Unruhefrequenz oder Tick-Tack, so macht die Uhr
Pulsmesser der Zeit

Unruhfrequenzen mechanischer Uhren zu verstehen, ist kein Buch mit sieben Siegeln. Wir erklären Ihnen das U(h)rprinzip.

Pulsmesser der Zeit

Das Tick und Tack der mechanischen Uhr

Die Zeit, sagt eine alte Spruchweisheit, ist ein sonderbares Ding. Nach Albert Einstein ist sie relativ und kann daher stets nur das sein, was man an der Uhr abliest. Letztere ist bekanntlich dazu da, jene Zeit zu anzuzeigen, welche sich streng genommen gar nicht messen lässt. Zeit verstreicht nämlich gleichförmig, laut-, geruch-, geräuschlos. Allenfalls im Spiegel kann man das allmähliche Altern seiner selbst erkennen. Bei ihren Job gehen Uhren übrigens recht grob mit der „sanftmütigen Göttin“ namens Zeit um. Egal ob mechanisch oder elektronisch: Sie zerhacken das kostbarste, weil unwiederbringliche Gut der Menschheit in mehr oder minder kleine, tunlichst stets aber gleich lange Stücke, welche das Räderwerk fein säuberlich addiert. Das Resultat solchen Tuns stellen bei analogen Uhren die rotierenden Zeiger dar.

Besagtes Zerstückeln der Zeit obliegt bei konventionell tickenden Zeitmessern dem Schwing- und Hemmungssystem. Ersteres generiert durch seine Oszillationen den Takt der Zeit. Besagter Gangregler muss seine Aufgabebei Armbanduhren in jeder Lage möglichst präzise erledigen. Will heißen, jede Halbschwingung sollte unabhängig von der Unruh-Amplitude die gleiche Dauer besitzen. Bei den heutzutage am meisten verbreiteten Uhrwerken mit vier Hertz Unruhfrequenz ist das eine Achtelsekunde. Pro Stunde summiert sich das Ganze zu 28.800 Halbschwingungen. Weicht das Uhrwerk davon ab, geht es schlicht und einfach falsch.

Seit 1675, als der Holländer Christian Huygens der Welt die Unruh mit metallischer Spiralfeder bescherte, ist das Tick-Tack-Tempo übrigens kontinuierlich schneller geworden. Anfangs zählte man pro Stunde 7.200 oder 9.000 Schläge. Danach entwickelten 2,5 Hertz oder stündlich 18.000 Halbschwingungen zur gebräuchlichsten Frequenzstandard. In Fachkreisen galt das von 1962 bis 1969 produzierte Kaliber Eta 2428 teilweise mit seinen drei Hertz Unruhfrequenz bereits als „Schnellschwinger“.

Beim Automatikkaliber „32.7 HF“ (Hoch Frequenz) von 1965 meisterte Girard-Perregaux erstmals fünf Hertz. Für diese Pioniertat zeichnete das Observatorium Neuenburg die Manufaktur mit seinem Jubiläumpreis zum 100. Geburtstag aus. Diese Frequenz beseelt den 1969 vorgestellten „El Primero“-Chronographen von Zenith bis heute. Seiko ist diesbezüglich mit der „Grand Seiko Hi-Beat 36.000“ am Markt präsent.

Noch deutlich schneller unterwegs sind beispielsweise Audemars Piguet (sechs Hertz), L.U. Chopard (acht Hertz) und Breguet. Letztgenannte Marke lässt die Unruh jede Stunde 72.000 Halbschwingungen vollziehen. Ob die 2001 eingeführten Silizium-Komponenten mit besonders glatten und damit ohne Schmiermittel agierenden Berührungsflächen eine nachhaltige Hochfrequenz-Epoche auslösen werden, muss sich erst noch zeigen.

Auf einem ganz anderen Blatt Papier stehen schließlich die „chronographischen“ Zwitter von Montblanc, TAG-Heuer und Zenith. In ihnen findet sich neben dem konventionellen Gangregler für die Zeit ein zweites, ultrahochfrequentes 50-, 500- oder sogar 1.000- Hertz-Schwingsystem. Dem zugehörigen Mechanismus geht freilich schon nach wenigen Minuten der Saft aus. Hochgeschwindigkeit hat, das kennen Autofahrer zur Genüge, energetisch schlichtweg ihren Preis.

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