CPO in aller Munde
Gebrauchte Luxusuhren sind gesellschaftsfähig geworden. Das gilt auch für ein seltenes IWC Da Vinci Tourbillon mit ewigem Kalender, Chronograph und handgraviertem Leonardo-Zifferblatt. Iconic Watches by Rüschenbeck offeriert es derzeit für 26.900 Euro. Obwohl diese Armbanduhr erst 24 Jahre alt ist, verströmt sie doch bereits jenes besondere Vintage-Flair, das den CPO-Markt unter anderem kennzeichnet.

CPO-Uhren im Aufwind
Zahlen sprechen in diesem Zusammenhang übrigens eine deutliche Sprache. Laut Deloitte können sich 40 Prozent der befragten Millennials und Angehörigen der Generation Z vorstellen, innerhalb der kommenden zwölf Monate eine gebrauchte Uhr zu kaufen. 2025 fanden mehr als 1,6 Millionen Uhren aus zweiter oder dritter Hand einen neuen Besitzer. Damit entwickelt sich der CPO-Markt zunehmend vom Nebenschauplatz zu einem festen Bestandteil der Uhrenbranche.
Willy Rüschenbeck erkannte diese Entwicklung früh. Der endgültige Entschluss, zertifizierten Gebrauchtuhren eine eigene Bühne zu geben, fiel 2019. Anfang Dezember eröffnete in Hamburg das erste entsprechende Geschäft, München und Frankfurt folgten. Inzwischen sind alle Rüschenbeck-Niederlassungen eingebunden. Sie offerieren getragene und ungetragene Uhren aus Vorbesitz und kaufen solche an.
Ganz generell betrachtet ist der Zweitmarkt erstaunlich breit aufgestellt. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass gebrauchte Uhren bei manchen Marken preislich deutlich attraktiver sind als Neuware. Dadurch kann es durchaus vorkommen, dass bestimmte Hersteller oder Modelle im Zweitmarkt besser performen als im klassischen Neugeschäft.
Im Detail verhalten sich die Dinge allerdings ähnlich wie im Neugeschäft. Aufgrund ihrer weltweiten Bekanntheit und Akzeptanz spielen die großen Marken auch hier eine dominante Rolle. Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet und Cartier zählen deshalb naturgemäß zu den besonders gesuchten Namen. Darüber hinaus gibt es jedoch eine Vielzahl weiterer Marken, deren Bedeutung im Zweitmarkt stetig wächst. Einige von ihnen haben inzwischen regelrechte Verkaufsschlager im Programm.
Kompetenz und Vertrauen
Die dahinterstehende Überlegung ist einfach: Wer neue Uhren verkauft, sollte seine Kunden auch begleiten können, wenn sie sich von einer Uhr trennen oder ihre Sammlung verändern möchten. Rüschenbeck zieht dabei gerne den Vergleich mit dem Automobilhandel. Ein Autohaus, das beim Neuwagenkauf grundsätzlich keine Inzahlungnahme anbietet, wäre heute nur schwer vorstellbar.
Gerade bei hochwertigen Vintage-Uhren liegt die Herausforderung jedoch nicht allein beim Preis. Originalität, Zustand, eventuell ausgetauschte Komponenten und die technische Beschaffenheit entscheiden über den Wert. Rüschenbeck prüft deshalb jede angekaufte Uhr auf Echtheit, Beschaffenheit und Unverfälschtheit. Notwendige Reparatur- und Wartungsarbeiten erfolgen nach den Vorgaben des jeweiligen Herstellers. Anschließend erhält die Uhr eine Rüschenbeck-Zertifizierung samt zweijähriger Garantie.

IWC Da Vinci Tourbillon Leonardo
Moderate 39 Millimeter misst sie, die hier vorgestellte IWC Referenz IW375201 aus dem Jahr 2002. Originalbox und Originalpapiere sind vorhanden. Das bedeutet Full Set. Nur leichte Tragespuren zeugen von sorgfältigem Umgang. Mit dem Da Vinci Tourbillon Leonardo erinnerte die Schaffhauser Manufaktur an den 550. Geburtstag des berühmten Italieners. Entstanden sind damals Versionen in Gelb-, Rot- und Weißgold, jeweils in einer Auflage von 50 Exemplaren.

Als Basis des von IWC modifizierten und deutlich aufgewerteten Handaufzugskalibers 76061 diente das zuverlässige Valjoux 7760. Zum Funktionenspektrum gehören Chronograph, ewiger Kalender mit vierstelliger Jahresanzeige, Mondphasenindikation und ein fliegend gelagertes Minutentourbillon. Technisch steht das Oeuvre in Verwandtschaft zu jenem Tourbillon, welches der Österreicher Richard Habring bereits für die 1993 präsentierte IWC Grande Complication Il Destriero Scafusia entwickelt hatte.

Runde Da Vinci ab 1985
Ihre gestalterischen und technischen Wurzeln besitzt die Tourbillon-Version in der ikonischen Da Vinci Ewiger Kalender Referenz 3750. Diese Armbanduhr mit der von Chefuhrmacher Kurt Klaus konstruierten Unterzifferblatt-Mechanik debütierte 1985 während der Basler Uhrenmesse.

Für das immerwährende Kalendarium braucht es lediglich 81 Komponenten. Datum, Wochentag, Monat, Mondphase und Jahr sind miteinander synchronisiert und lassen sich über die Krone gemeinsam vorwärtsstellen. Schießt man jedoch über das Ziel hinaus, ist Ruhe angesagt, bis die Realität das Angezeigte eingeholt hat. Rechnerisch erst nach 122 Jahren geht die Mondphasenanzeige um einen Tag falsch. Das Chronographen-Schaltwerk mit Kulisse und Schwingtrieb-Kupplung hat sich im legendären Valjoux 7750 millionenfach bewährt.

Damit hob die IWC unter Leitung des genialen Günter Blümlein Mitte der 1980er Jahre eine Konstruktion aus der Taufe, deren Grundidee bis 2007 das Gesicht der Da Vinci prägte. Die tonneau-förmige Nachfolge-Da Vinci, deren Form ein wenig an die Beta 21 Quarz-Referenz 3501 von 1969 erinnert, konnte dem runden Klassiker mit speziell gestalteten Bandanstößen nie das Wasser reichen. Deshalb verschwand sie auch relativ schnell wieder aus den IWC-Katalogen.



Preis-Wert
Im Jahr ihrer Premiere dürfte die hier vorgestellte CPO-Leonardo gut 60.000 Euro gekostet haben. Die einfacheren, auf 200 Exemplare limitierten Varianten mit schlichtem weißen Zifferblatt lagen 2002 bei 54.000 Euro.

Im November 2010 erlöste ein gelbgoldenes Exemplar der Leonardo-Serie, die Nummer 02/50, bei Antiquorum in Genf 31.250 Schweizer Franken. Damals entsprach das umgerechnet etwa 23.250 Euro. Vor diesem Hintergrund erscheinen die von Rüschenbeck Iconic Watches aufgerufenen 26.900 Euro bemerkenswert und angesichts der Rarität dieser goldenen Armbanduhr auch fair. Die von Rüschenbeck gewartete sowie mit Echtheitszertifikat und zweijähriger Garantie an ein neues Handgelenk wandernde Uhr demonstriert eindrucksvoll den Reiz des professionellen CPO-Markts.
Dass CPO-Uhren im Aufwind sind, hat also einen guten Grund. Der Gebrauchtuhrenmarkt offeriert nicht einfach Gebrauchtes billiger. Er bringt Zeitmesser zurück, die längst aus den Schaufenstern verschwunden sind, in gewisser Weise Kultstatus besitzen und deswegen auch heute noch jede Menge Gesprächsstoff bieten.

Kunst am Zifferblatt
Einen sehr augenfälligen Beitrag zum Narrativ leistet das massive Goldzifferblatt. Verantwortlich dafür zeichnete Wolfgang Siegwart. Seine Arbeiten gehören zu den bemerkenswertesten Beispielen klassischer Handgravur aus der jüngeren Geschichte der Schaffhauser Manufaktur IWC. Unter anderem entsprangen die charakteristischen handgravierten Schriftzüge auf den Gehäuseböden der IWC Grande Complication seinem Können.

Auch mit der Da Vinci war der Schweizer Meister-Graveur bereits vor der Leonardo-Edition eng verbunden. 1992 fertigte er für einen Kunden ein individuell graviertes Goldzifferblatt. Diese Arbeit lieferte später den Anstoß für das auf nur 20 Exemplare limitierte IWC Da Vinci Tourbillon Quattro Stagioni, dessen vier Jahreszeiten-Allegorien Siegwart mit dem Stichel in massiven Goldzifferblättern verewigte.

Somit lag es nahe, dass IWC für die hier vorgestellte Sonderedition erneut auf seine Handwerkskunst zurückgriff. Seine Arbeit hatte der Da Vinci in den 1990er-Jahren einen ganz eigenen kunsthandwerklichen Charakter verliehen. Nach seinem Ausscheiden verschwand diese Art des Auftritts bei IWC weitgehend. Und genau dieser Sachverhalt hebt dieses tickende Objekt auf ein besonderes Level.

Transparenzhinweis
Für diesen Artikel erhält Uhrenkosmos.com weder von Juwelier Rüschenbeck noch von IWC eine Verkaufsprovision oder eine andere Form der Vergütung.







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