Cartier Uhr mit besonderem Werk

Cartier Masse Mystérieuse: Ein halbkreisförmiges Uhrwerk als Rotor

Seit 1913 fertigt Cartier Uhren mit mysteriöser Zeitanzeige. Seit Jahr 2013 gibt es solche wundersame Uhren auch für das Handgelenk. Neuestes und womöglich auch letztes Produkt dieser Art ist die 2022 während der Watches & Wonders vorgestellte Cartier Masse Mystérieuse.

von | 31.03.2022

Mysteriöses mit Geschichte

Keine Frage: Bei der von ihrer Erscheinung ausnehmend faszinierenden Cartier Masse Mystérieuse Armbanduhr, die Cartier dem Produktsegment Fine Watchmaking zuordnet, handelt es sich um eine verbliebene Konstruktion von Carole Forestier. Die einstige Chefuhrmacherin der französischen Luxusmarke arbeitet inzwischen wenige Kilometer entfernt bei TAG Heuer.
Ihrer Kreativität ist auch die von langer Tradition geprägte Uhrenreihe Carier Mystérieuse zu verdanken. Anlässlich des 100. Jubiläums im Jahr 2013 implementierte Carole Forestier das Prinzip optisch vordergründig nicht nachvollziehbarer und damit mysteriös erscheinender Zeit-Mechanik in Armbanduhren.

 

Cartier Masse Mysterieuse Carole Forestier C GLB Uhrenkosmos

Carole Forestier, die Frau hinter den Cartier Mysterieuse Armbanduhren

Begonnen hatte alles mit Maurice Coüet. 1913 präsentierte der 27-Jährige eine so genannte Pendule Mystérieuse. Seine Kreation orientierte sich an Entwürfen von Jean-Eugène Robert-Houdin und Mathieu Planchon aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Scheinbar ohne Antrieb schienen die Zeiger bei Coüets Schöpfungen im Raum zu schweben. Natürlich konnte auch dieser Handwerker die Gesetze der Mechanik nicht außer Kraft setzen. Sein Trick bestand in außen verzahnten und per spiraligem Achsensystem angesteuerten Glasscheiben. Selbige trugen Zeiger aus Platin und Diamanten. Den Antrieb lieferte ein klassisches Handaufzugswerk im Gehäusesockel.

Cartier Pendule Mysterieuse Typ A 1914

Cartier Pendule Mysterieuse Typ A, 1914

1913 ging das Modell A an den Start. Als ersten Kunden verzeichnen die Cartier-Archive den amerikanischen Bankier Pierpont Morgan jun. Im Laufe der Zeit folgten Varianten, darunter auch solche mit zentral drehender Achse. 1925 widmete sich die französische Gazette du Bon Ton den „Wunderwerken der Uhrmacherkunst, die das Mysterium der Zeit unwirklich und wie aus Mondstrahlen gewoben enthüllen.“ Trotz exorbitanter Preise entstanden zwischen 1913 und 1930 rund 90 Exemplare. Eines davon ereilte übrigens ein unrühmliches Schicksal. Wie die Herzogin von Westminster in ihren Memoiren schildert, landete eine der geheimnisvollen Pendulen im Zuge eines nächtlichen Ehekrachs an der Schlafzimmerwand.

Cartier Masse Mystérieuse

2013 debütierte die mysteriöse Rotonde de Cartier mit dem Handaufzugskaliber 9981MC. Ob es sich bei der 2022-er Masse Mystérieuse angesichts Ausscheidens von Carole Forestier um das letzte Oeuvre dieser Art handelt, lässt sich nicht sagen. Auf jeden Fall besticht dieser Armbanduhr durch zwei technische und handwerkliche Aspekte, die der Meisterin ihres Fachs ein uhrmacherisches Anliegen waren. Zum einen geht es um die skelettierte Konstruktion und Ausführung der mechanischen Uhrwerke. Derartiges findet sich bekanntlich auch in klassischen Bestsellern wie der Santos.  Andererseits greift der tickende Newcomer das von Cartier gepflegte Mysterium unsichtbar angesteuerter Zeitanzeige in handgelenksgerechten Dimensionen auf.

Wie der Name dieser Armbanduhr bereits andeutet, drehen sich die zeitbewahrenden Dinge um eine mysteriöse Schwungmasse skelettierter Natur. Als Besonderheit beinhaltet der halbkreisförmige Drehkörper die komplette Mechanik zum Messen und Anzeigen der Zeit.

Insgesamt acht Jahre beanspruchte die Entwicklung des durchaus spektakulären Automatikkalibers 9801 MC. Wie schon die 1953 von der heutigen Schwester Jaeger-LeCoultre lancierte Automatik SR 497 besitzt die 43,5 Millimeter große und am Handgelenk 12,64 Millimeter auftragende Platin-Armbanduhr aus dem Hause Cartier keine Möglichkeit zum manuellen Spannen der Zugfeder. In diesem Fall begründet sich der Verzicht mit der komplexen Mechanik, welche deutlich mehr verkörpert als die Summe ihrer Teile.

Ist das Uhrwerk mit 39,6 Millimetern Durchmesser und 7,3 Millimetern Bauhöhe einmal stehengeblieben, empfiehlt es sich übrigens nicht, Energie durch rasche Drehungen des Ganzen zu erzeugen. Langsames Handeln ist angesagt. Oder besser noch die Nutzung des ins Etui integrierten Uhrenbewegers über einige Stunden hinweg. Der voll gespannte Federspeicher liefert Kraft für emsiges Ticken mit vier Hertz über 42 Stunden hinweg.

Nach dem Geschilderten sollte klar geworden sein, dass die wie üblich mit einem Cabochon besetzte Krone einzig und allein der Zeitanzeige gilt. Selbige besteht aus zwei transparente Saphirscheiben mit Zeigern. Durch den außen verzahnten Rahmen kann das Bedienelement auf das Duo einwirken. Saphir trägt ferner auch besagte Zeit-Mechanik. Ein ausgeklügeltes und vom Automobilbau abgeleitetes Differenzial in ihrem Zentrum verhindert, dass die Drehungen der tickenden Schwungmasse die Anzeige der Stunden und Minuten verändern.

Cartier Masse Mysterieuse Automatikkaliber 9801 MC C Uhrenkosmos

Das halbkreisförmige Automatikkaliber 9801 MC in der Cartier Masse Mysterieuse und sein Gangregler

Auf dem Weg zum patentierten Uhrwerk entstanden fünf verschiedene Bauformen. Die Quintessenz mündete in einen ersten Prototyp. Zwei weitere Ausführungen trugen zur Vervollkommnung der Masse Mystérieuse bei. Gut Ding braucht also selbst im Zeitalter computergesteuerter Fertigungstechnologie immer noch Weile. Nach 30 Exemplaren endet die Produktion der Basisversion Referenz WHRO0078 ohne schmückendes Beiwerk. Inklusive 19% Mehrwertsteuer ist sie für knapp 300.000 Euro erhältlich.

Cartier Masse Mysterieuse CRWHRO0078 C Uhrenkosmos

Cartier Masse Mysterieuse CRWHRO0078: Das Werk dreht sich als sein eigener Rotor und spannt dabei die Zugfeder

HPI01470 nennt sich die Referenz mit diamantbesetzter Schale. Samt Lederband schlägt jedes der zehn Exemplare zur Watches & Wonders vorgestellten Cartier Masse Mystérieuse Uhren mit 565.000 Euro plus länderspezifischer Mehrwertsteuer zu Buche. 1,2 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer kostet schließlich jede der nur fünf Referenzen HPI01471. Sie findet mit voll ausgefasstem Gliederband ans Handgelenk.

 

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