Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Oris

Oris gehört zu den bekanntesten unabhängigen Schweizer Uhrenmarken und besetzt eine interessante Position zwischen industriell gefertigter Qualitätsuhr und Manufakturanspruch. Die Marke konzentriert sich konsequent auf mechanische Uhren und ist bis heute nicht Teil eines großen Uhrenkonzerns.

Gegründet wurde Oris 1904 von Paul Cattin und Georges Christian im Schweizer Ort Hölstein. Der Name stammt von einem Bach in der Nähe des Firmensitzes. Das Unternehmen wuchs schnell und beschäftigte bereits 1911 mehr als 300 Mitarbeiter. Ende der 1960er-Jahre gehörte die Marke mit rund 800 Beschäftigten und einer Produktion von etwa 1,2 Millionen Armbanduhren und Weckern pro Jahr zu den zehn größten Uhrenherstellern der Welt.

Eine Besonderheit der Oris-Geschichte ist der lange Kampf um bessere Uhrwerkstechnik. Aufgrund des damaligen Schweizer Uhrenstatuts durfte Oris über Jahrzehnte nicht ohne Weiteres von der einfacheren Stiftankerhemmung auf die Schweizer Ankerhemmung wechseln. Erst 1966 konnte diese Beschränkung nach einem langjährigen juristischen Kampf überwunden werden. Kurz darauf erhielt ein Oris-Werk ein Chronometerzertifikat.

1970 wurde Oris Teil der ASUAG, einer Vorgängerorganisation der späteren Swatch Group. Die Quarzkrise traf das Unternehmen hart. 1982 übernahmen Dr. Rolf Portmann und Ulrich W. Herzog Oris im Rahmen eines Management-Buyouts und machten die Marke wieder unabhängig. Besonders bemerkenswert: Während große Teile der Schweizer Uhrenindustrie auf Quarz setzten, entschied sich Oris anschließend bewusst für die mechanische Uhr. Diese Positionierung prägt die Marke bis heute.

Oris Big Crown Pointer Date

Eine der wichtigsten und charakteristischsten Oris-Uhren ist die Big Crown Pointer Date. Das Modell geht auf eine Fliegeruhr von 1938 zurück. Die große Krone sollte Piloten ermöglichen, die Uhr auch mit Handschuhen bedienen zu können. Anstelle eines Datumsfensters zeigt ein zusätzlicher zentraler Zeiger das Datum auf einer Skala am Rand des Zifferblatts an.

Große Krone und Zeigerdatum gehören inzwischen zu den stärksten Designmerkmalen der Marke. Die Big Crown Pointer Date verbindet damit historische Elemente mit einer Gestaltung, die auch bei modernen Modellen sofort als Oris erkennbar ist.

Oris Divers Sixty-Five und Aquis

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Taucheruhren. Die Divers Sixty-Five greift eine Oris-Taucheruhr aus dem Jahr 1965 auf und überträgt deren Gestaltung vergleichsweise originalgetreu in die Gegenwart. Sie gehört damit zum stärker Heritage-orientierten Teil der Kollektion.

Deutlich moderner ist die Aquis. Sie ist heute eine der wichtigsten Modellreihen von Oris und als robuste, zeitgemäße Taucheruhr konzipiert. Neben klassischen Dreizeigermodellen entstanden zahlreiche Varianten und technische Sonderlösungen.

Zu den ungewöhnlichsten gehört die Aquis Depth Gauge. Bei ihr dringt Wasser über eine kleine Öffnung in einen Kanal im Saphirglas ein. Durch den Wasserdruck entsteht eine ablesbare Grenze, die als mechanischer Tiefenmesser funktioniert. Oris präsentierte diese Lösung 2013.

ProPilot und ProPilot X

Die historische Verbindung zur Fliegerei setzt Oris mit der ProPilot fort. Besonderes Aufsehen erregte 2014 die Big Crown ProPilot Altimeter, die als erste automatische mechanische Armbanduhr einen mechanischen Höhenmesser integrierte.

Mit der ProPilot X entwickelte Oris daraus eine deutlich modernere und technischere Designlinie. Titan, kantige Gehäuseformen und teilweise skelettierte Werke unterscheiden sie klar von der klassischen Big Crown. Modelle wie die ProPilot X Calibre 115 oder die späteren Varianten mit Calibre 400 zeigen zugleich, dass Oris zunehmend auch im technisch anspruchsvolleren Segment auftreten möchte.

Von Sellita-Basiswerken zu eigenen Kalibern

Bei den Uhrwerken verfolgt Oris einen zweigleisigen Ansatz. Viele Modelle verwenden bewährte Schweizer Basiswerke, insbesondere von Sellita, die Oris teilweise modifiziert und mit eigenen Funktionen kombiniert. Typisches Erkennungsmerkmal vieler dieser Werke ist der rote Rotor, den Oris 2002 als Markenzeichen registrieren ließ.

Parallel dazu investiert Oris seit einigen Jahren wieder verstärkt in eigene Werkentwicklungen. 2014 erschien mit dem Handaufzugskaliber 110 das erste vollständig neu entwickelte Oris-Kaliber seit 35 Jahren. Es bietet eine außergewöhnliche Gangreserve von zehn Tagen sowie eine nichtlineare Gangreserveanzeige. Daraus entstand anschließend eine ganze Familie verwandter Werke.

Noch wichtiger für die heutige Kollektion ist das 2020 vorgestellte automatische Calibre 400. Das Werk besitzt zwei Federhäuser und bietet dadurch rund 120 Stunden beziehungsweise fünf Tage Gangreserve. Hinzu kommen eine erhöhte Magnetfeldresistenz sowie von Oris empfohlene Serviceintervalle von zehn Jahren. Nach Registrierung gewährt die Marke auf entsprechend ausgestattete Uhren zudem eine zehnjährige Garantie.

Die Calibre-400-Familie wurde inzwischen um verschiedene Funktionen erweitert und bildet zunehmend das technische Rückgrat der höher positionierten Oris-Modelle.

Unabhängig und bewusst etwas anders

Oris gehört heute zu den wenigen größeren Schweizer Uhrenmarken, die unabhängig geblieben sind. Diese Position nutzt das Unternehmen auch kommunikativ. Statt sich ausschließlich über traditionelle Luxusbegriffe zu definieren, setzt Oris auf mechanische Technik, vergleichsweise erreichbare Preise und gelegentlich ausgesprochen unkonventionelle Kooperationen.

Besonders sichtbar wurde dies mit Modellen wie der ProPilot X Kermit Edition, bei der Kermit der Frosch am ersten Tag jedes Monats im Datumsfenster erscheint. 2025 folgte eine ProPilot X in Zusammenarbeit mit Miss Piggy. Solche Modelle nehmen die eigene Branche bewusst nicht ganz so ernst, ohne dabei die technische Qualität der Uhren aufzugeben.

Gleichzeitig engagiert sich Oris seit Jahren unter dem Motto Change for the Better für Umwelt- und Naturschutzprojekte, insbesondere im Zusammenhang mit Ozeanen und Gewässern. Dazu erschienen zahlreiche Sondermodelle und Kooperationen.

Damit besitzt Oris innerhalb der Schweizer Uhrenindustrie eine relativ klare Position: unabhängig, ausschließlich mechanisch und technisch ambitioniert, ohne sich vollständig in Richtung Hochluxus zu bewegen. Modelle wie Big Crown Pointer Date, Divers Sixty-Five, Aquis und ProPilot X sowie die Calibre-400-Werke verbinden dabei historische Markenidentität mit moderner Technik.

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