Vacheron Constantin Overseas und ihre Geschichte

Die Vacheron Constantin Overseas ist Top und over the sky!

Die Nobelmanufaktur Vacheron Constantin steht eigentlich für edle, zurückhaltende Zeitmesser. Umso mehr sticht das Modell Vacheron Constantin Overseas heraus. Das junge, sportliche Design, der optimierte schneller Bandwechsel wie bemerkenswerte Uhrwerke Marke Eigenbau machen die Overseas zum echten Wettbewerber der Nautilus und Royal Oak. Das sind die Gründe für den Erfolg.

Vacheron wollte Mit neuen Uhren aus der Krise

Die Schweizer Nobelmanufaktur Audemars Piguet lancierte 1972 den heutigen Uhrenklassiker Royal Oak. Drei Jahre später, im Jahr 1976, brachte Patek Philippe die erste Version der heute heftigst begehrten „Nautilus“ auf den Markt. Damit war klar, dass auch das Vacheron Management mit der Vacheron Constantin Overseas auf diesen Trend zu sportlichen Stahluhren reagieren musste. Aber der Reihe nach.
Es war ja nicht so, dass man aus einer Position der Stärke agierte. Vielmehr war die Schweizer Uhrenindustrie in einer heftigen Krise. Und hatte überdies lange genug gebraucht, eine Antwort auf die Quarzuhren-Revolution und die neuen Player Seiko oder Casio zu reagieren.
Doch diese Antwort war nun ausnehmend erfolgreich. Denn die Menschen wollten Sportuhren, allerdings luxuriöse und mit bester mechanischer Technik versehen. Dafür waren sie bereit, einen hohen Preis zu bezahlen. 

Ein junger Designer und sein Vacheron Modell 222 

Im Gegensatz zu den beiden Mitbewerbern von Audemars und Patek setzt die 1755 gegründete, chronometrische Upperclass-Marke Vacheron aber nicht auf die Gestaltungskünste von Gérald Genta. Für ihr sportives Luxusmodell engagierte es stattdessen den jungen Designer Jörg Hysek.
Wie Genta setzte der 1953 in Ostberlin geborene Gestalter ebenfalls auf maritime Elemente wie beispielsweise den Bullaugenlook. Entsprechend erinnert die Optik der „Vacheron 222“  deshalb auch an eine verschraubte Schiffsluke, bzw. gewährleistete die  so genannte „doppelte Krone“ die Widerstandsfähigkeit gegen das nasse Element. Damit gelang dem jungen Designer ein Entwurf, der sich merklich von den beiden Vorgängern unterschied.

Der ungewöhnlich erscheinende Modellname 222 dieser Vacheron Constantin war aus einem sehr naheliegenden Grund entstanden. Er stand im Erscheinungsjahr 1977 schlichtweg für das bemerkenswerte 222-jährige Jubiläum der Marke Vacheron Constantin.
Als die Epoche der Vacheron  „Triple Two“ 1987 endete, waren immerhin gut 500 Armbanduhren dieses Typs entstanden.
Über die Nachfolgemodelle „333“ und „Phidias“ allerdings spricht man bei Vacheron Constantin heute nicht mehr gerne. Ihr Erfolg hielt sich nämlich in Grenzen. Genauer gesagt in sehr engen Grenzen.

Vacheron Constantin Overseas

Erst im Jahr 1996 fand die Vacheron Constantin 222 in der markanten Vacheron Constantin Overseas ihren würdigen Nachfolger, denn diese Overseas punktete auf ganzer Linie.
Das mit insgesamt 16 Schrauben hermetisch verschlossene Gehäuse war bis zu 150 Metern Tauchtiefe absolut wasserdicht. Für eine robuste Sportlichkeit sorgten außerdem Schraubkrone mit Flankenschutz, verstärktes Saphirglas, Tritium beschichtete Stunden- und Minutenmarkierungen sowie entsprechende Leuchtzeiger. Alles geschützt von einem robusten Gehäuse.

Die erste Generation der Overseas war zudem in drei Größen, entweder in Stahl oder in Gold erhältlich. Überdies galt es zwischen einem elektronischen oder mechanischen Uhrwerk zu wählen. In der Hierarchie der Wertigkeit ganz oben rangierte natürlich ein multifunktionaler Automatik-Chronograph mit Großdatum auf Basis des flachen Frédéric Piguet Kalibers 1185.

 

Ein dezentes Facelift für die Overseas

Zum 250. Firmenjubiläum im Jahr 2005 spendierte man der Vacheron Constantin Overseas im nunmehr neunten Lebensjahr ein behutsames, aber dennoch unübersehbares Facelift. Erkennbar beispielsweise am größeren Durchmesser von 42 Millimeter. Nichts geändert wurde hingegen verständlicher Weise an der Lünette mit dem Markenlogo in Form halber Malteserkreuze sowie dem hermetisch mit dem Gehäusemittelteil verschraubten Boden.
Beim stählernen Automatik-Modell mit Zentralsekunde und Datumsindikation war das von Jaeger-LeCoultre zugelieferte, auf dem 889 basierende Automatikkaliber 1126/1, von einem Weicheisen-Schutzschild gegen Magnetfelder umgeben. Gleiches galt übrigens auch für den bewährten Großdatums-Chronographen und die Dual-Time-Version mit dem wiederum LeCoultre-basierten Automatikkaliber 1222.

Mit der neuen Overseas ging es Zurück auf Los

Zum SIHH 2016 zündete Vacheron Constantin dann die nächste Evolutionsstufe der „Overseas“. Dabei wurde diese dritte Generation nun durch einen gründlich überarbeiteten Glasrand insbesondere deutlich manschettenfreundlicher.
Die größte Innovation der neuen Overseas bestand jedoch in einem patentierten System zum unkomplizierten Bandwechsel. Im Handumdrehen ließ sich nun das Armband entfernen und ebenso schnell durch ein neues ersetzen. Auch die Faltschließe konnte durch einen simplen 90-Grad-Dreh ummontiert werden. Normale Uhrenarmbänder mit Federsteg passen deshalb verständlicher Weise nicht zur neuen „Overseas“. Sind jedoch auch nicht notwendig, da Vacheron jedes Stahlmodell von Hause aus mit dreifacher Ausstattung lieferte. Darin waren ein Alligator-, Kautschuk- und ein intelligentes Gliederband, welches sich durch behutsames Ziehen um zwei mal vier Millimeter verlängern lässt.

Nicht zu vergessen ist dabei auch die durchdachte Gehäusekonstruktion mit innerem Weicheisenring, der das Werk bis zu 8.000 A/m oder 100 Gauß vor Magnetfeldern schützt, bzw. der Sichtboden, der den Blick auf das schöne Werk freigab.

Die passenden Manufakturuhrwerke

Vacheron Constantin wollte bei der neuen Overseas durch neue Uhrwerke auch zeigen, von welch hoher Qualität seine Manufaktur-Kaliber sind. Genfer Siegel waren und sind für Vacheron Constantin auch bei der Overseas-Linie Ehrensache. Im wie gewohnt bis 15 bar wasserdichten Einsteigermodell arbeitet aber nun das hauseigene, aus 172 Teilen zusammengefügte, aus dem Chronographenkaliber 5200 abgeleitete Kaliber 5100 mit einseitig aufziehendem 22-Karat-Goldrotor, ca. 60 StundenGangautonomie, Zentralsekunde und Fensterdatum. Sein Durchmesser liegt bei 30,6, die Höhe sogar bei nur 4,7 Millimeter. Stündlich 28.800 Halbschwingungen vollzieht in diesem Werk die Glucydur-Ringunruh und sorgt für entsprechend hohe Präzision. 

Der anspruchsvolle Chronograph

Im überarbeiteten „Overseas“-Chronographen wollte Vacheron Constantin die eigene Leistungsfähigkeit zeigen und verbaute das 30,6 mm große und 6,6 Millimeter hohe Schaltrad-Kaliber 5200 mit vier Hertz Unruhfrequenz, Fensterdatum, vertikaler Reibungskupplung sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler. Das kontinuierliche Nachspannen der Zugfeder erledigt ein Kugellagerrotor aus 22-karätigem Gold – allerdings nur in einer Drehrichtung. Nach Vollaufzug stehen dann rund 52 Stunden Gangautonomie zur Verfügung.
Für ein Chronographen-Werk sind insgesamt beachtliche 265 Komponenten, darunter 54 funktionale Steine erforderlich. Die umfangreiche Entwicklung dieses Uhrwerks nahm deshalb rund fünf Jahre in Anspruch.

Auf die Frage, wie viel auch von der Schwestermarke Roger Dubuis in diesem neuen Uhrwerk stecke, ließ Charly Torres zu seiner Zeit als CEO von Vacheron Constantin jeden wissen: „Vacheron Constantin und die Manufaktur Roger Dubuis haben speziell im Zusammenhang mit dem neuen Automatikwerk und hier vor allem dem Chronographen und seiner Industrialisierung einige Komponenten geteilt. Diese Komponenten lassen sich im Kaliber RD 680 finden. Aber Vacheron Constantin produziert, finissiert und montiert alle Werke im Vallée de Joux und in Genf.“

Hoher Magnetfeldschutz

Die Schale indes bietet zusätzlichen Magnetfeldschutz für das Uhrwerk durch innere Gehäusekomponenten aus Weicheisen. Auch dazu nochmals Charly Torres: „Unser Overseas Chrono ist getestet bis zu 16.000 A/m (200 Gauß). Das entspricht den dreifachen Wert der ISO Antimagnetismus-Norm, welche 4.800 A/m oder 60 Gauß verlangt. Diesen Wert garantieren wir bei Vacheron Constantin mindestens. Alle anderen Modelle sind mindestens bis 8.000 A/m oder 100 Gauß gegen Magnetfelder resistent.“

 

Aber Vacheron Constantin produziert, finissiert und montiert alle Werke im Vallée de Joux und in Genf

Juan Carlos Torres

ehemaliger CEO , Vacheron Constantin

 Das ultraflache Uhrwerk

Das nur 2,45 Millimeter hoch bauende Kaliber, das von LeCoultre im Rahmen einer Kooperation von Audemars Piguet und Vacheron Constantin entwickelte wurde ist bewährt und wurde bereits 1967 vorgestellt. Es arbeitet als Automatikkaliber mit der Referenznummer 1120 in der einfachen Variante der neuen „Overseas“.

„Aktuell”, so Charly Torres, „findet sich dieses Uhrwerk des Weiteren exklusiv in Uhren von Vacheron Constantin und Audemars Piguet. Die Produktion, Finissage und Assemblage erfolgt wiederum nach den jeweiligen Standards der beiden Marken.“
Infolge der ultraflachen Bauweise des Kalibers bleibt die Gesamthöhe des Gehäuses indes unter acht Millimeter. Genau gesagt sogar nur 7,5 mm. Die weitere Merkmale des 1967 lancierten Kaliber-Klassikers sind 40 Stunden Gangautonomie und eine ungewöhnliche 2,75 Hertz Unruhfrequenz. Der beidseitig aufziehende Rotor mit peripherem Segment aus 21-karätigem Gold dreht nicht zentral sondern außen auf vier Rubinrollen, was wiederum spezifische Laufgeräusche verursacht. Dafür ist die Uhr mit Sichtboden wasserdicht bis 5 Meter oder rund fünf bar Druck.

Der extraflache ewige Kalender und weitere Glanzstücke

Im Spitzenmodell der neuen „Overseas“-Kollektion kombiniert Vacheron Constantin nunmehr das 2,45 Millimeter hohe Automatikkaliber 1120 mit einem extraflachen ewigen Kalender. Zusammen misst das aus 276 Bauteilen „komponierte“ Ensemble mit 2,75 Hertz Unruhfrequenz lediglich 4,05 Millimeter in der Höhe. Das darüberhinaus sorgfältig finissierte, jedoch diskret unter dem Zifferblatt verborgene Kalenderwerk zeigt Datum, Wochentag, Monate und ebenso den Schaltjahreszyklus bis 2100 ohne Korrekturen an. Mit von der Partie ist zudem auch eine Mondphasenindikation. Eine Schatulle mit elektrischem Umlaufgerät erspart entsprechend das Nachstellen des Kalenders, wenn die Uhr längere Zeit einmal nicht genutzt wird. Das bis fünf bar wasserdichte Gehäuse mit Sichtboden und das Gliederband bestehen aus 18-karätigem Weißgold.

Kleine Version für Grande Dame

An Damen hat Vacheron Constantin bei der neuen „Overseas“-Linie inzwischen auch gedacht. Für sie gibt es nunmehr das kleine Modell in Weiß- oder Roségold mit 37 Millimeter Gehäusedurchmesser. In beiden Fällen trägt der Glasrand übrigens 84 runde Diamanten. Die Wasserdichte reicht ebenso bis zu 15 bar Druck. Durch den Sichtboden zeigt sich dann das exklusive Automatikkaliber 5300 mit Massivgold-Rotor, circa 44 Stunden Gangautonomie und vier Hertz Unruhfrequenz. Desweiteren ist Energienachschub nach spätesten 44 Stunden nötig. Schutz gegen schädliche Magnetfeldeinflüsse bietet außerdem ein Weicheisenring rund um den aus 128 Teilen zusammengefügten Mikrokosmos.

Wer die Wahl hat

Zu welchem Modell man nun auch sich hingezogen fühlen mag. Fest steht, dass Vacheron Constantin mit der Overseas Modellreihe eine Uhr konzipiert hat, die keinen Vergleich mit ihren Wettbewerbern Patek Philippe Nautilus oder Audemars Piguet Royal Oak scheuen muss. Ganz im Gegenteil. Nachdem der Hype um die Nautilus scheinbar kein Ende kennt und die Royal Oak ein deutlich lauteres Design an den Tag legt, kann die Vacheron Constantin Overseas eine wunderbare, leise und gleich wohl luxuriöse wie technisch feine Alternative sein.

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  1. Black is back am Handgelenk | Uhrenkosmos - […] von Vacheron Constantin verlieren zu wollen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Der Uhrenkosmos hat hier bereits ausgiebig über…

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