Vintage Uhr der GUB Glashütte

GUB Spezimatic Glashütter Uhrenbetrieb: Ein Erfolg in Ost und West

Es ist nicht gerade reich an Facetten, das Spektrum der ehedem ostdeutschen Automatik-Kaliber-Produktion. Größte Bekanntheit in der Glashütter Uhrenbetrieb Modellpalette erreichte selbst über den Eisernen Vorhang hinweg die sogenannte GUB Spezimatic. Das machte sie so beliebt.

von | 06.09.2021

Alles auf Automatik

Als der Glashütter Uhrenbetrieb (GUB) 1960 sein erstes Automatik-Uhrwerk und damit die Basis für die GUB Spezimatic des Jahres 1964 vorstellte, konnte der Selbstaufzug am Handgelenk bereits auf eine knapp 40jährige Geschichte zurückblicken. Infolge der politischen Strukturen blieb den ostdeutschen Nachbarn allerdings damals gar nichts anderes übrig, als eine eigenständige automatische Kaliberfamilie zu entwickeln, die später unter der Bezeichnung 67.1 und 68.1. in die Gehäuse gelangte.
Die 12 ½linigen, beidseitig aufziehenden Werke, GUB intern Universal-Automatik genannt, unterschieden sich nur durch das Vorhandensein einer Datumsanzeige. Vom Datums-Kaliber 67.1 entstanden bis 1967 insgesamt erstaunliche 190.360 Exemplare, das datumslose Uhrwerk 68.1 brachte es hingegen immerhin noch auf 55.360 Stück.

GUB Spezimatic Automatik Kaliber vor Glashütter Uhrenbetrieb

Das GUB Spezimatic Automatik Kaliber war die Eigenentwicklung des Glashütter Uhrenbetriebs

Spezimatic

Von Anbeginn stand im GUB jedoch fest, dass das relativ hoch bauende Universal-Automatik Kaliber (Höhe 5,55 bzw. 5,05 mm) den Trends der sechziger Jahre nur bedingt genügen konnte. Deshalb beschäftigten sich die Glashütter Uhrmacher gleichzeitig mit der Entwicklung einer flacheren Spezial-Automatik, als der “Spezimatic”. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten alle Funktionsgruppen (Gehwerk mit Hemmung, Antrieb mit dem Selbstaufzug) in einer Ebene zwischen der Platine und der typischen Glashütter 3/4-Räderbrücke untergebracht werden.

1964 konnte die ebenso 12 ½linige Spezimatic ans Licht der Öffentlichkeit treten. Es gab zwei unterschiedliche Ausführungen: Kaliber 06-25 (alte Bezeichnung 74), Höhe 4,4 mm ohne und Kaliber 06-26 (alt 75) mit Datumsanzeige und einer Höhe von 4,9 mm. Als vergoldete Sonderversion von 06-26 präsentierte sich zudem das Kaliber 06. Letzteres wurde jedoch ausschließlich in massivgoldenen Gehäusen verwendet.

Spezimatic

GUB Spezimatic mit Datum

Uhrwerk

Für den Aufzug sorgte, wie schon bei der Universal-Automatik, ein beidseitig wirkender Schwermetallrotor. Die Polarisierung der Rotorbewegungen erledigte -lange vor der Wende- ein Wendehebel mit Wenderad. Ein Klemmrollenrichtgesperr (Freilaufrad) schaltete die Automatik bei Handaufzug aus. Die Datumsschaltung erfolgte beim 06-26 zwischen 23 Uhr und 2 Uhr auf “halbschnelle” Weise.

Bei der Konstruktion hatten die Techniker großen Wert auf Servicefreundlichkeit und Langlebigkeit gelegt. Die Laborerprobung ging von einer Grenznutzung von mindestens 20 Jahren aus. Die Ganggenauigkeit lag im Bereich zwischen -30 und + 50 Sekunden/Tag, was angesichts der konventionellen Unruhfrequenz von 2,5 Hz (18.000 Halbschwingungen/Stunde) durchaus gut und normal erscheint.

Ab 1967 verwendete der GUB zur Sicherstellung der Stoß- und Schlagfestigkeit neuartige, nach DIN konstruierte Gehäuse. Damit ausgestattete Spezimatic Armbanduhren trugen in der unteren Zifferblatthälfte die Zusatzsignatur “Bison”.

Glashütte Original Spezimatic Ivory Kaliber 74 aus dem Jahr 1964

Glashütte Spezimatic Ivory Kaliber 74 aus dem Jahr 1964

Spezimatic als Sammlerstück

Von der Gesamtproduktion (06-25: 1.864.492 Werke, 06-26: 1.858.466 Werke) gingen mehr als ein Drittel als begehrte Devisenbringer in den Export. Mitunter erreichte die Exportquote satte 50 Prozent. Erst im Jahr 1978 stellte der Glashütter Uhrenbetrieb die Fertigung der GUB Spezimatic endgültig ein. Von besonderer Qualität waren übrigens die jährlich 2.000 bis 3.000 offizielle geprüften Chronometer-Modelle. Sie erreichten eine beachtliche tägliche Präzision von -2 bis +3 Sekunden.

Glashütte Spezimatic Kaliber 755 mit blauem Zifferblatt Bild Glashütter Uhrenmuseum

Ein Modell der Glashütte Spezimatic Kaliber 755 mit blauem Zifferblatt Bild Glashütter Uhrenmuseum

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Kommentare zu diesem Beitrag

1 Kommentar

  1. Getreu dem Grundsatz, dass im eigenen Land der Philosoph nichts wert sei,habe ich meine in den 60iger Jahren erworbene Spezimatic nie besonders pfleglich behandelt.Die Marke „Glashütte“ sagte mir nichts, außer, dass sie gegenüber UMF als der „schnellsten Uhr der Welt“ eine bessere Reputation genoss und deshalb den Kaufvorzug genoss. Neugierig auf alles Technische habe ich natürlich das Spezimatic-Gehäuse geöffnet, das Ergebnis war ein bewunderndes „W0w“ über den niemals erwarteten Anblick. Die Herstellungszeiten sind ja lange vorbei, aber dieses „wow“ ist bis heute der Grund, dass ich diese Uhr nie weggeworfen habe, sie liegt noch heute wohlverwahrt im Schrank.
    Nun haben meine zwischenzeitlichen Uhren das Zeitliche gesegnet, zuletzt eine Funk-Solar-Uhr und ein Neukauf steht an. In mir sträubt sich etwas, dem Drang nach einer neuen Uhr nachzugeben. Welche Möglichkeiten gibt es, die vorhandene Uhr aufzumöbeln, neues Gehäuse, Glas sowieso, die „inneren Werte“ zu reinigen, evtl. zu regulieren.

    Machen Sie mir bitte ein Angebot, wie das zu bewerkstelligen wäre. Wenn ich mit dieser E-Mail den falschen Adressaten anspreche, bitte leiten Sie diese Mail weiter oder nennen mir eine erfolgversprechendere Adresse, dass ich mich neu an jemanden wenden kann. Möglicherweise missbrauche ich auch den Zweck, den Sie mit Ihrem Artikel beabsichtigt haben. Aber auch ich habe viele z.T. wunderliche Wege beschritten, bin nun 77 Jahre alt, wohne am Traunsee in Österreich und habe immer noch die als Gymnasiast in Halle/Saale erworbene Uhr in der Hand und kann sie nicht loslassen. Der Mensch ist schon ein komisches Tier.

    Viele liebe Grüße
    Fritz Harz

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