Interview mit dem Starmusiker
Im Gespräch: Wie Musiklegende Bryan Ferry zu seiner eigenen Moser&Cie. Armbanduhr kam

Die Nähe zur Kunst prädestinierte das Urgestein der R & B, Soul- und Popmusik quasi zur Kreation einer eigenen Armbanduhr. Die von Edouard Meylan geleitete Familien-Manufaktur H. Moser & Cie ließ sich auf das Experiment ein und fertigte 100 Stück des sehr speziellen Zeitmessers „Endeavour Small Seconds Bryan Ferry“. Auf der SIHH 2016 trafen wir den „ewigen Dandy“ zu einem persönlichen Gespräch. Ist er stolz auf sein neuestes Baby?

Im Gespräch: Wie Musiklegende Bryan Ferry zu seiner eigenen Moser&Cie. Armbanduhr kam

Brian Ferry und die Endeavour Small Seconds von Moser & Cie

Designkooperation mit einem Dandy

Brian Ferry, 70, ist nicht nur Musiker. Er ist auch Ikone für modische und persönliche Lässigkeit und gefeierter Designer.  1971 gründete er unter anderem mit Brian Eno die Art-Rock-Band Roxy Music, welche sich jedoch 1983 wieder auflöste. Zuvor hatte der Sohn eines britischen Bergarbeiters an der Newcastle University Kunst studiert. Anschließend  war er zudem als Restaurator und Lehrer tätig.

In Neuhausen bei Schaffhausen fertigte H. Moser & Cie von dem Zeitmesser mit Roségoldgehäuse insgesamt 100 Exemplare. Der Gag am Zifferblatt mit der für das frühe 20. Jahrhundert typischen roten „12“: Links und rechts von der „6“ steht nicht das übliche Swiss Made sondern der Name Bryan Ferry.

In Genf hatten wir die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit dem Künstler und Musiker.

Herr Ferry, Sie sind seit Jahrzehnten bekannt für großartige Musik. Nun haben Sie eine Armbanduhr kreiert. Wie kam’s?

Bryan Ferry: Moser und ich haben einen gemeinsamen Freund, und der brachte uns zusammen. Danach starteten zum Spaß wir ein kleines Aufwärmprojekt und das hat tatsächlich richtig Spaß gemacht.

Danach wurde es dann ernst…

Bryan Ferry: Wenn Sie das so sagen wollen, ja. Ich brachte meine Ideen zu einer Armbanduhr ein, Moser fügte die Expertise und lange Geschichte hinzu. So entstand Zug um Zug diese Armbanduhr. Will heißen, das Zifferblatt, die Zeiger und die Form des Gehäuses …

… welche ja nicht besonders groß und bedingt durch die eingebuchteten Flanken schon sehr speziell ist.

Bryan Ferry: Ich habe ja schlanke Handgelenke und dorthin sollte die Uhr passen. Dann sollte die Uhr diskret und nicht auffällig sein. Zum Dritten wolle ich einen Bezug zur Vergangenheit, welchen die Gestalt des Gehäuses zum Ausdruck bringt.

Zu Ihrer Vergangenheit?

Bryan Ferry: Zur Vergangenheit von Moser. Aber die Uhr sollte natürlich auch meinen persönlichen Geschmack widerspiegeln. So kamen unterschiedliche Aspekte zusammen.

Sind sie zufrieden mit dem, was aus der Kooperation entstanden ist?

Bryan Ferry: Ich trage die Uhr jetzt seit zwei Monaten und (lacht laut) sie gefällt mit noch immer. Somit muss es doch ganz gut gewesen sein.

Haben sie eine persönliche Beziehung zu Armbanduhren?

Bryan Ferry: Eine Sammlung habe ich nicht, aber ich besitze einige alte Rolex Uhren,  die ich sehr gut finde, mag und vor dieser eigenen Armbanduhr zu tragen pflegte.

Am Zifferblatt findet sich ja eine rote „12“, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr populär war. Was hat Sie dazu bewogen?

Bryan Ferry: Ehrlich gesagt, das kam einfach so, denn bei der Gestaltung des Zifferblatts gab es unterschiedliche Möglichkeiten. Und das Rot hat mir sehr gut gefallen.

Unten bei der „6“ steht statt Swiss Made nun ganz klein Bryan Ferry.

Bryan Ferry: Das war nicht meine Idee, sondern die von Edward Meylan. Aber dieses Detail macht mich glücklich. Ja, ich bin zufrieden.

Können Sie bitte noch ein paar Worte zum Start des Projekts verlieren?

Bryan Ferry: Es war, wenn ich mich recht entsinne, im Jahr 2014, als Edward und ich uns zum ersten Mal in England trafen. Danach gingen viele Emails mit Zeichnungen und Fotos hin und her. Ich gab mein Feedback zu dem, was man in der Schweiz machte und mir immer wieder zusandte. So entstand schrittweise diese Uhr.

Haben Sie Skizzen angefertigt?

Bryan Ferry: Nein, ich habe meinen Input verbal gegeben. Wir haben uns alte Moser Armbanduhren in früheren Katalogen angesehen und ich habe wissen lassen, was mir vorschwebte.

Weist die Uhr Bezüge zu Ihrer sehr vielseitigen Musik auf?

Bryan Ferry: Das nicht unbedingt. Aber meine Musik reflektierte verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts, also auch die 1920-er, 1930-er, 1940-er Jahre. Dieser Aspekt ist, wie Sie sehen können, aber schon ins Design der Uhr eingeflossen. Das sieht doch sehr gut aus. Das Gemeinschaftswerk ist gelungen.

Wenn Sie heute kurz zurückblicken, haben Sie ja mit Roxy Music einen ganz anderen Stil gepflegt als später in ihrer Solokarriere. War das Kalkül oder entsprang das auch Emotionen?

Bryan Ferry: Der Wechsel entspricht meinem Empfinden von Musik. Verschiedene Musikstile aus unterschiedlichen Epochen, welche natürlich auch mit der jeweiligen Zeit zusammenhingen. Musik ist immer Entwicklung. Unsere oder meine Musik brachte diese jeweilige Entwicklung immer zum Ausdruck. Meine Inspirationen kamen aus der Vergangenheit und ich habe versucht, diese mit den jeweils aktuellen Gedanken und Ideen in Einklang zu bringen.

Darf man etwas Neues von Bryan Ferry erwarten?

Bryan Ferry: Ja, wir haben Aufnahmen zum ersten Roxy Music-Album genommen, die noch niemand gehört hat, und bringen die jetzt in einer Art De Luxe-Version heraus.

Wann?

Bryan Ferry: Vermutlich im Juli 2016.

Als Vinyl-Schallplatte, die ja irgendwie mit einer mechanischen Uhr zu vergleichen ist?

Bryan Ferry (lacht): Nein, ich glaube, es wird eine CD geben. Und eine DVD dazu.

Für mich gehören Bryan Ferry, Roxy Music und Vinyl untrennbar zusammen.

Bryan Ferry: Mal sehen, vielleicht gibt es doch eine klassische Vinyl-Schalplatte.

Denken Sie als erfahrener Musiker, dass digitale Tonträger wie CDs besser sind als die gute alte Vinyl-Schallplatte?

Bryan Ferry: Oh nein, ich persönlich bevorzuge natürlich Vinyl. Da steckt viel mehr Dynamik drin. Vinyl ist wärmer, tiefer, einfach besser. Derzeit bin ich dran, meine Sammlung an Sinatra Schallplatten zusammenzufügen und in mein Haus am Land zu schaffen.

Und da hören Sie dann laut.

Bryan Ferry: Mein Sohn ist DJ. Er hat dafür gesorgt, dass ich einen guten Plattenspieler habe. Ja, am Land höre ich gerne sehr lauf Musik. Es ist ein wunderbarer Raum und ich störe niemand.

Haben Sie ihr eigenes Studio auch am Land?

Bryan Ferry: Nein, das ist in London. Zum Arbeiten fahre ich jeden Tag dorthin. Dort habe ich eine Menge Synthesizer und anderes Equipment.

Sie sind ja auch Komponist und Songwriter. Entstehen neue Lieder?

Bryan Ferry: Ja, absolut.

Ist dieses Jahr was zu erwarten?

Bryan Ferry: Nein. Es wird ein großes Buch über Roxy Music geben. Und dann remixen wir das Album meines ersten Solo-Auftritts im Jahr 1974 in der Royal Albert Hall.

Letzte Frage. Wie ging es ihnen, als Sie vom Tod Ihres Musikerkollegen David Bowie hörten. Sie sind ja fast im gleichen Alter gewesen.

Bryan Ferry: Es stimmte mich sehr, sehr traurig. Wir kannten uns über eine lange Zeit hinweg. Aber so ist hat das Leben. Zu ihm gehört irgendwann auch der Tod.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden

Illus

Beliebteste

ABONNIEREN SIE JETZT UNSEREN NEWSLETTER

Aktuelle Glossarbeiträge