Guter Stil ist ein Mosaik aus vielen Teilen. Also stimmigen.
Bein-Kleider machen Leute!

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand der Begriff des Gesamtkunstwerks, also dem Zusammenspiel von Musik, Dichtung, Malerei und Gestaltung. Sehen sie sich selbst auch als solches. Denn erst das gekonnte Zusammenspiel von Kleidung und Accessoires macht Sie zum echten Gentleman.

Bein-Kleider machen Leute!

Letzten Freitag im Lufthansa-Flieger nach Hamburg. Die Maschine ist voll besetzt, vor allem Geschäftsmänner. Dazwischen, erkennbar an den farbigen Ausschlägen im Einheits Grau-Blau, einige Wochenendurlauber. Man hat mir dankenswerterweise einen Mittelplatz zugewiesen, aber auf einem kurzen Flug ist das keine Problem.

Ich schaffe es mein Handgepäck noch oben zu verstauen und komme mit Zeitung, iPad und einem Magazin zum Sitzen. Schon geht es los und die Maschine startet.
Den Mittelgangplatz hat ein Geschäftsmann mittleren Alters ergattert. Das Jacket aus Metzingen am seitlichen Haken, der Kugelschreiber mit dem weissen Stern in der Innentasche verstaut, das Laptop auf dem Sitztablett. Zu allem Überfluss erkenne ich an seinem Handgelenk eine Lange 1. Welch dezentes Kunstwerk von Kennerschaft und Stil: Blaues Zifferblatt, das springende Großdatum, die dezentrale Zeitanzeige. Ich möchte mich schon mit Worten der Begeisterung an meinen Nachbarn wenden, da nimmt das Grauen seinen Lauf.

Im Tippen hält er inne, lehnt sich nach hinten und schlägt ein Bein über das andere. In dem Moment rutscht das Hosenbein leicht nach oben und gibt ein 8 Zentimeter hohes Schulanfänger-Söckchen frei. Darüber strahlt in bleichem Hautton und schütterer Haarigkeit ein dünnes Männerbein. Ich kann nicht anderes und starre auf dieses Desaster. Bei alten Flipperautomaten leuchtete nach dem Wegfall der letzten Stahlkugel immer das Feld „Game Over“ auf. So ähnlich komme ich mir vor. Unser Held des Mann-Seins und der guten Marken hat es geschafft, sein Auftreten in Sekundenbruchteilen  zu pulverisieren.

Auch die beste Uhr schafft es nicht, stilistische Grausamkeiten aufzufangen. Denn die Accessoires eines Mannes sind wie eine Stahlkette: Das schwächste Glied bestimmt die Tragkraft.

5 goldene Regeln

  • Beim klassischen Anzug geht der Strumpf bis zur Wade. Im Winter wie im Sommer.
    Socken und Söckchen passen allenfalls zu japanischen Schuluniformen.
  • Zu Sportschuhen und leichten Sommerschuhen sind Socken zulässig. Mitunter auch farbigere Modelle. In dem Fall muss die Hose aber höher und enger geschnitten sein.
    Bunte Socken allein machen aus ihrem englischen Altherren-Tuch aber noch keinen Preppy-Style.
  • Halbschuhe lassen sich modisch richtig kombiniert auch ohne Strümpfe tragen. In diesem Fall sind Füsslinge zu verwenden. Diese sind unsichtbar oder enden mit dem Rand des Schuhs.
  • Natürlich können Sie leuchtend-rote, gelbe und lila Strümpfe tragen. Also wenn Sie Lapo Elkann heissen und sich täglich eine Stunde mit Ihrem Outfit beschäftigen. Falls nicht, überlassen Sie den sicheren modischen Untergang anderen.
  • Strümpfe nutzen sich unvermeidlich ab und werden fadenscheinig. Werden Sie bitte nicht zum selbsternannten Kunststopfer und vermeiden Sie, betreten beim nächsten Sicherheitscheck zur Erheiterung Ihres Umfelds beizutragen. Freuen Sie sich lieber auf ein neues Paar Gallo, Falke oder Kunert. Sie haben es verdient.
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Über den Autor

Wolfgang Winter

Uhrenkosmos Partner und Autor.

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