Bronzeuhren - Teil 1
Zwischen Patina und Pathos

Wer sich Zeitmesser aus Bronze zulegt, holt sich eine echte Verwandlungskünstlerin ans Handgelenk. Doch kaum ein anderes Material bringt Indivudualität und cleveres Investment so perfekt zusammen. Wenn auch Sie insgeheim von einem Model am Arm träumen, sollten Sie jetzt weiterlesen.

Zwischen Patina und Pathos

Die Anonimo "Epurato" trägt ihre Krone klassisch bei drei Uhr. Sie ist mit einem Sellita SW200-1 Automatikwerk und einem transparenten Gehäuseboden ausgestattet.

Archaische Unikate fürs Handgelenk

Wenn Altern schöner macht, dann haben Besitzer von Bronzeuhren den Jackpot gewonnen. So auch bei diesen schönen Taucheruhren von Anonimo, Panerai und Oris.

Seit Jahrzehnten hält die Begeisterung für das ungewöhnliche Material an.  Gehört man zum Beispiel 2011 zu den Glücklichen, die eines von 1.000 Exemplaren der Panerai „Bronzo“, Referenz PAM 382 zum Stückpreis von 7.600 Euro ergattern konnten, ist die Freude groß. Inzwischen wird für diese das Dreifache verlangt … und bezahlt. Natürlich gab eine zweite Chance im Jahr 2014. Die „Bronzo II“ mit Gangreserveanzeige, Referenz PAM 507 kostete 9.900 Euro. Doch auch sie ist aktuell nicht unter 20.000 Euro zu haben. Ein vorzügliches Investment für Menschen mit Faible für ein archaisch anmutendes Material, aus dem beispielsweise Kirchenglocken, Schlagzeugbecken, Kunstgegenstände, Münzen, Medaillen oder Formdüsen zur Pasta-Produktion hergestellt werden.

Die Verwandlung

Natürlich gibt es ein kleines Aber: Bronzegehäuse sind sehr speziell und auch bei Taucheruhren deshalb nicht jedermanns Sache. Über kurz oder lang verändern sie ihr Gesicht und bekommen eine Patina. Diese Alterungserscheinung wird durch Körperwärme, Schweiß, Luftfeuchtigkeit und andere klimatische Einflüsse hervorgerufen. Bedingt durch die Oxidation der Oberfläche färbt sich der goldähnliche Farbton sukzessive dunkler. Andererseits bringt die farbliche Veränderung im Laufe der Zeit aber auch eine individuelle Note. Kurzum, Armbanduhren mit Bronzegehäuse nehmen einen stetigen Weg vom Serienmodell zum Unikat. Und das macht sie z

Zurück zu goldenen Zeiten

Wer nun aber doch wie eine Elster auf eher glänzende Stücke steht, bei dem stellt sich der ursprüngliche Glanz ohne großen Aufwand wieder ein. In aller Regel verwenden die Uhrenmarken heute Marinebronze. Dieses Material widersteht mechanischem Stress, Salzwasser und Korrosion durch einen dünnen äußeren Aluminiumfilm. Auch die Zeiten, in denen dass Bronzegehäuse grüne Spuren auf der Haut hinterlässt, sind vorbei. Die aktuellen Modelle dieser Zeitmesser haben Böden aus antiallergischem Titan oder Edelstahl. Das war nicht immer so.

Noch als Chronoswiss 1988 im Zusammenhang mit dem limitierten Handaufzugs-„Regulateur“ auch eine Bronze-Version offerierte bestand der Boden entsprechend aus Bronze. Nervige Grünspan-Spuren auf dem Handgelenk waren demzufolge an der Tagesordnung. Dem Erfolg der Uhr tat das keinen Abbruch. Auch dieses Modell hat mittlerweile wertmäßig deutlich zugelegt. 1995 stellte dann Gérald Genta seinen „Gefica“ Chronographen mit Bronzeschale vor. In der Kollektion des Designers fand sich auch eine Bronze-„Gefica“ mit Vollkalender und Quarzwerk.

Einfach mal abtauchen

Ab 1997 lancierte die neu gegründete Marke Anonimo ein erstaunlich breites, meist limitiertes Spektrum unterschiedlicher Armbanduhren mit Bronzegehäuse. Zu ihnen gehörten die „Millemetri Polluce“. Ihr Name erinnert an das Wrack des im Herbst 2005 vor der Küste Elbas entdeckten Postdampfschiffs „Polluce“.  Die Marke Oris entdeckte Bronze im Jahr 2016. Das Vorbild für die limitierte Taucheruhr geht zurück auf das Jahr 1965. Daher trägt das zu Ehren des amerikanischen Tauchhelden Carl Brashear herausgegebene, auf 2.000 Exemplare limitierte, Modell den Namen „Divers Sixty-Five“. Natürlich war auch dieses sehr schnell ausverkauft und wird heute sehr viel höher bewertet. Der Erfolg von Bronzeuhren beim Verbraucher blieb nicht verborgen. Ein Glück, denn wer Lust auf archaisch anmutende Bronze am Handgelenk verspürt, wird bei unterschiedlichen Uhrenmarken fündig.

Mit Bronze an die Spitze

Das 1997 in Florenz gegründete Uhrenlabel Anonimo spielt seine Bronze-Kompetenz auch bei seinem neuesten Modell voll aus. Mittlerweile ist Anonimo in die Schweiz umgezogen. Der Sachverstand im Umgang mit dem beliebten Werkstoff ist geblieben. Auf die markante „Militare“, deren beweglicher oberer Bandanstoß die Krone fest gegen das Gehäuse drückt, und die „Nautlilo“ bringt das Familienunternehmen 2018 eine dritte Uhrenlinie. Die „Epurato“ besticht durch ein schlichtes, kissenförmiges Gehäuse, welches am Handgelenk weniger als elf Millimeter aufträgt. Mit 42 Millimetern ist auch der Durchmesser moderater ausgefallen. Das Erscheinungsbild prägt neben dem kannelierten Glasrand auch ein unaufdringlicher  Flankenschutz für die Krone. Dieses Modell gibt es in Stahl oder in polierter Aluminiumbronze. Durch den Sichtboden zeigt sich das bewährte Automatikkaliber Sellita SW 200 mit beidseitig wirksamem Rotoraufzug und rund 38 Stunden Gangautonomie. Wasserdruck widersteht die relativ flache Schale bis zu fünf bar. Tauchen ist und bleibt für Bronzeuhren eben kein Problem.

Die Panerei "Bronzo" genießt bei Sammlern von Bronze-Taucheruhren Kultstatus. Ihr Wertzuwachs lässt sich sehen!

Taucheruhr im eleganten Design: Die "Millemetri Polluce" von Anonimo

Auch von Oris hat 2015 erstmals eine Bronzeuhr auf den Markt gebracht: "Carl Brashear Chronograph Limited Edition" zeigt auf dem Gehäuseboden einen Taucherhelm

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