Eine klassische Schönheit von Armbanduhr mit Vollkalendarium und Mondphasenanzeige
Die Venus von La Chaux de Fonds

Der Mondphasenchronograph von Schwarz-Etienne aus den 50er Jahren besticht nicht nur durch seine wohlklingende Namensgebung, sondern auch durch feine technische Komplikationen

Die Venus von La Chaux de Fonds

Die aufgesetzten Stundenindexe bestehen aus 18karätigem Gold

Das Jahr 1918 war für die Schweiz eine einzige Chronik der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Umbrüche und Veränderungen: Das neue Verhältniswahlrecht für den Nationalrat beseitigt die absolute Mehrheit der Freisinnigen. Wegen einer verheerenden Grippe-Epidemie wird ein allgemeines Versammlungsverbot verhängt. Der 1853 geborene Maler Ferdinand Hodler, international bekannt durch seine in monumentalem Flächenstil geschaffenen Historien und Landschaften, stirbt. Und neben weiteren eher unangenehmen Dingen gibt es aber auch positive Meldungen. So hat der im November beendete Erste Weltkrieg in der schweizerischen Uhrenindustrie nicht zu dem befürchteten massiven Umsatzeinbruch geführt. Den Fabrikanten ist es vielmehr gelungen, die großen Lagerbestände weitgehend zu räumen. Aber die Unsicherheit war aller orten zu spüren.

Trotz dieser Ungewissheit, wie es im kriegszerstörten Europa weitergehen wird, gründet in La Chaux-de-Fonds Paul Schwarz-Etienne 1918 eine Fabrik zur Fertigstellung von Uhren. Nachdem seine Kinder später deren Leitung übernommen haben, erhält sie den  Namen Les Fils de Paul Schwarz-Etienne. Uhren mit dieser Signatur wird man am Markt freilich vergebens suchen. Um die aus zugekauften Teilen terminierten Zeitmesser zu vertreiben, beantragte das Unternehmen beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum Schutz für eine Vielzahl von Handelsmarken, darunter Ardor, Arexo, Ascot, Astro, Certus, Cysne, Denis, Dom, Germa, Gerwa, Glorys, Haga, Innig, Lessek, Orfeus, P.S.E., R.P.S., Synthetic, Vedeor und Venus. Welche davon tatsächlich verwendet wurden, läßt sich heute im einzelnen nicht mehr feststellen. Modelle der Marke „Dom“, darunter Armbanduhren mit automatischem Aufzug, Vollkalendarium und Mondphasenanzeige,  waren z.B. in Italien gut vertreten.

Die Geburt der Venus – Armbanduhr

Unter der Signatur „Venus“ wurden Armbanduhren unterschiedlichster Ausführung angeboten, klassische Modelle mit manuellem oder automatischem Aufzug und auch sportliche Chronographen. Der abgebildete Armbandchronograph mit 18karätigem Goldgehäuse dürfte in den fünfziger Jahren wohl die Spitze der Venus-Kollektion von Les Fils de Paul Schwarz-Etienne repräsentiert haben. Ein Venus-Ebauche findet man darin allerdings nicht, obwohl auch der 1924 in Münster (Kanton Bern) gegründete Rohwerkehersteller gleichen Namens entsprechende Kaliber (z.B. 187) im Lieferprogramm hatte.

Les Fils de Paul Schwarz-Etienne setzten stattdessen auf das bewährte Valjoux-Schaltradkaliber 88 mit einfachem Vollkalendarium und Mondphasenanzeige. Bei diesem Werk muss wie bei vergleichbaren Kalibern auch die Datumsanzeige in allen Monaten mit weniger als 31 Tagen, die Monatsindikation nach Ablauf jedes Monats manuell korrigiert werden.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden

Illus

Beliebteste

Chrono Sapiens - Die Herren der Zeit
Der Gipfelstürmer: Jérôme Lambert

Für Montblanc gab es mit Jérôme Lambert nur eine Richtung: bergauf. Mit Mut, Visionen und dem nötigen Fingerspitzengefühl bekleidet der Franzose nach einem erfolgreichen Intermezzo in Hamburg bei Richemont in Genf inzwischen eine übergreifende Führungsposition. Ab dem 10. September 2018 lenkt er den Luxuskonzern als CEO

ABONNIEREN SIE JETZT UNSEREN NEWSLETTER

Aktuelle Glossarbeiträge