Vacheron Constantin präsentiert die „Historiques Cornes de Vache 1955“ Armbanduhr
Bei den Hörnern gepackt

Die auffällige Edelstahl-Version des Retro-Chronographen von Vacheron Constantin bietet im augenfälligen Gehäuse des Handaufzugskalibers 1142 eine überlieferte Schaltradsteuerung

Bei den Hörnern gepackt

Beliebt in den 1950er Jahren das Armbanduhrgehäuse Typ Cornes de Vache. Rechts die neue Vacheron Constantin "Historiques Cornes de Vache 1955" in Edelstahl

Gehäuse im Zeichen der Bandanstöße

Auf gut Deutsch sind Cornes de Vache nichts anderes als Kuhhörner. Dafür, dass Vacheron Constantin diesen ungewöhnlichen Namen einem nun ja, nicht ganz neuen Chronographen verpasst, gibt es natürlich handfeste Gründe. Diese reichen streng genommen zurück in die 1940-er Jahre, als runde Uhrengehäuse nach einer Epoche des Rechtecks ihr fulminantes Comeback im Uhrendesign erlebten. Im Gegensatz zum kantigen Design bekam man runde Uhren nämlich viel leichter dicht. Will heißen: Wasser hatte weniger Chancen, zum empfindlichen Werk vorzudringen. Natürlich wollten sich die Fabrikanten unterscheiden. Also ließen sie Produktgestaltern möglichst freie Hand. Und die wiederum wandten sich mit Verve den Bandanstößen zu. Die Fantasie kannte nahezu keine Grenzen. Und sie hob solche des Genres „Kuhhörner“ auf den Schild.

Speziell in den späten 1940-ern und frühen 1950-ern erfreuten sich die „Cornes de Vache“-Hörner zur Befestigung des Lederbands großer Beliebtheit. Vacheron Constantin hob sie 200 Jahre nach der Firmengründung besonders hervor. Und das keineswegs als singuläres Produkt. Die traditionsreiche Uhrenmanufaktur kreierte gleich eine ganze Palette verschiedener Armbanduhren mit „Kuhhorn“- Uhrengehäusen. Vom schlichten Handaufzugsmodell über Armbanduhren mit einfachem Vollkalender bis hin zum Chronographen reichte die Palette.

Die formschönen Vacheron Constantin-Chronographen der 1950-er Jahre beseelte das sorgfältig finissierte Kaliber Valjoux VZ, Durchmesser 29,5 Millimeter

Kaliber-Kunde

Eigene Kaliber mit Stoppfunktion besaßen die Genfer damals noch nicht. Übrigens wie Audemars Piguet, Patek Philippe und Rolex, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie vertrauten vielmehr voll auf die Kompetenz der Rohwerkeschmiede Valjoux. Deren Schaltradkaliber VZ oder 23 waren über jeden Qualitätszweifel erhaben. Der Mehrwert gegenüber dem Standardprodukt bestand schlicht und einfach in perfekter Feinbearbeitung bis ins letzte Detail. Das und die augenfällige Gesamterscheinung macht diese Zeitmesser heutzutage so begehrt.

2015, pünktlich zum 260. Geburtstag wartete Vacheron Constantin mit dem ersten selbst entwickelten  Chronographenkaliber 3300 auf. Abbildung ganz links.

Dieses beseelte allerdings den oben in der Mitte abgebildeten „Harmony“-Chronographen und nicht die Retro-Version des gleichzeitig vorgestellten „Cornes de Vache“-Stoppers mit Platingehäuse. Hier setzte Vacheron Constantin die schon länger gepflegte Kooperation mit der Swatch Group-Tochter Lémania fort. Deren zeitschreibendes Spitzenuhrwerk und Oeuvre heißt kurz und bündig 2310.

Die Geschichte dieses Kalibers lässt sich sogar bis ins Jahr 1941 zurückerfolgen . Hinsichtlich seiner Verbreitung reichte das Uhrwerk zwar nicht an die Valjoux-Pendants heran. Die konstruktiven Merkmale mit Schaltradsteuerung für die drei Funktionen Start, Stopp und Nullstellung und horizontaler Räderkupplung sowie die Zuverlässigkeit und Präzision mussten dennoch keinen Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt scheuen.
Als Valjoux seine Produktion im Zuge der Elektronik-Entwicklung auf die Economy-Familie 77xx reduzierte, war Lémania, u.a. geadelt durch die frühen Versionen der
Omega „Speedmaster Professional“ quasi allein auf weiter Flur. Kein Wunder, dass sich Patek Philippe bis zum Lancement des eigenen Kalibers CH 29-535 für eine -allerdings stark modifizierte- Ausführung dieses Uhrwerks entschied. Als CH 27-70 agierte es in den Top-Chronographen aus Genf.

Oben: Im Vergleich die Kaliber Lemania 2310 (links), Patek Philippe CH 27-70 (Mitte) und Vacheron Constantin 1142 (rechts)

Erfolgreiche Kooperation  

Ungeachtet der Umbenennung von Lémania in Breguet Manufaktur hat Vacheron Constantin vertragsbedingt weiterhin Zugriff auf Komponenten des 27,5 Millimeter “kleinen” und 5,6 Millimeter hohen Handaufzugskalibers 2310. Neben dem klassischen Schaltrad und der nicht minder traditionellen horizontalen Räderkupplung besitzt das Basiskaliber eine heutzutage selten gewordene Unruhfrequenz.
Pro Stunde vollzieht der Gangregler also moderate 18.000 Halbschwingungen. Dieses Merkmal gestattet Stoppungen auf die Fünftelsekunde genau. Mit Blick auf die Regulierungsmöglichkeit und Langzeit-Ganggenauigkeit im Alltagsbetrieb wirkt diese Schlagzahl allerdings eher hinderlich.

oben: Vacheron Constantin Kaliber 1142 (links) vs. Lemania Kaliber 2310 (rechts)

Aus diesem Grund lässt Vacheron Constantin die Unruh beim modifizierten Kaliber 1142 mit drei Hertz oszillieren. Änderungen nahmen die Techniker u.a. auch beim Unruhloben vor. Optisch anders gibt sich auch der Chrono-Kloben zur Lagerung des Chrono-Zentrumrads und des 30-Minuten-Zählers zu erkennen. Und die Schraube zur Befestigung des Schaltrads ist als Malteserkreuz gestaltet, dem Markenlogo von Vacheron Constantin.

Oben: Im Vergleich zum rechts abgebildeten Gangregler des Lémania 2310 mit klassischem Rückermechanismus und Schwanenhals-Feinregulierung ist die Unruh des links gezeigten Vacheron Constantin-Kalibers 1142 deutlich kleiner. Statt 18.000 vollzieht sie der besseren Regulierung wegen pro Stunde nämlich 21.600 Halbschwingungen.

Oben: Rechts das in klassischer Weise verschraubte Schaltrad des Kalibers Lémania 2310. Beim Kaliber Vacheron Constatin 1142 ist der Schraubenkopf zur Befestigung des Schaltrads als Malteserkreuz ausgebildet.

Oben im Vergleich: Chrono-Kloben des Kalibers Vacheron Constantin 1142 und Lemania 2310

Auf gewohnt hohem Niveau präsentiert sich schließlich die liebevolle Feinbearbeitung aller Komponenten des Kalibers Vacheron Constantin 1142. Für ein Exemplar dieses Uhrwerks braucht es 164 Teile. Nach manuellem Vollaufzug gewährleistet die mit einem Federhaus ausgestattete Mechanik rund 48 Stunden Gangautonomie. 

GehäuseSchale in Edelstahl

Dieses Uhrwerk findet sich in der kürzlich lancierten „Historiques Cornes de Vache 1955“. Schutz bietet nun ein stählernes Gehäuse mit 38,5 Millimetern Durchmesser, dessen Sichtboden Augenmenschen voll auf ihre Kosten kommen lässt. Wie schon die 2015 vorgestellte Platinversion für 73.800 Euro findet auch diese Armbanduhr mit dem Genfer Siegel ans Handgelenk. Ihm zufolge darf der dezente Nobel-Chronograph mit einer Tachymeterskala auf dem Zifferblatt während sieben Tagen nicht mehr als eine Minute falsch gehen. Zu haben ist er für 41.200 Euro.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

Vacheron Constantin

Name

Historiques Cornes de Vache 1955

Referenz

5000H/000A-B582

Premiere

September 2019

Uhrwerk

Kaliber 1142 (Basis Lémania 2310)

Aufzug

manuell

Durchmesser

27,5 Millimeter

Bauhöhe

5,6 Millimeter

Komponenten

164, darunter 21 funktionale Steine

Unruhfrequenz

drei Hertz

Gangautonomie

48 Stunden

Anzeige

Stunden, Minuten, Sekunden

Zusatzfunktionen

Chronograph, 30-Minuten-Totalisator

Gehäuse

Stahl

Durchmesser

38,5 Millimeter

Höhe

10,9 Millimeter

Wasserdichte

drei bar

Armband

Kalbsleder aus dem Hause Serapian, Dornschließe

Preis

ca. 41.200 Euro

Limitierung

keine

 

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