Jean-Paul Girardin im Gespräch

Jean Paul Girardin: „Die Breitling B 55 Exospace ist keine Smartwatch!“

Was Jean-Paul Girardin zu seiner Zeit bei Breitling machte, tat er mit Leidenschaft. Das galt auch für den smarten Chronographenvon 2018. Man muss übrigens nicht unbedingt Pilot sein, um den Spirit dieser Uhr zu spüren.

von | 21.05.2018

Was unterscheidet die Breitling B 55 Exospace von den vielen anderen Smartwatches, die momentan den Uhrenmarkt überfluten?

Jean Paul Girardin: Als erstes möchte ich betonen, dass es sich bei der Breitling B55 Exospace nicht um eine Smartwatch handelt. Eine Smartwatch  ist mit dem Internet verbunden. Das ist unsere B55 aber nicht. Wir haben eine Connected kreiert, also eine Uhr, die sich mit einem Smartphone verbinden lässt und nicht mehr. Zunächst einmal handelt es sich um eine richtige Uhr mit verschiedenen Zeitmess-Funktionen. Drei Zeiger, richtiges Zifferblatt, Titan-Gehäuse. Von außen sieht man nichts von den zusätzlichen Funktionen. Es handelt sich also um eine echte Breitling.

Während der Baselworld haben Sie  erzählt, dass die B 55 alle Funktionen den B 50 haben wird und darüber hinaus noch weitere Features.

Jean Paul Girardin: So ist es. An dieser Aussage hat sich nichts geändert. Es handelt sich um einen Breitling Chronographen mit vielen Zusatzfunktionen, die jedoch allein mit Krone und Drücker der Uhr ein wenig mühsam zu bedienen sind. Das ändert sich jedoch schnell, wenn einmal die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone besteht.

Auf gut Deutsch ging es Breitling um eine Steigerung der Benutzerfreundlichkeit, oder?

Jean Paul Girardin: Richtig. Die solcherart erzielte Benutzerfreundlichkeit macht das Leben mit dieser Uhr sehr viel einfacher. Unsere Devise lautete, das Beste von der Uhr und das Beste von der Uhr samt ihren hilfreichen Funktionen mit einer App am Smartphone zu verknüpfen.

Wird die B 55 wie jede Breitling auch ein COSC-Chronometerzertifikat mitbringen?

Jean Paul Girardin: Selbstverständlich. Unser Werk ist thermokompensiert.

Zurück zu den Connected-Funktionen…

Jean Paul Girardin: In einem Satz, das Smartphone steuert die Uhr am Handgelenk.

Jede Art von Smartphone?

Jean Paul Girardin: Zwischen Apples iOS und dem Android-Betriebssystem gibt es keine Unterschiede. Es gibt zwei unterschiedliche, jeweils komplett auf die Uhr zugeschnittene Applikationen.

Aber die B 55 wird sicher nicht mit jedem Uralt-Betriebssystem kooperieren.

Jean Paul Girardin: Nein, das selbstverständlich nicht. Voraussetzung bei iOS sind mindestens ein iPhone 4S oder iPad 3 mit der Software-Version 7. 0. Bei Android braucht es 4.4 und hardwareseitig einen Bluetooth Niedrigenergie-Chip.

Im Gegenzug kann man sicher auch Daten von der Uhr auf dem Smartphone speichern.

Jean Paul Girardin: So ist es. Die Übertragung der Daten von der Uhr ist völlig unkompliziert. Wenn ich die Daten im Excel-Format am Smartphone habe, kann ich sie auch in einer eMail weitersenden. Die Daten passen auch in Outlook.

 

Theoretisch wäre es ja auch möglich, eine App direkt auf den Laptop zu laden und die Uhr direkt mit dem Computer zu verbinden.

Jean Paul Girardin: Theoretisch wäre das denkbar. Aber wir haben diese Möglichkeit ganz bewusst nicht ins Auge gefasst.

Was es bei der in Basel noch nicht gab, war die Übermittlung von Anrufern oder SMS oder What’s App Messages an die Uhr.  Wie schaut es da jetzt aus?

Jean Paul Girardin: Nachdem wir ein klassisches Zifferblatt mit zwei LCD-Displays haben, ist der Platz natürlich begrenzt. Aber wir überspielen jetzt in der Tag Informationen vom Smartphone an die Uhr. Wenn du bei mir anrufst, und ich deine Nummer in meinen Kontakten habe, sehe ich deinen Namen. Oder ansonsten die Nummer. Wenn eine SMS oder was auf Facetime, Outlook oder What’s App eingeht, erscheint nur ein Hinweis, aber nicht der Nachrichten-Inhalt selbst.

Gibt es einen Bewegungssensor, der meine Schritte zählt und aufs Smartphone überträgt, oder einen Pulsfrequenz-Messer oder die Möglichkeit, die Uhr via Bluetooth mit einem externen Messegerät, beispielsweise mit einem Brustband zu verbinden?

Jean Paul Girardin: Nein das gibt es nicht. Gehörte derzeit aber auch nicht zu unseren Überlegungen zur Uhr und ihren Fähigkeiten. Für später sind Bewegungs- und Drucksensor zur Höhenmessung oder GPS oder Gyroskop denkbar. Aber wenn wir das einbauen, müssen wir das Gehäuse verändern. Es gibt Ideen, aber das wird noch dauern.

Wie ist es um den Adressatenkreis für diese Uhr bestellt. Sind die wichtigste Zielgruppe Piloten?

Jean Paul Girardin: Auf jeden Fall Piloten. Countdown und Countup ist für Astronauten gedacht. Die Idee kam von unserem Ambassador, dem Astronauten und Testpiloten Mark Kelly. Aber davon gibt es bekanntlich nicht so viele. Aber der Countdown und Countup eignet sich auch für Regattasegler in der Vorstartphase.

Diese Funktionen sind programmiert und verlangen ja kein Smartphone.

Jean Paul Girardin: So ist es. Und dann haben wir ein Feature für Globetrotter, mit dem ich die Uhr per Smartphone-App im Nu auf eine neue Zonenzeit umstellen kann. Das geht entweder automatisch, wenn sich die Zeit auf meinem Smartphone nach der Ankunft am Zielort selbst einstellt. Du kannst aber auch aus einer Städteliste wählen.

Wenn es eine neue Software gibt?

Jean Paul Girardin: Die spielt sich vom Smartphone auf die Uhr. Und zwar sowohl die Software als auch die Firmware für das Werk. Beides kommt vom Smartphone.

 

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Bestechend ist ja auch die Batterieleistung der B 55. Mindestens ein Monat ist doch eine ganze Menge.

Jean Paul Girardin: Was viel Energie verbraucht, ist die Beleuchtung. Wenn du keine Beleuchtung oder keine Alarmfunktion nutzt und die Uhr nicht mit dem Smartphone verbindest, kommst du mit einer Ladung bis zu fünf Monate aus. Aber bei reichlicher Nutzung sprechen wir von einem Monat. Durchschnitt sind zwei Monate.

Das Laden geht, wie man sieht, unkompliziert über Nacht.

Jean Paul Girardin: Wir haben hier einen Magnetkontakt den man per Kabel mit einem USB-Port verbindet. Diese technische Lösung brauchten wir für die  Wasserdichte der Uhr.

Die ja eine Drehlünette hat, aber so, wie es aussieht, die Taucheruhren-Norm wohl schwerlich erfüllt.

Jean Paul Girardin: Das Gehäuse ist wasserdicht bis zehn bar. Eine Taucheruhr wollten wir auch gar nicht machen.

 

Die Uhr ist Swiss Made. Produziert ihr in eurer Chronometrie? Wie sieht es mit Partnern aus?

Jean Paul Girardin: Wie schon bei der B50 haben wir beim Basiswerk mit Soprod kooperiert. Das Rohwerk mit der Platine und den Brücken entsteht bei uns in La Chaux-de-Fonds. Das gesamte elektronische Modul ist in der Schweiz zusammengesetzt. Das ist wirklich Swiss Made, wie es die Regeln verlangen.

Auch schon die neuen verschärften Standards?

Jean Paul Girardin: Klar. Wir haben in der Schweiz die Technologien, um derartige Sachen zu machen. Wir haben aber auch elektronische Komponenten im Ausland gekauft. Aber die wichtige Programmierung erfolgte in der Schweiz.

Wer liefert denn die Chips?

Jean Paul Girardin: Wir haben zwei Chips. Einer kommt aus den USA von Texas Instruments und der zweite für die Kommunikation kommt aus Norwegen.

Woher kommen die beiden Apps?

Jean Paul Girardin: Das waren die Leute, welche auch unsere Breitling Website machen.

Zum Schluss: Wie sieht es mit der Distribution aus? Die Verkäufe in den USA haben begonnen. Wann kommt sie nach Europa?

Jean Paul Girardin: Im Januar. Wir sind jetzt zertifiziert, und da brauchte es einige Verfahren, in den USA, in Kanada, ganz Europa, Australien, Neuseeland und Japan. Weitere Verfahren laufen. Die können sich bis zu drei Monate hinziehen. Bis Basel wollen wir eine weltweite Zertifizierung für die B 55 haben.

Vielen herzlichen Dank für das ausführliche Interview!

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