Zum Auftakt der Auktionssaison bietet die auf Vintage Armbanduhren spezialisierte Monaco Legend Group (MLG) wiederum eine einzigartige Patek Philippe Uhr zum Kauf an. Nachdem im Oktober Sale des vergangenen Jahres bereits ein super seltener Patek Schleppzeiger Chronograph aus den 1920er Jahren für sagenhafte € 1,7 Mio. den Besitzer wechselte, kommt diesen Oktober ein rosegoldener ewiger Kalender im wasserfesten Gehäuse mit nie gesehenem Zifferblattdesign frisch auf den Markt. Diese „Important Watch“ ist von bestechender Schönheit und trotz ihres stolzen Alters von fast 70 Jahren auch heute noch absolut tragbar.

Am Anfang des Zeitalters von Uhren zum persönlichen Gebrauch kamen nur wenige Auserwählte in den Genuss eines dieser kleinen mechanischen Wunderwerke zu besitzen. Adelige, kirchliche Würdenträger und erfolgreiche Kaufleute formten die Elite, für die das neue Accessoire erschwinglich war. Diese Kunden bestanden natürlich auf Ausführung nach den persönlichen Vorstellungen. Hundert Jahre nach der Gründung der Uhrmacherzunft im Jahr 1589 wurden gerade einmal 5.000 Uhren von den damalig etwa 100 Genfer Uhrmachern hergestellt.
Auch das Haus Patek Philippe hat sich seit seiner Gründung, Mitte des 19., auf die Erfüllung der Wünsche einer ausgesuchten Kundschaft konzentriert. Individualität und handwerkliche Perfektion sind synonym für Luxus und bilden bis heute Grundpfeiler der Marke.
Beispielhaft dafür sind die Kreationen für vermögende Kunden wie John D. Rockefeller, Andrew Carnegie oder James W. Packard. Die wohl berühmteste Taschenuhr aller Zeiten wurde 1933, mit 24 Komplikationen, inklusive einer astronomischen Funktion auf der Basis einer Nachbildung des Nachthimmels über New York, an den Wallstreet Banker Henry Graves übergeben.

Zur gleichen Zeit überstieg allerdings die Produktion von Armbanduhren erstmals die von Taschenuhren. Diesen Trend, der gleichzeitig eine neue Generation luxushungriger Kunden mit sich brachte, hatte man bei Patek Philippe nicht ernst genug genommen.
Mit der Übernahme des Hauses durch die Familie Stern änderte sich das. Das Los 296 der Herbstauktion der Monaco Legend Group steht sinnbildlich für eine neue Definition von Luxusuhr, die der wachsenden Anzahl vermögender Kunden durch technische Standardisierung Rechnung trug, ohne auf ästhetische Eigenständigkeit zu verzichten.
Am Anfang stand die Entscheidung der neuen Besitzer der Marke, eigene Werke für Armbanduhren zu entwickeln und Chronographen-Rohwerke nicht länger bei Victorin Piguet zu bestellen. Das Atelier Victorin Piguet spezialisierte sich auf komplizierte Uhrwerke und war Patek seit seiner Gründung, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eng verbunden. Es hatte durch die Lieferung von Rohwerken und Komplikationsmodulen zu Pateks Innovationsführerschaft bei Taschenuhren entscheidend beigetragen. Die Mithilfe an Projekten wie der Graves Uhr absorbierte allerdings die Kapazitäten des kleinen Betriebs über Jahre hinweg.

Chronographen waren Mitte der 1930er Jahre dagegen keine Innovation mehr und wurden in verlässlicher Qualität von spezialisierten Betrieben wie der Valjoux SA, Venus (z.B. Los 167) oder Landeron in Serie hergestellt.
Daher entschied man, Armbandchronographen zukünftig auf der Basis des bewährten 13‘‘‘ (29,32 mm) Werks von Valjoux anzubieten und entwickelte selbst das 12‘‘‘ (26,75 mm) Basiskaliber 12-120 mit kleiner Sekunde bei 6 Uhr.

Die Referenzen 96 und 130 begründeten in ihren typischen Calatrava Gehäusen die Grundlage des heutigen Erfolges der Marke und sind noch immer gefragte Sammlerobjekte. Das Valjoux Rohwerk wurde dabei durch tiefgreifende Modifikationen dem Qualitätsanspruch des Hauses angepasst. Die Kombination aus überlegener und verlässlicher Technik verbunden mit einer wiedererkennbaren Ästhetik brachte eine breitere Käuferschicht in den Genuss einer Luxusuhr von Patek Philippe. Individualität ergab sich aus einer großen Anzahl verschiedener Zifferblätter, lieferbar in verschiedenen Gehäusematerialien.

Auf der Basis dieser beiden Uhrwerke entstanden auch die legendären Patek Philippe Grandes Complications für das Handgelenk, Ref. 1518 (1941) und 1526 (1942), die nur wenigen Kunden vorbehalten blieben. Die Einführung dieser Modelle katapultierte Patek Philippe in den Olymp des Segmentes komplizierter Armbanduhren. Weniger als 10 Jahre nach dem Neustart mit der Familie Stern gelang es, die Dominanz der Marke bei komplizierten Taschenuhren auf den Wachstumsmarkt der Armbanduhren zu übertragen.
Beide Modelle wurden mit ewigen Kalendermodulen, entworfen von der Victorin Piguet SA. ausgestattet und waren ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus.

Das Kalkül, Victorin Piguet zu entlasten und das Atelier auf komplizierte Armbanduhren zu konzentrieren, ging auf. Ewige Kalender mit und ohne Stoppfunktion sind bis heute Standards in der Kollektion Grandes Complications, sofern der Ausdruck „Standard“ hier gerechtfertigt ist.
Die wunderschöne Zifferblattkonfiguration mit Fensterdatum „a guichet“ und Mondphasenanzeige begründete ein ganzes Genre eleganter Dresswatches und findet sich noch immer in verschiedenen Ausführungen in der aktuellen Kollektion des Hauses Patek Philippe wie auch in der vieler seiner Wettbewerber wieder.

Damals wie heute stand das Modell ohne Chronographen Funktion trotz seiner überlegenen Optik, die gerade die Puristen unter den Fans begeistert, im Schatten des Kalender Chronographen. Zeuge dafür ist die Anzahl der hergestellten Exemplare des Modells 1526, die mit 210 Stück um ein Viertel unter der Referenz 1518 mit Chronograph lag.

Die nächste Entwicklungsstufe des ewigen Kalenders ohne Chronograph war ein Modell mit zentralem Sekundenzeiger, basierend auf dem Basiskaliber 12-120, mit einem Modul von Victorin Piguet, das die Sekundenanzeige von 6 Uhr ins Zentrum verlagerte. Dieses Modul erhöhte aber rückseitig den Werksaufbau, zusätzlich zum vorderseitigen Kalender und Mondphasenmodul. Außerdem kostete es Gangreserve, weil das Räderwerk für die zentrale Sekunde durch eine Feder zusammengedrückt wurde, um den Sekundenzeiger möglichst präzise laufen zu lassen. Nur 12 dieser Werke sind bekannt und ich konnte nur 2 Exemplare der zugehörigen Referenz 1591 finden.
Interessanterweise verfügt das unten abgebildete Patek Modell 1591 über ein wasserfestes Stahlgehäuse des spezialisierten Genfer Ateliers Taubert Frères (ehemals Borgel). Alle bekannten Gehäuse der ebenfalls wasserfesten Referenz 2438-1, wie im Los 296, stammen dagegen von der Eduard Wenger SA.
Ein weiteres Exemplar der Referenz 1591 in Gelbgold (M: 864471/C: 640528) verfügt über ein Zifferblatt wie das aus dem Los 296 der aktuellen Auktion. Diese Uhr ist in Oswaldo Patrizzi’s Buch, Collecting Patek Philippe Vol. 1 auf Seite 59 abgebildet. Ein drittes Werk 12-120 Q mit der Nummer 864271 (Gehäuse 652371) kam im April 1989 bei Habsburg, Feldman (später Antiquorum) in der thematischen Auktion „The Art of Patek Philippe“ als Los 203 in einem Gehäuse der Referenz 1526 auf den Markt.

Mit dem neuen Basiskaliber 27 SC bekam der ewige Kalender ohne Chronograph dann serienmäßig eine zentrale Sekunde. Gleichzeitig wurden die Gehäuse beider Produktlinien, mit und ohne Stoppfunktion, massiv überarbeitet und dem Geschmack der „Golden Fifties“ angepasst. Es erschienen die neuen Modelle 2497 und 2499 (mit Stoppfunktion). Um satte 20% vergrößerte sich dabei der Gehäusedurchmesser der neuen Generation ewiger Kalender gegenüber dem Calatrava Design der 1940er Jahre!

Patek Philippe Ref. 2438-1
Die Referenz 2438-1 aus dem Los 296 gleicht auf den ersten Blick dem Modell 2497. Allerdings ist das Modell eine weitere Entwicklungsstufe, bei der das Gehäuse mit einem Schraubboden wasserfest verschlossen wurde. Die Gehäuse der Referenz 2497 konnten entweder von der Emile Vichet SA oder von der Eduard Wenger SA stammen, wobei die Vichet Gehäuse mit einem Durchmesser von 37,7 mm noch einmal um 0,7 mm größer waren als die von Wenger. Beim Modell 2438 -1 sind dagegen bisher ausschließlich Gehäuse von Wenger aufgetaucht.

Mit dem wasserfesten Gehäuse nahm man ein Kapitel aus dem Buch der Rolex SA., die gerade in den 1950er Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte und mit der Referenz 6062 ein automatisches, wasserfestes Modell mit einfachem Kalender und Mondphase anbot, von dem ca. 350 Stück verkauft wurden.
Es stellt sich allerdings die Frage nach dem praktischen Nutzen eines ewigen Kalenders mit Mondphase unter Wasser. Entsprechend wird die Produktionsmenge des Modells 2438-1 auf weniger als 70 Stück geschätzt. Die meisten bisher aufgetauchten Exemplare wurden in Gelbgold hergestellt. Es sind weniger als 10 in Roségold, wie die bei Monaco Legend Auction angebotene Uhr bekannt. Das Auktionshaus schätzt die gesamte Produktion auf nur 15 Stück.

Die Exklusivität der Uhr wird durch die einzigartige Konfiguration des Zifferblattes weiter gesteigert. Man unterscheidet bei den Modellen 2497 und 2438-1 grundsätzlich zwei Generationen von Blättern. Die erste findet sich auf Werken mit Seriennummern zwischen 888.000-888.099 und verfügt über kleine arabische Ziffern, die sich mit linsenförmigen, aufgelegten Indexen als Stundenzeichen ablösen.
Bei der zweiten Generation, ab Werksnummer 888.100, sind die Stundenzeichen stabförmig (Bâtons) mit spitzen Enden ausgeführt. Diese Indizes werden auch als „Bullets“ oder „pointed bâtons“ bezeichnet. Bei einer weiteren Variante, die auch als „2nd Series -MK 2“ bezeichnet wird, entfallen die spitzen Enden der Bâtons, so dass die Stundenzeichen zu einfachen Rechtecken werden. Dabei ist unklar, ob es sich bei diesen Blättern möglicherweise um Serviceteile handelt, da sich diese Variante nicht eindeutig Seriennummernintervallen zuordnen lässt. Alle Blätter der zweiten Serie wurden mit Dauphine Zeigern kombiniert.

Da bisher nur zwei Exemplare des Modells 2438-1 mit Werksnummern unterhalb von 888.100 aufgetaucht sind, verfügen praktisch alle bekannten Uhren über Zifferblätter der zweiten Serie. Das erhöht die Exklusivität des Monaco Legend Group Loses 296 weiter, da die Werksnummer mit 888.112 zwölf Zähler oberhalb des Starts der zweiten Serie liegt. Gleichzeitig unterscheiden sich die arabischen Ziffern durch ihre Größe von denen der ersten Serie und sie wechseln sich nicht mit Linsen ab. Also tatsächlich ein unglaubliches Einzelstück!

So ist diese Uhr kaum an Exklusivität zu überbieten. Die zeitlose Eleganz des, des noch heute sehr tragbaren Gehäuses, das trotz des roséfarbenen Metalls mit seinem verschraubten Boden maskulin bleibt, in Kombination mit der nahezu poetischen Zifferblattgestaltung mit Mondphase übt einen schwer zu widerstehenden Reiz aus. Die mit der Marke Patek verbundene Garantie perfekten Handwerks rundet gemeinsam mit der Einzigartigkeit des Stückes das Bild ab.

Die Authentizität des Stückes ist gesichert, da es periodisch bei Patek Philippe gewartet wurde und über ein Extrakt aus den Archiven verfügt, womit angenommen werden kann, dass alle beschriebenen Elemente original und korrekt sind. Interessant wäre es zu erfahren, ob die gebläuten Bâton-Zeiger ebenfalls zu Erstausstattung der Uhr gehörten.
Der Name des ersten Besitzers der Uhr, Bovensiepen hat einen positiven Klang in den Ohren von Enthusiasten schneller Autos und guter italienischer Weine. Es handelt sich aber wohl nicht um die Familie des bekannten BMW Veredlers und Weinhändlers. Wer in dieser Hinsicht sensibel ist, dem ist eine weitergehende Recherche empfohlen.
Die Bewertungen von Uhren dieser Referenz liegen auch heute im Durchschnitt unter denen des Modells 2499 mit Chronographen Funktion. Auch ausgezeichnete Exemplare blieben in der Vergangenheit unterhalb von einer Million, so dass die ausgewiesene Range von € 500.000 bis eine Million realistisch erscheint.
Ernsthafte Interessenten sollten sich im Klaren darüber sein, dass es sich um ein gewartetes Stück handelt. Zifferblatt und Gehäuse sind daher genau zu untersuchen, während man den Zustand des Werkes als gut annehmen darf.
Insbesondere die Hornbügel der goldenen Gehäuse sind empfindlich gegenüber einer nachträglichen „Polissage“, die Symmetrie und Konturen gefährdet. Kenner untersuchen auch die Tiefe der Stempel, um sich so einen Eindruck über die Güte des Gehäuses zu verschaffen. Bei den Zifferblättern halten die emaillierten Zeichen der Reinigung i.A. gut stand, aber auch hier haben Details einen Einfluss auf die Bewertung.

Auf jeden Fall bietet die Monaco Legend Group mit dem Los 296 die seltene Gelegenheit, eine „Important Watch“ aus der Kollektion des Hauses Patek Philippe zu ersteigern, deren Exklusivität und Schönheit kaum zu überbieten ist und man darf auf den Bieterwettbewerb gespannt sein!








0 Kommentare