Gehen Sie nicht zu weit!

Der Besuch einer Uhrenmesse oder einer Uhrenversteigerung lässt in der Regel Raum zum Schweifenlassen des Blickes. Ob gewollt oder nicht, beim Betrachten von Alt und Jung, Schön und Interessant bleibt man an vielen kleinen Details hängen. Dazu gehören berufsbedingt natürlich die Uhren, aber auch die Kleidung und die Schuhe der Frauen und Männer. Denn gerade diese geben mehr über den Stil und die Persönlichkeit des Trägers preis, als viele ahnen. Ein Beispiel gefällig?

Vor ihnen steht ein Mann jüngeren Alters und Sie erkennen an seiner linken Hand den charakteristischen Rand einer AP Royal Oak in Stahl. Sowie Sie jedoch den Blick weiter abwärts richten, werden Ihre positiven Gedankengänge jäh unterbrochen. Der Uhrenkenner, von Ihnen dank seiner Audemars Piguet gerade eben noch in den Olymp des guten Stils gehoben, steht in Schuhen da, die er wohl in Pisa gekauft zu haben scheint. Schräg abgelaufene Absätze mit leicht ausfransendem Lederrand künden davon, dass der junge Mann mit seinen Schuhen im wahrsten Wortsinne zu weit gegangen ist. Auch von vorne sieht das traurige Treter-Paar aus, als hätte es seine letzte Schuhcreme-Salbung noch im alten Jahrtausend erhalten. Angesichts des Zustands erkennt man: Statt neuer Salbung wird hier wohl die letzte Ölung erfolgen.

Neugierig geworden, schaut man genauer hin. Die Anzahl der Besucher mit Schuhwerk der Kategorie “sieht zwar schlecht aus, ist aber bequem” ist erstaunlich. Da sind Schnürsenkel zu kurz, gerissen und geknotet. Da wird geschlurft, geschlichen und gewalkt. Manche Schuhe haben gar eine Patina undefinierten Farbtons, die einem Forensiker die Aufenthaltsorte der letzten 5 Jahre mitteilen würden.
Kurz und gut – die Liebe zu Uhren lässt manchem Uhrenfachmann offenbar zu wenig Raum für andere Dinge.
Dabei ist gutes Schuhwerk die Basis für gutes Gehen und Stehen. Von gutem Stil und gutem Aussehen ganz zu schweigen.

Natürlich übertreiben wir maßlos und selbstverständlich betrifft diese Wahrnehmung nicht Sie. Aber einfach zur Bestätigung Ihres vorhandenen Wissens haben wir einige Empfehlungen zusammengetragen.

Schuhpflege-Set

Gute Pflege erfordert auch eine entsprechende Ausstattung mit guten Bürsten, Pflegecremes und Lappen. Außerdem arbeitet man doch so viel lieber, oder? Bild Lina Verovaya

Unsere Tipps für Schuhe mit “An”-Stand

  • Reinigen Sie die Schuhe, die sie tragen einmal im Monat. Diese Reinigung umfasst entweder das Reinigen mit feuchtem Lappen oder feiner Bürste. Auch Lederseife kann bei stärkeren Verschmutzungen eingesetzt werde.
    Auch Sneakers vertragen übrigens eine regelmäßige Reinigung. Viele Modelle lassen sich sogar in die Waschmaschine stecken.
  • Pflegen sie die Schuhe nach jeder Reinigung mit einer hochwertigen Schuhcreme. Tragen Sie die Schuhcreme mit einer weichen Bürste auf. Wichtig sind vor allem die Nähte und die Verbindung zwischen Oberleder und Sohle, ebenso die seitliche Sohle. Sparen Sie nicht mit Schuhcreme und lassen Sie diese kurz einziehen. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass die Bürsten zum Eincremen nach Farbe der Schuhcreme getrennt zu verwenden ist.
  • Polieren Sie anschließend den Schuh mit einem weichen Lappen oder einer weichen Bürste. Verfechter der reinen Lehre werden Sie jetzt darauf hinweisen, dass doppeltes Eincremen und Polieren ein noch schöneres Ergebnis bringen. Vielleicht haben Sie aber noch andere Dinge zu tun.
  • Wildleder werden mit einer etwas härteren Bürste oder bei Verfärbungen mit dem Wildleder-Radierer bearbeitet.
    Die Verwendung eines Imprägniersprays hilft, die Wasserempfindlichkeit zu verringern. Im Falle von Ledersohlen ist aber auch hier die seitliche Sohle mit klassischer Schuhcreme einzucremen.
  • Tragen Sie Schuhe nie länger als einen Tag, sondern wechseln Sie ab.
  • Für den Erhalt der Form und das Verhindern von hässlichen Knickfalten ist die Verwendung von Schuhspannern obligatorisch. Ob Zeder oder nicht, bleibt Ihnen überlassen, normale Hölzer tun es auch. Plastikspanner sind nicht zu empfehlen, da sie keine Feuchtigkeit aufnehmen.
  • Ist ihr Schuh nass geworden, dann platzieren Sie ihn am besten auf einen Rost oder eine Matte am Boden eines warmen, geheizten Raums und lassen Sie ihn mit Schuhspanner versehen langsam trocknen. Gut wäre es, wenn von unten Luft an die Sohle kommt. Stellen Sie ihn aber bitte nicht direkt auf die Heizung. Das ist Gift für die Ledersohle und das Leder.
  • Bei Nässe ist von Sohlen mit Ledersohle dringend abzuraten. Nässe und vor allem Salz ruinieren Ihren Schuh.
    Galoschen können hier wertvolle Dienste leisten. Sie sind aber ziemlich snobby.
  • Bringen Sie Schuhe zum Schuhmacher, bevor die Sonne von unten in den Schuh scheint. Denn, auch wenn Sie vielleicht noch einen Mister Mint Shop finden, der ihnen gnädigerweise eine Gummisohle über das Disaster klebt – der Schuh ist hin.
  • Aus dem gleichen Grund sind auch die Absätze und die Schuhsohlenspitzen regelmäßig zu erneuern. Und zwar fachmännisch. Suchen Sie sich hierzu einen Schuhmacher aus, der dieses Handwerk gelernt hat und nicht auf 400-Euro Basis im Laden aushilft.
  • Abschließender Rat: Kaufen Sie sich weniger Schuhe. Wenn Sie aber ein paar Schuhe haben wollen, sollten Sie sich einen Schuh von dauerhafter Qualität und Schönheit gönnen. Der hat zwar seinen Preis, dafür ist die Freude anhaltend.

Sie sehen, gute Schuhe haben mit schönen Uhren sehr viel gemeinsam.

Schuhe

Uhren, Taschen oder Schuhe haben einiges gemeinsam. Sie erfordern Kennerschaft, Geschmack und Pflege Bild Andrea Natali unsplash