Tarnen zwecklos!
Wer mit der neuen Piaget Andy Warhol Camouflage 2026 unbemerkt bleiben möchte, sollte die Ärmel möglichst lang tragen. Normalerweise hat Tarnung nämlich einen klaren Zweck: Man möchte nicht gesehen werden. Andy Warhol dachte anders. Der amerikanische Pop-Art-Künstler überzog 1986 seine Selbstporträts mit grellbunten Camouflage-Mustern. Unsichtbar wurde er dadurch keineswegs. Im Gegenteil. Vierzig Jahre später nutzt Piaget diese Idee für einen limitierten Weißgold-Zeitmesser.

Sieben Piaget-Uhren und ein berühmter Besitzer
Alles andere als eine nachträglich erfundene Marketinggeschichte ist die Verbindung zwischen Piaget und Andy Warhol. Der 1928 geborene und 1987 gestorbene Amerikaner sammelte Uhren mit bemerkenswerter Leidenschaft. Mehr als 300 Exemplare gehörten zu seinem Nachlass. Mindestens sieben davon stammten aus dem 1874 gegründeten Haus Piaget. Vier erwarb die Manufaktur später für ihre eigene Sammlung zurück.

Besonders angetan hatte es Warhol die 1973 erworbene Referenz 15102. Jean-Claude Gueit, damals für die Gestaltung bei Piaget zuständig, hatte ihr ein großes, kissenförmiges Gehäuse mit mehrfach abgestuften Rändern verpasst. Das Uhr-Unternehmen produzierte die extravagante Uhr zwischen 1972 und 1977 in sehr überschaubarer Stückzahl.


Mit ihr verknüpft sich eine historische Pointe: Bei Warhols Original lieferte kein mechanisches Ultraflachkaliber den Zeittakt, sondern das opulente, 1970 vorgestellte Schweizer Quarzwerk Beta 21. In jener Epoche verkörperte Elektronik die Zukunft der Zeitmessung.

Warhol und der damalige Markenchef Yves Piaget lernten sich 1979 in New York kennen. Der Künstler bewegte sich gern in jenem gesellschaftlichen Kosmos, in dem Schmuck, Design, Mode und Kunst zwanglos zusammentrafen. Seine Uhr passte dazu. Sie war weniger diskretes Instrument als selbstbewusstes Accessoire.
Piaget Polo 79 Sodalith
Piaget Polo 79 Sodalith
Piaget Polo 79 Sodalith

Aus Black Tie wird Andy Warhol
2014 bescherte Piaget der charakteristischen Gehäuseform ein Comeback in Gestalt der Black Tie Vintage. Ihren heute offiziellen Namen trägt die Kollektion allerdings erst seit 2024. Damals vereinbarte die Manufaktur mit der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts eine Lizenzkooperation. Seither darf Piaget den Künstlernamen verwenden und jährlich eine von seinem Werk inspirierte Edition präsentieren.

Den Anfang machte die so genannte Collage. Rosa Opal, grüner Chrysopras und gelber Serpentin sorgten für ein farbenfrohes Zifferblatt. Die Neuheit von 2026 geht einen anderen Weg. Sie greift Warhols Camouflage-Selbstporträts aus dem Jahr 1986 auf, ohne eines davon einfach verkleinert auf die Uhr zu drucken. Das wäre zwar einfacher, aber auch weniger interessant gewesen.

27 Teile: ein Puzzle aus Stein und Gold
Das eigentliche Schauspiel findet auf dem Zifferblatt statt. Dunkelblauer Sodalith trifft auf leuchtenden Türkis. Dazu kommen satinierte Gelbgoldflächen und poliertes Roségold. Insgesamt 27 exakt zugeschnittene Schmucksteine fügen sich mit den Goldflächen zu einem unregelmäßigen Tarnmuster. Kein Druck, keine bunte Lackschicht: Die Farben entstehen durch die Materialien selbst.

Gerade das macht den Unterschied. Natursteine besitzen eine eigene Struktur. Ihre Zeichnung lässt sich nicht beliebig reproduzieren. Dazu gesellen sich Goldflächen, welche je nach Lichteinfall matt oder glänzend erscheinen. Was auf den ersten Blick wie ein fröhliches Farbspiel aussieht, verlangt bei näherer Betrachtung präzise Handarbeit. Die geschwungenen Konturen müssen schließlich so zueinanderpassen, dass sich ein geschlossenes Bild ergibt

Piaget nennt mehr als 100 Arbeitsstunden für den Entwurf, die Gestaltung und Herstellung eines solchen Zifferblatts mit kleinformatiger Marketerie. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, was fehlt. Weder Stundenindizes noch eine Datumsanzeige stören das Bild. Lediglich zwei Dauphine-Zeiger lassen auf die Nutzung des kleinen Kunstwerks zur Zeitmessung schließen. Aber die Ablesbarkeit muss sich der Gestaltung unterordnen. Wer auf die Sekunde genau wissen möchte, wie spät es gerade ist, kommt bei dieser Armbanduhr nicht zu seinem Recht.

Viel Weißgold, wenig Gehäusehöhe
Die markante Kissenschale misst 45 mal 43 Millimeter. Das klingt nach stattlicher Größe, doch die Bauhöhe von nur 8,08 Millimetern setzt einen wohltuenden Gegenakzent. Piaget fertigt das mehrfach godronierte Gehäuse aus rhodiniertem 18-karätigem Weißgold. Seine breiten, abgestuften Ränder übernehmen die Rolle eines Bilderrahmens. Vergleichsweise unauffällig fügt sich die Krone in die rechte Flanke ein.

Hinter dem warum auch immer geschlossenen Gehäuseboden kümmert sich das hauseigene 9-linige Kaliber 501P1 ums Messen der kontinuierlich verstreichenden Zeit. Die Unruh des 3,63 Millimeter hohen Automatikwerks vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Und das ohne weiteren Energienachschub rund 40 Stunden lang.

So gesehen lässt sich von soliden, aber keineswegs spektakulären Werten sprechen. Aber eine aufwändigere Zeit-Mechanik würde ohnehin nur von der eigentlichen Attraktion ablenken. Zur Ausstattung des Gesamtkunstwerks gehören ein kratzfestes Saphirglas, Wasserdichte bis zu drei bar Druck sowie ein dunkelblaues Alligator-Lederband. Den Boden der Piaget Andy Warhol Camouflage 2026, Referenz G0A51242, zieren Warhols Signatur und die Nummerierung der Edition.

Uhrenkosmos-Fazit
Piaget fertigt genau 86 Exemplare der Andy Warhol Camouflage Limited Edition. Die Zahl verweist natürlich auf 1986, das Entstehungsjahr der künstlerischen Vorlage. „Kunst ist das, womit man durchkommt“, soll Andy Warhol einmal gesagt haben. Piaget nimmt ihn beim Wort. Aus einem ursprünglich militärischen Tarnmuster ist ein Kunstwerk fürs Handgelenk entstanden, dessen unverbindlicher Publikumspreis von 90.000 Euro wohl kaum für jedermann durchgeht. Folglich richtet sich die Edition an betuchte Sammler, welche sich gleichermaßen für Goldschmiedekunst, ungewöhnliche Zifferblätter und die Pop-Art-Geschichte interessieren.

Und die Uhr selbst? Sie ist ein ins Auge stechender Widerspruch. Ein Tarnmuster, das nichts tarnt. Eine mechanische Uhr, deren künstlerische Herkunft mindestens so wichtig ist wie die Uhrmacherei. Und eine Reminiszenz an einen Mann, der einst ausgerechnet eine Quarzuhr dieser Form bevorzugte. Warhol hätte an dieser Mischung vermutlich seinen Spaß gehabt. Ob er sie auch getragen hätte, wissen wir vom Uhrenkosmos indessen nicht.

Bleibt zum Schluss die Frage nach Geldanlage und Werthaltigkeit. In der Tat finden seltene Piaget Black Tie und Andy Warhol zunehmend das Interesse anspruchsvoller Uhrensammler. Besonders frühe Originale, ungewöhnliche Zifferblätter und extrem kleine Auflagen erzielen beachtliche Auktionsergebnisse. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede aktuelle Andy-Warhol-Uhr automatisch an Wert gewinnt. Zwischen Manufakturpreisen und realen Zweitmarktwerten besteht ein beachtliches Spannungsfeld.

Datenblatt |
Piaget Andy Warhol Camouflage Limited Edition |
| Referenz | G0A51242 |
| Limitierung | 86 Exemplare |
| Gehäusematerial | 18 Karat rhodiniertes Weißgold |
| Gehäuseabmessungen | 45 × 43 mm |
| Gehäusehöhe | 8,08 mm |
| Gehäusegestaltung | mehrfach godronierter Gehäuserand |
| Gehäuseglas | Saphirglas |
| Gehäuseboden | geschlossen; Warhol-Signatur und Editionsnummer |
| Wasserdichte | 3 bar |
| Zifferblatt | Marketerie aus Sodalith, Türkis und Gold |
| Schmucksteine | 27 Schmucksteine |
| Goldflächen | Satiniertes Gelbgold und poliertes Roségold |
| Zeiger | Typ Dauphine |
| Anzeigen | Stunden und Minuten |
| Uhrwerk | Manufakturkaliber 501P1 |
| Aufzug | automatisch |
| Werkhöhe | 3,63 mm |
| Halbschwingungen | 28.800 pro Stunde (4 Hz) |
| funktionale Steine | 23 |
| Gangautonomie | 40 Stunden |
| Armband | Dunkelblaues Alligatorleder |
| Preis Deutschland | 90.000 Euro |
Infos über die Erhältlichkeit der Uhr finden Sie direkt auf der Seite des Herstellers.






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