Unser Markenkosmos zum Uhrenhersteller

Bulgari

Bulgari gehört zu den bedeutendsten Schmuck- und Uhrenhäusern der Welt. Die 1884 in Rom gegründete Marke verbindet italienisches Design, Goldschmiedekunst und einen ausgeprägten Sinn für Farben und Formen mit Schweizer Uhrmacherei. Mit der Serpenti, der Bulgari Bulgari, der Bulgari Aluminium und insbesondere der Octo Finissimo entstanden mehrere unverwechselbare Uhrenfamilien. Seit 2011 gehört Bulgari zum französischen Luxusgüterkonzern LVMH. Der Hauptsitz befindet sich weiterhin in Rom, während die Uhren an mehreren spezialisierten Standorten in der Schweiz entwickelt und gefertigt werden.

Sotirio Bulgari und die Anfänge in Rom

Gegründet wurde das Unternehmen von Sotirios Voulgaris, dessen Name in Italien zu Sotirio Bulgari wurde. Der 1857 in der griechischen Region Epirus geborene Silberschmied gelangte nach mehreren Zwischenstationen nach Rom. Dort eröffnete er 1884 in der Via Sistina sein erstes Geschäft. Angeboten wurden zunächst Silberarbeiten, Schmuckstücke, Antiquitäten und kunsthandwerkliche Gegenstände.

1905 eröffnete Sotirio Bulgari gemeinsam mit seinen Söhnen Costantino und Giorgio eine größere Boutique an der Via Condotti 10. Das Geschäft gegenüber den Spanischen Treppen entwickelte sich zum Stammhaus der Marke und befindet sich bis heute an dieser Adresse.

Die Schreibweise BVLGARI mit einem „V“ anstelle des „U“ orientiert sich am klassischen lateinischen Alphabet und unterstreicht die Verbindung zu Rom. Die markanten Großbuchstaben wurden zu einem wichtigen Teil der Markenidentität und später zu einem sichtbaren Gestaltungselement zahlreicher Uhren.

Nach dem Tod des Gründers 1932 führten seine Söhne Giorgio und Costantino das Unternehmen weiter. Sie entwickelten Bulgari von einem Anbieter kunsthandwerklicher Silberwaren zu einem international bekannten Schmuckhaus. In den 1950er- und 1960er-Jahren prägten kräftige Farbkombinationen, große Cabochon-Edelsteine, Gelbgold und von der griechisch-römischen Antike inspirierte Formen den unverwechselbaren Stil.

Die Nähe zu den römischen Filmstudios Cinecittà trug wesentlich zur internationalen Bekanntheit bei. Zu den prominenten Kundinnen gehörten Elizabeth Taylor, Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Ingrid Bergman.

Die Serpenti als Schmuck- und Uhrenikone

Armbanduhren gehörten bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Angebot. Die bedeutendste frühe Bulgari-Uhr war jedoch die Bulgari Serpenti. 1948 stellte das Haus erste schlangenförmige Armbanduhren vor. Ihr flexibles Band wand sich mehrfach um das Handgelenk und endete zunächst in einem geometrisch gestalteten Uhrengehäuse.

Für viele Modelle verwendete Bulgari die Tubogas-Technik. Dabei werden lange Metallbänder so um einen Kern gewickelt, dass eine flexible Spirale entsteht. Die Konstruktion erinnert an industriell gefertigte Gasleitungen, wurde von Bulgari jedoch in ein luxuriöses Schmuckobjekt überführt.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden die Schlangenköpfe zunehmend naturalistischer gestaltet. Bei den sogenannten Serpenti Misteriosi verbirgt sich das Zifferblatt häufig unter einem aufklappbaren Kopf, der mit Email, Diamanten und farbigen Edelsteinen besetzt sein kann. Eine solche Uhr ist zugleich Zeitmesser, Goldschmiedearbeit und Schmuckstück.

Die Serpenti wurde durch Elizabeth Taylor zusätzlich bekannt. Während der Dreharbeiten zu „Cleopatra“ in Rom trug die Schauspielerin eine schlangenförmige Bulgari-Uhr. Heute gehört die Serpenti zu den wichtigsten Schmuckuhrendesigns des 20. Jahrhunderts.

Die aktuelle Kollektion umfasst verschiedene Interpretationen. Die Serpenti Tubogas bewahrt das spiralförmige Metallband. Die flachere Serpenti Seduttori besitzt ein tropfenförmiges Gehäuse und ein sechseckig gegliedertes Metallband. Die Serpenti Misteriosi führt die Tradition aufwendiger Schmuckuhren fort, während die 2025 vorgestellte Serpenti Aeterna die Schlangenform stark abstrahiert.

Bulgari verwendet in der Serpenti sowohl Quarzwerke als auch mechanische Kaliber. Für besonders kleine Schmuckuhren entwickelte die Manufaktur 2022 das Handaufzugskaliber Piccolissimo BVL 100. Das nur rund 1,3 Gramm schwere Werk zeigt, dass technische Miniaturisierung bei Bulgari nicht allein den komplizierten Octo-Modellen vorbehalten ist.

Bulgari Bulgari – das Logo wird zum Design

Einen Wendepunkt markierte die Bulgari Roma von 1975. Die digitale Golduhr wurde in einer Serie von 100 Exemplaren als Weihnachtsgeschenk an wichtige Kunden ausgegeben. Auf ihrer Lünette stand gut sichtbar „BVLGARI ROMA“. Die ungewöhnlich offensive Verwendung des Markennamens führte 1977 zur Bulgari Bulgari.

Bei ihr umschließt der doppelte Schriftzug „BVLGARI BVLGARI“ das Zifferblatt. Als Inspiration dienten antike römische Münzen, bei denen der Name des Herrschers kreisförmig um dessen Porträt angeordnet war. Das zylindrische Gehäuse erinnerte zugleich an römische Säulen.

An der Entwicklung war der Schweizer Uhrendesigner Gérald Genta beteiligt. Die Verbindung einer reduzierten runden Uhr mit einer auffälligen Markeninschrift wurde stilprägend. Was zunächst provokant wirkte, entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Bulgari-Entwürfe.

Die Bulgari Bulgari wurde über Jahrzehnte in unterschiedlichen Größen, Materialien und technischen Ausführungen gefertigt. Es gab einfache Quarz- und Automatikuhren ebenso wie Chronographen und komplizierte Modelle. Die Kollektion verkörpert die römische Seite der Marke besonders deutlich: klare Geometrie, historische Anspielungen und einen selbstbewusst eingesetzten Schriftzug.

Aufbau der Schweizer Uhrenfertigung

Der Erfolg der Bulgari Bulgari veranlasste das Unternehmen, seine Uhrenaktivitäten auszubauen. Anfang der 1980er-Jahre gründete Bulgari in Neuchâtel eine eigene Schweizer Uhrengesellschaft. Damit sollten Entwicklung, Produktion und Qualitätskontrolle stärker unter eigener Leitung erfolgen.

1988 kam die sportliche Diagono auf den Markt. Das Modell kombinierte das doppelte Bulgari-Logo mit einem sportlichen Gehäuse, Kautschuk und modernen Materialien. Spätere Varianten entstanden unter anderem aus Aluminium, Magnesium, Titan und Keramik.

1998 präsentierte Bulgari die Bulgari Aluminium. Die Kombination aus leichtem Aluminiumgehäuse, Kautschuklünette und Kautschukband unterschied sich deutlich von den damals verbreiteten Luxusuhren aus Gold oder Edelstahl. Die Uhr war sportlich, leicht und bewusst weniger formell. 2020 kehrte sie mit modernen Automatikwerken zurück.

Den entscheidenden Schritt zur Haute Horlogerie vollzog Bulgari im Jahr 2000 mit der Übernahme der Marken Gérald Genta und Daniel Roth. Gérald Genta war für ungewöhnliche Zeitanzeigen, retrograde Anzeigen, Minutenrepetitionen und Grande-Sonnerie-Uhren bekannt. Daniel Roth stand für Tourbillons, Kalender und klassische komplizierte Uhrwerke.

Bulgari erhielt dadurch Zugang zu Konstrukteuren, Uhrmachern und Kompetenzen, die sich nicht kurzfristig aufbauen lassen. Das technische Wissen beider Häuser bildete eine wichtige Grundlage für die späteren Manufakturkaliber und insbesondere für die Octo Finissimo.

Die Schweizer Uhrenfertigung verteilt sich heute im Wesentlichen auf drei Standorte. In Neuchâtel befinden sich Unternehmensleitung, Design, technische Entwicklung und Montage. In Le Sentier im Vallée de Joux entstehen Uhrwerke, Tourbillons, Minutenrepetitionen und andere komplizierte Mechanismen. Saignelégier ist auf Gehäuse und Zifferblätter spezialisiert.

Bulgari kann dadurch einen erheblichen Teil seiner Uhren selbst entwickeln und fertigen. Das Angebot reicht von Quarz- und Automatikwerken bis zu eigenen Mikrorotorkalibern, Tourbillons, ewigen Kalendern und Grande-Sonnerie-Konstruktionen.

Die Entstehung der Bulgari Octo

Die gestalterischen Wurzeln der Octo liegen bei der von Bulgari übernommenen Marke Gérald Genta. Deren achteckige Uhren verbanden geometrische Gehäuse mit komplizierten Anzeigen. Bulgari entwickelte diesen Ansatz weiter und präsentierte 2012 eine grundlegend neu gestaltete Bulgari Octo.

Das Gehäuse kombiniert Kreis und Achteck mit zahlreichen Kanten, Ebenen und abwechselnd polierten sowie satinierten Flächen. Für die moderne Gestaltung war vor allem Bulgari-Designchef Fabrizio Buonamassa Stigliani verantwortlich. Er reduzierte die ursprüngliche Form, entwickelte neue Zifferblätter und gestaltete das integrierte Metallband.

Die Architektur verweist auf Rom und die geometrischen Strukturen antiker Bauwerke. Gleichzeitig wirkt die Octo deutlich moderner und technischer als die klassische Bulgari Bulgari.

Aus dem ursprünglichen Modell entstanden mehrere Linien. Die Octo Roma besitzt weichere und rundere Formen. Die Octo Finissimo überträgt die Architektur auf extrem flache Gehäuse und Werke. Sie etablierte Bulgari innerhalb weniger Jahre als ernst zu nehmende mechanische Uhrenmanufaktur.

Octo Finissimo und ultraflache Uhrmacherei

2014 stellte Bulgari die erste Octo Finissimo Tourbillon vor. Ihr Handaufzugskaliber BVL 268 war lediglich 1,95 Millimeter hoch. Das Modell bildete den Ausgangspunkt einer Serie technischer Rekorde in der ultraflachen Uhrmacherei.

2016 folgte eine Minutenrepetition mit einem 3,12 Millimeter hohen Werk und einem nur 6,85 Millimeter flachen Titangehäuse. Aussparungen in den Stundenindizes und der Minuterie verbesserten die Klangübertragung.

Mit der Octo Finissimo Automatic von 2017 gelang der Durchbruch zu einem breiteren Publikum. Das Manufakturkaliber BVL 138 misst nur 2,23 Millimeter in der Höhe und arbeitet mit einem in die Werksebene integrierten Mikrorotor aus Platin. Das ursprünglich nur 5,15 Millimeter hohe Titangehäuse verband technische Miniaturisierung mit einem eigenständigen, monochromen Design.

Weitere Rekordmodelle waren das automatische Tourbillon von 2018, der Chronograph GMT von 2019, der Tourbillon-Chronograph von 2020 und der ewige Kalender von 2021. Beim Chronographenkaliber bewegt sich der Rotor außen um das Uhrwerk, damit die Konstruktion besonders flach bleiben kann. Der ewige Kalender verteilt mehr als 400 Bauteile auf ein nur 2,75 Millimeter hohes Werk.

2022 erreichte die Octo Finissimo Ultra eine Gesamthöhe von lediglich 1,80 Millimetern. Werk und Gehäuse wurden dabei konstruktiv zusammengeführt: Der Gehäuseboden dient zugleich als Werkplatine.

2025 stellte Bulgari die Octo Finissimo Ultra Tourbillon vor. Die gesamte Uhr ist nur 1,85 Millimeter hoch und integriert dennoch ein skelettiertes Tourbillon. Die einzelnen Rekorde blieben nicht immer dauerhaft ungebrochen, belegen aber die außergewöhnliche Entwicklungsleistung der Manufaktur.

2026 ergänzte Bulgari die Kollektion um eine Octo Finissimo mit 37 Millimetern Durchmesser. Für die kompaktere Uhr entstand ein neues Mikrorotorkaliber mit 72 Stunden Gangreserve. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt von der reinen Rekordjagd stärker auf Proportion, Alltagstauglichkeit und Tragekomfort.

Eigentümerwechsel zu LVMH

Bis ins frühe 21. Jahrhundert wurde Bulgari von den Nachfahren des Gründers kontrolliert. Paolo und Nicola Bulgari sowie ihr Neffe Francesco Trapani bauten das Unternehmen international aus und ergänzten das Angebot um Parfüms, Lederwaren, Accessoires und Hotels.

2011 vereinbarte die Familie Bulgari einen Zusammenschluss mit LVMH. Im Gegenzug für ihre Unternehmensanteile erhielt sie Aktien des französischen Luxusgüterkonzerns und wurde zu einem bedeutenden LVMH-Anteilseigner. Bulgari gehört seither zur Watches-&-Jewelry-Sparte des Konzerns.

Seit 2013 wird das Unternehmen von Jean-Christophe Babin geleitet. Der frühere TAG-Heuer-Chef trieb die internationale Expansion, den Ausbau der Produktionsstätten und die technische Positionierung der Uhrenabteilung voran.

Die wichtigsten Modelle unter den Bulgari-Uhren

Die Serpenti ist die bedeutendste Schmuckuhr der Marke. Sie verbindet Goldschmiedekunst, Edelsteinbesatz und Uhrmacherei mit einem flexiblen, häufig mehrfach um das Handgelenk gewundenen Band. Ihre wichtigsten Varianten sind Serpenti Tubogas, Serpenti Seduttori, Serpenti Misteriosi und Serpenti Aeterna.

Die Bulgari Bulgari überträgt die Form antiker römischer Münzen auf eine runde Armbanduhr. Der doppelte Markenname auf der Lünette ist nicht nur Beschriftung, sondern das zentrale Gestaltungselement.

Die Octo Finissimo steht für moderne, ultraflache Mechanik. Ihr komplexes achteckiges Gehäuse verbindet italienisch geprägte Architektur und Schweizer Manufakturtechnik. Die Familie umfasst Automatikuhren, Chronographen, Tourbillons, Minutenrepetitionen und ewige Kalender.

Die Octo Roma interpretiert die achteckige Grundform weicher und klassischer. Neben Drei-Zeiger-Uhren gehören Chronographen, Weltzeitmodelle und komplizierte Schlagwerkuhren zur Linie.

Die Bulgari Aluminium verbindet ein leichtes Metallgehäuse mit Kautschuk und einem deutlich sichtbaren Logo. Sie ist sportlicher und preislich zugänglicher als die Octo Finissimo und wird als Automatik, Chronograph und GMT-Uhr angeboten.

Die historische Diagono prägte ab 1988 die sportliche Seite der Marke und experimentierte früh mit Kautschuk, Aluminium, Magnesium, Keramik und anderen technischen Werkstoffen.

Die Lvcea ist eine klassischere runde Damenuhr. Typisch sind eine Krone mit farbigem Cabochon und häufig mit Edelsteinen verzierte Zifferblätter. Die Divas’ Dream nimmt mit ihren fächerförmigen Elementen Bezug auf die Mosaike der römischen Caracalla-Thermen.

Bulgari nimmt innerhalb der Uhrenwelt eine besondere Position ein. Das Unternehmen ist keine historische Schweizer Manufaktur im klassischen Sinn, sondern ein römisches Schmuckhaus, das sich über Jahrzehnte eine umfassende Schweizer Uhrenfertigung aufgebaut hat.

Serpenti und Bulgari Bulgari zeigen die gestalterische und schmuckhandwerkliche Herkunft. Gérald Genta und Daniel Roth brachten die Kompetenz für komplizierte Mechanik. Die Octo Finissimo vereinigte beide Seiten schließlich zu einer modernen Uhrenikone. Bulgari steht heute gleichermaßen für extravagante Schmuckuhren, italienisch geprägtes Produktdesign und technisch anspruchsvolle Schweizer Manufakturwerke.

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