Seiko Meilensteine Teil 2/3

Seiko Uhren der 60-er Jahre und der Weg zum Weltkonzern

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte Seiko dem Rest der Welt beweisen, zu welchen uhrmacherischen Leistungen das Land der aufgehenden Sonne imstande ist. Im zweiten Teil der Seiko Uhren Meilensteine zeigen wir die wichtigsten Seiko Modelle

Artikelübersicht:

Das Seiko Modell Seikomatic Lady von 1963

Expressis verbis fürs zarte Geschlecht entwickelte Seiko die 1963 vorgestellte Seikomatic Lady

Meilenstein 1963: Seikomatic Lady

Obwohl im traditionsgemäß männerdominierten Japan zuhause, verlor das Seiko Management mit seinen Seiko Uhren und Seiko Modellen die Wünsche des zarten Geschlechts im Bereich Damenuhren keineswegs aus den Augen. Resultat einschlägiger Anstrengungen war 1963 die erste Damen-Automatikuhr im Land der aufgehenden Sonne.
Die runde Seikomatic Lady stattete die Manufaktur mit dem ovalen 6-linigen Automatikkaliber 2101 aus. Ganz exakt lagen die Dimensionen dieses Uhrwerks bei 18,4 x 15,3 Millimetern. Durchaus akzeptable 5,7 Millimeter maß das Werk in der Höhe. Stündlich 19.800 Halbschwingungen vollzogen die Unruh samt Spirale. Die Unruh des Werks betrug also 2,75 Hertz. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehörten 21 funktionale Steine. Hinsichtlich des optischen Auftritts der ganzen Armbanduhr gaben sich die Produktgestalter ausgesprochen konservativ. Für die Produktion des Uhrwerks zeichnete damals die Daini Seikosha verantwortlich. Inzwischen firmiert diese Fabrik als Seiko Instruments Incorporated (SII).

Seiko Chronograph mit Handaufzug von 1964

Serienreif 1964, im Jahr der Olympischen Sommerspiele in Tokio: Japans erster Armband-Chronograph.

Meilenstein 1964: Der erste Handaufzugschronograph Japans

1964 fanden in Tokio die Olympischen Sommerspiele statt. Für dieses sportliche Ereignis brauchte es natürlich einen offiziellen Zeitnehmer. Und diese anspruchsvolle Aufgabe fiel, wie man unschwer erahnen kann, Seiko zu. Genau genommen befasste sich die Suwa Seikosha mit der gleichermaßen umfassenden wie komplexen Thematik. Zum Verewigen der Resultate auf Papier benötigte man Drucker. Und damit schlug die Stunde der Shinshu Seiki Co., heute bekannt als Seiko Epson.
Beileibe kein Zufall war auch die Vorstellung des ersten japanischen Chronographen in eben jenem Jahr. Für ihn hatte Seiko das Handaufzugskaliber 5719 entwickelt. Die Rotor-Automatik ließ danach noch fünf Jahre auf sich warten. Das 12-linige Uhrwerk verfügte nur über einen start-, stopp und nullstellbaren Sekundenzeiger. Zahnräder verbanden auf nach Betätigung des Drückers mit Dreifach-Funktion das eigentliche Uhrwerk und dem einfachen Stoppmechanismus. Die Steuerung der zeitschreibenden Zusatzfunktion oblag einem Schaltrad. 2,5 Hertz Unruhfrequenz erlaubten auf die Fünftelsekunde genaue Messungen. Nachdem das Uhrwerk noch keinen Zähler besaß, übernahm eine entsprechend skalierte Drehlünette diesen Job. Hierfür musste das Dreieck auf dem Glasrand nach dem Starten schnell zur Spitze des Minutenzeigers bewegt werden. Anfangs aus Bakelit hergestellt, neigte dieses Bauteil zum Brechen. Zahlreiche Reklamationen führten zum Ersatz durch ein stählernes und dadurch deutlich robusteres Pendant. Die Wasserdichte der 38,2 mm großen, 11,2 mm hoch bauenden Edelstahl-Schale reichte bis drei bar Druck. Als Evolutionsstufe gelangte das Kaliber 5717 mit Datumsanzeige auf den Markt.

Erste Taucheruhr von Seiko aus dem Jahr 1965

1965 lancierte Seiko die erste Taucher-Armbanduhr

Meilenstein 1965: Japans erste Taucher-Armbanduhr

Durch die Olympischen Sommerspiele 1964 konnte das Land der Aufgehenden Sonne endlich die langen Schatten des Zweiten Weltkriegs überwinden. Im gleichen Jahr startete bei Seiko auch die Entwicklung der ersten professionellen Taucher-Armbanduhr Japans. Einmal mehr stand die Entwicklung unter der Prämisse, den europäischen Mitbewerbern die eigene Leistungsfähigkeit demonstrieren zu wollen. In Sachen wasserdichter Schalen besaß insbesondere die Schweiz einen ellenlangen Vorsprung. Ergo musste die Neuentwicklung etwas Besonderes bieten. Dieses Bestreben deckte sich mit der internen Philosophie, wonach Taucheruhr die Krönung der Kompetenz verkörperten. Gute Ablesbarkeit auch bei mäßigen Sichtverhältnissen und hohe Stoßfestigkeit gehörten deshalb zum Leistungsspektrum der neuen Automatik. Bis 150 Meter Tauchtiefe widerstand das 38 Millimeter große, 13,4 Millimeter hohe Stahlgehäuse mit Drehlünette dem nassen Element. Für die Bewahrung der unter Wasser besonders kostbaren Zeit zeichnete das 12½-linige Kaliber 6217 A mit Rotor-Selbstaufzug und 2,5 Hertz Unruhfrequenz verantwortlich. Die Referenz 6217-8001 oder 62MAS-010 schlug beim Kunden damals mit rund 13.000 Yen zu Buche. 1966 bewährte sich dieser Zeitmesser an den Handgelenken des 8. Antarktischen Überwinterungsteams. Ein Jahr später präsentierte Seiko die bis zu 30 bar druckdichte Referenz 6215-010 Automatik.

Seiko Wettbewerbskaliber 052 aus dem Jahr 1966

Gemacht nicht fürs Handgelenk, sondern für Genauigkeitswettbewerbe. Das kartoffelförmige Handaufzugskaliber Seiko 052 mit exakt 703 mm² Oberfläche.

Meilenstein 1966: Wettbewerbskaliber 052

Ab den frühen 1950-er Jahren genoss die Entwicklung sehr genau gehender Zeitmesser bei Seiko einen extrem hohen Stellenwert. Schließlich heißt Seiko auf Deutsch Präzision. Als die japanischen Genauigkeitswettbewerbe 1960 endeten, begann die Suche nach neuen Herausforderungen. In diesem Sinne nahmen an den Prüfungen des Neuenburger Technikums im Jahr 1964 erstmals Armbanduhren von Suwa Seikosha und Daini Seikosha teil. 13 Exemplare erhielten einen Gangschein. Preise blieben ihnen in Ermangelung des letzten Quäntchens Genauigkeit jedoch versagt. Aber schon im Folgejahr konnte man drei Einzel- und einen Serienpreis nach Hause tragen. Hinzu gesellten sich 24 Gangscheine.
1966 schnellte die Zahl auf 31 Einzelpreise hoch. Außerdem heimsten die Japaner je zwei Serienpreise und Preise für Regleure ein. Die teilweise kuriose Gestalt der Uhrwerke resultierte aus der Tatsache, dass es nicht auf ihre Form ankam, sondern nur auf die Oberfläche. Deren Dimension mussten den für die jeweilige Kategorie exakt festgelegten Regeln genügen. Und diese Kriterien bestimmten schließlich auch die Anordnung der Bauteile. Zum Besten was die japanische Uhrmacherkunst zu bieten hatte, gehörte das von 1964 bis 1966 verwendete Kaliber 965 mit 2,5 oder 3 Hertz Unruhfrequenz. 1966 ging auch das Kaliber 052 mit 703 mm² Oberfläche an den Start. 1967 bescherte es Daini Seikosha einen 2. Rang bei den Serienpreisen. Hier setzten die Uhrmacher schon auf Hochfrequenz, also fünf oder sogar zehn Hertz. Aber die Freude an den solcherart erzielten Erfolgen währte nur kurz. Nun endeten nämlich auch in der Schweiz die jährlichen Genauigkeitswettbewerbe.

Seiko Lord Marvel 36000 von 1967

Japans erste Schnellschwinger-Armbanduhr: Lord Marvel 36.000 mit fünf Hertz Unruhfrequenz

Meilensteine 1967: Seiko Lord Marvel 36.000

Logischer Weise regten die Hochfrequenz-Erfolge des Kalibers 052 zum Weiterdenken und Kommerzialisieren an. Seiko und seine Ingenieure kannten die Bedeutung der Regulierbarkeit und Langzeitstabilität mechanischer Serienkaliber. Schon 1965 hatte Girard-Perregaux diesbezüglich mit dem Automatik-Kaliber 32.7 HF aufhorchen lassen. Seine Unruh vollzog stündlich 36.000 Halbschwingungen. Genauso schnell, also mit fünf Hertz oszillierte auch der Gangregler beim 1967 vorgestellten Hochfrequenz-Kaliber 5740. 27,63 Millimeter maß das klassisch konstruierte Handaufzugswerk mit Ringunruh und Flachspirale. Das entspricht 12¼ Linien. Dem Verändern der aktiven Länge der Unruhspirale diente eine zweiteilige Feinregulierung. Dabei bewegte ein kleines Zahnrad auf dem Unruhkloben das Zahnsegment des Rückerzeigers und den rückwärtigen Schlüssel. Die stählerne Armbanduhr mit zeitgemäßen 34 Millimeter Durchmesser trug den Namen Seiko Lord Marvel. Am Zifferblatt vermerkte Seiko zudem die Schlagzahl 36.000. Und darauf konnte die Manufaktur mit Fug und Recht stolz sein. Immerhin handelte es sich um die erste Hochfrequenz-Serienarmbanduhr japanischer Provenienz.

Seiko Bell-Matic Uhr mit Weckfunktion aus dem Jahr 1967

Kampf dem Verschlafen: Armbandwecker Bell-Matic von Seiko, 1967

Meilenstein 1967-2: Bell Matic

Außer Seiko gab es in Japan vor der Quarz-Revolution keinen Hersteller von Armbandweckern. Diesbezüglich von sich reden machte die Manufaktur ab 1967. In diesem Jahr debütierten die Automatikkaliber 4005 A und 4006A. Der einzige Unterschied bestand in der Anzeige des Wochentags zusätzlich zum Datum. Zu den Merkmalen den 13¾-linigen Kalibers (Höhe 6,6 bzw. 7,17 Millimeter) gehörten 2,5 Hertz Unruhfrequenz, beidseitig aufziehender Kugellagerrotor und der die Bewegungen der Schwungmasse polarisierende Magic Lever. Wer sich mit dieser Armbanduhr aus Morpheus Armen reißen lassen wollte, musste die Zugfeder des Weckers zuerst von Hand spannen. In dieser Hinsicht unterschied sich die Bell-Matic keinen Deut von der Memovox des Hauses Jaeger-LeCoultre. Wann der kleine Hammer gegen die flach gestanzte, ums Werk gewundene und mit der Platine verschraubte Tonfeder schlagen soll, lässt ein Anzeigering wissen. Trotz eigener Quarzwerke mit gleicher Funktion produzierte Seiko diesen mechanischen Armbandwecker bis 1985 in einem relativ breiten Modellspektrum und in entsprechend großen Stückzahlen. Das Gehäuse der abgebildeten Bell-Matic besitzt 38 Millimeter Durchmesser und knapp 15 Millimeter Bauhöhe.

Seiko Sports 5 Automatikchronograph aus dem Jahr 1969

1969 der erste in Serie produzierte Automatik-Chronograph stammte von Seiko

Meilensteine 1969: Automatikchronograph

1967 fiel bei Seiko der Startschuss für das Kaliber-Projekt mit den Nummern 6138 und 6139. Die durchaus anspruchsvolle Aufgabe bestand in der Entwicklung eines Automatikwerks mit integriertem Chronographen. Nach nur zwei Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit war zunächst das 27 Millimeter große und 6,65 Millimeter hohe Kaliber 6139 zur Serienreife gediehen. Den Selbstaufzug besorgte ein Zentralrotor. Damit er die Zugfeder in beiden Drehrichtungen spannte, verwendete Seiko den bewährten Magic Lever. Bei der gesamten Konstruktion gingen Tradition und Innovation Hand in Hand. Ausdruck des Überlieferten waren die klassische Schaltradsteuerung und der 30-Minuten-Zähler. Bei der Kupplung beschritt Seiko einen völlig neuen Weg. Lange vor den eidgenössischen Mitbewerbern setzten die Techniker auf Reibung, also ein System mit geringerem Energiekonsum. Die Unruh oszillierte mit drei Hertz oder stündlich 21.600 Halbschwingungen. Schließlich besaß das neue Uhrwerk auch noch eine Datums- und Wochentagsindikation mit Schnellschaltung. Letztere war sogar zweisprachig. Nach der erstmaligen Wahl von Japanisch oder Englisch übersprang der Mechanismus konsequent das Unerwünschte.

Bereits im Mai 1969 fanden erste Exemplare des Seiko 5 Speed Timer zum Fachhandel. Der Verkauf startete im Juni. 1970 folgte das Kaliber 6138 mit zusätzlichem 12-Stunden-Totalisator. Somit kann Seiko beim internationalen Wettrennen um den ersten Automatik-Chronographen hinsichtlich Serienreife und Markteinführung als Champion gelten. 1973/1974 begleitete ein Exemplar den Astronauten Willam Reid Pogue bei der Skylab-4-Mission. Damit handelte es sich auch um den ersten Automatik-Chronographen im Weltall.

Seiko Astron Quartz Quarzuhr aus dem Jahr 1969

1969: Bei Seiko beginnt das Quarz-Zeitalter der Armbanduhr. Hier die Seiko Astron Quartz samt Uhrwerk

Meilenstein 1969-2: Seiko Astron Quarz

Auf nicht weniger als zehn Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit blickte eine Weltpremiere zurück, welche am 25. Dezember 1969 in Tokio über die Bühne ging. Verantwortlich für die revolutionäre Seiko Astron 35SQ zeichnete ein von Tsuneya Nakamura geleitetes Team. Beim Publikum stieß die weltweit erste Quarz-Armbanduhr auf ausgesprochen positive Resonanz. Innerhalb einer Woche gingen rund 100 dieser Zeitmesser mit massivgoldenem Gehäuse zum Stückpreis von 450.000 Yen über die Ladentheke. Dieser spontane Erfolg war nicht zuletzt auch der Tatsache zu verdanken, dass die Gangabweichung in einem Temperaturspektrum zwischen plus vier und plus 36°C bei monatlich nur fünf Sekunden lag. Übers Jahr gerechnet kam also gerade einmal eine Minute zusammen. Die elektronische Schaltung ließ den Quarzkristall mit 8.192 Hertz, also einem Viertel des aktuellen Standards oszillieren. Und das dank Silber-Batterie mehr als ein ganzes Jahr lang. Ein Miniatur-Schrittschaltmotor bewirkte akkurate Sprünge des uentralen Sekundenzeigers. Das 8-steinige Werk besaß einen Durchmesser von 30 Millimetern. An der dicksten (Batterie-)Stelle lag die Höhe bei 6,1 Millimeter.

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