Rolex Pepsi oder Tudor Pepsi - wir vergleichen (Teil 1)
Geschichte der Pepsi Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II wie Pepsi Tudor Black Bay GMT

Uhrenkosmos vergleicht Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II, Referenz 126710 BLRO im Pepsi-Look mit der Tudor Black Bay GMT Referenz M79830RB. Das müssen Sie wissen.

Geschichte der Pepsi Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II wie Pepsi Tudor Black Bay GMT

Uhrenkosmos Pepsi-Tasting: Rolex GMT-Master II und Tudor Black Bay GMT

Überraschung oder auch nicht

Am Eröffnungstag der Baselworld 2018 war die Edelstahl-Version der 40 Millimeter großen Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II mit kratzfester blau-roter „Cerachrom“-Drehlünette keine wirkliche Überraschung. Die Uhrenwelt hatte diesen Newcomer irgendwie erwartet. Und spontan löste er eine gigantische Betriebsamkeit am Internetserver der altehrwürdigen Uhrenmanufaktur aus. Tausende Clicks pro Sekunde demonstrierten internationale Resonanz auf eines der Uhr-Ereignisse schlechthin. Ähnlich betriebsam ging es an den Telefonen der Konzessionäre zu. Sehr viele wollten die augenfällige Referenz 126710BLRO Renommierstück haben. Am besten natürlich sofort. Ellenlange Wartelisten waren damit vorprogrammiert. Ein Vertreter des Hauses Wempe spricht von gefühlten zehn Jahren, bis man sein augenfälliges Renommierstück im so genannten Pepsi-Look entgegennehmen kann.

Diese Neuheit war groß

Einige Meter weiter am Stand von Tudor präsentierte sich dann wahrhaft Erstaunliches: Die Rolex-Tochter wartete, was viele Besucher ein wenig den Köpf schütteln ließ, ebenfalls mit einer Zeitzonen-Armbanduhr im Pepsi-Stil auf. Konkret handelte es sich um die Tudor Black Bay GMT. Die gar nicht so selten zu hörende Frage: Musste es sein, dass aus einem Haus im gleichen Jahr zwei derart ähnliche Armbanduhren auf den Markt gelangen? Eine Antwort blieb das auf Diskretion getrimmte Management zwar schuldig, aber der Erfolg gibt ihm definitiv recht. Wer eine Referenz M79830RB sein Eigen nennen möchte, muss sich ebenfalls gedulden.

Überdies kannibalisieren sich die beiden Schwestern aus bestem Hause keineswegs. Sie agieren vielmehr komplementär, weil sie grundsätzlich andere Zielgruppen ansprechen (wollen) und sich auch preislich unterscheiden.

Somit scheint es an der Zeit, die beiden Zeitmesser einem Vergleich zu unterwerfen. Dabei gebührt der erste Blick natürlich Rolex, denn mit der GMT-Master fing 1955 alles an. Oder genau genommen doch nicht, denn am Anfang stand eine Taschenuhr.

Von einem Kosmopoliten für Kosmopoliten

Hans Wilsdorf, geboren 1881, war zweifellos Kosmopolit. Außerdem war er im Genfer Stadtteil Carouge Zeitgenosse von Louis Cottier, Jahrgang 1894. Irgendwann begegnete der erfolgreiche Uhrenpatron dem kreativen Meister-Uhrmacher, welcher 1936/37 für Patek Philippe die erste Armbanduhr mit Weltzeitindikation entwickelt hatte. Taschenuhren mit diesem genialen System gab es ebenfalls. Eine solche, Referenz 4262, stellte Hans Wilsdorf anlässlich des 40. Jahrestags seiner beruflichen Selbständigkeit im Jahr 1945 vor. Bei ihr repräsentierten 24 Städte ebenso viele Standard-Zeit-Zonen. Im November 1948 entwickelte Louis Cottier auf auf Ersuchen von Frédérique Piguet im Vallée der Joux für Rolex ein vereinfachtes Armbanduhr-Weltzeitsystem (Heure Universelle). Offensichtlich landeten die Pläne aber in einer Schublade.

Skizze Frédérique Piguet für ein Rolex Weltzeit-System 1948

Skizze von Frédérique Piguet, Le Brassus, für ein Rolex Weltzeit-System, 5.  November 1948

Reisezeit

Nach dem glorreichen Jubiläum zog es Hans Wilsdorf – speziell während der kalten Wintermonate – regelmäßig in wärmere Gefilde. Beispielsweise reiste er zwischen dem  30. Oktober 1947 und 3. März 1948 über London nach New York, dann weiter nach Montreal und Toronto, Chicago, Miami, Jamaika, Kuba und über New York, Glasgow und London wieder zurück in die Schweiz. Betty Mettler saß im Flugzeug, Schiff, Zug und Auto als Sekretärin an seiner Seite. In einem Druckwerk mit dem Titel „Souvenirs meiner Reisen – Wie ich die zweite Frau von Herrn Hans Wilsdorf wurde“ beschrieb sie 1974 ihre vielfältigen Eindrücke von einem kreativen, kundenorientierten Firmenchef, der das Leben neben harter Arbeit in vollen Zügen genoss.

Hans Wilsdorf und Rolex in aller Welt

Von September 1948 bis April 1949 besuchten Chef und Mitarbeiterin Kalifornien, Südamerika sowie abschließend Lissabon und Rom. Ihre dritte Weltreise traten sie am 11. November 1949 an. Nun standen Saint Louis, Mexico City, Guatemala, Honduras, Costa Rica, Kolumbien, Venezuela, Trinidad und Brasilien auf dem Plan. Nach der Hochzeitsfeier am 4. November 1950 im Genfer Hotel des Bergues führte der Weg bis April 1951 nach Ägypten, Indien, Thailand, Hongkong, Singapur, Australien und Ceylon. Auch in den folgenden Jahren war das Ehepaar Wilsdorf unermüdlich unterwegs, um den Namen Rolex in alle Welt zu tragen.

Rolex-Gründer Hans Wilsdorf und seine Frau Betty waren oft auf Reisen

Gingen oft gemeinsam auf Reisen: Hans Wilsdorf und seine Frau Betty, hier im Jahr 1951 - Foto (C) Familie Wilsdorf

Aus praktischer Erfahrung geboren

Den beständigen Wechsel der Zeitzonen hatte der gebürtige Oberfranke also zur Genüge kennengelernt. Ergo wusste er sehr genau, um was es bei der Entwicklung einer praktischen Zeitzonen-Armbanduhr unter anderem für die Pan American Airways ging. Infolge mannigfacher eigener Erfahrungen packte Hans Wilsdorf das Problem einmal mehr persönlich an. Nach inspirierender Morgentoilette im Pariser Hotel Ritz skizzierte er im Jahr 1953, so erzählte Frau Wilsdorf-Mettler in den späten 1980-er Jahren anschaulich, seine grundsätzlichen Gedanken zu einer unsterblichen Ikone von Uhr.

Unverzüglich nahmen die Pläne ihren Weg nach Genf, wo sich eine Mini-Taskforce um den weiteren Lauf der Dinge kümmerte. Seitens Pan Am war Flugkapitän Frederick Libby mit an Bord. Bei ihm handelte es sich um einen alten, wirklich erfahrenen Hasen, der schon vor dem Zweite Weltkrieg in den Diensten der angesehenen amerikanischen Fluglinie gestanden hatte. Das Genfer Rolex-Team leitete Direktor René-Paul Jeanneret. Das Direktoriumsmitglied hatte sich bereits große Verdienste um die Entwicklung der „Submariner“ erworben. Als Grundlage ihrer Arbeit diente die als „Turn-O-Graph“-Referenz 6202 entwickelte „GMT-Master“.

Ein erfolgreicher Start

Das Debüt der sportiven Stahl-Armbanduhr ging am 21. April 1955 unter der Referenznummer 6542 über die Bühne. Beim Kaliber 1036 GMT rotierte ein zusätzliche Zeiger für die Heimat- oder Referenzzeit  in 24 Stunden um 360 Grad. Zur Orientierung im Tageslauf korrespondierte er mit einer entsprechend gestalteten Bakelit-Drehlünette. Von einem unabhängig verstellbaren 12-Stunden-Zeiger war bei dieser Armbanduhr noch nicht die Rede. Den brachte 1982  das Automatikkaliber 3085 in der da und dort als „Fat Lady“ tituliertem „GMT-Master II“, Referenz 16760. Der Tribut an das speziell für Globetrotter praktische Detail  der Wegfall der im Kaliber 3075 praktizierten Datums-Schnellschaltung. Bis 1988 stand als Alternative weiterhin die klassische „GMT-Master“ mit Acrylglas über dem Zifferblatt zur Verfügung

Pepsi in Stahl mit innovativem Innenleben

Nach mehreren Zwischenschritten läutete 2014 die Referenz 16719BLRO das Comeback des blau-roten, nun dank „Cerachrom“ aber kratzfesten „Pepsi“-Glasrands ein. In der Weißgoldschale tickte weiterhin das 2007 eingeführte Automatikkaliber 3186.

Den eindeutigen Beweis dafür, dass das Bessere des Guten erbitterter Feind ist, liefert das neue GMT-Kaliber 3285. Selbiges basiert auf dem 2015 lancierten Kaliber 3255, welches im behutsam agierenden Hause Rolex eine kleine Revolution verkörperte.

Ankerhemmung des 21. Jahrhunderts - Chronergy von Rolex

Ankerhemmung des 21. Jahrhunderts – Chronergy von Rolex

Die neue Hemmung

Die „Chronergy“-Hemmung des während mehrerer Jahre entwickelten und durch 14 Patente geschützte Automatikkalibers besitzt einen 15 Prozent höherem Wirkungsgrad, was sich u.a. in 70 Stunden Gangautonomie niederschlägt. Ihre Rubinpaletten sind nur 1,25 Millimeter und damit halb so breit wie konventionelle Exemplare. Anker und Ankerrad fertigt Rolex im präzisen LiGA-Verfahren (Mikrofertigung durch Elektroformung) aus paramagnetischen Nickel-Werkstoffen. Nichts geändert hat sich an der selbst gefertigten „Parachrom“-Breguetspirale mit amagnetischen Eigenschaften. Die Wochenend-Gangautonomie ist auch dünneren Federhaus-Wandungen und dadurch einem längeren Energiespeicher zu verdanken.

Genauigkeit ist Trumpf

Wie gewohnt, ist die Ganggenauigkeit von der Prüfbehörde COSC-zertifiziert. Jedoch übertrifft der tickende Mikrokosmos das dort vorgeschriebene Delta zwischen täglich -4 und + 6 Sekunden ganz erheblich. Rolex verspricht maximale Gangabweichungen von -2 bis +2 Sekunden innerhalb 24 Stunden. Über die offizielle, auf das Uhrwerk beschränkte Chronometerprüfung hinaus wird jede fertige Uhr vor dem Verlassen der Fabrik zwei Tage lang per selbst definiertem Verfahren auf Herz und Nieren gecheckt. Dabei simuliert Rolex das in der täglichen Praxis übliche Trageverhalten. Dieses Uhrwerk, aufgewertet durch das gewohnt funktionale Zeitzonen-Dispositiv, bei dem die Datumsanzeige dem unabhängig verstellbaren Stundenzeiger in jeder Richtung sklavisch folgt, beseelt die gesuchte Referenz 126710BLRO.

Verwechslungen mit Edelmetallmodellen dieses Typs schließt ein fünfreihiges Jubilé-Armband aus. Sicherheit und Komfort gewährleisten wie gehabt einmal die „Oysterclasp“-Faltschließe und zum anderen das „Easylink“-System. Mit seiner Hilfe lässt sich das Armband ruck-zuck um fünf Millimeter verlängern.

Bei der Gestaltung des Bandanstoßes haben findige Konstrukteure dafür gesorgt, dass die gängigen Edelstahl-Oysterbänder unter keinen Umständen passen. Es bleibt allerdings abzuwarten, wann geschäftstüchtige Chinesen Passendes auf natürlich deutlich niedrigerem qualitativen Niveau anbieten. Womöglich könnte dies ein Umdenken bewirken.

Wer den kosmopolitischen Boliden von Rolex sofort haben möchte und auf der Warteliste eines Konzessionärs nicht ganz oben steht, muss im Parallelmarkt bis zum Doppelten des offiziellen Preises von 8.400 Euro bezahlen. Nicht ohne Grund spricht der amerikanische Philosoph Lyman Abbott: „Geduld ist gezähmte Leidenschaft.“

Im Profil: Tudor Back Bay GMT

Im Profil: Tudor Back Bay GMT

2 Comments

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  1. Rolex oder Omega GMT-Armbanduhr Investment in Uhren - […] dem eindringlichen Rat von Freunden, die für eine „Pepsi“-„GMT Master II“ plädierten, entschied ich mich letztlich für die 16570…

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