Apps für den Performance-Check
Tickst du eigentlich noch ganz richtig?

Wenn klassisches Uhrmacherhandwerk sich freiwillig mit neuester Technik arrangiert, dann kann es sich eigentlich nur um eine äußerst sensible Angelegenheit handeln: Wie zum Beispiel, ob der Zeitmesser noch im Takt läuft. Und da kommen so einige smarte Hilfsmittelchen ins Spiel. Welche das wohl sind?

Tickst du eigentlich noch ganz richtig?

Bitte durch App-Bild Swiss Connect „Analytics“ austauschen

Bitte immer schön taktvoll

Wer eine mechanischer Uhr sein eigen nennt, den interessiert natürlich ab und an, ob das Schmuckstück auch schön im Takt tickt. Schließlich geht es nicht nur um Äußerlichkeiten am Handgelenk. Die genaue Zeitangabe stellt immer noch die wichtigste Funktion dar. Gleiches gilt auch für Besitzer von Funk-Armbanduhren. Diese hingegen haben es deutlich einfacher. Eine Blitz-Diagnose liefert zum Beispiel eine Atomuhr-App – für iPhone-Besitzer. Diese kann tägliche Abweichungen bezogen auf reale Tragebedingungen nach jeweils einem Tag feststellen.

Zeitwaagen messen die Zeit

Unverzügliche Informationen für mechanische Zeitmesser liefern so genannte Zeitwaagen. Diese erfassen und zählen die Schlaggeräusche einer tickenden Uhr, vergleichen sie mit einem quarzgesteuerten Zeitnormal und rechnen die solcherart ermittelten Werte auf 24 Stunden hoch. Diese Messungen erfolgen unter der fiktiven Annahme gleichbleibender Bedingungen über einen ganzen Tag hinweg. Solche sind, wie jeder an seinen fünf Fingern abzählen kann, natürlich nicht gegeben. Zum Beispiel verändern sich das von der Zugfeder abgegebene Drehmoment sowie die Positionen der Uhr. Trotzdem liefern solche Zeitwaagen umfassende und auch wertvolle Informationen über den Zustand eines mechanischen Uhrwerks.

Bei eBay lassen sich Einsteiger-Exemplare wie der chinesische „Timegrapher“ von Weishi ab ungefähr 170 Euro erwerben. Professionelle Geräte wie der komfortable „Watch Expert IV“ des Schweizer Marktführers Witschi schlagen logischer Weise mit einem Vielfachen dieses Preises zu Buche. Der Nachteil: Im Rahmen von Zeit-Reisen zu Uhrenbörsen oder -messen können Freaks diese Geräte nur eingeschränkt nutzen.

Mechanik trifft auf Digitales

Als Alternativen bieten sich Smartphones und Zeitwaage-Apps an. Dieses Equipment ist praktisch überall im Handumdrehen zur Stelle. Der „Watch Tuner Timegrapher“, erhältlich im iTunes App Store für 12,99 Euro, nutzt für seine Messungen das eingebaute Mikrophon. Aussagekräftige Resultate setzen folglich eine hinreichend leise Umgebung voraus. Störgeräusche können die Messergebnisse mehr oder minder stark verfälschen.

Die professionelle Version dieser Applikation bietet zunächst einmal wichtige Einstellmöglichkeiten:

  • Anzeige der Durchschnittswerte
  • Unterdrückung der Nebengeräusche beim Belauschen des Probanden
  • Reduzierung der Nebengeräusche im Diagramm
  • Messdauer
  • Automatische Ermittlung oder manuelle Eingabe der Unruhfrequenz
  • Empfindlichkeit des Mikrophons
  • Hebewinkel der Ankerpaletten (Standardeinstellung 52 Grad)
  • Unruhfrequenz in Spektrum zwischen 200 und 43.200 Halbschwingungen/Stunde.

Nach Eingabe der Basis-Einstellungen erfolgt schließlich das Messen.

Wertemessen

Die Werte erscheinen wie bei einer großen Zeitwaage auf dem Display des Smartphones. Selbstverständlich lassen sie sich auch speichern. Im Programm selbst sind Referenzwerte hinterlegt. Mit ihrer Hilfe errechnet die App anschließend Prozentwerte hinsichtlich der Qualität. Diese sind bezüglich

  1. der Gangabweichung bei +/- 5 Sekunden/Tag: gut. Bei +/- 20 Sekunden/Tag jedoch nur noch akzeptabel.
  2. des Ankerabfall-Fehlers(Zeitunterschied zwischen dem Tick – Tack – Tick – Tack) bei 0,0 – 0,5 Millisekunde: gut und bei 0,6 – 1,0 Millisekunde noch akzeptabel.
  3. der Unruh-Amplitude (Winkel zwischen den extremen Auslenkungen) zwischen 270 – 310 Bogengrade: gut, zwischen 250 – 270 Bogengrade ebenfalls noch akzeptabel.

Aufgepasst: Hier ist unbedingt zwischen flacher und hängender Lage zu unterscheiden. In waagrechter Position bewegt sich die abgerundete Stirnseite eines Zapfens der Unruhwelle auf dem Deckstein, während sich die zylindrischen Flächen beider Zapfen in der Senkrechten auf die Steinbohrungen stützen. Logischer Weise entsteht demzufolge eine höhere Reibung. Schlussendlich deuten Amplituden zwischen 260 und 300 Grad auf einen guten Zustand hin. Massive Unterschiede zwischen Flach- und Hängelage hingegen sollten in jedem Fall zu denken geben. Zu viel des Guten ist ebenfalls ungünstig. Jenseits von 310 Grad in Flachlage kann es durch ein Übermaß an Energie zum so genannten Prellen kommen. In diesem Fall stößt die Ankergabel gegen ihre Begrenzungen. Ist die Amplitude in Flachlage unter 230 Grand gesunken, sollte man einen Uhrmacher zu Rate ziehen.

Mithören ausdrücklich erwünscht

Seit kurzem bietet Frédérique Constant für 129 Euro das Swiss Connect „Analytics“-Paket an. Fürs Geld gibt es einen Mikrophon-Clip für die Uhr. Selbiger wird mit der Mikrophon-Buchse Verbunden. Hinzu gesellt sich eine einfache handhabbare App zum Ermitteln der Ganggenauigkeit. Die Registrierung in der Cloud erfolgt durch Eingabe der Seriennummer und eines Passworts. Dann kann man die gemessenen Präzisionswerte zusammen mit einem Foto sowie der Marke und dem Modellnamen der Uhr online speichern. Wer mehrere registrierte Smartphones besitzt kann die Daten mit jedem abrufen. Die Frequenz wird automatisch erkannt, lässt sich aber auch manuell eingeben. Aussagen über Unruh-Amplitude und Fehler des Unruh-Abfalls liefert diese Applikation hingegen nicht.

Fazit: Man kombiniere…

Deswegen arbeitet eine Kombination aus beidem vermutlich am besten. Man nutze daher den „Watch Tuner Timegrapher“ zusammen mit dem neuen Clip-Lauscher von Swiss Connect „Analytics“. Die Kombination für 141,99 Euro überzeugt auf jeden Fall. Sie liefert jederzeit und überall genügend Informationen über die Gesundheit mechanischer Zeitmesser.

Digitaler Support um analoge Technik genauer zu machen - Apps machen es möglich

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