Diese Cartier Uhren haben einen Illusionseffekt
Magische Mechanik: Houdini lässt grüßen

Geheimnissvolle Mechanik, mysteriöse Zweifach-Tourbillons, schwebende Zeiger: Seit über hundert Jahren erschafft Cartier illusionsreiche Uhren, die an Handwerkskunst kaum zu übertreffen sind. Ein Blick hinter den Vorhang der mechanischen Wunderwerke.

Magische Mechanik: Houdini lässt grüßen

Eine Uhr mit Houdini-Effekt: Die „Rotonde de Cartier“ mit doppeltem Tourbillon.

1904 nahm Cartier eine Kooperation mit dem am Pariser Boulevard Sébastopol angesiedelten Werkefabrikanten Prévost auf. Diese Zusammenarbeit sollte sich später als echter Glücksfall erweisen. In dessen Ateliers nämlich brachte Maurice Coüet seine Uhrmacherkunst zur Perfektion.

1885 geboren, zeichnete sich Coüet durch überragendes handwerkliches Geschick und einen unstillbaren Erfindergeist aus. Seine Ideen stützte er auf mathematische Lehrsätze, womit der Uhrmacher bei Cartier für einen echten Umbruch sorgte. Auch die mechanische Illusion hatte es ihm angetan. Dafür orientierte Coüet sich an den „Horloges mystérieuses” des 1593 geborenen Nicolas Grollier de Servières. Diese galten schon im 17. Jahrhundert als tickende Weltwunder. Auch mit früheren Exemplaren von Robert-Houdin (1805-1871) und Guilmet befasste sich der junge Uhrmacher. So konnte er seinem Arbeitgeber Cartier 1913 die erste „Pendule Mystérieuse” vorstellen.

Das Geheimnis schwebender Zeiger

Diese und auch spätere Kreationen faszinierten, denn optisch ist ihr Antrieb zunächst nicht auszumachen. So scheinen die Zeiger scheinbar im luftleeren Raum zu  rotieren. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass diese auf außen gezahnten Glasplatten befestigt sind. Die Kraftübertragung vom Uhrwerk im Gehäusesockel erfolgte durch ein spiraliges, etwa in seitlichen Säulen drehendes Achsen-System.

Begeistern ließ sich von dieser Konstruktion auch der amerikanische Bankier Pierpont Morgan junior. Als erster Käufer des „Modell A“ taucht der Amerikaner in den Cartier-Archiven auf. Neue Varianten folgten in den folgenden Jahren, darunter auch solche mit Zentralachse.

Die Zeiger scheinen im luftleeren Raum zu  rotieren. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass sie auf außen gezahnten Glasplatten befestigt sind

Wie aus Mondstrahlen gewoben

Von „Wunderwerken der Uhrmacherkunst“, berichtete die französische „Gazette des Guten Tons“ 1925 entzückt. „Unwirklich und wie aus Mondstrahlen gewoben enthüllen sie das Mysterium der Zeit“, heißt es da blumig. Doch nicht nur die Uhren selbst, auch die Preise waren exorbitant. Gerechtfertigt wurden diese durch aufwändige Fertigung und kostbare Dekors beispielsweise mit edlen Steinen. Doch eben das und dazu ihre Rarität verlockte zahlungskräftige Kundschaft aus aller Welt zum Kauf der vermutlich weniger als neunzig Exemplare, die zwischen 1913 und 1930 entstanden.

Eines dieser mechanischen Kostbarkeiten fand, wenn man den Memoiren der Herzogin von Westminster glauben darf, ein unrühmliches Ende. Die Uhr zerschellte während eines nächtlichen Ehekrachs an der Wand des Schlafzimmers.

Ein Tribut an illusionsreiche Vorgänger

2013, pünktlich zum 100.Geburtstag der mysteriösen Pendule, fand die Kunst der illusionsreichen Stunden- und Minutenindikation in der Linie „Rotonde de Cartier“ ans Handgelenk. Für diesen Anlass hatten Chef-Uhrmacherin Carole Forestier und ihr Team gleich zwei Varianten entwickelt:  Bei der einfacheren Ausführung scheinen zwei Zeiger vollkommen frei im Raum zu schweben. Ermöglicht wird das – ähnlich wie damals – durch zwei übereinander positionierte und außen verzahnte Saphirglasscheiben. Beide sind in das darum gebaute Handaufzugskaliber 9981MC mit 48 Stunden Gangautonomie integriert.

Kleinere Ehestreitigkeiten sollte die neue Uhr unbeschadet überstehen: Stöße in der Größenordnung des 500-fachen Eigengewichts und Stürze aus einem Meter Höhe können dem Uhrwerk nichts abhaben.

Uhr mit mysteriösem Zweifach-Tourbillon

Mindestens zwei Stufen darüber rangiert das Top-Modell mit dem Manufakturkaliber 9454 MC. Sein Alleinstellungsmerkmal ist der geheimnisvolle Zweifach-Tourbillon. Hier setzt sich das „fliegende“ Titan-Drehgestell in Szene. Zur Kompensation der negativen Schwerkrafteinflüsse vollzieht es pro Minute eine komplette Rotation. Der Antrieb scheint nicht mit dem fein dekorierten Handaufzugswerk verbunden zu sein.

Doch diese Armbanduhr belässt es nicht mit nur einer Illusion. Alle fünf Minuten beschreibt der Metallkäfig mit integriertem Schwing- und Hemmungssystem einen vollständigen Kreisbogen.

Alleinstellungsmerkmal des Manufakturkalibers 9454 MC ist der geheimnisvolle Zweifach-Tourbillon. Hier setzt sich das „fliegende“ Titan-Drehgestell in Szene.

Tragendes Element ist eine entspiegelte und außen verzahnte Saphirglasscheibe. Das Uhrwerk setzt sie mit Hilfe eines unsichtbar seitlich montierten Antriebsmechanismus in Bewegung. Eine Beschleunigung der transparenten Trägerplatte um den fünffachen Wert hätte das 25-fache an Energie verlangt. Wie bei Tourbillons üblich, kam es auch hier auf jedes Hundertstelgramm Gewicht an. Der dreiarmige Käfig mit den gangregelnden Komponenten ist daher 0,28 Gramm leicht. Innen oszilliert die Ringunruh mit drei Hertz. Sie vollzieht damit stündlich 21.600 Halbschwingungen. Das 35,5 Millimeter große, fünf Millimeter Uhrwerk will nach spätestens 52 Stunden manuell mit frischer Energie versorgt werden.

Die insgesamt 242 Teile umfängt ein 45 Millimeter großes Platingehäuse. Das Genfer Siegel bescheinigt dem kleinen Wunderwerk neben seiner technischen und uhrmacherischen Exzellenz auch seine Ganggenauigkeit.

Watches and Wonders

Während der Watches & Wonders 2015 präsentierte Cartier das nächste uhrmacherische Mysterium. Die klassische Ausprägung des Mechanismus mit zwei Zeiger-Scheiben findet sich in einem Gehäuse des Anfang 2015 vorgestellten Typs Clé. Dieses beseitzt eine einzigartige, an einen Schlüssel erinnernde Aufzugs- und Zeigerstellkrone.

Die Tourbillon-Version haben die Uhrmacher in dieser Ausführung mit blauem Email-Zifferblatt nur fünf Mal hergestellt. Die fünf Dreiersets inklusive „Astrocalendaire“ bietet Cartier besonders anspruchsvollen Kunden an. Der speziell gestaltete ewige Kalender besitzt neben einem fliegenden Tourbillon auch eine Kombination aus Tourbillon und Minutenrepetition.

An Uhrenfans mit kleinem Budget richtet sich die „Clé“ mit Stahl-/Gold-Gehäuse.

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