Neue Sportlichkeit
Alles neu macht der Mai. Das gilt auch für Nomos Glashütte. In diesem Monat liefert die Glashütter Manufaktur seine ersten Exemplare der neuen Nomos Glashütte Tangente Sport Armbanduhren an den Fachhandel. Dies wäre nichts Besonderes, würden diese Zeitmesser nicht 27 Jahre nach ihrem Debüt eine betont sportliche Note erhalten
Blickt man ein wenig in seine Geschichte zurück, so wäre zunächst das Jahr 1992 zu nennen. Ein Jahr nach dem Markenrelaunch durch Roland Schwertner erschien die von Suzy Günther gezeichnet „Tangente“ auf der chronometrischen Bildfläche. Ihre Gestaltung war durchaus ungewöhnlich, denn man hatte sich auf das unabdingbar Notwendige reduziert. Frei nach dem 1922 formulierten Postulat „Kunst und Technik, eine neue Einheit”. Das Zitat stammt von Walter Gropius, der immerhin im Jahr 1919 das Bauhaus ins Leben gerufen hatte. Wobei sich die dort tätigen Künstler und Handwerker eigentlich herzlich wenig um Uhren scherten. Ursprüngliche Exemplare sind bislang jedenfalls keine bekannt.
Daher orientierte sich Designerin der Tangente, Suzy Günther, bei ihrem Entwurf auch an einem zurückhaltenden Design aus den 1930-er Jahren. Der Erfolg dieser gestalterischen Rückbesinnung zeigt sich am besten im anhaltenden Erfolg dieser Armbanduhr. Nach 27 Jahren ununterbrochener und von Erfolg gekrönter Marktpräsenz kann man mit Fug und Recht von einem echten Klassiker sprechen. Seitdem sind etliche Versionen besagter „Tangente“ entstanden. Allerdings lief in der Tangente am Anfang zunächst das aus der Schweiz zugekaufte Handaufzugskaliber Peseux 7001, heute ETA. Ein Umstand, den einige der Glashütter Kollegen nicht besonders gefiel.
Die neue sächsische Sportlichkeit
Inzwischen haben sich viele Dinge, insbesondere das Uhrwerk verändert. So ist in der brandneuen, während der Baselworld 2019 gezeigten „Tangente Sport“ nun ein Kugellagerrotor für den permanenten Energienachschub zuständig. Er gehört zum selbst entwickelten und gefertigten Kaliber DUW 6101 „neomatik“. Zu dessen Besonderheiten zählt auch ein hauseigenes Schwing- und Hemmungssystem.
Das sportliche Auftreten des sächsischen Newcomers zeigt sich quasi auf den ersten Blick. Zum einen ist der Durchmesser des Edelstahlgehäuses auf 42 Millimeter gewachsen. Für Nomos-Verhältnisse ist das erstaunlich viel. Hinzu gesellt sich ein ausgeprägter Flankenschutz für die Aufzugs- und Zeigerstellkrone. Vordergründig unsichtbar ist dagegen die respektable Wasserdichte. Rein theoretisch könnte man mit dieser Armbanduhr bis zu 300 Meter Wassertiefe in die Meeresgründe hinabsteigen.
Zu den wahrhaft unübersehbaren Komponenten gehört allerdings das Armband. Nomos lässt es nicht mehr aus Pferdeleder fertigen, sondern erstmals aus edlem Stahl. Und das ist für die Sachsen ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Auf ein Gliederband haben Fans der Marke nämlich schon lange gewartet. Freilich hätten die übliche Metallbänder mit drei, vier oder gar fünf Reihen unter keinen Umständen zu einer „Tangente“ mit ihrem gradlinigem, sehr minimalistisch gestaltetem Gehäuse gepasst.
Daher entstand eine interessante Neukonstruktion aus einem Guss, die die „Tangente Sport neomatik Datum“ sicher und doch komfortabel am Handgelenk hält. Schließlich sollte die Gestaltung zum Gehäuse mit wahlweise hellem oder dunklem Zifferblatt und den natürlich nachtleuchtenden Zeigern passen.Das neue Armband zeigt seine Vorzüge sofort und beeindruckt mit hohem Tragekomfort. Hierfür werden die 145 Komponenten des Metallbands manuell verschraubt. Diese Nomos-eigene Lösung gilt auch für die Faltschließe. Sie ist eine komplette Eigenentwicklung.
Sport Club
Alternativ offeriert Nomos das gleiche Armband an der ebenfalls ganz neuen „Club Sport neomatik Datum“. Ihr Stahlgehäuse misst auch 42 Millimeter. Für einen anderen optischen Eindruck sorgen hingegen deutlich breitere und gebauchte Bandanstöße, sowie eine rechtsseitige Gehäuseflanke ohne die schützenden Höcker für die Krone. Analog zur „Tangente“ tragen Zifferblatt und Zeiger reichlich Super-LumiNova Leuchtmasse.
Und das 3,6 Millimeter flache Automatikkaliber DUW 6101 zeigt sich wiederum durch einen Saphirglas-Sichtboden. Die Resistenz gegen das nasse Element reicht einmal mehr bis zu 30 bar Druck.
Wissenswertes zum Automatikkaliber DUW 6101:
2015 präsentierte Nomos Glashütte sein Automatikkaliber DUW 3001 mit eigenem Schwing- und Hemmungssystem. Bei 28,8 mm Durchmesser baut das aus 157 Teilen assemblierte Manufakturwerk mit Dreiviertelplatine und Kugellager-Schwungmasse lediglich 3,2 Millimeter hoch. Die Polarisierung der Rotorbewegungen erfolgt mit Hilfe eines Doppelklinkenrads. Dadurch beträgt der Verlust bei Drehrichtungswechsel lediglich zehn Bogengrade. Nur eine Stunde Bewegung baut so nicht weniger als 22 Stunden Gangautonomie auf.
Per Schwenk-Wippe erfolgt die Entkoppelung der Automatik vom Handaufzug. Quasi ausgeschlossen sind dabei das Überspannen und Abreißen der Zugfeder. Bei Vollaufzug arretiert die Schwungmasse unverzüglich. Danach kommt der sächsische Mikrokosmos mit drei Hertz Unruhfrequenz und blauer Unruhspirale rund 42 Stunden ohne erneuten Energienachschub aus.
Das Nachfolger Uhrwerk
Auf diesem Uhrwerk basiert das Kaliber DUW 6101. Nebeneinander gelegt gleichen sie sich fast wie ein Ei dem anderen. Lediglich die Beschriftung der Schwungmasse ist erhaben statt graviert. Ferner sticht eine größere Platine ins Auge. In der Tat, ist der Durchmesser auf 35,2 mm und die Höhe auf 3,6 mm gewachsen. Für ein Exemplar des neuen Uhrwerks benötigen die Uhrmacher nun 188 Komponenten. Dieser Zuwachs an Bauteilen resultiert aus einer vorderseitig montierten Datumskadratur.
Die beachtliche Fläche gestattet logischer Weise einen entsprechend großen Ring, der das Ablesen der nach Stunden, Minuten und Sekunden wichtigsten Uhren-Information beträchtlich erleichtert. Nach längerem Liegen schafft überdies eine Schnellschaltung im Handumdrehen korrekte Datumsverhältnisse. Beim DUW 6101 wirkt diese Schnellschaltung in beiden Richtungen. Möglich macht es eine ausgeklügelte Programmscheibe. Dieses Platz sparende Bauteil ähnelt einem Dreieck mit geschwungenen Kanten. Es arbeitet mit einem kleineren Datumsrad bei der „10“ zusammen. Dieses rotiert während 24 Stunden zwar vier Mal um seine Achse, lässt den großzügig dimensionierten Datumsring trotzdem aber nur um eine Position weiter wandern. Welch ausgeklügelter Mechanismus.
Uhrenkosmos Modell-Steckbrief
Nomos Glashütte Tangente Sport neomatic
Hersteller | Nomos Glashütte |
Name | Tangente Sport neomatik Datum |
Premiere | März 2019 |
Uhrwerk | Manufakturkaliber DUW 6101 |
Aufzug | automatisch, in beiden Drehrichtungen wirkender Kugellagerrotor |
Durchmesser | 35,2 mm |
Bauhöhe | 3,6 mm |
Komponenten | 188 |
Unruhfrequenz | drei Hertz |
Gangautonomie | 42 Stunden |
Anzeige | Stunden, Minuten, Sekunden, Fensterdatum |
Besonderheit | Innovative Datums-Schnellschaltung |
Gehäuse | Edelstahl mit Sichtboden |
Durchmesser | 42 mm |
Höhe | 10,9 mm |
Wasserdichte | 30 bar |
Armband | neu entwickeltes Edelstahl-Gliederband mit Faltschließe |
Preis | 3.980 Euro |
Uhrenkosmos Modell-Steckbrief
Hersteller | Nomos Glashütte |
Name | Club Sport neomatik Datum |
Premiere | März 2019 |
Uhrwerk | Manufakturkaliber DUW 6101 |
Aufzug | automatisch, in beiden Drehrichtungen wirkender Kugellagerrotor |
Durchmesser | 35,2 mm |
Bauhöhe | 3,6 mm |
Komponenten | 188 |
Unruhfrequenz | drei Hertz |
Gangautonomie | 42 Stunden |
Anzeige | Stunden, Minuten, Sekunden, Fensterdatum |
Besonderheit | Innovative Datums-Schnellschaltung |
Gehäuse | Edelstahl mit Sichtboden |
Durchmesser | 42 mm |
Höhe | 10,9 mm |
Wasserdichte | 30 bar |
Armband | neu entwickeltes Edelstahl-Gliederband mit Faltschließe |
Preis | 3.220 Euro |
0 Kommentare
Trackbacks/Pingbacks