Am Handgelenk ist die maritime Armbanduhr „Black Bay P01“ von Tudor nahezu unübersehbar
Tudor erinnert ans Jahr 1967

Die neue, ausgesprochen markante Tudor „Black Bay P01“ geht zurück auf ein nie realisiertes Marineprojekt mit dem Codenamen „Commando“. Ihre Wasserdichte reicht bis zu 20 bar Druck. Das Design polarisiert.

Tudor erinnert ans Jahr 1967

Neu zur Baselworld 2019: Tudor Black Bay P 01

Blick in die Archive

Wer die Historie der neuen „Black Bay P01“ von Tudor zurückverfolgen möchte, muss sich in die 1960-er Jahre begeben. Korrekter gesagt ins Jahr 1959, denn schon da begegnet man der markanten Referenz 7928. Hierbei handelt es sich um einen der großen Klassiker des Hauses Tudor. Seine Produktion erstreckte sich über acht Jahre. Während dieser Zeitspanne gab es mehrere Versionen mit unterschiedlich gestalteten Zifferblättern und dazu leicht modifizierten „Oyster“-Schalen von Rolex. Darauf weist unübersehbar das Logo der Mutter auf der Krone hin. In allen Fällen reichte die Wasserdichte bis zu 200 Meter, was 660 Fuß entspricht. Neben den Begriffen „Oyster Prince“ und „Submariner“ findet sich dieser Wert unübersehbar am Zifferblatt. „Rotor“ und „Self Winding“ weisen auf den Selbstaufzug des verbauten Kalibers 390 mit direkt angetriebener Zentralsekunde hin.

1960 entschied sich die französische Marine für dieses Modell mit kantigem Flankenschutz für die Schraubkrone. 1961 brachte die Ausführung mit spitzen Hörnern links und rechts der Krone. Wie schon zuvor ließ sich die Tauchzeit-Lünette in beiden Richtungen drehen. Erkennbar ist dieses Modell an der goldfarbenen Zifferblatt-Indexierung. Ab 1963 druckte Tudor in Silber. Vorderseitig abgerundete Flankenschutz-Hörner sind Kennzeichen der so genannten „Tropical“ von 1964. Ihr Spitzname resultierte aus der Verfärbung des Zifferblatts nach intensiver UV-Strahlung.

Die letzte Version von 1967 lässt sich leicht anhand der größeren Minutenindexierung erkennen. Ähnlich der Rolex „Submariner“, Referenz 5513“ besitzt sie keinen äußeren Ring. Wegen der Zuverlässigkeit und Präzision kam diese Armbanduhr unter anderem auch beim UDT (Underwater Demolition Team) der US-Navy zu militärischen Ehren. Übrigens hatte die amerikanische Marine bereits in den späten 1950-er Jahren Taucherarmbanduhren von Tudor bezogen.

1967, als die letzte Ausführung der Referenz 7928 auf der Bildfläche erschien, startete die Konstruktion einer Funktionsuhr, welche die „Oyster Prince Submariner“ ablösen sollte. Im Lastenheft hatten das in den USA zuständige Ministerium die zu erfüllenden Spezifika hinsichtlich Funktionalität und Ergonomie definiert. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten fertigte Tudor auch noch entsprechende Prototypen. Bei denen blieb es auch, denn über dieses Stadium kam das Projekt mit dem Codenamen „Commando“ nie hinaus. Der 1968 patentierte Klappmechanismus des markanten Gehäuses verhinderte zum einen das unbeabsichtigte Verstellen des Glasrands. Andererseits ließ sich die Drehlünette mit wenigen Handgriffen zu Zwecken der Reinigung und Wartung abnehmen.

Mit einem dieser Prototypen verknüpft sich eine eher unrühmliche Episode. Wenig ehrenhafte Menschen bauten ihn zu einer teuer bezahlten Rolex um. Die die amerikanischen Marinebehörden blieben Tudor übrigens treu. Als Ersatz für die 7928 entschieden sich für die 1969 vorgestellte „Oyster Prince Submariner“ mit der Referenznummer 7016.

Inspiriert von einem Prototypen

Gut fünfzig Jahre nach dem ersten Auftritt dieser formal und funktional außergewöhnlichen Taucher-Armbanduhr nimmt Tudor mit der „Black Bay P01“ einen neuen Anlauf. P 01 steht in diesem Zusammenhang für „Prototype 1“. Geblieben ist die Positionierung der Schraubkrone bei „4“. Ein Flankenschutz schützt vor Beschädigungen im Eifer des Gefechts. Der obere Klappmechanismus wirkt weiterhin versehentlichem Drehen des Glasrands mit 12-Stunden-Graduierung entgegen. Im Gegensatz zu früher lässt er sich jedoch nicht mehr ohne Werkzeug entfernen. Wie eh und je reicht die Wasserdichte der Edelstahlschale bis zu 20 bar Druck. Folglich könnte man mit dieser Armbanduhr rein theoretisch bis zu 200 Meter abtauchen.

Sicheren Halt am Handgelenk gewährleistet ein Hybrid-Armband auf Kautschukbasis. Seine Unterseite zeigt jenes „Snowflake“-Motiv, welches auch den Stundenzeiger kennzeichnet. Mit von der Partie ist auch ein Bandelement aus braunem Leder. Im wie einst satinierten Gehäuse tickt das 2015 vorgestellte Manufakturkaliber MT 5612. Die Schwungmasse des 33,8 Millimeter großen und 6,5 Millimeter hohen Manufakturwerks spannt den Energiespeicher in beiden Drehrichtungen. Nach Vollaufzug stehen 70 Stunden Gangautonomie zur Verfügung. Unter einer stabilen Brücke oszilliert die Unruh mit variablem Trägheitsmoment. Im Verbund mit einer vollkommen amagnetischen Silizium-Unruhspirale vollzieht sie stündlich 28.800 Halbschwingungen.

Die amtliche Genauigkeitsprüfung obliegt der der Offiziellen Schweizer Prüfbehörde COSC. Wie bei Tudor üblich, agiert die auf eine maximale tägliche Gangabweichung in Delta zwischen -2 bis +4 Sekunden regulierte Manufaktur-Mechanik im Verborgenen. Der Schraubboden gewährt keinen Einblick.

Wer diesen Boliden sein Eigen nennen möchte, muss 3.680 Euro auf den Tisch eines Konzessionärs blättern.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller Tudor
Name Black Bay P01
Referenz 70150
Premiere März 2019
Uhrwerk Manufakturkaliber MT5612
Aufzug automatisch
Durchmesser 31,8 mm
Bauhöhe 6,5 mm
Unruhfrequenz vier Hertz (28.800 A/h)
Gangautonomie 70 Stunden
Anzeige Stunden, Minuten, Sekunden, Fensterdatum
Gehäuse Stahl, massiver Boden
Durchmesser 42 Millimeter
Wasserdichte 20 bar
Armband Hybrid auf Kautschukbasis
Preis 3.680 Euro
Limitierung keine

 

Tudor Black Bay P10 - Klappmechanismus zum Sperren der Drehlünette

So funktioniert der Blockiermechanismus für die Drehlünette der Tudor Black Bay P 01

 

Mehr zu Tudor findet sich hier.

Und auch hier.

 

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