Uhrenfreaks fahren auf Superlative ab. Zum ersten Mal, besonders kompliziert, über die Maßen genau, außergewöhnlich klein oder extrem flach. Man muss nur möglichst verrückt und/oder ein uhrmacherisches Genie sein, dann klappt es auch irgendwann mit einem Rekord. Wohl deshalb stecken die Uhrenmacher von Rang und Namen ihr ganzes Know-How immer wieder in die Entwicklung von flacheren Armbanduhren. Auch das Haus Bulgari kann davon eine Geschichte erzählen.

2017 beginnt die neue Ära

Eine möglichst geringe Höhe wurde bei Armbanduhren mit Selbstaufzug in den 1950er Jahren ein Thema. Mit Rolex begann die Geschichte des unbegrenzt drehenden Zentralrotors 1932. In punkto flacher Bauweise waren die Uhrmacher diesbezüglich 20 Jahre später mit ihrem Latein am Ende. Bei nunmehr weniger als 5,5 Millimeter Bauhöhe mussten sie passen. Einen Ausweg zeigte jedoch die Büren Watch SA 1954 mit dem in die Werksebene integrierten Mikrorotor auf. Das Kaliber 1000 maß lediglich 4,2 mm. Einen weiteren langjährigen Mikrorotor-Weltrekord präsentierte dann Piaget 1960 mit dem 2,3 mm flachen Kaliber 12P. Die Bestleistung wurde folglich mit einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde belohnt. Der 2,35 Millimeter flache Nachfolger 1208 P debütierte dann 2010 zum 50. Geburtstag dieses Uhrwerks. Jedoch: Mit der Baselworld 2017 endet seine Rolle als aktueller Weltmeister. In die Fußstapfen tritt eine Uhrenmanufaktur, die seit 2014 unter dem Namen „Finissimo“ Geschichte in punkto flacher Bauweise geschrieben hat: Bulgari.

Im Tal der Uhren – In der Abgeschiedenheit  reift Großes

Wer einmal erleben möchte, was Bulgari diesbezüglich tut, muss zunächst nach Le Sentier im abgeschiedenen Vallée de Joux reisen. Nahe dem Bahnhof übt sich das Mitglied des LVMH-Konzerns unter der Ägide von Jean-Christophe Babin in ultraflacher uhrmacherischer Bauweise. 2014 sorgte ein nur 1,95 Millimeter hoch bauendes Minutentourbillon mit fliegend gelagertem Drehgestell für Aufsehen. Für das BVL 268 musste Bulgari die üblichen Lagersteine, einschließlich jener für die Zapfen des Ankerrads, durch insgesamt sieben Miniatur-Kugellager ersetzen. Für jedes Uhrwerk benötigen die Handwerker dabei 253 Komponenten. Mittlerweile gibt es auch eine skelettierte Ausführung dieses flachen Wirbelwinds.

Während der Baselworld 2016 gab das BVL 362 seinen Einstand. Auf Wunsch schlägt es die kostbare Zeit natürlich minutengenau. Kenner sprechen von einer sogenannten Minutenrepetition. Bei nur 3,12 Millimetern Werks- und 6,85 Millimetern Gesamthöhe der „Octo Finissimo Minute Repeater“ kann man wiederum von einzigartiger Performance sprechen. Die 362 Werkskomponenten werden in den Höhen des Westschweizer Jura manuell aufs Sorgfältigste feinbearbeitet.

Minimalistischer Größenwahn zum moderaten Preis

Mit Beginn der Baselworld 2017 stellte Bulgari den von Piaget gehaltenen Mikrorotor-Weltrekord ein. Bei 36 Millimetern Durchmesser besticht das brandneue Kaliber BVL 138 mit einseitig wirkender Kugellager Platinschwungmasse durch eine minimalistische Gesamthöhe von nur noch 2,23 Millimeter. Das Federhaus speichert zudem Energie für 60 Stunden Gangautonomie. 21.600 Halbschwingungen vollzieht die Glucydur-Unruh jede Stunde. Des Weiteren bietet  bietet ein 40 Millimeter großes Titangehäuse von Typ Octo Schutz bis zu fünf bar Wasserdruck. Natürlich präsentiert sich der aktuelle Weltmeister hinter einen Saphirglasboden. Auch das Zifferblatt fertigt Bulgari in eigener Manufaktur aus Titan. Zur Befestigung am Handgelenk besteht die Wahl zwischen einem flachen Titan-Gliederband und einem Krokoband. Erstaunlich moderat sind obendrein die Preise: 13.500 bzw. 12.500 Euro. Für weitere 500 Euro gibt es schließlich eine individuelle Namensgravur in der linken Gehäuseflanke.