Uhrenmarkt 2022

6 kleine Uhrenmarken und ihre besonderen Manufaktur-Uhren

Der Erfolg der großen Uhrenmarken hält weiter an und die Menge an produzierten Uhren hat das Vor-Coronaniveau wieder erreicht, in vielen Fällen sogar überschritten. Entsprechend stark ist der Gegentrend. Im Fokus stehen kleine Uhrenmarken, die hohe Qualität in kleinen Auflagen produzieren und auf "klein, aber fein" setzen.

von | 03.01.2022

Die absolute Zahl der produzierten Uhren, die viele kleine Uhrenmarken, bzw. etliche feine kleine Uhrenmanufakturen herstellten ist erstaunlich gering. Dazu muss man sich nur die Menge an produzierten Uhren der großen Uhrenmarken vor Augen halten. Auch wenn die Uhrenhersteller keine offiziellen Zahlen kommunizieren soll Rolex etwa bei jährlich über 800.000 produzierten Uhren, Omega bei über 700.000 Uhren, Longines bei gut 600.000 Uhren oder Cartier bei gut 500.000 Uhren liegen.

Auch das Premium-Segment der Lxususuhren kommt noch auf beachtliche Stückzahlen. Denn obwohl viele Modelle praktisch nicht erhältlich sind, verkauft Patek Philippe jährlich über 66.000 Uhren, Audemars Piguet rund 46.000 Zeitmesser und selbst A. Lange & Söhne schafft es auf über 6.000 Manufakturstücke. 
Somit ist es nicht erstaunlich, dass ungeachtet der hervorragenden Qualität der „Massenhersteller“ mehr und mehr Uhrenliebhaber zu kleinen Uhrenmarken und Uhrenmanufakturen tendieren. Deren Produkte sind in der Regel zwar deutlich teurer. Allerdings erhält der Uhrenliebhaber und Uhrenkenner eine Uhr, die handwerkliche Qualität mit kleiner Auflage verbindet – und damit eine hervorragende Basis für eine mögliche Wertsteigerung darstellt. 

Kleine Uhrenmarken

Der Markt für feine Uhrenmanufakturen und kleine Uhrenmarken und Hersteller von Kleinauflagen ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Dabei profitieren diese Marken, so widersprüchlich es klingen mag, stark vom Erfolg der großen Player. Zum einen dadurch, dass die großen Marken durch ihre Kommunikation dafür sorgen, dass das in Zeiten allgegenwärtiger, zeitanzeigender Smartphones im Grunde funktionslos gewordene Accessoir Armbanduhr auch heute noch als Kulturgut wie Statussymbol am Arm getragen wird. Zum anderen sorgt der immense Erfolg und die hohen Stückzahlen der großen Player dafür, dass finanziell gutgestellte Individualisten besondere, einzigartige Uhren in Mini-Auflagen statt Modelle von der Stange suchen. Sie schätzen Kleinserien sowie Marken, die nur Kenner einzuordnen wissen und den Charme echter Handarbeit.

In diesem Segment geht es um Kennerschaft und nicht um Bling-Bling. Entsprechend zurückhaltend sind viele Marken in ihrem Auftreten wie in ihrer Kommunikation. Wie groß die Suche nach dem Besonderen ist, zeigen auch die phantastischen Versteigerungserlöse der letzten Only Watch Auktion im November 2021.

Kari Voutilainen

Der Uhrmacher Kari Voutilainen stammt zwar aus Rovaniemi, einem kleinen finnischen Ort aus der Nähe des Polarkreises. Er hat aber nicht zuletzt durch sein uhrmacherisches Wirken längst in der Schweiz ein neues Zuhause gefunden. In seiner Werkstätte in Môtiers entstehen herausragende Uhren, die sich durch ihre erlesene Handarbeit und technische Perfektion einen Namen gemacht haben. Dazu gehört auch das Modell Kari Voutilainen 28SC SB.

Die Armbanduhr Voutilainen 28SC SB verkörpert perfekt die Philosophie von Kari Voutilainen. Das Uhrwerk ist in einem stilvollen und gleichermaßen robusten Gehäuse von Voutilainen & Cattin aus wiedergewonnenem Stahl der Güteklasse AISI 316L 4441 untergebracht. Für die Zifferblätter arbeitet Voutilainen wiederum mit dem Hersteller Comblemine zusammen. In Inneren der Uhr misst das Voutilainen-eigene, bei 18.000 Hz schwingende Manufakturwerk Vingt-8 die Zeit. Dabei fällt bei einem Blick durch den Glasboden der 28SC SB sofort die inhouse gefertigte große Unruh in klassischer Uhrmachertradition auf.

Der Preis dieses Kleinserienmodells liegt bei rund 85.000 Schweizer Franken und es wird nur 12 Uhren der Serie Voutilainen 28SC SB geben.

 

Christophe Claret

Der Franzose Christophe Claret gilt trotz seiner überschaubaren Anzahl an hergestellten Uhren und Modellen als ein Meister der Komplikation. Nach seiner Ausbildung arbeitete der begnadete Uhrmacher in Le Locle über 20 Jahre lang für andere Marken und entwickelte Uhrwerke. Im Jahr 2009 war es dann soweit und Claret startete seine eigene Marke.

Alles andere als alltäglich ist auch das 41 mm große Modell Christophe Claret Angelico mit Zeit- und Sofortsprung-Dualzeitanzeige mit Tag-/Nachtanzeige. Technikfreaks beeindruckt bei dieser Uhr das außergewöhnlich konstruiertes Werk Kaliber DTC08. Das Handaufzugswerk mit 62 Steinen und zwei Federhäusern bietet einer Gangreserve von 72 Stunden. Technisch anspruchsvoll ist das bei 2,5 Hz schwingende Tourbillon mit Feststellhemmung und Seilspirale. Optisch fallen hingegen die abgestuften Brücken und das skelettierte Federhaus ins Auge. Das Claret Modell Angelico gibt es in Gelbgold und Weißgold, kostet 238.000 Schweizer Franken und ist auf jeweils 10 Exemplare limitiert.

De Bethune

Als im Jahr 2002 der Kunst- und Uhrensachverständige David Zanetta mit dem Uhrmachermeister Denis Flageollet die Uhrenmanufaktur De Bethune gründete, hatten viele Kenner der Szene ihre Zweifel – wie so oft bei kleinen Uhrenmarken. Würde solch eine ungewöhnliche Kombination es schaffen Uhren zu konstruieren, die gleichermaßen kunstvoll, kreativ wie technisch anspruchsvoll sind? Die Antwort der beiden Gründen war so überzeugend, dass De Bethune schnell zu einem der Premiumlabels des „Indipendent“-Markts wurde.

Welch überzeugende Uhren De Bethune herstellt, zeigt das neue Modell Bethune DB25 Perpetual Calendar Green. Die De Bethune B25 Perpetual Calendar mit grünem Zifferblatt und Titangehäuse hat eine Größe von 44 mm und ist 11 mm hoch. In der Mitte wie am äußeren Rand des Zifferblatts befinden sich in Handarbeit angebrachte guillochierte Dekors. Zusätzlich zur Stunde, Minute und Sekunde zeigt die Uhr bei 3 und 9 Uhr das Datum, sowie eine sternverzierte Mondphase. Dabei ist der Ewige Kalender im Permanentbetrieb erst nach 122 Jahren manuell nachzujustieren.

Für diese enorme Genauigkeit sorgt das aus 425 Komponenten und 47 Rubinen bestehende Kaliber DB2324. Es zieht seine Energie über einen Titan-Weißgold-Rotor und gewährt eine phantastische Gangautonomie von rund 120 Stunden. Edel ist nicht nur die Verarbeitung, auch die bei 4 Hz arbeitende Hemmung mit De Bethune-Unruhspirale mit flacher Endkurve und Hemmungsrad aus Silizium ist von höchster Qualität. Die grüne Referenz DB25QPATUIS4 mit ewigem Kalender kostet 125.000 Schweizer Franken und ist auf 10 Exemplare limitiert.

Atelier de Chronometrie

Wie spannend eine große Portion Handarbeit in Verbindung mit alten Omega Uhrwerken und historisch angehauchten Zifferblättern sein kann, zeigt die kleine Uhrenmarke Atelier de Chronométrie (AdC) aus Barcelona. Allerdings werden die Omega-Werke alle erheblich verfeinert und technisch auf ein aktuelles Niveau gebracht.
Dies gilt auch für das neue Modell Atelier de Chronometrie AdC 88. Allerdings sind die Modelle den älteren Uhrwerken geschuldet deutlich kleiner und dezenter als viele aktuelle Uhren. Entsprechend hat das Stahlgehäuse eine flache Lünette, einen Saphirglasboden und eine Größe von nur 37 mm.

Ausgangsbasis ist ein Omega-Kaliber 266 der 50er Jahre mit Handaufzug. Trotz seiner Chronometerqualität verbessert das Team von Santiago Martínez und seinen Mitstreitern das 3 Hz Omega-Kaliber mit 44 neuen, handgefertigten Komponenten und neuen Brücken. Überdies erhält das Werk mit seiner Gangautonomie von 38 Stunden eine aufwendige manuelle Veredelung. Der Preis einer Atelier de Chronometrie AdC 88 Armbanduhr liegt bei 38.000 Euro.

Lang & Heyne Dresden

Die feine kleine Uhrenmanufaktur Lang & Heyne ist trotz ihres Stammsitzes bei Dresden manchem deutschen Uhrensammlern noch unbekannt. Dies ist angesichts der herausragenden Qualität durchaus erstaunlich, bieten die Uhrenwerke doch alles, was feine Uhrmacherei aus Sachsen ausmacht. Dabeis haben Uhren vone Lang & Heyne international einen herausragenden Ruf. Entsprechend lang ist die Warteliste für manche Modelle.

Auch das Modell Friedrich III mit seinem 39 mm Roségoldgehäuse und Silberzifferblatt verzeichnet dank seines nach allen Regeln überlieferter Handwerkskunst hergestellten Kalibers eine lebhafte Nachfrage. Sein Handaufzugskaliber VI mit 55 Stunden Gangreserve, kleiner Sekunde und Sekundenstopp ist ausnehmend schön und aufwendig finissiert. Der Preis dieser Preziose liegt bei rund 27.000 Euro.

 

Andersen Geneve

Die feine, kleine Uhrenmarke Andersen Genève wurde bereits im Jahre 1980 vom dänischen Uhrmacher Svend Andersen gegründet. Der Gründung vorangegangen waren 9 intensive Jahre, die der Uhrmacher im Patek Philippe Studio „Atelier des grandes complications“ zugebracht hatte. Über viele Jahre bautet sich Svend Andersen in den Folgejahren durch seine handwerklich herausragend hergestellten, aber auch in der Gestaltung besonderen Uhren einen herausragenden Ruf unter Uhrensammlern auf. Aber auch viele Auftraggeber großer Marken schätzten seine uhrmacherische Kompetenz und gaben Einzelmodelle oder Kleinserien in Auftrag.

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens der kleinen Uhrenmanufaktur entwarf die Edelschmiede das Modell Andersen Jumping Hours. Diese besondere Uhr besticht optisch durch ein 38 mm Rotgoldgehäuse in Kombination mit einem handguillochierten Gold-Zifferblatt. Die Zeitanzeige erfolgt statt über ein klassisches Zifferblatt über eine springende Stundenanzeige und eine kleine Minutenanzeige bei der 6. Angetrieben wird die bei 3 Hz arbeitende Uhr von einem 11.50 Frédéric Piguet Automatik-Kaliber. Es wird durch ein von Anderson entwickeltes Springstundenmodul ergänzt und bietet eine Gangreserve von rund 60 Stunden. Nebem dem guillochiertem Rotor aus 18 Karat-Gelbgold sticht auch die Sorgfalt ins Auge, mit der jedes Uhrwerk von der kleinen Uhrenmanufaktur finissiert wird.

Die unlimitiert angebotene Rotgoldversion der Andersen Jumping Hours 40th plus 1 Year Anniversary kostet 37.800 Schweizer Franken. Zusätzlich ist auch eine auf 40 Exemplare limitierte Platin-Version zum Preis von 41.600 Schweizer Franken erhältlich.

 

 

 

Noch mehr über luxuriöse Uhren

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Karl-Friedrich Scheufele und Chopard Mille Miglia 2022 Race Edition Stahl (C) Uhrenkosmos

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