Die Patek Philippe Nautilus glänzt in Stahl
So wurde aus einer „Stahluhr“ die mit begehrteste Uhr der Welt

Die Nautilus war nach der Royal Oak die zweite Stahluhr, die mit ihrem Design und dem Grundstoff Stahl für Furore sorgte. Sie wurde sogar mit dem Slogan „Eine der weltweit kostspieligsten Uhren besteht aus Stahl“ beworben. Ganz schön hart.

So wurde aus einer „Stahluhr“ die mit begehrteste Uhr der Welt

Die Nautilus von Patek Philippe hat bereits früh durch perfektes schlichtes Design und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein geglänzt

Die anstrengenden 70-er Jahre

Spannende Uhr- Zeiten waren sie zweifellos, die 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Patek Philipp erstmals sein Uhrenmodell Nautilus vorstellte. Dass diese Uhr einmal die mit begehrteste Uhr der Welt werden würde, war damals nicht abzusehen. Damals waren andere Dinge präsent. Der Überschall-Flieger Concord, erste Laserstrahlen, das BIC-Feuerzeug, das Ende des legendären Käfers, der Watergate-Skandal oder Khomeini und Margot Thatcher sind nur Begriffe, welche dieser umwälzenden Dekade ihren Stempel aufgerägt haben.
Spannend bedeutete für die Uhrenindustrie allerdings eine höchst bedrohliche und stressige Zeit. Insbesondere für die eidgenössischen Uhrenfabrikanten, welche heftig unter den Folgen der ungestümen Quarz-Revolution zu leiden hatten. Denn es gab damals nur wenige Liebhaber von mechanischen Chronometern und Chronographen, die sich in diesen Tagen dem  chronometrischen Quarz-Trend entgegenstemmten und bei den Fachhändler für kleine Summen wahre uhrmacherische Glanzstücke erwerben konnten.

Auch im Armbanduhren-Design brachten die 1970-er Jahre eine bemerkenswerte Wende. im Angesicht emsig schwingender Quarze präsentierte nämlich Audemars Piguet anlässlich der Basler Uhrenmesse 1972 erstmals eine mechanische Stahl-Uhr, die schlichte Golduhren der Marke preislich in den Schatten stellte. Die erste Reaktion der Besucher und Mitbewerber war mitunter ein verwundertes Kopfschütteln und Achselzucken. Verbürgt sind freilich auch deutlich unfeinere Gesten hinsichtlich der weltweit teuersten Stahl-Armbanduhr, die nach damaligem Verständnis vieler keinen echten  Luxus repräsentieren konnte.

Stahluhren Im Trend

Aufhalten konnten die Kritiker den Trend zu teuren Stahluhren indessen nicht. Die Royal Oak Audemars Piguet mit dem ultraflachen Rotor-Kaliber 2121 reüssierte erstaunlich schnell. Und das rief selbstverständlich den Mitbewerb auf den Plan. Philippe Stern, von 1977 bis 2009 Präsident von Patek Philippe, erinnert sich noch sehr genau. „Viele Uhrenhersteller  machten damals neue Dinge, um die Kunden anzuziehen. Ein moderneres Design, Uhren für Outdoor-Aktivitäten. Wir wollten ganz einfach eine jüngere und sportliche Klientel ansprechen. Damals gab es ja bereits die Royal Oak von Audemars Piguet. Uns schwebte etwas Ähnliches vor, aber wir wollten ja nicht zu dicht an diese Stahl-Armbanduhr kommen. Und es sollte keinesfalls zu ähnlich werden. Deshalb wandten wir uns damals auch an Gerald Genta, der ja bereits die Royal Oak kreiert hatte.“ Der zeigte sich durchaus aufgeschlossen, nach der Royal Oak sein Designtalent auch noch einer anderen Top-Marke angedeihen zulassen.

Abermals wollte Gerald Genta eine neue Form unter Einbeziehung klarer Linienführung kreieren. Der Designer: „Ich habe damals für renom­mierte Häuser einen neuen Stil eingeführt, den man als ‚lignes douces’ (sanfte Linien) bezeich­nete. Es war in dieser Zeit ein Phänomen, Uhren zu kreieren, die an das Handgelenk angepasst und gleichzeitig ange­nehm zu tragen waren.“ Der Coup gelang, auch wenn der durchschlagende Erfolg bei Patek Philippe zunächst ein wenig auf sich warten ließ.
„Wir haben uns mitunter schon gefragt, ob so etwas wirklich erfolgreich werden könnte.“ konstatiert Philippe Stern retrospektiv. Seine Frage war nicht gänzlich unbegründet, denn die Akzeptanz der Patek Philippe Nautilus stellte sich zunächst eher verhalten ein. „Drei Jahre nach der Herrenuhr kamen wir mit der Damenversion auf den Markt und die war spontan deutlich erfolgreicher. Genau genommen war die sogar richtig erfolgreich. Bei der maskulinen Version ging es wirklich langsam, dafür aber auch kontinuierlich aufwärts. „1998 platzte der Knoten bei der großen Stahl-Version. Und plötzlich übertraf die Nachfrage das Angebot, weil wir bei unserer Nautilus in kleineren Stückzahlen dachten und nicht zu viele Stahluhren herstellen wollten. Die Nachfrage stieg, unsere Stückzahlen blieben jedoch gleich. Letztlich war es eine limitierte Produktion.“, so Philippe Stern.

Wir wollten ganz einfach eine jüngere und sportliche Klientel ansprechen.

Philippe Stern

Präsident Philippe Stern, Patek Philippe

Der Weg zu einer der begehrtesten Uhren der Welt

Der Nautilus-Debütant trug, wie bei Patek Philippe schon seit den 1930-er Jahren üblich, eine schlichte Zahl. Die Referenznummer lautete 3700, und die Kennzeichen dieser Stahluhr waren u.a.: Eine zweiteilige, bis 12 Atmosphären wasserdichte Edelstahl-Schale Typ „Monocoque“, Größe 42 Millimeter, extravagantes Bullaugen-Design und natürlich teurer als viele Golduhren jener Epoche. Damit verstieß nun auch Patek Philippe gegen viele Konventionen. Mit Philippe Sterns Leidenschaft für den Segelsport hatte das Bullaugen-Design übrigens nichts zu tun. „Wir wollten eine wasserdichte Sportuhr. Und da ist am Ende dann halt das Bekannte herausgekommen. Genta kreierte die Nautilus zunächst ohne größere Einflussnahme unsererseits. Wir brachten ein paar grundsätzliche Ideen ein. Später arbeiteten wir gemeinsam an verschiedenen Prototypen. Wir änderten die Proportionen, die Dimensionen. Das war ein langer Prozess. Soweit ich mich erinnern kann, vergingen von den ersten Schritten bis hin zur fertigen Nautilus in den Geschäften mehr als zwei Jahre.“

Trotz gewisser Zweifel, ob eine Stahl-Armbanduhr jemals wirklich eine Patek Philippe sein könne, stand das Projekt jedoch nie wirklich zur Debatte. Für die ersten Nautilus-Jahre gibt es neben dem gemeinsamen Designer noch eine weitere Parallele zur Royal Oak: das 3,05 mm flache Automatikkaliber 2121. Patek Philippes Mikrorotor-Kaliber 240, Bauhöhe 2,4 mm ohne Datumsanzeige, stand erst ab 1977 zur Verfügung. „Dieses Automatikwerk war eigentlich gar nicht für Sportuhren konstruiert.“ weiß Philippe Stern zu berichten. Weil es damit jedoch nie nennenswerte Probleme gab und Patek Philippe sein Kaliber 240 kontinuierlich optimierte, fand es später doch noch in die Nautilus.

Weil frei nach Oscar Wild Dinge, über die man nicht spricht, in unserer Zeit auch gar nicht geschehen sind, investierte Patek Philippe noch im Jahre 1976 in gezielte Zeitungswerbung für seine sportliche Luxus-Stahluhr Nautilus. Der Slogan „Eine der weltweit kostspieligsten Uhren besteht aus Stahl“ traf den Nagel tatsächlich auf den Kopf. Das es auch einmal die wohl aktuell begehrteste Uhr werden würde, war damals nicht zu erahnen. 

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