Limitiert in Stahl und Gold
Angelus Tinkler 1958 heißt eine wahrhaft ungewöhnliche Retro-Uhrenneuheit des Jahres 2026. Hinter dem betont zurückhaltenden Erscheinungsbild verbirgt sich ein Uhrwerk mit natürlich mechanischer Viertelrepetition. Nach Betätigung des Drückers bei „9“ schlägt die Armbanduhr zunächst die Stunden und anschließend die seit der letzten vollen Stunde verstrichenen Viertelstunden.
Angelus offeriert den Newcomer limitiert auf 25 Exemplare in Edelstahl und 15 Stück in 18-karätigem Gelbgold. Das 38 Millimeter große und 12,03 Millimeter hohe Gehäuse besitzt einen verschraubten Boden und ein beidseitig entspiegeltes Box-Saphirglas. Einen Sichtboden gibt es leider nicht. Bis zu drei Bar reicht die Wasserdichtigkeit. Einschließlich Mehrwertsteuer betragen die unverbindlichen Publikumspreise 44.900 beziehungsweise 66.600 Euro.


Dezentes Äußeres, tönende Zusatzfunktion
Das leicht gewölbte weiße Sonnenschliff-Zifferblatt orientiert sich eng am historischen Vorbild. Neben der modernistisch gezeichneten „12“ stechen bei der Retroversion besonders die goldfarbenen, teilweise an Ausrufezeichen erinnernden Stundenindexe ins Auge. Ein braunes Alligatorlederband hält die Stahlversion am Handgelenk, ein dunkelblaues die goldene Ausführung. Von der akustischen Komplikation künden äußerlich nur der Modellname und das inzwischen rechteckige Bedienelement bei „9“.

Die Uhrenmarke Angelus, inzwischen Teil der Citizen-Gruppe, stattet den Tinkler mit dem neuen Automatikkaliber A600 aus. Seine Unruh vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Mit vollständig gespannter Zugfeder beträgt die Gangautonomie 70 Stunden. An Finissage mangelt es trotz des massiven Gehäusebodens nicht. Zum Spektrum der Veredelung gehören eine gewendelte Platine, palladinierte Brücken mit Genfer Streifen, polierte Winkel, gebläute Schrauben sowie eine Wolfram-Schwungmasse.


Der erste Automatik-Tinkler
Vollständig erschließt sich dieser klingende Zeitmesser durch einen Blick in die Vergangenheit. Angelus, ansässig unübersehbar am Südhang der Stadt Le Locle, beschäftigte sich schon früh mit dieser Uhrenspezies. Bereits 1896 meldeten die Firmengründer Albert und Gustav Stolz einen geräuschlosen Regulator für Repetitionsmechanismen zum Patent an. 1958 folgten die Schutzrechte für einen entsprechenden Zeitmesser, der sich ans Handgelenk schnallen ließ. Der sogenannte Tinkler war nach gegenwärtigem Kenntnisstand die weltweit erste wasserdichte Armbanduhr, welche Selbstaufzug und Repetition kombinierten.
Sein Name leitete sich ab vom englischen „to tinkle“, also klingeln oder läuten. Für die Entwicklung kooperierte Angelus mit A. Schild in Grenchen. Auf der Zifferblattseite des bewährten Automatikkalibers AS 1580 saß ein Modul mit Viertelrepetition. Für eine wirtschaftlich vertretbare Serienproduktion verlangte der Schweizer Rohwerkegigant jedoch eine Mindestabnahme von 10.000 Werken und Modulen. Angelus scheute dieses Risiko und ließ nur eine Pilotserie von 100 Exemplaren fertigen.

Das Stahlgehäuse maß schon damals beachtliche 38 Millimeter. Die Dimensionen waren dem Repetitionsmodul geschuldet. Einzelschläge verkündeten die Stunden, Doppelschläge die Viertelstunden. Eine Alles-oder-nichts-Sicherung besaß die Konstruktion nicht. Bei unvollständiger Betätigung konnte das Schlagwerk also eine falsche Zeit in den Raum stellen.
Rund 300 Schweizerfranken kostete der historische Tinkler. Das entsprach damals mehr als der Hälfte des Monatseinkommens eines Arbeiters. Entsprechend schleppend verkaufte sich die Uhr. Weil es bei besagter Mini-Auflage blieb, zählt der historische Tinkler heute zu den gesuchten Angelus-Raritäten.

Weiterer Versuch in der Quarzkrise
Angelus gab das Thema dennoch nicht auf. In den 1970er-Jahren entstand eine weitere Schlagwerkuhr. Sie tat neben den Stunden auch die Zahl der danach verstrichenen Fünf-Minuten-Intervalle kund. Als tickende Basis diente das Handaufzugskaliber ETA 2801. Das zifferblattseitig montierte Repetitionsmodul hatte Dubois-Dépraz für Kelek entwickelt. Später nutzte es beispielsweise auch Chronoswiss in der Répétition Automatique zusammen mit einem Automatikwerk von Kaliber Eta 2892-A2.


Die 41 Millimeter große Doublé-Schale der Angelus Fünfminuten-Repetition fiel für ihre Zeit ausgesprochen voluminös aus. Im Gehäuserand bei „2“ fand sich der Schlagwerksdrücker. Die Aufzugs- und Zeigerstellkrone verbarg sich bei „4“ fast schon schamhaft unter der rechten Gehäuseflanke. Leider blieb auch diesem Modell ein nennenswerter Markterfolg versagt. Das freut natürlich Sammler.

Weil aller guten Dinge drei sind, hat Angelus 2026 einen neuen Anlauf unternommen. Diesmal verbindet das Unternehmen bei der Tinkler 1958 Automatic die Diskretion des Originals mit deutlich zeitgemäßerer Uhrwerkstechnik. Gehäusegröße, weißes Zifferblatt, geschlossener Boden und Auslöser bei „9“ greifen das historische Vorbild auf, ohne daraus eine bloße Kopie zu machen.

Die eingangs genannten Preise für den neuen Angelus Tinkler 1958 sind nicht von schlechten Eltern. Allerdings gehören Armbanduhren mit Viertelrepetition und Selbstaufzug heutzutage eher zu den Raritäten. Hinzu kommen die kleinen Auflagen und das neu entwickelte Automatikkaliber A600.
Das Schlagwerksmodul steuert wie schon vor rund fünf Jahrzehnten Dubois-Dépraz bei. Darüber spricht Angelus zwar nicht. Aber ein Vergleich mit der von Chronoswiss im Quarter Repeater genutzten Kadratur, welche der damalige Auftraggeber Gerd-Rüdiger Lang persönlich dem einschlägig erfahrenen Spezialisten zuordnete, verdeutlicht die Provenienz aus dem Vallée de Joux. Sie ist definitiv kein Nachteil, sondern bietet den Käuferinnen und Käufern die Gewähr langjähriger Kompetenz auf diesem anspruchsvollen Gebiet komplizierter Uhrmacherei.

Somit führt Angelus mit dem neuen Tinkler 1958 eine eigene, im Laufe der Jahrzehnte beinahe vergessene Tradition fort. Optisch wirkt diese Armbanduhr eher leise. Dafür macht sie bei jenen, welche sie sich leisten können und wollen, umso eindrucksvoller von sich hören.
Weitere Infos zum Angelus Tinkler 1958 gibt es auf der Seite des Herstellers.

Datenblatt |
Angelus Tinkler 1958 |
| Gehäuse | Stahl oder Gelbgold |
| Durchmesser | 38 mm |
| Höhe | 12,03 mm |
| Wasserdichte | bis 3 bar |
| Glas | Box-Saphirglas, beidseitig entspiegelt |
| Uhrwerk | Kaliber Angelus A600 |
| Durchmesser | 28 mm |
| Höhe | 7,35 mm |
| funktionale Steine | 33 |
| Unruhfrequenz | vier Hertz |
| Gangautonomie | 70 Stunden |
| Aufzug | automatisch |
| Anzeigen | Stunden, Minuten, Sekunden |
| Funktion | Viertelrepetition |
| Referenz Stahl | 0TKAS.W01A.C1468S |
| Limitierung | 25 Exemplare |
| Preis | 44.900 Euro |
| Referenz Gold | 0TKAQ.W01A.C1470Q |
| Limitierung | 15 Exemplare |
| Preis | 66.600 Euro |







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