Es gibt ein Image von Greubel Forsey, das in der Uhrenwelt bestens bekannt ist: große, hohe Gehäuse mit spektakulär geschwungenem Sitz am Handgelenk, mehrachsige Tourbillons und eine regelrechte Stadtlandschaft dreidimensionaler Uhrwerksarchitektur. Die Greubel Forsey Balancier QM dürfte deshalb so manchen Freund der Marke überraschen. Denn genau das ist es nicht. Stattdessen vermittelt die vergleichsweise moderat dimensionierte Weißgolduhr eine konzentriertere, beinahe bedächtige Vorstellung davon, wozu das Atelier in La Chaux-de-Fonds in der Lage ist.
Für mich wirkt das Modell Balancier QM in mancher Hinsicht sogar aufschlussreicher, wenn es darum geht, zu verstehen, worum es Greubel Forsey im Kern eigentlich immer ging – insbesondere, wenn man Ausnahmestücke wie die Greubel Forsey Hand Made One und Hand Made Two kennt.

Greubel Forsey
Der Kontext der Entstehung spielt bei der bewusst zurückhaltend gestalteten Balancier QM eine wichtige Rolle. Die zwei Jahrzehnte seit der Gründung des Ateliers durch Robert Greubel und Stephen Forsey im Jahr 2004 verliefen schließlich nicht ohne Turbulenzen. Während Antonio Calce als CEO von 2020 bis 2024 amtierte, nahm die Zahl großdimensionierter Kreationen zu. Michel Nydegger, der zuvor innerhalb des Unternehmens aufgestiegen war, setzte als CEO nach seiner Übernahme andere Schwerpunkte.
Zuletzt wurde das Fahrwasser erneut unruhiger. Mitgründer Stephen Forsey verließ das Unternehmen Anfang dieses Jahres, und Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Manufaktur sorgten während der Watches and Wonders im April für zusätzlichen Gesprächsstoff. Dennoch hat diese Phase bei Greubel Forsey eher zu einer stärkeren Fokussierung als zu Orientierungslosigkeit geführt. Dazu gehört auch die Beteiligung am jüngsten Projekt Naissance d’une Montre, bei dem ein junges Duo den britisch-dänischen Markennamen Bonniksen wiederbelebt.
Mit Michel Nydeggers Aufstieg, dem Stiefsohn von Robert Greubel, und der Neuausrichtung kommt die Marke in ruhigeres Fahrwasser – was sich zunehmend in den Uhrenmodellen sichtbar zeigt.


Greubel Forsey Balancier QM: Bedeutung Qualité Musée
Die Balancier QM wirkt weniger wie eine Fortsetzung der etablierten Formensprache der Marke, sondern mehr wie eine Präzisierung dessen, wofür Greubel Forsey im Kern steht: Traditionelle Handfinissierung, verbunden mit asymmetrischer Komplexität und ohne Kompromisse ausgeführt. Es ist die Beschreibung von Haute Horlogerie und genau dieser Gedanke tritt bei der verfeinerten QM besonders deutlich hervor. Um dieses Argument greifbar zu machen, hat Greubel Forsey etwas Ungewöhnliches getan. Die Marke hat ihrem eigenen Finissierungsstandard einen Namen gegeben: QM oder Qualité Musée.
Tatsächlich handelt es sich bei der QM-Finissierung um jenen unausgesprochenen Maßstab, der seit den Anfängen für jede Uhr der Manufaktur gegolten hat. Mit der Balancier QM wird dieser Anspruch nun, auf durchaus charmante Weise, offiziell gemacht. Unterstützt wird er durch einen eigenen Forschungsbereich innerhalb des EWT Laboratory der Manufaktur.
Die Qualité Musée wird bei dieser Uhr auch physisch präsent. Allerdings taucht die Bezeichnung QM nur ein einziges Mal auf – eingraviert als Stempel auf einer verborgenen inneren Platine und nicht etwa auf dem Zifferblatt. Denn für Greubel Forsey steht Qualité Musée letztlich für eine eher zurückhaltend formulierte Selbstverständlichkeit und besitzt damit einen leiseren Charme als der mitunter demonstrative Auftritt vieler Greubel-Forsey-Uhren.


Gleichzeitig entgeht weder mir noch offenbar dem Management von Greubel Forsey, dass sich durch diesen zurückhaltenderen Auftritt Türen zu einer neuen Sammlergruppe öffnen dürften: Menschen mit weniger ausgeprägter Lust am Extravaganten und vielleicht schmaleren Handgelenken – unabhängig vom Geschlecht des Uhrenliebhabers. Schließlich kann nicht jeder die dramatisch gewölbte Form einer Greubel Forsey GMT Balancier Convexe überzeugend tragen.
Dieses neue, konzentriertere Gesicht von Greubel Forsey hatte sich übrigens bereits bei der mit einem GPHG ausgezeichneten Greubel Forsey Nano Foudroyante angekündigt, deren Zifferblatt eine irritierende Schlichtheit besitzt.

Greubel Forsey Balancier: Sieben Finissierungstechniken auf einer einzigen Brücke
Um den großen Aufwand zu verstehen, lohnt ein genauer Blick auf das Uhrwerk der Balancier QM. Besonders klar wird das auf der Zifferblattseite, wo allein die Brücke des Unruhrads sieben unterschiedliche, von Hand ausgeführte Finissierungstechniken vereint.
Der genaue Blick zeigt einen eindrucksvoll polierten, gewölbten Arm, spiegelblanke Schwarzpolitur am Ende der Lagersteinfassung, Perlage, kreisförmige Körnung, von Hand polierte Konturflanken, geradlinigen Schliff sowie handpolierte Anglierungen.
Diese Logik bleibt konsequent, über sämtliche 298 Komponenten des Kalibers hinweg, erhalten. Der enorme handwerkliche Aufwand zeigt sich dabei vor allem auf der Zifferblattseite. Die Rückseite präsentiert hingegen eine große Fläche der fein geschliffenen Dreiviertelplatine und wirkt fast demonstrativ zurückhaltend.
Doch gerade wegen dieser minimalistischen Gestaltung bleibt nichts verborgen. Sämtliche Oberflächen liegen offen vor dem Auge eines Sammlers, der sie mit kritischem Blick prüfen kann.
Weitere kleine Details: Das Ankerrad ist auf beiden Seiten angliert und poliert, die Palettensteine sind konvex statt flach ausgeführt, und selbst der durch den Gehäuseboden sichtbare Aufzugsmechanismus wird mit derselben Sorgfalt behandelt wie jene Komponenten, die eigentlich nie dafür gedacht sind, sich dem Betrachter zu präsentieren.


Inhouse Spiralfeder: Vom Rohmaterial bis zum fertigen Bauteil
Auch die Spiralfeder entsteht vollständig im eigenen Haus. Ausgangspunkt ist eine Rohlegierung, die durch Ziehsteine aus Naturdiamant auf Toleranzen im Mikrometerbereich gebracht wird. Anschließend wird die Spirale von Hand geformt und in einem Präzisions-Vakuumofen fixiert.
Greubel Forsey begann bereits 2012 mit diesem Prozess. Inzwischen ist die Entwicklung so weit fortgeschritten, dass die Manufaktur beabsichtigt, die eigene Fertigung der Spiralfedern auf die gesamte Kollektion auszuweiten.
Das Gehäuse der Balancier QM fällt, wie bereits erwähnt, mit 39,60 Millimetern vergleichsweise zurückhaltend aus. Durch die Ausführung in Weißgold besitzt die Uhr dennoch eine spürbare Präsenz am Handgelenk. Das Werk wird von Hand aufgezogen.
Auf zusätzliche Komplikationen verzichtet Greubel Forsey. Notwendig erscheinen sie angesichts der vielschichtigen Gestaltung des sich überlagernden Zifferblatts ohnehin kaum. So konkurrieren lediglich die Anzeige von Stunden, Minuten, kleiner Sekunde und die Anzeige der 72-stündigen Gangreserve um die Aufmerksamkeit. Der Zeiger der Gangreserve verschwindet dabei teilweise unter dem Ring der Minuterie.


Greubel Forsey Verfügbarkeit und Preis: Nicht reduziert, sondern destilliert
Die auf 33 Exemplare limitierte Balancier QM ist weder eine abgespeckte Greubel Forsey noch eine derart obsessive Übung in Handarbeit wie die Modelle der Hand-Made-Reihe. Sie ist positiv zusammengefasst vielmehr die Essenz der Marke.
Die Architektur des Uhrwerks bleibt eine Landschaft. Der Blick des Sammlers wandert über gestaffelte, skelettierte Ebenen, wobei die räumliche Tiefe gezielt eingesetzt wird, um die weiterentwickelte Formensprache zu betonen. All diese Aspekte machen sie zweifellos zu einer Greubel Forsey. Doch die Komplexität liegt hier weniger in der Zahl der Komplikationen als in ihrer Ausführung.
Für eine Marke, die sich derzeit durch das Kapitel nach Stephen Forsey bewegt und dabei zwangsläufig von den Diskussionen der Sammlerszene begleitet wird, ist die Balancier QM deshalb ein ungewöhnlich präzises Statement. Womit sie – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Maßstab setzt.


Greubel Forsey Balancier QM
Datenblatt
| Gehäuse | Weißgold |
| Durchmesser | 39,60 mm |
| Höhe | 9,45 mm |
| Glas | Gewölbtes Saphirglas, Vorder- und Rückseite |
| Boden | Saphirglasboden, gewölbt |
| Wasserdichtigkeit | 3 bar (statischer Prüfdruck, entspricht 30 m) |
| Ausführung | Mehrstufig, skelettiert, rhodiniertes Gold |
| Minuterie | Lackierter Minutenring |
| Anzeigen | Stunden, Minuten, kleine Sekunde, Gangreserveanzeige |
| Kaliber | Manufakturkaliber GF09CM |
| Aufzugsart | Handaufzug |
| Frequenz | 21.600 A/h (3 Hz) |
| Gangreserve | 72 Stunden |
| Werkdurchmesser | 33 mm |
| Werkhöhe | 9,40 mm |
| Komponenten | 298 |
| Lagersteine | 34, in Goldchatons gefasst |
| Unruh | Variable-Trägheits-Unruh, Ø 12,60 mm, |
| 6 Goldschrauben, Stoppsekunde über Krone | |
| Spiralfeder | Eigenfertigung mit Phillips-Endkurve |
| Federhäuser | 2 koaxiale, seriell gekoppelte Schnelldreh-Federhäuser (3,2 Std./ Umdrehung) |
| Finissierung | Qualité Musée (QM) |
| Handfinissierung sämtlicher Komponenten, inkl. nicht sichtbarer Teile | |
| Armband | Strukturiertes Kautschukband |
| Schließe | Dornschließe, Weißgold, handgraviertes GF-Logo |
| Limitierung | 33 Exemplare |
| Preis | CHF 265.000 (auf Anfrage) |






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