Werkstoffe & Materialien
Wie der Rubin in die Uhr kam

Der Mathematiker Fatio de Duillier fand heraus, dass die leuchtend roten Edelsteine nicht nur mit äußerer Schönheit aufwarten, sondern auch innere Werte haben. Sie sind extrem hart – und damit perfekt für mechanische Uhrwerke.

Wie der Rubin in die Uhr kam

Schönheit im Dienste der Technik - Rubine sind perfekt für harte Belastungen

Nicolas Fatio de Duillier (1664-1753) aus Basel hatte mit Uhren beruflich anfangs wenig im Sinn. Nach seinem Studium der Mathematik beschäftigte er sich zunächst mit optischen Gläsern. Nebenbei entwickelte er ein Verfahren, mit dem sich in Edelsteine Löcher bohren ließen. Der überragenden Bedeutung seiner Erfindung für die Uhrmacherei war sich Fatio de Duillier dabei wenig bewusst.

Erst die Begegnung mit den Brüdern Pierre und Thomas Debaufre eröffnete ihm die Welt der Zeitmessung. Die beiden französischen Uhrmacher erkannten gegen 1700 den Wert dieser Technologie für ihren Berufszweig. Damals bohrten Uhrmacher Löcher in das Messing der Platinen, Brücken und Kloben. In diesen drehten sich dann die Zapfen der Anker- und Unruhwelle sowie die des Räderwerks. Druck und hohe Rotationsgeschwindigkeiten führten infolge der Lagerreibung zu großen Abnutzungserscheinungen.

Vorsprung durch die neue Lagertechnik

Gemeinsam beantragte das in London lebende Trio ein Patent auf die Verwendung von gelochten Rubinen als Lager. 1704 konnten sie ihre Urkunde entgegennehmen. Unmittelbar darauf begannen sie, gebohrte und ungebohrte Steine für Uhrwerke herzustellen. Durch diese revolutionäre Lagertechnik erlangte die englische Uhrmacherei einen großen Vorsprung gegenüber der kontinentalen Konkurrenz. Diese hielt während des gesamten 18. Jahrhunderts an. Seit 1902 wurde in den Uhrwerken der künstliche oder synthetische Rubin verbaut. Seine herausragenden Materialeigenschaften und sein günstiger Preis machten ihn zur ersten Wahl.

Leichte Bearbeitung

Der „rubis scientifique“ ist hart, homogen ohne Einschlüsse und in beliebiger Färbung erhältlich. Ein weiterer Vorteil: Er lässt sich leicht bearbeiten. Er löste den „rekonstituierten Rubin“ ab, welcher durch das Schmelzen und Pressen von Rubinabfällen entstand. Allerdings war seine Qualität nicht überragend. Künstliche Rubine unterscheiden sich von den echten nur durch die Art der Erzeugung. Die Zusammensetzung ist hingegen gleich. Die preiswerte Massenproduktion synthetischer Rubine brachte mit sich, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr Uhrwerke – selbst relativ billige  – mit Steinlagern ausgestattet wurden.

Quelle: „Die Kunst, die Edelsteine für die Zwecke der Uhrmacherei zu bearbeiten“ (Dumontier, Weimar, 1845).

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