Es ist nicht so, dass die Uhrenmarke Ebel komplett aus dem Bewusstsein der Kunden ist. Denn in den 1980er- und 1990er-Jahren gehörte der Schweizer Uhrenhersteller zweifellos zu den großen Namen der Branche. Die eleganten Uhren mit ihren charakteristischen Gehäusen und Wellenarmbändern waren unverwechselbar. Heute dürfte Ebel vor allem jüngeren Uhrenkäufern kaum noch ein Begriff sein und die besten Jahre sind lange vorbei.
Das könnte sich mit dem Ebel Verkauf ändern. Denn mit François-Paul Journe und Chanel übernehmen zwei Akteure die Marke, denen man ein ausgeprägtes Gespür für hochwertige Uhrmacherei, Design und Luxusmarken zutrauen darf und die ihre Uhrenmarken fainanziell erfolgreich führen. Doch was genau haben sie mit Ebel vor?

Ebel Verkauf: 66,5 Millionen Dollar für 95 Prozent
Gleichwohl hat die Meldung überrascht, als am 8. Oktober 2026 die amerikanische Movado Group bekannt gab, 95 Prozent von Ebel für 66,5 Millionen US-Dollar an eine Investorengruppe unter Führung der Genfer Montres Journe SA zu verkaufen. Neben François-Paul Journe ist das französische Luxushaus Chanel beteiligt. Dritter im Bunde ist Pierre Jacques, der nach Abschluss der Transaktion die Geschäftsführung von Ebel übernehmen soll. Jacques kennt die Welt der unabhängigen Schweizer Uhrmacherei. Er leitete mehr als ein Jahrzehnt die Manufaktur De Bethune und verfügt über Erfahrung beim Aufbau und der Positionierung hochwertiger Uhrenmarken.
Movado hingegen, seit 2004 Eigentümer von Ebel, behält einen Minderheitsanteil von fünf Prozent. Der Verkauf ist vertraglich vereinbart, der Abschluss wird jedoch erst in den kommenden Monaten erwartet. Zum Geschäft gehören neben Markenrechten, Warenbeständen und weiteren Vermögenswerten auch die berühmte, von Le Corbusier entworfene Villa Turque in La Chaux-de-Fonds.

François-Paul Journe und Chanel: Eine ungewöhnliche Allianz
Besonders interessant ist die Kombination der Käufer. François-Paul Journe zählt zu den renommiertesten unabhängigen Uhrmachern der Gegenwart. Seine technisch anspruchsvollen Zeitmesser gehören zur Spitzenklasse der mechanischen Uhrmacherei.
Chanel wiederum baut sein Engagement in der Schweizer Uhrenindustrie seit Jahren aus. Das Luxushaus ist unter anderem an Romain Gauthier und MB&F beteiligt und hält seit 2018 bereits 20 Prozent an Montres Journe.
Beide Unternehmen verbindet somit eine bestehende Partnerschaft. Allerdings ist bislang nicht bekannt, wie sich die Beteiligungsverhältnisse beim Kauf von Ebel genau aufteilen oder welche Aufgaben die einzelnen Investoren künftig übernehmen werden.

Ich bin außerordentlich stolz und freue mich sehr darauf, gemeinsam mit François-Paul Journe und Chanel die Zukunft von EBEL mitzuprägen und zum weiteren Erfolg dieser außergewöhnlichen Maison beizutragen.
Welche Strategie verfolgen die neuen Ebel-Eigentümer?
Womit sich automatisch die wirklich interessanten Fragen dieses Verkaufs stellen: Was wollen François-Paul Journe, Chanel und Pierre Jacques mit Ebel anfangen? Soll die Marke wieder stärker in Richtung hochwertiger mechanischer Uhren entwickelt werden? Denn alles andere wäre bei dieser Eigentümerstruktur eine Überraschung.
Und wird Ebel künftig auf eigene oder exklusiv zugelieferte Kaliber setzen? Mit Kenissi hätte Chanel eine Uhrwerkmanufaktur am Start, an der man eine relevante Beteiligung hält und so für eine gute Belieferung sorgen könnte.
Zu allem gibt es bislang keine konkreten Antworten. Auch Pierre Jacques äußerte sich gegenüber Schweizer Medien noch nicht zu einer möglichen Neupositionierung.
Ideen gäbe es durchaus. So könnte man an die erfolgreichenEbel-Kollektionen der Vergangenheit anknüpfen. Die Ebel Sport Classic mit ihrem charakteristischen Wellenarmband, die Ebel 1911 oder die historischen Chronographen bieten durchaus genügend gestalterische Substanz für solch einen Neustart. Man darf also gespannt sein.

Uhrenmarke Ebel: Die wichtigsten Unternehmensdaten
1911: Eugène Blum und Alice Lévy gründen Ebel in La Chaux-de-Fonds. Der Name entsteht aus den Anfangsbuchstaben von „Eugène Blum et Lévy“.
1970er- und 1980er-Jahre: Unter Pierre-Alain Blum entwickelt sich Ebel zu einer international erfolgreichen Luxusuhrenmarke. Die Sport Classic mit ihrem Wellenarmband wird zum Markenzeichen. Ebel fertigt auch Uhren für Cartier.
1980er- und 1990er-Jahre: Die Kollektion 1911 und mechanische Chronographen mit Zenith-El-Primero-Kalibern unterstreichen die uhrmacherische Kompetenz. Prominente Träger wie Don Johnson und Yannick Noah sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit.
1994–2004: Ebel wird zunächst an Investcorp, später an LVMH und schließlich 2004 an die amerikanische Movado Group verkauft. Die Marke verliert zunehmend an Bedeutung.
2026: François-Paul Journe, Chanel und Pierre Jacques vereinbaren die Übernahme von 95 Prozent der Anteile. Ein möglicher Neustart steht bevor.
Noch mehr Infos zu Chanel finden Sie hier unter diesem Link im Chanel Markenkosmos.








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