Weltzeituhren mit integrierter Zeitzonenmechanik
Neue Armbanduhren für Globetrotter und Kosmopoliten

Wer schnell mal nach London fliegt oder gar weltweit unterwegs ist, kennt das Problem: Nach dem Landen muss die Armbanduhr eine Stunde weniger zeigen. Die vorgestellten Uhren mit Zusatzmechanik von Breitling, Montblanc, Oris, Panerai, Patek Philippe, Seiko und Junghans lösen dies ganz unterschiedlich, aber alle mit Bravour. Wollen Sie wissen wie?

Neue Armbanduhren für Globetrotter und Kosmopoliten

In der ganzen Welt zuhause

Um Weltzeituhren mit Zeitzonen-Mechanik zu verstehen, gilt es diese höchst simple Rechnung zu verstehen:

360 : 24 = 15

Mit Blick auf die Uhrzeit hatte sie vermutlich erstmals Sandford Fleming aufgemacht. Und zwar im Jahr 1873. Die Eisenbahngesellschaften in den Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada plagte ein unglaubliches Zeit-Chos. Mit Hilfe von 71 verschiedenen Eisenbahnzeiten versuchte man das Problem in den Griff zu bekommen und Unfälle auf den eingleisigen Strecken zu vermeiden. Weil das nicht gelang, statuierte der leidgeplagte Chefingenieur der Canadian Pacific Railway besagtes Rechenexempel.

360 Bogengrade Erdumfang dividiert durch die 24 Stunden eines ergibt 15 Längengrade, über die sich jeweils eine Zeitzone erstreckt. Von einer zur anderen verschiebt sich die Zeit um jeweils eine volle Stunde. In östlicher Richtung vor-, in westlicher rückwärts.

Das Resultat überzeugte den amerikanischen Präsidenten Chester A. Arthur. Im Oktober 1884 lud er Vertreter der damals nur 24 souveränen Staaten zur Ersten Meridiankonferenz nach Washington DC. Nach intensiven, teilweise sehr kontroversen Diskussionen verständigte man sich auf das bis in die Gegenwart prinzipiell gültige Weltzeit-System mit dem durch Greenwich verlaufenden Nullmeridian. GMT, Greenwich Mean Time, kommt also nicht von ungefähr. Offiziell spricht man heute freilich von UTC, also Universal Time Coordinated. Die Datumsgrenze markiert der gegenüber liegende 180. Längengrad. Von selbst verstehen mag sich der Tatbestand, dass primär geographische Verhältnisse den Verlauf der Zeitzonengrenzen bestimmten.

Weil zudem die Politik immer das letzte Wort für sich beansprucht, lassen sich gegenwärtig 37 Zonenzeiten zählen:

  • 25 + 2 Standard-Zeitzonen mit Vollstunden-Zeitverschiebung gegenüber UTC
  • 7 mit Voll- und Halbstunden-Zeitverschiebung (z.B. Indien, Sri Lanka, Iran oder Afghanistan) sowie
  • 3 mit Voll- und Viertelstunden-Zeitverschiebung (Neuseeland, Australien und Nepal).

Nachdem die „krummen“ Zeitzonen eher die Ausnahme sind, beschränken sich klassische Reise-Armbanduhren mit so genannter „GMT-Funktion“ auf lediglich 24 Zonenzeiten. Neben dem Minuten- und ggf. Sekundenzeiger besitzen sie in der Regel zwei Stundenzeiger. Jener zur Indikation der Heimat- oder Referenzzeit rotiert einmal in 24 Stunden um 360 Grad. Zur Orientierung gibt es auf dem Zifferblatt oder Glasrand eine entsprechende Indexierung. Diesen Zeiger stellt man vor der Abreise auf die Heimatzeit, welche im Normalfall auch der zweite Stundenzeiger mit doppelter Drehgeschwindigkeit darstellt. Bei Reisen über Zeitzonengrenzen hinweg muss er sich mit Hilfe von Krone, Drücker oder Drehlünette unabhängig vom Minutenzeiger in Stundenschritten verstellen lassen.

Bei den weit verbreiteten Armbanduhren mit den Automatikkalibern Eta 2893-A2, A07.171 oder 7754 (mit Chronograph) ist das nicht der Fall. Hier lässt sich der meist schlank ausgeführte 24-Stunden-Zeiger unabhängig bewegen. Dieses Feature hilft unter anderem Schreibtisch-Bankern beim zeitlichen Jonglieren mit Börsenplätzen. Wer reist, möchte am jeweiligen Aufenthaltsort auf den gewohnten Stundenzeiger blicken und beim Einstellen der Ziel-Zeit samt Datum den Minutenzeiger unangetastet lassen. Dessen exakte Position gerät, wie die Praxis zeigt, beim Richten der Zeiger ohne sinnvolles Zeitzonen-Dispositiv gerne in Vergessenheit.

Universalzeit von Breitling

Die Geschichte des „Navitimer 8 Unitime“ von reicht zurück bis ins Jahr 1951. Diese universale Breitling bildet simultan alle 24 Zonenzeiten ab. Steht die Repräsentantin der aktuellen Aufenthalts-Zeitzone bei „12“, lässt der entgegen dem Uhrzeigersinn drehende 24-Stunden-Ring wissen, wie spät es rund um den Globus ist. Aktienfreaks können also mit einem Blick sehen, ob an den Börsen beispielsweise London, New York oder Tokio gehandelt wird oder nicht. Überdies besitzt das 2018-er Modell einen unabhängig per Krone vor- und rückwärts verstellbaren 12-Stunden-Zeiger.

Das Fensterdatum bei „6“ folgt automatisch. Ergo ist die jeweilige Ortszeit im Handumdrehen eingestellt. Das Automatikkaliber B35 aus eigener Manufaktur ist von der Offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle zertifiziert. Bis zehn bar Druck reicht die wasserdichte des 43 mm großen Stahlgehäuses. Mit Stahlband 7.700 Euro.

„1858 Geosphère“ nennt sich eine markante Zeitzonen-Kreation des Hauses Montblanc. Die Zahl erinnert an das Gründungsdatum der mit dem Hamburgern vereinigten Manufaktur Minerva. Förmlich unübersehbar am Zifferblatt sind zwei bombierte Gebilde, welche die nördliche und südliche Hemisphäre symbolisieren. Beide drehen in 24 Stunden um ihre Achse. Die obere entgegen, die untere im Uhrzeigersinn. Zusammen mit entsprechend indexierten und farblich abgesetzten Skalen bilden sie die 24 Standard-Zeitzonen ab.

Wie es sich gehört, ist der zentrale Stundenzeiger des Automatikkalibers MB 29.25, einem Mix aus Eta 2892 und Montblanc-eigenem Zeitzonen-Dispositiv, per Krone unabhängig vor- und rückwärts verstellbar. Das Stahlgehäuse mit Titanboden und Keramikeinlage in der Lünette misst moderate 42 Millimeter. 5.890 Euro. Limitiert auch mit Bronzeschale erhältlich.

Nach dem Motto „Zeit-Reisen leicht gemacht“ hat Oris den „Big Crown ProPilot Worldtimer“ auf der Basis des Automatikkkalibers Eta 2836-A2 mit kleiner Sekunde bei „9“ entwickelt. Das exklusive Zeitzonen-Dispositiv, dessen Biographie bis 1997 zurückreicht, lässt sich nicht mehr wie einst per Drückern im Gehäuserand ansteuern, sondern höchst simpel per geriffeltem Glasrand. Nach links gedreht, bewegt sich der zentrale Lokalzeit-Stundenzeiger schrittweise in die gleiche Richtung.

So funktioniert das Ein- und Verstellen des Oris Worldtimer

So funktioniert das Ein- und Verstellen des Oris Worldtimer

Analog vollzieht sich das Vorwärtsstellen bei Reisen in westlicher Richtung. Das Fensterdatum bei „3“ folgt selbstverständlich. Ebenfalls bei „3“ findet sich ein zweites Zeigerpaar zum Bewahren der Heimatzeit. Ein kleines Fenster signalisiert Tag- oder Nachtstunden. Diese kosmopolitische Begleiterin gibt es für 3.200 Euro mit knapp 45 Millimeter großem Stahlgehäuse und Kalbslederband im Vintagelook.

Neu in der Panerai-Kollektion ist die Modelllinie „Luminor Due“. An der Kissenform des Gehäuses hat sich nichts geändert. Aber die Kanten sind runder geworden. Man kann fast von handschmeichlerischen Qualitäten der Schale sprechen. Eine zudem flachere Bauweise gestattet die 2015 lancierte Kaliberfamilie P.4000. Die Variante P.4002 mit automatischem Aufzug durch Mikrorotor und drei Tagen Gangautonomie beseelt die neue „3 Days GMT Powerreserve Automatic Accaio“, Referenz PAM00944, 10.800 Euro. Am Zifferblatt lässt ein Zeiger bei „5“ genau wissen, wie es um den Spannungszustand der beiden Zugfedern bestellt ist. An Vielflieger wendet sich die GMT-Funktion mit zwei Stundenzeigern und koaxial zur nullstellbaren Permanentsekunde bei „9“ angeordneter Tag-/Nacht-Indikation. Beim Landen in ferner Zeitzone lässt sich der Ortszeit-Stundenzeiger schrittweise verstellen.

Nobles und Funktionales aus Genf

Die ausgesprochen nostalgisch anmutende „Calatrava Pilot Travel Time“, Referenz 5524, gab bei Patek Philippe im Jahr 2015 ihren Einstand. Und zwar mit 42 Millimeter großem Weißgoldgehäuse. 2018 bringt gleich zwei Varianten in Rotgold. Eine, die 5524R, 42,850 Euro, besitzt die gleichen Dimensionen, die zweite mit der Referenznummer 7234R misst lediglich 37,5 Millimeter und kostet 38.769 Euro. Unabhängig vom Durchmesser findet sich im Gehäuseinneren das aus 294 Komponenten zusammengefügte Manufaktur-Automatik CH 324 S C FUS. Sie verfügt über ein praktisches Zeitzonen-Dispositiv mit Tag-Nacht-Anzeigen bei „9“ für die Orts- und bei der „3“ für die Heimat- oder Referenzzeit. Links im Gehäuserand finden sich Drücker zum Vor- oder Rückwärtsstellen des unabhängigen zweiten Stundenzeigers. Ein Zeigerdatum ist ebenfalls mit von der Partie. Dessen Korrektur erfolgt mit Hilfe eines versenkten Korrektors in der Schalenflanke.

Kosmopolitisches aus Japan

Rund 15.000 Euro ruft Seiko für die “Grand Seiko Blue Ceramic Hi-beat GMT Special Limited Edition“ mit fünf Hertz Unruhfrequenz und dem natürlich hauseigenen Schnellschwinger-Kaliber 9S86 auf. Seine Besonderheit besteht in einer GMT-Funktion mit unabhängig verstellbaren 12-Stunden-Zeiger. Bei den insgesamt nur 350 Exemplaren umfängt erstmals ein Mix aus Titan und blauer Keramik dieses sehr flott tickende Automatikwerk. In seinen Rotor emsig ist eine massivgoldene Plakette eingelassen. Aus dem gleichen Materialmix besteht auch das Armband. Die bemerkenswert leichte Schale misst 46,4 Millimeter. Die Japaner bescheinigen dieser Armbanduhr eine Ganggenauigkeit im Bereich von täglich – 2 bis +4 Sekunden.

Zeitzonen und Chronograph

Das Manufakturkaliber Heuer 02 mit Chronograph hat seine Reifeprüfung inzwischen bestanden. Zur Montage der Schaltrad-Mechanik des Stoppers braucht es nur eine einzige Schraube. Neu bei der TAG HeuerCarrera“ mit diesem Uhrwerk ist das, was die drei zusätzlichen Buchstaben GMT signalisieren. Der 45 Millimeter große Bolide mit Stahlgehäuse und zweifarbiger Keramiklünette besitzt gleich zwei Stundenzeiger. Der rote umrundet das durchbrochen gestaltete Zifferblatt einmal in 24 Stunden. Das weiße, ebenfalls im Zentrum drehende Heimatzeit-Pendant lässt sich unabhängig schrittweise im Uhrzeigersinn verstellen.

Zeitzonen-Handling mit Hilfe der Krone

Zeitzonen-Handling mit Hilfe der Krone

Durch den Sichtboden der Schale zeigt sich das Uhrwerk mit Selbstaufzug und satten 80 Stunden Gangautonomie. Die Wasserdichte reicht bis zu zehn bar Druck. Mit stählernem Gliederband liegt der Preis bei 5.500 Euro.

Elektronik für unterwegs

Junghans ist Pionier der funkgesteuerten Armbanduhren. Das brandneue Kaliber J101.65 besteht aus 146 Komponenten inklusive drei unabhängigen Motoren. Es empfängt und verarbeitet chronometrische Radiosignale auf drei Kontinenten mit einer Präzision von 0,006 Sekunden in einer Million Jahren. „Offline“ gewährleistet das autonom agierende Quarzwerk eine maximale Gangabweichung von acht Sekunden pro Jahr. Täglich 1440 Mal vergleicht die hauseigene ITC-Technologie (Intelligent Time Correction) die Position des dank „Smart Hand Motion“ (SMH) in Halbsekundenschritten springenden Zeigers mit der zuletzt empfangenen Zeitinformation. Allfällige Korrekturen erfolgen sofort. Mit von der Partie bei Junghans ist auch ein ewiger Kalender bis Ende Februar 2100.

Bei Reisen in eine entfernte Zeitzone lässt sich die dort herrschende Stunde sehr komfortabel schon von vor Reiseantritt wählen. Minuten und Sekunden bleiben davon unbeeinflusst. Mit Hilfe einer speziellen Mega-App für iOS– und Android-Telefone können die Besitzerinnen und Besitzer außerhalb der Senderbereiche jede beliebige Uhrzeit auf einfache Weise einstellen. Optisch treten die „Meister Mega“-Modelle zurückhaltend in Erscheinung. Mit 38,4 Millimeter Gehäusedurchmesser passen sie an weibliche und männliche Handgelenke. Die für 1.190 Euro erhältliche Referenz 058/4803.44 besitzt einen getönten Mineralglasboden. Abhängig vom Armband kosten die nochmals klassischeren Referenzen 058/4800.00, 058/4801.00 und 058/7800.00 890 oder 990 Euro. Mega, oder?

 

Über den Autor

Gisbert L. Brunner

Uhrensammler seit 1964 Journalistische Tätigkeit in Sachen Uhren seit 1981 Autor und Co-Autor von mehr als 30 Büchern über Armbanduhren und namhafte Uhrenmarken

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  1. Rolex GMT Master II oder TudorBlack Bay GMT - wem gebührt die Krone? - […] Übrigens haben auch andere Uhrenmarken attraktive und gleichermaßen funktionale Zeitzonen-Kinder. Welche das sind, zeigt Ihnen der Uhrenkosmos hier. […]

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