Das neue Schaltrad-Chronographenkaliber Heuer 02
Die TAG Heuer Monaco Calibre Heuer 02 bietet erstmals ein Manufaktur-Uhrwerk

Die Geschichte der Heuer „Monaco“ reicht zurück bis ins Jahr 1969. Damals gelangte der Chronograph mit dem Mikrorotor-Modulkaliber 11 auf den Markt. Er stammte aus einer Kooperation von Büren und Dubois-Dépraz. Im quadratischen Stahlgehäuse der neuen „Monaco Calibre Heuer 02“ findet sich ein hauseigenes Manufaktur-Automatikkaliber mit Schaltrad-Chronograph

Die TAG Heuer Monaco Calibre Heuer 02 bietet erstmals ein Manufaktur-Uhrwerk

Die TAG Heuer Monaco mit dem hauseigenen Chronographen-Kaliber Heuer 02

Der Weg zum Kaliber Heuer 02

In der langen, bewegten Geschichte von Heuer und TAG Heuer besitzt 2010 einen besonderen Stellenwert. In diesem Jahr startete das Unternehmen den Weg zur echten Manufaktur. Nicht ganz freiwillig, wie sich retrospektiv konstatieren lässt, sondern ausgelöst durch Restriktionen des Eta, des bis dahin wichtigsten Werkelieferanten. Weil ein neues Uhrwerk traditionsgemäß nicht über Nacht entsteht, hatten die Planungs- und Entwicklungsarbeiten jedoch schon Jahre zuvor begonnen.
Zeit respektiert auch oder vielleicht gerade im Geschäft mit präzisen Uhren nichts, was ohne sie geschaffen wurde. Diese Erkenntnis gilt insbesondere auch für Chronographen. Auch wenn es vordergründig nicht so scheinen mag, fordern eben jene Zeitschreiber die Uhrmacher technisch in besonderer Weise heraus.

Bei Schaltwerken dieser Kaliber zum Stoppen mehr oder minder langer Zeitintervalle steckt der Teufel im Detail. Vor allem dann, wenn ein Uhrwerk à la Calibre Heuer 02, welches im Hause TAG Heuer zunächst 1969 hieß, in größeren Stückzahlen produziert werden soll. Daran ändert auch der Einsatz moderner Computer nichts. Genau das widerfuhr den Entwicklern dieses Automatikkalibers. Rechner können funktionale Abläufe scheinbar perfekt simulieren. Am Ende entscheidet jedoch immer die Realität über den Erfolg der Planung.

Entwickelt aus guten Gründen

Für die Entwicklung eines neuen Calibre Heuer 02 Kalibers sprachen gleich mehrere Aspekte:

  1. Mit 7,13 Millimetern baute das etwas betagte, weil auf dem 1997 vorgestellten Seiko TC 78 basierende Kaliber Heuer 01 mit Kugellagerrotor, Schaltradsteuerung und Schwingtrieb baut relativ hoch.
  2. Wegen dessen senkrechter Anordnung der beiden Zählzeiger fällt die Abgrenzung zum altbekannten Valjoux/Eta 7750 oder dem Klone namens Sellita SW 500 relativ schwer.
  3. Ein traditioneller Chronographenlook, wie man ihn von Klassikern wie Autavia, Carrera, Monaco oder Monza kennt, lässt sich mit diesem Uhrwerk folglich nicht herbeiführen.
  4. Schließlich bedingt die auf überlieferten Grundsätzen basierende Konstruktion relativ lange Montagezeiten, was sich in den Kosten niederschlägt.

Links das auf einem Seiko-Rohwerk basierende Kaliber 1887 oder Heuer 01, rechts das Kaliber 1969 als Vorläuder des Kalibers Heuer 02

Versuch und Irrtum

Unter diesen Prämissen machte sich das Entwicklungsteam von TAG Heuer ans neue Werk. Ziel war ein gleichermaßen robustes wie zuverlässiges und zudem kostengünstig produzierbares Chronographenkaliber mit 31 Millimetern Durchmesser. Die 6,5 Millimeter Bauhöhe orientierten sich am El Primero der Schwester Zenith. Indessen kristallisierte sich später gerade die flache Bauweise des Kalibers 1969 als eine der Achillesfersen heraus. Sie bedingte eine dünne Chronographenbrücke, welche dem Alltagsbetrieb eher unzureichend gewachsen war.

Das wegen seiner 80-stündigen Gangautonomie anfänglich CH-80 und 1969 getaufte Kaliber besaß keine Flyback-Funktion. Beim Versuch, den laufenden Chronographen ohne vorheriges Stoppen nullzustellen, deformierte der stabile Nullstellhebel besagte Chronographenbrücke. Weil sie einer kräftigeren Ausführung weichenmusste, kletterte die Gesamthöhe des Uhrwerks um 0,4 auf 6,9 Millimeter.
Nach dringender Optimierung verlangte ferner auch das Aufzugs- und Zeigerstellsystem, weil nicht tief genug ineinander greifende Zahnräder beim Richten der Zeiger klickende Geräusche verursachten. Eine Modifikation erfuhr des Weiteren die halbspringende Datumsschaltung, welche danach sehr viel präziser agierte.

TAG Heuer Werkeproduktion in Chevenez

Optimiert in die Zukunft

De Fortbewegung der Datumsscheibe auf den nächsten Tag dauert etwa 20 Minuten. Dank ausgeklügelter Konstruktion passiert nichts, wenn während des Schaltvorgangs zusätzlich ein manueller Eingriff erfolgt. In diesem Fall blockiert das System, muss das Datum mit Hilfe der halb gezogenen Krone von Hand weitergeschaltet werden.
Auf der Vorderseite des Kalibers Heuer 02 findet sich übrigens auch das voluminöse Federhaus. Kundige Uhrmacher können es in nur zehn Minuten ohne Demontage der rückwärtig montierten Automatik- und Chronographen-Baugruppe austauschen. Den darin untergebrachten Energiespeicher spannt ein zentral positionierter, über dem gesamten Werk drehender Kugellagerrotor.

Nach intensiven Überlegungen entschieden sich die Konstrukteure dann ganz bewusst für einen einseitig wirkenden Selbstaufzug mit Klinkenrad. Der Verzicht auf ein Wechselgetriebe zur Polarisierung der Rotorbewegungen spart einerseits Bauhöhe und -teile, tut andererseits, wie die Aufzugsleistung des Kalibers Heuer 02 beweist, der Effizienz nicht den geringsten Abbruch. Für das mit vier Hertz agierenden Schwing- und Hemmungssystem kooperiert TAG Heuer mit dem Spezialisten AtoKalpa. Entsprechende Regulierung vorausgesetzt, genügt die Präzision des gesamten Oeuvre grundsätzlich den Anforderungen der der COSC.

Das Kaliber Heuer 02, seine Teile und seine Funktion

Ausgeklügelte Konstruktion

Beim Stoppmechanismus, dem Filetstück des TAG Heuer Kalibers Heuer 02 gehen Tradition und Innovation Hand in Hand. Überliefertes repräsentiert das Schaltrad zur Steuerung der Funktionen Start, Stopp und Nullstellung. Außer der Chronographenbrücke ist es übrigens das einzige Bauteil, welches mit einer Schraube an der Grundplatine befestigt ist. Alle anderen Komponenten, dazu gehören die gestanzten Start-/Stopp-, Blockier- und Nullstellhebel sowie die Halte- und Druckfedern, werden lediglich zusammengesteckt oder eingehängt. Ihre Aufgabe selbst oder andere Teile halten sie sicher in der richtigen Position. Der Verzicht auf Schrauben reduziert die Montagezeit ohne Beeinträchtigung der Funktion um circa 50 Prozent. Die Verbindung zwischen Uhrwerk und Chronograph stellt in diesem Fall kein Schwingtrieb, sondern eine ruckfrei agierende Friktionskupplung her. Mehr zur Funktionsweise einer Friktionskupplung findet sich hier im Uhrenkosmos.

Summa summarum erfordert jedes Exemplar des TAG Heuer Kalibers Heuer 02 lediglich 233 Teile. Für einen Automatik-Chronographen mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sind das erstaunlich wenig. Hier hielten es TAG Heuer mit dem Piloten und Dichter Antoine de Saint-Exupéry, der vor vielen Jahrzehnten konstatiert hatte, dass Vollkommenheit nicht dadurch entsteht, dass man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn sich nichts mehr wegnehmen lässt. Ganz abgesehen davon kann nicht Vorhandenes am Handgelenk der Kunden auch keine Probleme bereits. Weniger ist im Fall des Kalibers Heuer 02 somit eindeutig mehr.

Uhrenkosmos Modell-Steckbrief 

Hersteller

TAG Heuer

Name

Monaco Calibre Heuer 02

Referenz

CBL2111.FC6453

Premiere

November 2019

Uhrwerk

Kaliber Heuer 02

Aufzug

Automatisch, einseitig wirkender Kugellagerrotor

Durchmesser

31 Millimeter

Bauhöhe

6,9 Millimeter

Gangautonomie

80  Stunden

Unruhfrequenz

vier Hertz

Komponenten

233

Anzeige

Stunden, Minuten, Sekunden, Datum

Zusatzfunktionen

Schaltrad-Chronograph mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler

Gehäuse

Stahl

Durchmesser

39 Millimeter

Wasserdichte

zehn bar

Armband

Alligatorleder, Faltschließe

Preis

5.400 Euro

Limitierung

keine

 

 

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