Zahlen der Uhrenindustrie

Uhrenmarkt 2026: Juni und Juli drehen das Vorzeichen

Die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie erholen sich. Von einer nachhaltigen Trendwende oder gar Boomphase lässt sich allerdings noch nicht sprechen. Positiv entwickelt sich der Handel mit Uhren aus Vorbesitz. Der Uhrenmarkt 2026 in Zahlen.

von | 25.08.2026

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USA treiben, China bremst, Gebrauchtmarkt wächst

Gemäß den Statistiken des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) haben sich die Schweizer Uhrenexporte im Juni und Juli 2026 deutlich erholt. Zwei positive Monatsresultate drehen die Ausfuhrbilanz nach sieben Monaten wieder knapp ins Plus. Für kräftigen Schub sorgen vor allem die USA und weiterhin Zeitmesser des obersten Preissegments. China bleibt dagegen problematisch, Frankreich verzerrt die Statistik und ausgerechnet das mittlere Segment schwächelt. Gleichzeitig entwickelt sich der Gebrauchtuhrenmarkt immer stärker zu einem eigenständigen Faktor der Branche. Der Uhrenmarkt 2026 ist also in Bewegung und verlangt nach einer differenzierten Betrachtung

Schweizer Uhrenexporte Juni und Juli 2026 Stückzahlen und Werte - D

Die Schweizer Uhrenexporte im Juni und Juli 2026 - Stückzahlen und Werte

Zwei Monate ändern das Vorzeichen

Nach einem durchwachsenen Jahresauftakt hat sich das Bild der eidgenössischen Uhrenindustrie im Juni und Juli 2026 spürbar aufgehellt. Im Juni erreichte der gesamte Exportwert 2,391 Milliarden Schweizer Franken. Das waren 11,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Juli folgten Ausfuhren in Höhe von 2,628 Milliarden Franken und ein weiteres Plus von 9,6 Prozent. Damit drehte auch die Bilanz der ersten sieben Monate ins Positive: Von Januar bis Juli summierten sich die Schweizer Uhrenexporte auf 15,451 Milliarden Franken. Daraus errechnen sich 0,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025.

Uhrenmarkt Jan-Jul 2026: Schweizer Uhrenexporte drehen vom Minus ins Plus

Uhrenmarkt 2026: Schweizer Uhrenexporte drehen vom Minus ins Plus.

Nachdem die Schweizer Uhrenfabrikanten zwei rückläufige Jahre hinter sich haben, ist das durchaus bemerkenswert. 2024 sank der Exportwert um 2,8 Prozent, 2025 nochmals um 1,7 Prozent. Verfrüht wäre es dennoch, von einer neuen und vor allem nachhaltigen Wachstumsphase zu sprechen. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Zu bedenken gilt es auch, dass die Statistik der FH nur Exporte und keine Abverkäufe an Endkunden erfasst. Lageraufbau, Auslieferungsrhythmen und Warenverschiebungen zwischen Distributionszentren können einzelne Monate erheblich beeinflussen.

Schweizer Uhrenexporte Juni 2026 - Wachstum in Leitmärkten

Schweizer Uhrenexporte im Juni 2026

Juni 2016: kräftige Erholung

Summa summarum verließen im Juni 1,293 Millionen Armbanduhren die Eidgenossenschaft. Das waren 10,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Wert stieg sogar um 11,7 Prozent auf 2,284 Milliarden Franken. Stahluhren legten mengenmäßig um sieben und wertmäßig um fünf Prozent zu. Besonders auffällig entwickelten sich Bicolor-Modelle. Ihr Exportwert sprang um 42,1 Prozent auf 453 Millionen Franken. Uhren aus anderen Metallen brachten es auf ein wertmäßiges Wachstum von 22,9 Prozent, andere Materialien auf 22,6 Prozent.

Die Ausfuhren in die USA stiegen um 12,7 Prozent auf 349 Millionen Franken, Großbritannien wuchs um 12,2 Prozent, Japan um 8,8 Prozent, Hongkong um 6,9 Prozent und Singapur um 6,7 Prozent. Dagegen verloren China 16,5 Prozent, Deutschland 10,6 Prozent und Italien sogar 21,4 Prozent.

 

Schweizer Uhrenexporte Juli 2026 - anhaltender Schwung

Schweizer Uhrenexporte im Juli 2026 -

Juli: Amerika zieht davon

Der Juli 2026 bestätigte die im Vormonat eingeleitete Tendenz. 1,523 Millionen exportierte Armbanduhren bedeuteten ein Mengenplus von 6,8 Prozent. Ihr Wert erhöhte sich sogar um 9,8 Prozent auf 2,523 Milliarden Franken. Wertmäßig im Plus lagen alle Materialgruppen. Stahluhren erlösten 848 Millionen Franken und damit +9,0 Prozent. Bicolor generierte 515 Millionen Franken und +23,8 Prozent. Bei Edelmetalluhren stieg der Wert um 3,7 Prozent, obwohl die Stückzahl lediglich um 0,9 Prozent zunahm.

Entscheidend für das insgesamt sehr erfreuliche Ergebnis war der US-Markt. Die Ausfuhren dorthin erreichten im Juli 701 Millionen Franken. 26,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat sind beachtlich und stimmen optimistisch. Damit entfiel mehr als ein Viertel der wertmäßigen Schweizer Uhrenexporte im vergangenen Monat auf die Vereinigten Staaten. Geopolitische Spannungen, Krieg gegen den Iran und Inflation scheinen die amerikanische Lust auf luxuriöse Uhren bislang kaum zu beeinträchtigen. Großbritannien blieb mit +9,5 Prozent ebenfalls stark. Hongkong (+0,5 Prozent) und Singapur (+2,3 Prozent) bewegten sich leicht nach oben. Japan verlor dagegen 3,7 Prozent, China 18,5 Prozent und die Vereinigten Arabischen Emirate 3,7 Prozent.

Schweizer Uhrenexporte 2024, 2025 und 2026 - Top 5 Märkte

Schweizer Uhrenexporte 2024, 2025 und 2026 - Top 5 Märkte

Frankreich verzerrt das Bild

Die spektakulärsten Zahlen liefert Frankreich: +103,5 Prozent im Juni und +104,6 Prozent im Juli. Von Januar bis Juli ist sogar ein Zuwachs von 69,7 Prozent zu verzeichnen. Diese Zahlen verblüffen, haben mit der tatsächlichen französischen Marktsituation aber herzlich wenig zu tun. Sie beziehen sich nämlich nicht auf eine Verdoppelung der französischen Binnennachfrage. Wie andere europäische Länder leidet auch Frankreich unter ökonomischen Problemen, welche die Lust am Uhrenkauf beeinträchtigen.

Das Frankreich-Phänomen bringt auch Luca Solca zum Ausdruck. Der Bernstein-Analyst führt den Effekt auf die steigende Funktion als Logistikdrehscheibe zurück. Seiner Rechnung zufolge hätte das Juni-Plus ohne Frankreich nicht 11,2, sondern lediglich rund 5,6 Prozent betragen. Auch für Juli ergibt eine Berechnung auf Basis der FH-Daten ohne Frankreich nur rund 4,8 Prozent. Die Erholung ist also vorhanden, aber weniger spektakulär, als die beiden offiziellen Monatsraten zunächst suggerieren.

Schweizer Uhrenexporte Juni - Juli 2026 Preissegmente

Schweizer Uhrenexporte Juni - Juli 2026, die Preissegmente

Oben und unten läuft es

Besonders aufschlussreich ist die Entwicklung nach Exportpreisen. Im Juni stieg der Wert der Uhren zwischen 200 und 500 Franken um 54,1 Prozent, im Juli nochmals um 26,1 Prozent. Gleichzeitig legte die Preisklasse oberhalb von 3.000 Franken um 14,2 beziehungsweise 12,0 Prozent zu. Wer den Aufschwung im preislich zugänglicheren Bereich trägt, lässt sich aus der FH-Statistik allein nicht ablesen.

Einen nicht zu vernachlässigenden Hinweis liefert jedoch die Swatch Group. Sie meldet für das erste Halbjahr 2026 zweistellige Umsatzsteigerungen bei Longines, Tissot und Hamilton und spricht ausdrücklich von deutlichen Marktanteilsgewinnen ihrer Einstiegs- und Mittelklassemarken. Gerade Tissot und Hamilton passen preislich gut zum starken Wachstum des FH-Segments zwischen 200 und 500 Franken Exportpreis, auch wenn eine direkte statistische Zuordnung zu einzelnen Marken mangels konkreter Zahlen nicht möglich ist.

Keineswegs marginale Probleme bereitet dagegen weiterhin das Segment zwischen 500 und 3.000 Franken Exportpreis. Im Juni sank sein Wert um 4,7 Prozent, im Juli um weitere 3,9 Prozent. Aus diesen Statistik-Fakten entsteht ein auffälliges Bild: Erschwingliche Schweizer Uhren gewinnen ebenso wie hochwertige Luxusmodelle, während die Mitte nicht Schritt hält. Für zahlreiche etablierte Marken mit mechanischen Zeitmessern in der Kollektion ist diese Entwicklung alles andere als belanglos.

Schweizer Uhrenexporte Aug 25 bis Juli 2026 gleitender Durchschnitt

Schweizer Uhrenexporte August 25 bis Juli 2026 - gleitender Durchschnitt

Weniger Volumen trifft die Zulieferer

Bei aller aktuellen Erholung darf eine strukturelle Entwicklung nicht übersehen werden. Ihre hohen Exportwerte erzielt die Schweizer Uhrenindustrie mit deutlich weniger Uhren als noch vor wenigen Jahren. 2023 lieferte sie 16,926 Millionen Armbanduhren ins Ausland, 2024 waren es 15,341 Millionen und 2025 nur noch 14,594 Millionen. 2026 zeichnet sich bislang zumindest eine leichte Gegenbewegung ab: Von Januar bis Juli stieg die Stückzahl gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 8,658 Millionen Exemplare. Von einer Rückkehr zu früheren Volumina kann dennoch keine Rede sein. Das Geschäftsmodell der Branche verschiebt sich weiter in Richtung Wert statt Menge.

Die Kehrseite dieser Entwicklung zeigt sich vor allem in den Produktionsbetrieben und bei den Zulieferern. Ende September 2025 beschäftigte die Schweizer Uhrenindustrie noch 64.807 Menschen. Binnen Jahresfrist gingen 835 Arbeitsplätze oder 1,3 Prozent verloren. Mehr als ein Viertel der Unternehmen nutzte Ende November Kurzarbeit. Besonders betroffen waren jene Bereiche, die Komponenten, Werkzeuge oder Montageleistungen anbieten. Für sie zählt weniger der hohe Verkaufspreis einer fertigen Luxusuhr als die Zahl der benötigten Werke, Gehäuse, Zifferblätter, Zeiger oder Bänder.

Schweizer Uhrenexporte Regionen Jan - Juli 2026

Schweizer Uhrenexporte nach Regionen Januar bis Juli 2026

Wie konkret sich die Verschiebung von Menge zu Wert auswirkt, zeigt Chopard. An den ausschließlich der Uhrenproduktion dienenden Standorten Fleurier Ebauches und Chopard Manufacture strich das Familienunternehmen im Juni 2026 schweren Herzens 25 Stellen. Zuvor hatte sich das Management bereits zeitweise mit Kurzarbeit über die Runden gerettet. Karl-Friedrich Scheufele begründete den Kapazitätsabbau selbst mit einer Verschiebung der Kundennachfrage hin zu komplexeren und höherwertigen Uhren, die naturgemäß in geringeren Stückzahlen hergestellt werden.

Ein sehr interessantes Interview on Karl-Friedrich Scheufele über die Entwicklung von Chopard und den Aufbau der eigenen Manufaktur finden Sie hier auf Uhrenkosmos.com. 

Chopard Fleurier Ebauches Foto (C) Uhrenkosmos

Fleurier Ebauches by Chopard

Höherer Wert bei geringerem Volumen ist damit längst nicht mehr nur eine statistische Beobachtung. Aber es gibt einen leichten Lichtblick. Beim großen Zulieferverbund Acrotec sieht CEO Didier Deltort den Tiefpunkt des Zyklus möglicherweise erreicht. Einzelne Tochterunternehmen registrieren wieder mehr bestätigte und weniger häufig verschobene Bestellungen.

Am 21. August 2026 war schließlich in Schweizer Medien zu lesen, dass sich auch IWC Schaffhausen von insgesamt 18 Mitarbeitenden trennen wird.

Schweizer Uhrenexporte Jan - Juli 2026 Top 30

Schweizer Uhrenexporte Jan - Juli 2026, die Top 30 Märkte

Uhrenmarkt 2026: China bleibt die offene Flanke

Geografisch ist die Lage keineswegs ausgeglichen. Von Januar bis Juli lagen die USA mit 2,880 Milliarden Franken weiterhin klar auf Rang eins. Gegenüber dem außergewöhnlich hohen Vergleichszeitraum 2025 bedeutet das zwar ein Minus von 7,4 Prozent, gegenüber 2024 aber ein Plus von 14,9 Prozent.

Deutlich problematischer bleibt China. Mit 983 Millionen Franken bewegten sich die Ausfuhren in den ersten sieben Monaten sieben Prozent unter 2025 und sogar 22,9 Prozent unter 2024.

Japan gab um zwei Prozent nach. Hongkong gewann dagegen 2,9 Prozent und Großbritannien 6,4 Prozent.

Deutschland lag nach sieben Monaten noch 7,6 Prozent im Minus, meldete sich im Juli jedoch mit +11,6 Prozent zurück.

Regional bleibt Asien mit einem Anteil von 43,9 Prozent am Exportwert Schweizer Uhren der mit Abstand wichtigste Absatzraum. Von Januar bis Juli wuchs die Region jedoch lediglich um 0,5 Prozent.

Europa brachte es auf 30,9 Prozent Anteil und legte um 4,8 Prozent zu.

Amerika erreichte 22,7 Prozent und lag kumuliert noch 4,1 Prozent unter dem Vorjahr. Die starke Juli-Entwicklung in den USA hat diesen Rückstand deutlich verkleinert, aber noch nicht beseitigt.

 

Uhren-Neuheiten 2026 von A. Lange & Söhne

Drei Uhren-Neuheiten 2026 von A. Lange & Söhne, Mitglied des Richemont-Konzerns.

Die Konzerne sehen Licht

Dass die besseren Exportzahlen nicht völlig isoliert stehen, zeigen aktuelle Unternehmensmeldungen. Richemont steigerte im Quartal bis Ende Juni den Umsatz seiner Specialist Watchmakers bei konstanten Wechselkursen um acht Prozent. Der gesamte Konzern wuchs um 20 Prozent. Besonders kräftig entwickelte sich mit +27 Prozent auch dort Amerika.

Die Swatch Group meldete für das erste Halbjahr einen Umsatzanstieg von 8,5 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Im Bereich Watches & Jewelry ohne Produktion betrug das Plus 9,5 Prozent. Im zweiten Quartal beschleunigte sich die Entwicklung weiter. In den Monaten Mai und Juni wuchsen die Konzernumsätze bei konstanten Wechselkursen um 13,1 Prozent. Nach Angaben der Swatch Group setzte sich die Beschleunigung in den ersten Juliwochen fort. 

Aufschlussreich ist dabei der Blick nach China: In den eigenen Geschäften einschließlich Hongkong und Macau konnte die Swatch Group ihre Umsätze bei unveränderter Zahl der Verkaufsstellen um neun Prozent steigern. Die Nachbestellungen unabhängiger Händler blieben dagegen verhalten. Auch das demonstriert, weshalb Exportstatistik und tatsächliche Endkundennachfrage durchaus unterschiedliche Bilder liefern können.

Dazu passt die Entwicklung bei Watches of Switzerland. In dem Anfang Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr stiegen die US-Umsätze des Uhrenhändlers um 24 Prozent und machten mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Auch diese Fachhandels-Zahlen bestätigen die gegenwärtige Sonderstellung des amerikanischen Luxusuhrenmarkts.

ChronoPulse Index Sekundärmarkt

Certified Pre-Owned und Pre-Owned Markt: ChronoPulse Index für den Uhren-Sekundärmarkt

ChronoPulse Uhrenindex gesamt von 2019 bis 2026

Der von Chrono24 erarbeitete und publizierte ChronoPulse Uhrenindex erfasst nur Preisbewegungen am Sekundärmarkt.

ChronoPulse Index Audemars Piguet und Patek Philippe

ChronoPulse Uhrenindex Audemars Piguet und Patek Philippe

ChronoPulse Preisindex Cartier und Vacheron Constantin

ChronoPulse Preisindex Cartier und Vacheron Constantin

Auch der Sekundärmarkt für Uhren zieht an

Weitere Indizien für eine Stabilisierung liefert Chrono24. Der auf tatsächlichen Transaktionen basierende ChronoPulse-Index legte im Juni 2026 um 1,2 Prozent zu und stieg damit den dritten Monat in Folge. Über sechs Monate summierte sich das Plus auf 5,5 Prozent. Erstmals lagen sämtliche von Chrono24 beobachteten Marken über diesen Zeitraum im positiven Bereich.

Besonders stark entwickelten sich Cartier mit +9,9, TAG Heuer mit +8,6 und Tudor mit +7,9 Prozent. Damit weisen Neu- und Gebrauchtmarkt derzeit zumindest teilweise in dieselbe Richtung. Allerdings misst ChronoPulse Preisbewegungen am Sekundärmarkt, während die FH den Wert der Uhrenexporte erfasst. Somit besteht keine unmittelbare Vergleichbarkeit der Zahlen.

ChronoPulse Index IWC und Jaeger-LeCoultre

ChronoPulse Preisindex IWC und Jaeger-LeCoultre

ChronoPulse Preisindex Breitling und TAG Heuer

ChronoPulse Preisindex Breitling und TAG Heuer

Schweizer Uhrenexporte Juni - Juli Vergleich Statistik der FH mit EveryWatch Resultaten

Schweizer Uhrenexporte Juni und Juli 2026 - Vergleich Statistik der FH mit EveryWatch Resultaten

Machtfaktor gebrauchte Rolex 

Die Plattform EveryWatch beziffert das weltweite Transaktionsvolumen des Gebrauchtuhrenmarkts im ersten Halbjahr 2026 auf 10,5 Milliarden US-Dollar. Das waren 37,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 795.000 Uhren wechselten den Besitzer. Allein Rolex stand mit rund 4,3 Milliarden Dollar für 41 Prozent dieses Markts.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Rolex-CPO-Programms. Zertifiziert gebrauchte Rolex erzielten nach den von EveryWatch ausgewerteten Daten im ersten Halbjahr 2026 ein Transaktionsvolumen von 385 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 101 Prozent. Gleichzeitig sank das Geschäft mit ungetragenen Rolex, die auf dem Sekundärmarkt nicht als fabrikneue Ware des Herstellers gelten, um 24,7 Prozent auf 335 Millionen Dollar. Innerhalb des von EveryWatch erfassten Sekundärmarkts hat Rolex Certified Pre-Owned nun also die Nase vorn.

Gebrauchtmarkt Uhren 2026 und der Rolex Effekt

Gebrauchtmarkt Uhren 2026 und der Rolex Effekt

Um Irrtümern vorzubeugen: Die von EveryWatch publizierten Resultate bedeuten definitiv nicht, dass weltweit mehr gebrauchte Rolex verkauft werden als neue Uhren über das offizielle Rolex-Händlernetz. Der Vergleich betrifft lediglich zwei Bereiche des Sekundärmarkts. Dennoch besitzt der CPO-Crossover erhebliche Aussagekraft.

Auch Chrono24 liefert einen interessanten geografischen Hinweis: Rolex steht inzwischen für rund 35 Prozent des Uhren-Transaktionsvolumens nordamerikanischer Käufer, gegenüber etwa 27 Prozent im Jahr 2018. In Asien sank der entsprechende Anteil hingegen von Werten im niedrigen 30-Prozent-Bereich auf rund 20 Prozent. Das korrespondiert zumindest tendenziell mit der gegenwärtigen Stärke Nordamerikas und der deutlich schwächeren Entwicklung wichtiger asiatischer Märkte in der FH-Statistik.

Aus all dem lässt sich ablesen, dass Käufer offenbar zunehmend akzeptieren, für nachvollziehbare Herkunft, geprüfte Authentizität und Herstellergarantie höhere Preise zu bezahlen. Somit ist der Gebrauchtmarkt längst kein Anhängsel des Neugeschäfts mehr. Er hat sich zu einem eigenständigen Bestandteil des Luxusuhren-Ökosystems gemausert und gewinnt weiter an Gewicht.

ChronoPulse Preisindex Rolex und Tudor

ChronoPulse Preisindex Rolex und Tudor

Wertentwicklung Santos De Cartier WSSA0029 bei Chrono24

Cartier ist einer der Gewinner am Sekundärmarkt für Uhren, wie die Wertentwicklung der Santos Referenz WSSA0029 bei Chrono24 zeigt.

Uhrenmarkt 2026 – das Uhrenkosmos-Fazit

Erstmals seit längerer Zeit liefern die Schweizer Uhrenexporte im Juni und Juli 2026 wieder zwei überzeugende Monatsresultate nacheinander. Sie sprechen für eine Stabilisierung des Marktgeschehens. Die USA bleiben der wichtigste Motor, das Hochpreissegment hält sich robust und selbst die lange gebeutelte Kategorie zwischen 200 und 500 Franken zeigt neue Dynamik. Gleichzeitig schwächeln China und die mittlere Preisklasse, während der Frankreich-Effekt die europäischen Zahlen sichtbar nach oben zieht.

Nach sieben Monaten errechnet sich ein Exportplus von 0,9 Prozent. Das ist deutlich besser als die noch negative Halbjahresbilanz von Januar bis Juni 2026. Indizien für einen neuen Uhrenboom lassen sich daraus aber (noch) nicht ableiten. Entscheidend wird sein, ob die kommenden Monate und insbesondere das traditionsgemäß bedeutende vierte Quartal diese Entwicklung bestätigen.

Weitaus wichtiger ist am Ende die Beantwortung der Frage, ob die statistisch erfassten Uhrenexporte tatsächlich in echte Verkäufe an Endkunden münden. Sollte das nachweislich der Fall sein, lässt sich von einer nachhaltigen Wende (nicht nur) am Schweizer Uhrenmarkt sprechen. Der Uhrenkosmos bleibt am Ball und wird in regelmäßigen Abständen berichten.

Die Abschlusszahlen der Schweizer Uhrenindustrie 2025 finden Sie unter diesem Link auch hier auf Uhrenkosmos.com. 

 

ChronoPulse Preisindex Hublot und Panerai

ChronoPulse Preisindex Hublot und Panerai

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