanchierte sich mit einer Reise zu seinem Wunschziel New York. Diese spannende Episode erleben Besucher in Le Locle hautnah. Dazu vieles, was die Manufaktur im Laufe der Jahrzehnte hervorgebracht hat.

CEO Julien Tornare freut sich auf viele Besucher. „Für Zenith ist es eine echte Ehre, für dieses Projekt unter allen Manufakturen der Region ausgewählt worden zu sein. Es hat alle Teams in den Bann gezogen. Le Monde Étoilé bietet unseren Gästen die Möglichkeit, an einem einmaligen Experiment teilzuhaben, die Funktionsweise unserer Zeitmesser zu begreifen und dabei mitten in unsere Geschichte einzutauchen.“

Jetzt anmelden!

Die Besichtigungstour auf Französisch, Deutsch, Englisch, Chinesisch, Japanisch sowie Spanisch für ein bis acht Personen ab 14 Jahren dauert drei Stunden. Sie startet freitags pünktlich um 9 Uhr bei Zenith, Rue des Billodes 34, CH-2400 Le Locle. Anmeldung erforderlich bei Explore Swiss Watchmaking, Espacité 1, 2302 La Chaux-de-Fonds, Telefon +41 32 889 68 82. Sie ist auch möglich im Internet unter www.explorewatch.swiss oder per eMail an info@explorewatch.swiss.

Die Kosten: 40 Schweizerfranken oder umgerechnet rund 35 Euro.

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  1. Chronographen im so genannten Pandalook sind in. - […] Gleich zwei Gangregler besitzt das modular aufgebaute Automatikkaliber 9004 des Chronographen von Zenith. […]

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