Oris stellt das skelettierte Manufaktur-Handaufzugskaliber Big Crown ProPilot X Calibre 115 vor
Von der Uhrenmanufaktur zur Uhrenmanufaktur

Dank skelettierter Konstruktion gestattet das Oris Manufaktur-Handaufzugskaliber perfekten Durchblick. Die gesamte Armbanduhr präsentiert sich dabei im keineswegs alltäglichem Fliegerlook.

Von der Uhrenmanufaktur zur Uhrenmanufaktur

Vom Kaliber Oris 110 zum Oris 115

Mehr als 270 eigene Kaliber

Bis 1970 gehörte Oris unbestritten zu den Top Ten des internationalen Uhrenbusiness. In den besten Jahren entstanden 1,2 Millionen Zeitmesser unterschiedlicher Ausprägung. Den größten Teil der Produktion beseelten hauseigene Handaufzugs- und Automatikwerke, ausgestattet mit einfacher, aber dennoch zuverlässiger und präziser Stiftankerhemmung. Bis 1966 untersagte das 1934 erlassene Uhrenstatut die Fertigung höherwertiger Uhrwerke mit Schweizer Ankerhemmung. Über eine solche verfügte das anschließend lancierte 645 mit Selbstaufzug. Insgesamt kann Oris auf mehr als 270 eigene Kaliber zurückblicken.

Nach einem Intermezzo unter dem Dach der Allgemeinen Schweizer Uhren AG  (ASUAG) und dem Management-Buyout durch Dr. Rolf Portmann und Ulrich Herzog brachte 1988 einen neuen Markenauftritt und eine Restrukturierung der Kollektion mit Blick auf die Renaissance der überlieferten Zeitmessung. Eigene Kaliber ließen das angestrebte Preissegment und die Fokussierung auf Mechanik für Einsteiger nicht zu.

Manufaktur-Comeback

Pünktlich zum 110. Geburtstag im Jahr 2004 endete dieser Zustand. Gemeinsam mit Schweizer Ingenieuren und Mitarbeitern des Technicums in Le Locle hob Oris die erste tickende Eigenkreation seit 35 Jahren aus der Taufe. Zusammen mit spezialisierten Partnern in der Eidgenossenschaft erfolgte die Herstellung des Manufakturkalibers 110. Auf der Rückseite des 34 Millimeter großen Handaufzugskalibers sticht vor allem der riesige Energiespeicher ins Auge. Die darin aufgewundene, 1,80 Meter lange Zugfeder gestattet mindestens zehn Tage Gangautonomie. Ans rechtzeitige Aufziehen erinnert die patentierte, weil progressiv agierende Gangreserveanzeige bei „3“. Der zugehörige Zeiger bewegt sich anfangs relativ langsam. Mit nachlassender Federkraft steigert er sein Tempo. Diesem Sachverhalt entspricht die zugehörige Skala. Gegenüber bei „9“ dreht der kleine Sekundenzeiger. Mit drei Hertz oszilliert der Gangregler des aus 177 Komponenten assemblierten Mikrokosmos.

2014 im Handumdrehen ausverkauft: Oris Artelier Kaliber 110, Edelstahl

Edler, aber auch kostspieliger: Oris Artelier Kaliber 110 in Rotgold

Angesichts eines extrem kompetitiven Preises von 4.450 Euro waren die 110 „Artelier“-Exemplare mit 43 mm großem Edelstahl-Sichtbodengehäuse quasi über Nacht ausverkauft. Nicht ganz so flott verlief der Verkauf von ebenso vielen Rotgold-Armbanduhren. Schließlich verlangten sie ein Investment in Höhe von 11.900 Euro.

Thema con Variazioni

 

 

 Kaliber 111

Von Industrialisierter Produktion war Oris beim Kaliber 110 von ein gutes Stück entfernt. Das änderte sich im Zusammenhang mit dem ab September 2015 unlimitiert erhältlichen Nachfolger 111. Der Unterschied zum Vorgänger bestand in einem Fensterdatum links von der kleinen Sekunde bei „9“. Die wiederum 43 mm große Edelstahl-Version dieser „Artelier“ offerierte Oris anfangs für 4.900 Euro.

 

Kaliber 112

2016 wartete die Familienmanufaktur mit dem Kaliber 112 auf. Zur Freude vielfliegender Kosmopoliten dreht bei „12“ eine ein zweites, unabhängig verstellbares Zeigerpaar mit zugehöriger Tag-/Nacht- Indikation. Aus Platzgründen wanderte die kleine Sekunde an die Position zwischen „7“ und „8“. In Stahl kostete diese Sichtboden-„Artelier“ 5.950 Euro.

Kaliber 113

2017 setzte Oris die einschlägigen Aktivitäten logischer Weise mit dem Kaliber 113 fort. In diesem Fall treibt das Basiskaliber mit zehn Tagen Gangautonomie neben den Zeit-Zeigern und dem bekannten Fensterdatum auch noch Indikationen für den Wochentag und die Kalenderwoche an. Ganz nebenbei lassen sich vom Zifferblatt auch die Monate ablesen. Die stählerne „Artelier Calibre 113“ schlug mit 5.800 Euro zu Buche.

Kaliber 114

Das Kaliber 114 von 2018 kommt in der deutlich sportlicheren und markanteren „Big Crown ProPilot Calibre 114“. Hinsichtlich der Funktionen haben die Techniker die Tatsache gedacht, dass es beispielsweise in Indien und Australien „krumme“ Zeitzonen gibt. In diesem Sinne besitzt der Newcomer einen zusätzlichen zentralen GMT-Zeiger, der sich unabhängig vom Zeigerpaar für die Lokalzeit in Halbstundenschritten verstellen lässt. Für 5.500 Euro kann Mann mit diesem Edelstahl-Zeitmesser bis zu 100 Meter abtauchen.

Manufaktur mit Durchblick

Einer Art Experiment entstammt das neueste Oeuvre der Manufakturaktivitäten des Hauses Oris. Mit den jüngst vorgestellten Kaliber 115 möchte CEO Rolf Studer zum einen Mechanikfreaks mit ausgeprägtem Hang zum Durchblick ansprechen.

„Bei unserer Big Crown ProPilot X Calibre 115 handelt es sich um eine sehr speziell gestaltete Piloten-Armbanduhr. Erstmals in der Geschichte von Oris gibt es kein Zifferblatt mit Ziffern. Bei der Gestaltung ließ sich das involvierte Design-Team von Kultur, Architektur und Natur leiten.“

Rolf Studer

CEO, Oris

Und genau das bringt die durchbrochene Gestaltung des Ensembles aus Handaufzugswerk und Zeitanzeige zum Ausdruck.

Rückseite der Oris „Big Crown ProPilot X Calibre 115″

Das Thema Skelettierung beschäftigte Beat Fischli übrigens schon seit Jahren.

„Sklelettierung bringt eine unglaubliche Faszination einher. Der Betrachter erkennt jedes Detail und kann die Abläufe im tickenden Uhrwerk minutiös nachvollziehen.“

Beat Fischli

COO, Oris

Bestärkt durch positive Erfahrungen bei den Kaliber 110 bis 114 beauftragte der Oris-COO einen einschlägig versierten Uhrmacher damit, beim Basiswerk alles überflüssige Material so zu entfernen, dass die zuverlässige und präzise Funktion unter keinen Umständen leidet. Mit dem Auftritt des neuen Kalibers 115 hat der handwerklich erzeugte Prototyp indessen wenig gemein. Das ist auch der Grund, warum ihn Rolf Studer nicht vorzeigen möchte. Aber er bildete das Fundament für jene intensiven Entwicklungsarbeiten, welche letzten Endes zum augenfälligen Newcomer führten.

Von klassischer Handskelettierung war bei Oris übrigens niemals die Rede. Vielmehr handelt es sich um eine ausgeklügelte stabile Konstruktion zur Fertigung der Platinen, Brücken und Kloben mit Hilfe computergesteuerter Maschinen. Durch die veränderte Geometrie des Räderwerks hätte Oris sogar eine noch längere Gangautonomie erzielen können. Aber genau das lag nicht im Sinne des Erfinders. Eine schwächere Zugfeder gestattet die Verringerung des Lagerdrucks ohne Beeinträchtigung der opulenten Gangdauer.

Modern aber nicht modisch

Nach den Technikern waren die Designer an der Reihe. Lukas Bühlmann und seinem Team kam es zu, die immensen Möglichkeiten eines filigranen Skeletts optimal zu nutzen. Natürlich hatten die Konstrukteure penibel auf absolute Kongruenz übereinander liegender Teile geachtet.

„Meine Aufgabe bestand unter anderem darin, eine neue Fliegeruhren-Generation zu erschaffen. Bekanntlich reicht die diesbezügliche Tradition mehr als 60 Jahre zurück.“

Lukas Bühlmann

Designer, Oris

Als besondere Herausforderung erwies sich die formale Balance zwischen Uhrwerk und Gehäuse. „Wir wollten eine moderne, aber keinesfalls modische Armbanduhr schaffen, die sich Zeitgeistströmungen langfristig widersetzt.“ Vielfältige Inspirationen lieferten einerseits die Aviatik und zum anderen natürlich die Architektur. Allein wegen der schieren Größe sticht beim Betrachten dieser ausdruckstarken Armbanduhr das selbstverständlich ebenfalls durchbrochen ausgeführte Federhaus unverzüglich ins Auge. Erst dann fallen die Blicke auf das kunstvoll skelettierte Gestell.

Deutliche Bezüge zur Fliegerei ergeben sich unter anderem aus dem Glasrand, welche an eine Turbine erinnert. Diese Gestaltungsmerkmale setzen sich fort bei gleichfalls geriffelten Höhenring. Dem gesamten Erscheinungsbild der 44-Millimeter-Titanschale mit Schraubkrone und Flankenschutz ist ein gewisser Stealth-Charakter zu Eigen. Ihre Wasserdichte reicht bis zu zehn bar Druck.

Oris offeriert den grauen Newcomer in zwei Ausführungen. 6.500 Euro kostet die Lederband-Version. Für 400 Euro mehr gibt es ein Titan-Gliederband. Angesichts des relativ geringen Preisunterschieds empfiehlt sich zunächst das Metallband und, wenn gewünscht, Leder vom Kundendienst.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Oris, Hölstein
Name Big Crown ProPilot X Calibre 115
Referenz

115 7759 7153 7 22 01 TLC – Titanband

115 7759 7153 5 22 04 TLC – Lederband

Premiere September 2019
Uhrwerk Kaliber 115
Aufzug manuell
Durchmesser 34 mm
Bauhöhe 6 mm
Unruhfrequenz drei Hertz
Gangautonomie 240 Stunden
Anzeige Stunden, Minuten, Sekunden, Gangreserve
Zusatzfunktionen skelettierte Ausführung
Gehäuse Titan, Sichtboden
Durchmesser 44 mm
Höhe 12,5 mm
Wasserdichte zehn bar
Armband Titan-Gliederband, Leder mit Titan-Faltschließe
Preis 6.900 Euro mit Titanband, 6.500 Euro mit Lederband
Limitierung keine

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