Patek Philippe "Nautilus"
Die Sportliche mit dem Bullaugen-Look

Uhren-Designer Gérald Genta sollte Recht behalten, als er diesen Jahrhundert-Erfolg vorhersagte. Dabei war der Aufstieg der Stahl-Armbanduhr nicht ganz einfach. Heute ist der Klassiker beliebter den je.

Die Sportliche mit dem Bullaugen-Look

Patek Philippe Nautilus ewiger Kalender in Stahl

Legenden leben länger

43 Jahre sind im schnelllebigen Geschäft mit Armbanduhren schon fast eine halbe Ewigkeit. Ein solches Alter erreichen nur wenige Uhren, die „Nautilus“ von Patek Philippe hat es geschafft. Die Geburtsstunde der Armbanduhr schlug schon 1974.  Gérald Genta, der legendäre Uhrendesigner, der schon die „Royal Oak“ entwarf, zeichnete damals den ersten Entwurf in einem Basler Hotel. Am Nachbartisch saßen Mitarbeiter von Patek Philippe, die wegen der  Basler Uhrenmesse an den Rhein gereist waren. Der kreative Produktgestalter Genta wusste um die Segelsport-Passion von Philippe Stern, der 1966 in das Unternehmens seiner Familie eingetreten war. Daher kamen gewisse Ähnlichkeiten mit der Pfortluke eines Schiffs nicht von ungefähr. Der Vater des aktuellen Patek-Philippe-Präsidenten Thierry Stern, kann sich noch gut erinnern: „Er kam zu uns mit dieser Idee. Genta war sehr überzeugt von der Idee und glaubte, die Uhr würde ein Jahrhunderterfolg werden.“

Zwei Jahre Entwicklungszeit

Dass Genta mit seiner Einschätzung nicht daneben lag, zeigte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte eindrucksvoll. Bevor das angedachte Modell seine Stärken unter Beweis stellen konnte, musste es aber erst einmal Wirklichkeit werden. Und das dauerte zwei ganze Jahre. Das es gewisse Parallelen zur Royal Oak gab, sah Philippe Stern eher sportlich. „Aber zwischendurch zögerten wir immer wieder, und wir fragten uns manchmal, ob das noch eine Patek Philippe sei, ob wir so eine große sportliche Stahluhr wirklich machen sollten.“

Erster Auftritt auf der Basler Uhrenmesse

Während der Basler Uhrenmesse 1976 zog die nach mehreren Design-Modifikationen und Prototypen realisierte Referenz 3700/1A die Besucher magisch an. Von Patek Philippe, einer eher konservativen Marke hatten sie ein derartiges Produkt am allerwenigsten erwartet. Uhrmacherische Manufaktur war jedoch Fehlanzeige. Die Genfer besaßen noch kein hinreichend flaches Automatikwerk. In der Not hatte Philippe Stern zum LeCoultre-Kaliber gegriffen, welches auch in der Konkurrentin aus dem Vallée de Joux tickte. Das, was bei Audemars Piguet unter der Kaliberbezeichnung 2121 firmierte, hieß in Genf während der kommenden Jahre 28-255 C Date.

Der Erfolg lässt  auf sich warten

Begeisterungsstürme über den Zuwachs in der Modellpalette von Patek Philippe sahen freilich anders aus. Die Konzessionäre störten sich am keinesfalls luxuriösen Stahl, an den für damalige Verhältnisse zu opulenten Dimensionen und vor allem am Preis. Immerhin kostete die Nautilus so viel wie ein Kleinwagen. Polarisierend wirkte auch die Werbung. In einem Flyer stand zu lesen: „Eine der weltweit kostspieligsten Uhren besteht aus Stahl. Gedacht fürs Tauchen, für formelle oder festliche Anlässe oder zum Erschlagen von Drachen in der Chefetage.“ Fazit: Von einem durchschlagenden Erfolg bei anspruchsvollen Männern konnte keine Rede sein. Wer seinerzeit dennoch zugeschlagen hat, darf sich auf die Schulter klopfen. Für die so genannte „Jumbo-Nautilus“ werden heutzutage horrende Summen verlangt – und bezahlt.

Sportlich elegant: die „Nautilus“ für Damen

Als spontaner Erfolg erwies sich die 1980 vorgestellte Damen-Nautilus mit selbst entwickeltem Quarzwerk. „Wir fertigten sie in Gold, Stahl, in einer Stahl-Gold-Kombination und mit Diamanten.“ erinnert sich Philipe Stern. Bis der verdammte Knoten endlich auch bei den Männern platzte, zogen weitere 18 Jahre durch die eidgenössischen Lande. Dann, völlig überraschend, konnte Patek Philippe gar nicht genug von der mittelgroßen Edelstahl-Referenz 3800/1 produzieren. Eine Nautilus des Übergangs, war die 2004 vorgestellte, nur zwei Jahre lang produzierte und deshalb bei Sammlern sehr begehrte Referenz 3711/1A.

Patek Philippe zeigt erstmals das Innenleben

Mit dem 30. Jubiläum im Jahr 2006 ging eine Zeitenwende bei der Nautilus einher. Durch den Sichtboden des dreiteiligen Stahlgehäuses der 40-Millimeter-Referenz 5711/1A zeigte sich erstmals das tickende Innenleben in Gestalt des hauseigenen Automatikkalibers 324 SC/393. Ihre komplizierte Seite zeigte die „Nautilus“ erstmals 2005 in Gestalt der Referenz 3712/1A mit dem 3,98 Millimeter flachen Kaliber 240 PS IRM C LU. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich Zeigerdatum, Mondphasen- und Gangreserveanzeige. Die mit dem gleichen Uhrwerk ausgestattete Referenz 5712 ist nicht nur größer, sondern erstmals auch mit einem Lederband zu haben. Seitdem sind weitere zehn Jahre verstrichen, in denen auch diese Version der „Nautilus“ nichts an Aktualität eingebüßt hat. Ganz im Gegenteil: Auch für die stählerne Referenz 5712/1A müssen die Händler Wartelisten führen. Und das, obwohl der Preis parallel zur 5711/1A im März 2018 quasi über Nacht von 29.893 auf 35.872 Euro kletterte.

 Eine ultraflache Automatik-Variante bereichert die Kollektion

An Kosmopoliten wendet sich seit 2014 der Reisebegleiter „Nautilus Travel Time Chronograph“. Er trägt die Referenznummer 5990. Die Referenz 5726 ist eine „Nautilus“ mit dem Automatikkaliber 324 S QA LU 24H, dessen Jahreskalender nur jeweils Ende Februar manuell korrigiert werden muss. Seit der Baselworld 2018 ist die Weißgold-Referenz 5740/1G-001 das komplizierteste Modell der „Nautilus“-Kollektion. Ihr ultraflaches Automatikkaliber 240 mit massivgoldenem Mikrorotor steuert die Kadratur des bekannten immerwährenden Kalenders der Traditionsmanufaktur an. Theoretisch ist eine manuelle Nachbesserung erst Ende Februar 2100 fällig.

Heute ist die „Nautilus“ ist eine stabile Wertanlage

Nachdem das ganze Uhrwerk nur 3,88 Millimeter hoch baut, trägt die „Grande Complication“-Nautilus am Handgelenk lediglich 8,32 Millimeter auf. Damit kann die 40 Millimeter große 5740 als flachste Armbanduhr mit ewigem Kalender der Patek-Philippe-Kollektion gelten. Das Spektrum umfasst Datum, Wochentag, Monat und Schaltjahreszyklus. Eine konzentrisch zum Wochentag angeordnete 24-Stunden-Anzeige erleichtert das Einstellen des Kalenders. Bleibt die Mondphase im Fenster bei „6“: Dann weicht der bleiche Erdtrabant erst nach 122 Jahren um einen Tag von der astronomischen Norm ab. Wer es kompliziert mag und eine dezente „Nautilus“ tragen möchte, muss mit einem stolzen Preis von 107.125 Euro rechnen. Der Begehrlichkeit dieser Armbanduhren wird das nicht den geringsten Abbruch tun. Ganz im Gegenteil. Die Edelstahl-Nautilus ist und bleibt ein wertstabiler Klassiker. Wohl dem, der sich rechtzeitig eine zugelegt hat.

 

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