Großdatum + Chronograph = Datograph

Als Günter Blümlein, der 2001 viel zu früh verstorbene CEO von A. Lange & Söhne während der Baselworld 1999 das hauseigene Lange Kaliber L951.1, also einen der Vorläufer der A. Lange und Söhne Triple Split Chronographen, mit 30,6 Millimetern Durchmesser und 7,5 Millimetern Bauhöhe enthüllte, konnte er seinen Stolz auf das Chronographen-Kaliber nur schwer verbergen. Obwohl durch und durch klassisch aufgebaut, zeichnet sich der im Laufe von vier Jahren entwickelte und aus 405 Einzelteilen zusammengefügte Zeitschreiber durch eine Reihe außergewöhnlicher Merkmale aus. Zum Beispiel springt der 30-Minuten-Zähler immer dann exakt dann um eine Position weiter, wenn der Chronographenzeiger das Zifferblatt einmal umrundet hat. Eine so genannte Temposchaltung oder Flyback-Funktion gestattet das Nullstellen und Neustarten des Chronographen ohne Zwischenstopp.

Überdies besitzt das Handaufzugswerk eine separate Sekundenradbrücke, einen Chrono-Schalthebel mit beidseitig gelagerter Welle, eine justierbare, im Zentrum des Sekundenrads positionierte Kupplungswippe, einen beidseitig -wie ein Rad- in Steinen gelagerten und geführten Minutenzähler-Schalthebel, eine Stufenschnecke zum exakten Auslösen des Minutenzähler-Schalthebels mit Gleitstein aus Rubin sowie ein in vier Steinen gelagertes Ankerrad. Die große Glucydur-Schraubenunruh und die mit ihr kooperierende Breguetspirale vollziehen für präzise Fünftelsekunden-Stoppungen pro Stunde klassische 18.000 Halbschwingungen, was 2,5 Hertz entspricht.. Hinzu kommt das bestens bekannte Großdatum, welches dieser Armbanduhr als Namenpate diente.

Doppelt gesplittet ist Double Split

Seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert hat sich an der komplexen Einholzeiger-Mechanik prinzipiell nichts mehr geändert. Der Doppelzeiger setzt sich gemeinsam mit dem eigentlichen Chronographenzeiger in Bewegung. Während letzterer seine Runden dreht, lässt sich der Rattrapante beispielsweise zum Ablesen von Zwischenzeiten beliebig anhalten und danach wieder Synchronisieren. Das niemals ausgemerzte Manko: Mehr als sechzig Sekunden Differenz vermochte kein Schleppzeiger darzustellen.

Und genau diesem Missstand bereitete A. Lange & Söhne 2004 ein Ende. Gleich zwei Einholzeiger weist das Modell Double Split auf. Der zweite, konzentrisch zum Minuten-Totalisator angeordnete zählt bis zu dreißig Umläufe des Sekunden-Schleppzeigers. Mit anderen Worten: Die Besitzer können vergleichende Zeitnahmen problemlos bis zu einer halben Stunde ausdehnen. Derartige Funktionalität bietet das Handaufzugskaliber L001.1, welches die Uhrmacher gemäß der Lange-Philosophie zwei Mal hintereinander aus insgesamt 465 Teilen zusammensetzen. Vor- und Nachmontage gehören nämlich zu den Kennzeichen der Werkeproduktion dieser Glashütter Nobelmarke Lange und Söhne. Logischer Weise besitzt das Uhrwerk auch die Flyback-Funktion des bereits genannten Datograph von 1999.
Eine weitere Innovation besteht im gangstabilisierenden Isolator-Mechanismus zur Trennung von Chronograph und angehaltenem Schleppzeiger. Ein kleiner Zeiger bei „12“ stellt den aktuell verbleibenden Energievorrat der Zugfeder dar. Eigener Fertigung entstammt die frei schwingende Unruhspirale, deren Befestigung mit Hilfe einer patentierten Spiralklemme erfolgt. Zur Veränderung des Trägheitsmoments der damals ebenfalls neuen Glucydur-Unruh finden sich axiale Exzenterschrauben.

A. Lange und Söhne Triple Split

Höchst komplizierte Zeitmesser mit aiguille rattrapante, also Rattrapante Zeiger, offeriert A. Lange & Söhne bereits seit 1886. Allerdings stammt die aufwändige Mechanik zum vergleichenden Erfassen zweier parallel ablaufender Ereignisse mit gleichem Beginn oder zum Ermitteln von Zwischenzeiten von eidgenössischen Rohwerkefabrikanten aus dem Vallée de Joux. Nach dem Double-Split-Kaliber L001.1 von 2004 brachte das Jahr 2018 eine weitere Weltpremiere. Beim so genannten A. Lange & Söhne Triple Split handelt es sich nämlich um den ersten und bislang einzigen Chronographen mit Dreifach-Schleppzeiger.
Die einzigartige Entwicklung gestattet stundenlange Vergleichsmessungen beispielsweise im Rahmen von Marathonläufen oder Triathlon-Wettbewerben. Zu diesen und anderen Zwecken haben die Techniker und Uhrmacher den 12-Stunden-Totalisator ebenfalls um einen klassischen Schleppzeiger erweitert. Die Positionierung am Zifferblatt bedingte eine Verlegung der Gangreserveanzeige in Richtung „6“.
Das Manufakturkaliber L132.1 ist allerdings weit mehr als eine reine Weiterentwicklung des bereits Vorhandenen. Davon zeugt die Tatsache, dass sich der aus 567 Komponenten assemblierte Mikrokosmos trotz größerer Funktionalität und 102 zusätzlichen Teilen mit den gleichen 30,6 mm Durchmesser und 9,4 mm Bauhöhe begnügt. Stündlich 21.600 Halbschwingungen vollzieht die Unruh mit variabler Trägheit. Die Schwanenhals-Regulierung auf dem natürlich handgravierten Unruhkloben dient dem feinen Einstellen des Anker-Abfalls. Nach Vollaufzug stehen 55 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Im Rahmen der diesjährigen Watches & Wonders stellt A. Lange den Chronographen mit Dreifach-Schlepp in Rotgold vor. Die bis zu drei bar Druck wasserdichte Schale besitzt einen Durchmesser von 43,2 Millimeter und baut 15,6 Millimeter hoch. Die insgesamt zehn Zeiger bewegen sich vor einem blau eingefärbten Zifferblatt aus massivem Silber.

Jedes der insgesamt 100 Exemplare der A. Lange und Söhne Triple Split Chronographen kostet 159.400 Euro. Zu haben in den eigenen Lange-Boutiquen und auch bei den offiziellen Konzessionären.

Eine Expertenrunde von A. Lange & Söhne über feine Uhrmacherei