Sieger Inhorgenta Award 2020: Frédérique Constant Tourbillon Ewiger Kalender Manufaktur
Inhorgenta Award 2020: The winner is Frédérique Constant

Ehre, wem Ehre gebührt. Gewinner des Inhorgenta Award 2020 in der Kategorie “Watch Design” ist das “Tourbillon Ewiger Kalender Manufaktur” von Frédérique Constant. Der Uhrenkosmos gratuliert.

Inhorgenta Award 2020: The winner is Frédérique Constant

Frederique Constant Tourbillon Ewiger Kalender in Stahl mit Rotgoldbeschichtung

Inhorgenta Award zum Vierten

Beim Inhorgenta Award, der 2020 zum vierten Mal über die Bühne ging, entscheiden insgesamt  zehn Jurorinnen und Juroren darüber, wer den begehrten Preis bekommt. Aus guten und nachvollziehbaren Gründen fiel die Wahl auf das “Tourbillon Ewiger Kalender” der Manufaktur Frédérique Constant. Konkret auf das limitierten Edelstahl-Modell mit durchbrochenem Zifferblatt. Bei jedem der insgesamt 88 Exemplare fällt der Blick auf die Kadratur des ewigen Kalendariums. Die Wahl hängt auch damit zusammen, dass dieser komplizierte Zeitmesser schon für rund 20.000 Euro zu haben ist.
Seine Geschichte reicht zurück ins Jahr 2018, als die Manufaktur unter dem Dach der japanischen Citizen Gruppe ihren 30. Geburtstag zelebierte. Eine Kombination von zwei uhrmacherischen Komplikationen zu einem derart moderaten Preis hat es übrigens noch nicht gegeben. Sie verkörpert die von Frédérique Constant seit Beginn gepflegte und propagierte Philosophie des erschwinglichen Luxus.

Zugegeben: Rund 20.000 Euro sind eine Menge Geld. Vor allem, wenn man den Betrag nach Zahlung von Einkommensteuer und sonstigen Abgaben betrachtet. Aber für diesen Betrag gibt es in der Tat jede Menge Mechanik. Die 2016 mangels interessierter Nachkommen an die japanische Citizen-Gruppe veräußerte Manufaktur verdankt den wirbelnden Mikrokosmos, dessen Kalenderwerk rein theoretisch bis Ende Februar 2100 keiner manuellen Korrektur bedarf, Pim Koeslag und seinem Entwicklungsteam im Hause Frédérique Constant.

Der holländische Uhrmacher gelangte durch das 2001 gestartete Manufaktur-Projekt an Bord. Hierfür waren die damaligen Eigentümer Peter und Aletta Stas eine Kooperation mit Spezialisten der Genfer und einer holländischen Uhrmacherschule eingegangen. 2004 debütierte das Handaufzugskaliber Heart-Beat FC-910-1. Die markant in einem Zifferblattausschnitt bei „6“ rotierende Unruh weckt unverzüglich Assoziationen an ein Tourbillon.  Auf die 2005-er Mondphasen-Version FC-915 folgte 2006 eine exklusive Automatik namens FC 930.

Im gleichen Jahr 2006 wandte sich die junge Manufaktur dem Drehgang zu. Zwei Jahre später kam das „Heart Beat Tourbillon“ in limitierter Edition von 188 Stück mit Goldgehäuse für 28.800 Euro auf den Markt.

Sein Drehgestell besteht aus 81 größtenteils von Frédérique Constant selbst mit minimaler Toleranz hergestellten Bauteilen. Optimale Masseverteilung gewährleistet das „Smart Screw”-System. Außen am Käfig montiert, gestattet es perfektes Auswuchten. Der Balanceakt nimmt etwa acht Stunden in Anspruch. Uhrmacher bewältigen ihn mit Hilfe winziger, durch zwei kleine Schrauben gehaltene Metallringe. Ein ultraleichtes amagnetisches Silizium-Ankerrad bewirkt hohe Energieausbeute. In den Flachlagen Zifferblatt oben und unten besitzt das Automatikkaliber FC-980-1 eine Unruh-Amplitude von gut 300 Bogengraden. Selbst in hängender Position sind es noch mehr als 275. Summa summarum besteht das Oeuvre mit vier Hertz Unruhfrequenz und Unruhstopp aus 188 Komponenten.

2016 wartete Frédérique Constant anlässlich der Baselworld mit einer weiteren Top-Komplikation auf. Das exklusive Automatikkaliber FC-775 trägt auf seiner Vorderseite ein immerwährendes Kalendarium mit Datums-, Wochentags-, Monats-, Schaltjahres – und Mondphasenindikation, welches die Uhrmacher aus 78 Komponenten zusammenfügen. Die Edelstahl-Variante dieser Armbanduhr schlägt mit konkurrenzlosen knapp 8.000 Euro zu Buche.

Mit Blick auf das 30-jährige Bestehen lag eine Synthese beider Komplikationen förmlich auf der Hand. Die Realisation erfolgte im 30 Millimeter großen und 6,67 Millimeter hohen Automatikkaliber FC-975.

Den Kunden zur Wahl

Für die damit ausgestatteten Armbanduhren ist das Attribut „Große Komplikation“ keineswegs aus der Luft gegriffen. Das Angebot umfasst drei limitierte Editionen à jeweils 88 Stück. Zwei davon kommen mit unbeschichteten Edelstahlgehäusen. Bei der dritten trägt die ebenfalls stählerne Schale eine Roségold-Auflage. Der Unterschied zwischen den beiden puristischen Modellen besteht in der Art des Zifferblatts. Für noch nie dagewesene 19.495 Euro gibt es die Referenz FC-975MC4H6 mit geprägtem Zifferblatt. Durch ein Fenster zeigt sich der Drehgang. Das ist auch bei der goldfarbenen Variante FC-975MC4H4 der Fall. Sie schlägt mit 19.995 Euro zu Buche. Exakt 1.000 Euro mehr wird für die Edelstahl-Referenz FC-975S4H6 mit durchbrochenem Zifferblatt fällig. Wer knapp 30.000 Euro investieren möchte, bekommt eines von nur 30 Exemplaren der bereits weitgehend an den Fachhandel ausverkauften Referenz FC-975S4H9 mit massiver dreiteiligen Roségoldschale.

Ausnahmslos alle Gehäuse besitzen 42 Millimeter Durchmesser und natürlich einen Sichtboden. Bei den stählernen Versionen reicht die Wasserdichte bis fünf, beim Goldstück nur bis drei bar Wasserdruck. An allen Fällen stattet Frédérique Constant das Rotor-Basiskaliber FC-975 mit einer Siliziumhemmung (Anker und Ankerrad) aus. Die Unruh vollzieht stündlich 28.800 Halbschwingungen. Nach Vollaufzug stehen rund 38 Stunden Gangautonomie zur Verfügung.

Gemessen an den 160.000 Armbanduhren, welche Frédérique Constant im Jubiläumsjahr produzieren möchte, sind die summa summarum 294 Tourbillons mit ewigem Kalender eine Quantité Négligeable, also eine zu vernachlässigende Menge. Aber für das Prestige der jungen Manufaktur bedeutet dieses Projekt ungemein viel. Peter C. Stas erfüllt es mit großem Stolz. Sein Rückblick auf 30 Jahre Frédérique Constant ist als Interview hier im Uhrenkosmos zu lesen.

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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